— Creative Morning —
Martina Flor: “Leave your comfort zone!”
Hier nun das Video von Martina Flors Vortrag vom vergangenen Creative Morning Berlin. Bitte entschuldigt die schwache Tonqualität in den ersten 9,5 Minuten. Alle weiteren 16 Videos der bisher veranstalteten Creative Mornings in Berlin findet ihr übrigens auf dieser Site.
Berliner, nicht vergessen: Heute Abend eröffnet Martina mit Giuseppe Salerno die gemeinsame Ausstellung Lettering vs Calligraphy bei Mota Italic, (Prenzlauer Berg).

Die Folien vom heutigen Creative Morning

Weil unser Beamer heute Morgen die Farbe Weiß mit einem sympathischen Rosa verwechselte, hier – wie versprochen – die Folien zu Martina Flors Frügstücksvorlesung als PDF zum Download.
Für alle, die nicht dabei waren, beim 17. Berliner Creative Morning: Martina widmete sich dem Februar-Thema Money auf ihre ganz eigene, grafisch schlüssige Art. Als Lettering-Artist verzauberte sie das Publikum im Orangelab mit geschriebenen Weisheiten aus ihrem noch kurzen Berufsleben. Die wichtigste Botschaft in ihrem Referat lautete »Verlass’ deine Komfortzone, zeige anderen Menschen deine Arbeit!« Zu diesem Zweck hat sie mit ihrem Berufskollegen Giuseppe Salerno das international viel beachtete tägliche Typografie-Duell Lettering versus Calligraphy ins Leben gerufen. Hierzu werden übrigen Martina und Giuseppe am nächsten Freitag eine Ausstellung bei Mota Italic eröffnen (Vernissage: 28. Februar, 19:00 Uhr).
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die gestern neu erschienene Schrift Supernova, an der Martina Flor seit 3 Jahren gearbeitet hat. Es war die Abschlussarbeit ihres Type-Design-Aufbaustudiums in Den Haag. Als erste Script-Schritfamilie bietet Supernova optischen Größen und einen eigenen passenden Zeichensatz mit Blockbuchstaben für Lesetexte. Die Folien geben – auch ohne das gesprochene Wort – einen wunderbaren Einblick in die Möglichkeiten der neuen Schrift.

Wer Martina und Giuseppe bei ihrem Duell erstmals live on stage erleben möchte, darf die TYPO Berlin 2013 nicht verpassen (Achtung: nur noch wenige Tage Early-Bird-Tickets mit 100 € Preisvorteil bis 28. Februar).

Die Protagonisten des Typografie-Duells »Lettering vs. Calligraphy«: Martina Flor und Giuseppe Salerno, rechts Creative-Morning-Berlin-Gastgeber Jürgen Siebert (Foto: Nadine Roßa via Instagram)

Hey, alter Kumpel, Du hast dir den Ruhestand echt verdient … (Foto: Jens Tenhaeff via flickr)
Serge Rompza (NODE): »Happy Days … and more«
Unser Gast auf der Creative-Morning-Bühne im Orangelab am vergangenen Freitag war Serge Rompza, Mitbegründer des norwegisch-deutschen Designbüros NODE, mit Sitz in Oslo und Berlin. In seiner 25-minütigen Präsentation zum Januar-Thema Happiness fasste er die amüsanteren Meilensteine seiner noch jungen Kreativlaufbahn zusammen.
Vor genau 10 Jahren gründete er mit seinem Partner Anders Hofgaard in Berlin das Büro NODE. Beide studierten zuvor in Amsterdam an der Gerrit Rietveld Akademie. Dort lernten sie auch, mit wenig Geld und guten Ideen überzeugende visuelle Eindrücke zu hinterlassen. Zum Beispiel fotografierten sie sich für eine Selbstdarstellung – in Ermangelung repräsentativer Büro- und Wohnräume – einfach gut gelaunt in verschiedenen IKEA-Showrooms. Eine inszenierte Demo mit Kommilitonen gegen nichts (die Transparente und Spruchbänder waren schlicht weiß und leer) brachte sie sogar ins Fernsehen.
Heute ist NODE unter anderem für das neue Erscheinungsbild des Haus der Kulturen der Welt verantwortlich, das sie gerade entwickeln. Welche Gedanken sie sich für dieses Projekt machen und warum das HKW-Logo ziemlich hässlich aussieht, aber genau so gewollt ist, das verrät Serge Rompza im oben eingebetteten Video.
Harry Keller: “Welcome to the era of excellence.”
Harry Keller’s issue: How the roles as designers and coders (and project managers, and …) are changing and must change further in the near future. As a case he referred to the website EdenSpiekermann designed for Ableton, which became one of the top 25 responsive sites of 2012 (see Netmagazine article). The design team started with HTML prototypes right away (no static mock-ups). Harry describes EdenSpiekermann iterative team work and how this can be much more efficient than traditional ways of working for clients. Read more in EdenSpiekermann’s blog entry: Espi on stage …
Was geschah auf dem 15. Creative Morning

