— Aktuell —


Loblied auf Stefan Kiefer

Vor vier Monaten startete ich hier im Fontblog die Initiative leidenschaftliche Typografie!. Viele Leser schlossen sich meinem Verlangen an und begrüßten in den Wochen darauf die Anregungen zur Weiterbildung (Gute Typografie, jetzt!).

Der Kampf geht weiter, liebe Freunde, auch 2012. Vergangene Woche wurde von einigen Mitstreitern auf Twitter bereits der Briefwechsel zwischen dem Bundespräsidenten Christian Wulff und den BILD-Chefredakteur Kai Diekmann typografische unter die Lupe genommen:

Nun, es ist keine Neuigkeit, dass im anwaltlichen Schriftverkehr, selbst wenn es möglich wäre (Fax, Brief, Abbildung für die eigene Homepage, …), die Wahl der Schrift dem Zufall überlassen bleibt. Warum soll auch eine schriftliche Mitteilung des Bundespräsidenten so aussehen, als käme sie aus dem Bundespräsidialamt, wenn seit Wochen bereits das gesprochene Wort längst nicht mehr mit dem Amt in Einklang zu bringen ist. Dass es auch anders geht, macht der SPIEGEL vor … weil er es kann und weil er weiß, das sich gute Gestaltung am Kiosk auch gut verkauft.  

Wer ist jetzt Stefan Kiefer? Er ist als Ressortleiter beim SPIEGEL für die Gestaltung der Titelseite verantwortlich, gelernter Illustrator und seit 15 Jahren in Hamburg im Amt. Meistens entstehen die Ideen zur Gestaltung des Covers erst Mitte der Woche, wenn eines von mehreren Titelthemen seine Reife entwickelt hat. Für Kiefer und sein Team bleibt gewöhnlich nur wenig Zeit, einen Entwurf zur Vollendung zu bringen. Trotzdem hindert es die Redaktion nicht daran, alle Elemente des kommenden SPIEGEL-Titels mit Bedacht und Raffinesse zu planen. Auch die einzusetzende Schrift. Am vergangenen Freitag war eine präsidiale Typografie gefragt, denn das Titelthema 02/2012 sollte der Bundespräsident werden, dessen Ansehen im Verlauf der Woche gegen Null sank. Für die Zeile »In Amt und Würden« griff die SPIEGEL-Redaktion zur würdevollen Amalia, entworfen von Nikola Djurek und herausgegeben von OurType. Eine gute Wahl, wie man heute am Zeitungsstand sehen kann (Abb oben).

Wie Stefan Kiefer und sein Team arbeiten, zeigt das folgende Video des SPIEGEL:

Erik Spiekermann stellt sein Idealbüro vor

Für den Arte-Creative-Kanal From Sketch hat der Berliner Designer (und FontShop-Gründer) Erik Spiekermann sein Konzept eines idealen, kommunikativen Büros aufgezeichnet. Es ist rund und ein »Büro der Begegnung«. Hier unten ist das 8-Minuten-Filmchen eingebettet (Flash), eine HD-Version lässt sich bei Arte aufrufen.

Heute neu: Tweets einbetten

Twitter hat soeben bekannt gegeben, dass man jetzt Tweets in Blogbeiträgen und anderswo einbauen kann – mit allen Links und verknüpften Dateien. Das sieht dann so aus:

Prima. Und damit habe ich nicht nur die News des heutigen Tages bekannt gegeben, sondern auch schon die von morgen.

100 Beste Plakate: neues Auswahlverfahren


Mit einer grundlegenden Neuerung startet der Wettbewerb um herausragende Leistungen des Plakat-Designs im deutschsprachigen Raum in seine nächste Runde. Innerhalb des Registrierungs-Zeitraums 1. 1. – 30. 1. 2012 erfolgt der Upload von Abbildungen der Plakate unter  www.100-beste-plakate.de. Anschließend werden durch die Jury jene Plakate vorausgewählt, die dann in gedruckter Form für die Jurysitzung einzusenden sind.

»Die Änderungen im Reglement tragen der Vielzahl der Einreichungen und der Absicht Rechnung, im zweistufigen Auswahlverfahren eine intensivere Beurteilung der eingereichten Motive zu gewährleisten«, so Prof. Stephan Bundi (CH Boll bei Bern), Präsident des 100 Beste Plakate e. V.

Erneut sind Plakatgestalter, Auftraggeber und Druckereien aus den drei Ländern aufgerufen, Plakate aller Genres und Gestaltungsmittel einzureichen, die im Jahr 2011 gedruckt und veröffentlicht worden sind.
Der Wettbewerb um die 100 besten Plakate, begründet Mitte der 60er Jahre in der DDR und zwischen 1990 und 2000 in der Bundesrepublik ausgeschrieben, wurde mit dem Jahrgang 2001 zum internationalen Leistungsvergleich erweitert. Seit letztem Jahr werden die Ergebnisse in drei Kategorien (Auftragsarbeiten, Eigenwerbung, studentische Projektaufträge) ausgewiesen.

17. Liza Pro Complete OT 150,00 € 99,00 €

Nicht jeder beherrscht die Kunst des Letterings, eine Disziplin, die im US-amerikanischen Design weiter verbreitet ist als in unseren Breitengraden. Fast jeder weiß hierzulande, was einen Kalligraphen auszeichnet, aber was macht ein Letterer? Dabei ist diese Disziplin so alt wie der Rund- und der Flachpinsel, mit denen das Lettering praktiziert wird. Schriftenmaler findet man eher am Schaufenster eines Tante-Emma-Ladens als in einem Designbüro. Um so erfreulicher, dass die OpenType-Technik fast jeden Designer zum Lettering-Künstler macht – ohne den Arbeitsplatz mit Pinseln, Farben, Papieren und Abdeckfolie ausstatten zu müssen.

Eine der raffiniertesten Beispiele ist die hier gezeigte Schrift Liza Pro von Underware. Die Animation macht deutlich, wie sich Buchstaben beim Tippen verändern, so dass sie harmonisch zusammenspielen. Auf diese Art entsteht am Computerbildschirm ein authentisches Lettering. Weitere ausführliche Informationen über die lebendige Liza in diesem PDF. Bis zum 24. Dezember gibt es Liza Pro auf fontshop.com für nur 99 statt 150 €. Um in den Genuss dieses Angebots zu kommen, einfach beim Bezahlen diesen Promo-Code eingeben: FS_Advent_17_12

Der neue FontFont-Release 58 im Überblick

Aus Zeitgründen der schnellste Überblick zum gestrigen Release 58 von FontFont: eine Seite, alle Neuheiten. Demnächst mehr …

Hans Reichel 1949 – 2011 [Update]

[Update: Lesen Sie auch den ausführlichen Nachruf von Yves Peters im Fontfeed (engl)]

Der Wuppertaler Musiker und Designer Hans Reichel ist am vergangenen Dienstag plötzlich und unerwartet in seinem Atelier verstorben. Typografen kennen ihn als Schöpfer der weltweit erfolgreichen Schriftfamilien FF Dax und Barmeno, sowie von FF Daxline, FF Sari, FF Schmalhans und FF Routes. Er war Sprecher auf den TYPO-Konferenzen 2007 (Music) und 2004 (Schrift). Reichel erhielt 1998 den Kunstpreis der Stadtsparkasse Wuppertal.

Hans Reichel erfreute das TYPO-Publikum mit wunderbaren Anekdoten, deren Wahrheitsgehalt oft im Unklaren blieb. Eine seiner Geschichten handelt von einer Freundin namens Sari, einer Japanerin, die ihm dabei half, sein Daxophon (siehe unten) im japanischen Fernsehen zu präsentieren. Die Beziehung scheiterte, so Reichel, als er aus Dankbarkeit eine Schrift nach ihr benannte. »Das fand sie wohl nicht so gut: Sari mager, halbfett, fett.« Plötzlich scheint ein Schaf aus dem Dunkel der Bühne zu blöken. Nach einem kurzen Moment der Verwirrung war klar: Reichels Handy klingelte. Er ging ran, hörte sich die Begrüßung an und antwortete knapp: »Ich ruf’ dich gleich zurück.« Gelächter im Saal … wie so oft während seiner Vorträge.

Reichels künstlerische Karriere begann als Musiker und Instrumentenbauer. Anfang der siebziger Jahre erschienen seine ersten Soloaufnahmen für Gitarre, wobei er schon damals unkonventionelle, noch nicht gehörte Spieltechniken praktizierte. Durch sein Talent auf dem Gebiet der Klangforschung, gepaart mit seiner musikalischen Experimentierfreude, veröffentlichte Reichel immer wieder überraschende Tonaufnahmen. Die Konstruktion und Funktionsweise seiner Instrumente wurden in amerikanischen, japanischen und europäischen Fachzeitschriften ausführlich gewürdigt.

Anfang der 1980er Jahre erfand Reichel ein völlig neues Streichinstrument, das Daxophon, das er regelmäßig spielte und für das er eigens Musikstücke komponierte, die auf CD erschienen. Das Instrument besteht aus einem kleinen Holzblock, an dem sich hölzerne Zungen befestigen lassen, deren Bauart die Klangfarbe und Tonhöhe bestimmen; gespielt wird das Daxophon mit einem Geigenbogen, wobei lautmalerische Gesänge entstehen. Für das Kronos-Quartet schrieb Reichel das Daxophon-Stück »Namakemono«, das er erstmals 1997 mit den vier Musikern aufführte. Konzert-Tourneen führten Reichel in über 40 Länder in Nordamerika, Europa und Südostasien. In Japan ließ er sich für längere Zeit nieder.

Weblinks: Hans Reichels Website www.daxo.de, Video seines TYPO-Auftritts am 14. Mai 2004, das Spiegel-Online-Interview mit Hans Reichel, sein Daxophon-Album Lower Lurum auf iTunes und sein letztes Album Self Made (gemeinsam mit Ganesh Anandan) auf iTunes.

Foto: Marc Eckardt

MfG-Award Reloaded: Preisverleihung am 8. 12.

›Hoppla‹, dachte ich heute Morgen, als ich eine Einladung zur Teilnahme an der Preisverleihung des 20. MfG-Wettbewerbs erhielt, die am 8. Dezember in Heidelberg stattfinden wird, ›da weht ja auf einmal ein ganz anderer Wind.‹ Der Bundesverband Druck und Medien (bvdm) hat seinem Designwettbewerb eine neue Website geschenkt. Und auf dieser ist auch zu lesen: »(Sie) entstand auf Initiative von Thilo von Debschitz, der in diesem Jahr zum Juryvorsitzenden des MfG-Award gewählt wurde«. Ich gratuliere nicht nur zum neuen Amt, sondern auch zur ersten sichtbaren Amtshandlung. Ich bin ganz sicher, das MfG-Award durch den neue professionelle Auftritt an Ansehen gewinnen wird.

Am 20. Oktober tagte die Jury, um die besten Wettbewerbseinsendungen des Jahres 2011 in den Kategorien »Geschäftspapiere«, »Formulare« sowie »Eigenwerbung von Druckereien« auszuwählen. Die 23 Finalisten sind auf dieser Galerieseite zu sehen. In der Kategorie Geschäftspapiere entschied sich die Jury für einen 1. Preis, zwei 2. Preise und einen 3. Preis für Profis sowie einen mit 500 Euro dotierten Förderpreis und eine Anerkennung für Designstudenten. In der Kategorie Formulare wurden zwei gedruckte Formulare und ein PDF-Formular für preiswürdig befunden. In der Kategorie Eigenwerbung von Druckereien wurden ein 1. und ein 2. Preis sowie zwei 3. Preise vergeben.

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, dem 8. Dezember 2011, um 18 Uhr in der Print Media Academy in Heidelberg statt. Außerdem können sich die Besucher auf zwei spannende Vorträge freuen: der Berliner Designer Alessio Leonardi stellt die Frage »Wer braucht heute noch Briefbögen?«, und Jean Jacques Schaffner, Designer aus Basel und Mitglied der Jury, blickt in seinem Vortrag »Wie gewinnt man beim MfG-Award?« auf bemerkenswerte Arbeiten aus zwanzig Wettbewerbsjahren zurück. Der Eintritt ist frei. Hier geht es zur Anmeldung …

Walter-Tiemann-Preis für Buchgestaltung

Zum elften Mal schreibt der Verein zur Förderung von Grafik und Buchkunst e.V. den internationalen Walter-Tiemann-Preis aus. Mit dem auf 5000 € dotierten Preis werden künstlerisch gestaltete Werke ausgezeichnet, die in der Regel als Buch produziert wurden und in limitierten Auflagen erschienen sind. Zugelassen sind ausschließlich typografisch bearbeitete Texte. Illustrationen können in sämtlichen grafischen Techniken ausgeführt sein. Innovative Gestaltungsideen, die in inhaltlichem Bezug zum Text stehen, sind ausdrücklich erwünscht.

Noch bis zum 30. November 2011 (Eingang in Leipzig) sind Bewerbungen möglich. Bewerberinnen und Bewerber dürfen bis zu drei Titel einreichen, die nicht vor dem 1. Januar 2010 erschienen sind. Reihen gelten dabei als ein Titel. Die Teilnahmegebühr beträgt 50 Euro pro Person, Studentinnen und Studenten zahlen die Hälfte.

Den Walter-Tiemann-Preis 2010 erhielt David Bennewith (geb. 1977) für sein Buch über den neuseeländischen Schriftgestalter Joseph Churchward

Der Förderpreis in Höhe von 1500 Euro ist Bewerbern unter 36 Jahren vorbehalten; beim letzten Wettbewerb ging er an Jakob Kirch (geb. 1980) für das Buch »Platz ist wo’s hinkommt«

Die Preisträger werden durch eine unabhängige Fachjury ermittelt. Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2012 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst statt. Dort werden die prämierten Arbeiten und die Shortlist-Titel auch ausgestellt. Mehr Informationen oder gleich das Anmeldeformular (PDF) laden …

Willkommen 2012: die kostenlose Erler Dingbats

Hausputz unter den Betriebssystem-Fonts … Nachdem in der vergangenen Woche die millionenfach verbreiteten Verdana und Georgia eine Aktualisierung erfahren haben, gibt es heute gute Nachrichten auf dem Gebiet der Symbol-Fonts: FSI FontShop International leistet einen Beitrag zur Aktualisierung der Bildersprache und stellt ab heute den TrueType-Font Erler Dingbats kostenlos allen Computerschreibern zur Verfügung.

Erler Dingbats ist eine zeitgemäße Symbol-Sammlung, auf die Texter und Social-Media-Tipper seit Jahren gewartet haben, mit moderner Ästhetik und einer gemeinsamen Formensprache. Auch technisch ist der Font auf dem neusten Stand, denn er folgt dem Unicode-Standard-Block Dingbats (Positionen U+2700 bis U+27BF), der »symbolhafte und dekorative Glyphen in Anlehnung an die Gestaltungen von Hermann Zapfs Schrift ITC Zapf Dingbats« definiert (Quelle: Wikipedia). Erler Dingbats kam bereits für das Buch Decodeunicode – Die Schriftzeichen der Welt zum Einsatz (Bergerhausen/Poarangen, Seite 444 und 445), weil es der erste Dingbats-Font ist, der die Unicode-Anforderungen zu 100 % erfüllt. Und um diesen Standard weiter zu stärken, hat sich FSI dazu entschlossen, Erler Dingbats kostenlos für alle Nutzungsarten (privat, kommerziell, Betriebssysteme) frei zu geben.

Genau 191 Symbole bilden den Zeichenvorrat von Erler Dingbats. Die meisten davon sind wertvolle Bausteine für die schnelle visuelle Kommunikation, zum Beispiel Pfeile, Checkboxen, Kreuze und Häkchen, symbolische Satzzeichen, Schreibgeräte sowie drei Ziffernsätze auf runden Flächen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingbats-Sammlungen folgen die Erler Dingbats einem gemeinsamen grafischen Stil und sind zeitgemäß gestaltet. Kein Wunder, denn Erler Dingbats wurde aus dem 800 Zeichen umfassenden FF-Dingbats-2.0-Vorrat entwickelt (erschienen 2009), wobei allerdings über 80 Zeichen neu entworfen und alle bereits vorliegenden grafisch überarbeitet werden mussten.

Die Benutzung von Symbolen in der Kommunikation hat in den letzten Jahren wieder zugenommen, seitdem Browser, Smart-Phones, Social-Media-Apps und Messenger-Programme (z. B. iMessage für iOS) den Unicode-Standard unterstützen. »Seit langem ärgern wir uns beim Twittern und Facebooken darüber, dass die angebotenen Symbole entweder zu filigran sind, oder zu klein, oder einfach nur altmodisch.« sagen die Entwerfer der neuen Dingbats, Johannes Erler und Henning Skibbe gegenüber Fontblog. »Also haben wir uns  einen eigenen Symbol-Zeichensatz gebaut, den wir seit längerem benutzen. Und weil uns schon mehrere Freunde gefragt haben, ob sie den Font haben können, haben wir gemeinsam mit den Font-Technikern von FontFont die Erler Dingbats gebaut, um sie ganz schnell ganz weit zu verbreiten.« Dies geht am besten, indem man sie verschenkt, so dass bald Millionen Anwender weltweit in den Genuss zeitgemäßer Symbole kommen.

Mehr Informationen, eine Broschüre zum Downloaden und den TrueType-Font Erler Dingbats auf www.dingbatsfont.com

Fragen und Antworten

Frage: Was bedeutet der Name »Erler Dingbats«?
Antwort: Die erste Hälfte des Namens ist ein Tribut an den Entwerfer, Johannes Erler. Dingbats ist eine seit Jahrzehnten geläufige englische Onomatopoesie (Lautmalerei), wobei dingbat = printer’s ornament, den Zierrat des Druckers umschreibt.

F: Warum heißt die Schrift nicht FF Erler Dingbats, es ist doch ein FontFont.
A: Sie stammt zwar aus dem FontFont-Stall, verzichtet aber die Markenbezeichnung, weil sie – als free font – den Unicode-Gedanken und die Unicode-Qualität fördern soll.

F: Hat Johannes Erler die neue Dingbats alleine entworfen?
A: Nein, sie entstand mit seinem Partner Henning Skibbe, wobei Johannes Erler die künstlerische Leitung hatte. Erler gründete 1993 das Hamburger Designbüro Factor Design, das er im letzten Jahr verließ, um neue Herausforderungen anzunehmen. Sein Hauptinteresse gilt dem Corporate und dem Editorial Design. Am 1. Januar 2012 wird er Art-Director des Wochenmagazins stern. Henning Skibbe studierte von 2002 bis 2007 an der FH Potsdam, wo er die Typedesign-Kurse von Luc(as) de Groot besuchte. Seine Schrift Haptic gewann 2009 ein Certificate of Excellence in Type Design beim Type-Directors-Club-Wettbewerb.

F: Was genau definiert der Unicode-Block Dingbats?
A: Der Unicode-Block Dingbats (2700–27BF) enthält eine Sammlung symbolhafter und dekorativer Glyphen in Anlehnung an die Gestaltungen von Hermann Zapfs Schrift ITC Zapf Dingbats, die einen industriellen Standard darstellt. Er besteht hauptsächlich aus Pfeilen, ornamentaler Interpunktion und Klammern, eingekreisten Ziffern, Kreuzen, Sternen sowie vermischten Zeichen und Symbolen aller möglichen Themen.

F: Was unterscheidet Erler Dingbats von anderen OS-Dingbats-Fonts?
A: Abgesehen von ihrer 100-%-Unicode-Kompatibilität ist Erler Dingbats vollständig, zeitgemäß entworfen und die enthaltenen Glyphen folgen einer gemeinsamen grafischen Sprache (Strichstärke, Grauwert, Rundungen, Detailtreue, Zeichenbreite, usw.).

F: Kann ich in auf meinem Rechner die Standard Dingbats gegen Erler Dingbats austauschen?
A: Im Prinzip ja, das heißt aber nicht, dass Ihr Betriebssystem Erler Dingbats als Standard akzeptiert. Die OS-Fonts (Mac und Windows) sind von Seiten des Betriebssystems meist »fix verdrahtet«. Das heißt zum Beispiel: Wenn Sie die schreibende Hand aus Erler Dingbats tippen, bei deinstallierter Standard-Dingbats, kommt möglicherweise das passende Unicode-Zeichen U+270D für Writing Hand aus einem vordefinierten OS-Ersatz-Font, zum Beispiel der Arial Unicode, wo es ebenfalls enthalten ist.

F: Wenn Erler Dingbats ein Free Font ist, kann ich sie dann weiter geben oder in einer Free-Font-Kollektion selbst zum Download anbieten.
A: Nein. Bitte verweisen Sie auf die offizielle Download-Quelle www.dingbatsfont.com. Im Falle eines Updates oder eines Rückrufs sollen neue Daten sofort und unter der bekannten Adresse bereit stehen.

F: Warum enthält Erler Dingbats keine zeitgemäßen Symbole wie Handy, WiFi oder Digitalkamera?
A: Da sich Erler Dingbats 100 % am Unicode-Standard orientiert, ist für ergänzende Zeichen kein Spielraum.