Der Designer und Entwickler Harry Keller von EdenSpiekermann demonstrierte heute morgen im Orangelab überzeugend, wie sich in den kommenden Monaten die Rolle der Mediengestalter verändern wird (oder sollte). Sein Fallbeispiel war das Redesign der Abelton-Website, die nicht mir statischen Mock-ups begann sondern mit einem komplett funktionsfähigen HTML-Gerüst, das iterativ weiterentwickelt wurde. Der komplette Vortrag demnächst als Film auf Vimeo, hier schon mal ein kleiner Anreißer:
Edenspiekermann has been doing responsive webdesign since 2010, but in 2012 they brought it to a whole new level when they worked closely together with Ableton to revamp their website. The result is an immersive, fully responsive page that utilizes media queries and a fluid grid to showcase the Ableton products and their online shop in the best way possible, regardless of device, screen size or operating system.
It launched in October and was widely praised to contain “some of the most original & well thought out responsive design […] to date”. This notion was recently underlined by .net magazine when they talked to industry leaders and compiled the top 25 responsive sites of 2012. Harry Keller: “There are lots of fantastic entries and we are very proud that Ableton.com is included. Take a look at the whole list or at the Ableton website here.”
Weitere Fotos von heute morgen …
So war’s: Creative Morning mit Erik Spiekermann
Kleine Diashow (16 Fotos) vom heutigen Creative Morning Berlin im Orangelab:
12. Creative Morning Berlin: Jetzt ansehen
“What is home?” Der wunderbare Vortrag von Van Bo Le_Mentzel vom vergangenen Freitag über die ideale Wohnfläche (laut Ikea), minimale Wohnflächen (konzipiert von internationalen Architekten) und das Wohnen im freien Raum.
Creative Morning Berlin #12: Van Bo Le-Mentzel from CreativeMornings/Berlin on Vimeo.
So war’s heute beim 12. Creative Morning
Ein paar Fotos vom 12. Berliner Creative Morning, heute morgen im Orangelab am Ernst-Reuter-Platz:

Creative-Morning-Sprecher Van Bo Le-Mentzel (links) und Gastgeber Jürgen Siebert stellten das 1-Quadratmeter-Haus vor
Weitere Bilder in der Diashow auf Flickr:
Live-Demo … so funktioniert das 1-SQM-Haus:

Full House im Orangelab:

Bald online: Das Video von Le-Mentzels Vortrag auf dem 12. Creative Morning Berlin:

Keine Ruhe! Häuser, Boote, Creative Morning.

Heute vor zwanzig Jahren griff ein aufgebrachter Mob in Rostock-Lichtenhagen die Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim mit Vietnamesen an, das »Sonnenblumenhaus« (Abb. oben, Quelle: Wikipedia). Die Ausschreitungen dauerten mehrere Nächte. Am 24. August 1992 setzten die Randalierer den Plattenbau, in dem sich 100 Flüchtlinge und ein Fernsehteam des ZDF aufhielten, mit einem Molotowcocktail in Brand. Tausend Schaulustige applaudierten. Die Polizei zog sich zeitweise völlig zurück. Die im brennenden Haus Eingeschlossenen waren schutzlos sich selbst überlassen. Heute will die Stadt an die Geschehnisse erinnern. Viele Anwohner wollen nur eines, ihre Ruhe.
Am kommenden Freitag lernen die Besucher des Creative Morning Berlin den Designer Le van Bo kennen. Le van … wer? Klingt irgendwie vietnamesisch. Ist es nicht. Van Bo stammt aus Laos, wo er 1977 geboren wurde. Sein Vater ist chinesischer Herkunft, was der Familienname Le verrät, der eigentlich »Li« ausgesprochen wird.
Nach dem Ende des Vietnamkrieges 1975 übernahmen kommunistisch geprägte Kräfte die Macht in Laos und proklamierten eine Demokratische Volksrepublik. Durch politische und wirtschaftliche Repressionen blieb das Land unsicher und instabil. Etwa zehn Prozent der Bevölkerung verließen Laos Richtung Thailand, USA, Australien und Europa, darunter die Familie Le.
Der Vater und seine Freunde, alle Piloten, planten Laos über den Luftweg zu verlassen. Da dies nicht ungefährlich war und niemand wusste, ob man es sicher schaffen würde, machten sich alle Beteiligten mit einer Abmachung Mut: Wer es aus Laos raus schafft, muss seinen Kindern den Namen des Flugzeugs geben, mit dem die Flucht gelang.
Van Bo heißt eigentlich Jumbo Jet, sein Bruder bekam den Namen Boeing. Als die Familie 1979 in Berlin Wedding ankam, schafften es die originellen Namen jedoch nicht in die Einreisepapiere. Aus Jumbo Jet wurde das holländisch klingende »van Bo«, was dem Namen sogar einen adeligen Touch gab. Weil Van Bo vor einigen Wochen geheiratet hat, lautet sein Name inzwischen Van Bo Le-Mentzel, also aufgeschlüsselt Vorname: Van Bo, Nachname: Le-Mentzel.