F: Welche Zeichen sind in Erler Dingbats enthalten, die in Zapf Dingbats fehlen?
A: Es sind die in den obigen Abbildungen hellgrün dargestellten Zeichen, unter anderem die Glyphen Faust, flache Hand, Funkeln, weißes Ausrufe- und Fragezeichen, einzelne Schleife, doppelte Schleife. Eine detaillierte Übersicht liefert das rechts abgebildete Schriftmuster Erler_vs_Standard.pdf.

F: Warum sieht das Malteserkreuz in Erler Dingbats anders aus als in Zapf Dingbats?
A: Statt des nach Unicode auf der Position U+2720 vorgeschriebenen Malteserkreuzes enthält Zapf Dingbats ein Tatzenkreuz oder Eisernes Kreuz. Erler Dingbats folgt an dieser Stelle der Unicode-Vorgabe.

F: Ich möchte Erler Dingbats auf meinem iPhone benutzen … geht das?
A: Das Betriebssystem iOS bietet zur Zeit 59 Schriftfamilien, das Löschen oder die Installation zusätzlicher Schriften ist – ohne Jailbreak – nicht möglich. Wir haben das bei Apple für die Betreuung der OS-Schriften verantwortliche Team über das Erscheinen von Erler Dingbats in Kenntnis gesetzt, was mit Interesse aufgenommen wurde.

F: Werden die mit OS X Lion eingeführten farbigen Emoji-Symbole bald die Dingbats-Fonts ablösen?
A: Tatsächlich sind die Emoji-Zeichen gemäß Unicode chiffriert und genießen im iOS Vorrang, so dass zum Beispiel ein Tweet mit einem einfarbigem Dingbats-Herz beim Empfänger mit bunten Emoji-Symbol dargestellt wird. Da es im Standard-Dingbats-Font das Herz zweimal gibt – entgegen der Unicode-Vorgabe als Herz und als Spielkartenwert – wundern sich immer mehr iPhone-Twitterer, das ihr Liebe zu etwas mit einer Herz-Spielkarte entstellt wird.

Das Unsichtbare sichtbar machen

Karolin Hosenfelder von Amnesty International schreibt mir eben: »Ich schreibe Ihnen, um auf das Projekt ‘Making the invisible visible’ mit den Straßenkünstlern Mentalgassi vorzustellen. Wir haben es zur Stützung unserer Aktionen zum Internationalen Tag der Menschenrechte in Berlin entwickelt. … Vom 24. November bis Mitte Dezember wird es in Berlin mehrere Zaun-Installationen geben, d.h. dass Porträts von drei inhaftierten Personen auf Zaunstäbe geklebt werden, so dass es fast wie eine Lichtprojektion aussieht. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einzelne Papierstreifen, die an den Zaun geklebt werden. Blickt man von vorne auf den Zaun, ist nichts zu erkennen. Geht man am Zaun vorbei, entsteht das Gesicht der Person. … Der Betrachter bekommt den Eindruck, dass die Person hinter den Gitterstäben gefangen ist.

Das Pilot-Projekt in London zum Fall Troy Davis hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Ein Video dazu ist hier zu finden: http://www.vimeo.com/17296374

Linotype veröffentlicht Georgia und Verdana Pro


Die von Matthew Carter vor 15 Jahren entworfenen Schriften Georgia und Verdana wurden in Kooperation mit Monotype/Linotype sowie The Font Bureau ausgebaut und liegen nun als erweiterte Pro-Versionen mit je 20 Schnitten vor. Sie bieten mehr Strichstärken, eine größere Zeichenausstattung und erweiterte Sprachunterstützung. Beim Design der Schriften setzte Carter mit seinem Vorgehen Maßstäbe für die Bildschirmtypografie: ausgehend von der gerasterten Pixeldarstellung entwarf er die vektorisierten Buchstaben.

An den Pro-Versionen der Schriften hat Matthew Carter nun gemeinsam mit David Berlow (Font Bureau), Steve Matteson und Tom Rickner (Monotype Imaging) gearbeitet. Dabei wurden die Schriftfamilien (Regular und Bold) um die Strichstärken Light, Semibold und Black ergänzt, jeweils auch in Kursivvarianten. Neu hinzugekommen sind die für alle Strichstärken passenden Condensed-Schnitte.

Im Inneren der OpenType-Versionen »verstecken« sich Kapitälchen, Standardligaturen sowie Mediäval- und Versalziffern. Als Pro-Schriftfamilien unterstützen beide den pan-europäischen Sprachraum, verfügen also auch über griechische und kyrillische Zeichen.