Le-Metzel kam zu einer Zeit nach Deutschland, als die Stimmung gegenüber Asylsuchenden ausgesprochen positiv war. Unser Land nahm unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit die so genannten Boat-People auf: Flüchtlinge aus Vietnam, Laos und Kambodscha, die dem Grauen des Vietnamkrieges und seiner Folgen entgehen wollten. Ihre Aufnahme und Integration erfolgte auf der Grundlage neu geschaffener Rahmenbedingungen, die von der Bundesregierung 1979 als »Programm zur sozialen Beratung und Betreuung ausländischer Flüchtlinge« verabschiedet wurden.
Die Immigranten erhielten von Anfang an eine Perspektive für ein sicheres, menschenwürdiges Leben in Deutschland. Sie genossen eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, hatten Zugang zu Schule, Bildung und Arbeitsmarkt und konnten alle Fördermöglichkeiten wie zum Beispiel Stipendien in Anspruch nehmen. Staatliche Mittel, aufgeschlossene Verwaltungen, Wohlfahrtsverbände und Kirchen sorgten für das positive Umfeld der Integration.

Bronzetafel in Hamburg mit einer Danksagung der vietnamesischen Flüchtlinge an das Komitee Cap Anamur (Quelle Wikipedia)
Der deutsche Journalist Rupert Neudeck gründete mit Gleichgesinnten das Hilfskomitee »Cap Anamur – Deutsche Not-Ärzte e.V.«. Sie charterten den Frachter Cap Anamur und bauten ihn zu einem Hospitalschiff um. In ganz Deutschland wurde dafür gespendet. Mit einem Team aus freiwilligen Technikern, Logistikern, Ärzten und Pflegern an Bord erreichte das Schiff im August 1979 das Südchinesische Meer. In drei Jahren konnten über 9500 Bootsflüchtlinge gerettet werden. Doch bald entspann sich ein (partei)politisches Tauziehen um die Aufnahme von Flüchtlingen in der Bundesrepublik. Im Juli 1982 beschloss die deutsche Regierung einen Aufnahmestopp. Heute gedenken wir brennender Asylbewohnerheime und machen uns Sorgen über die latente Fremdenfeindlichkeit im Land.
Ist es nicht absurd, dass uns nun einer dieser Flüchtlinge mit einem Design-Projekt an die soziale Kälte erinnert, die in den letzten 20 Jahren über dieses Land gezogen ist? Van Bo Le-Mentzel nennt sein Projekt (ironisch) Hartz-IV-Möbel (»Konstruieren statt konsumieren«) … sie könnten auch Ikea-Nein-Danke- oder DIY-2.0-Möbel heißen. Es geht schlicht um Gegenstände zum Selberbauen, aus denkbar günstigsten Rohstoffen. Die Pläne dafür sind frei und können von der Community weiter entwickelt werden. Der angesehene Buchverlag Hatje-Cantz hat den Wirbel im Netz verfolgt und Le-Mentzel sofort für ein Buch verpflichtet, das gerade erschienen ist (Look Inside).
Auf dem Creative Morning am kommenden Freitag im Orangelab (es gibt noch einige Tickets) wird der Architekt und Designer sein 1-qm-Haus vorstellen, das selbst anwesend sein wird. Wir werden erfahren, wie es funktioniert und wie man es nachbaut. Hier ein kleiner Vorgeschmack aus einem CNN-Beitrag über das 1-SQM-Haus von Van Bo Le-Mentzel:



