— Aktuell —


Schönste deutsche Bücher 2013 stehen fest

Im Wettbewerb »Die schönsten deutschen Bücher« wählten zwei Expertenjurys in einem aufwändigen Verfahren aus insgesamt 723 eingesandten Titeln die 25 schönsten deutschen Bücher 2013 – jeweils fünf aus den Kategorien »Allgemeine Literatur«, »Wissenschaftliche Bücher, Schulbücher, Lehrbücher«, »Ratgeber, Sachbücher«, »Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge« und »Kinderbücher, Jugendbücher«. Die prämierten Bücher zeigen eine große Bandbreite gestalterischer und herstellerischer Möglichkeiten: Von solider Handwerkskunst über experimentelle Techniken, von klassischer Buchgestaltung in Bestform bis hin zu innovativen Buchkonzepten.

Eine weitere Jury wählt aus diesen 25 schönsten Büchern nochmals einen einzigen Titel, der den mit 10.000 Euro dotierten »Preis der Stiftung Buchkunst« erhält und somit Deutschlands schönstes Buch des Jahres 2013 ist. Dieser wird am 05. September 2013 bekannt gegeben. Zeitgleich erscheint ein durchgängig bebilderter Katalog mit Juryerklärungen zu allen prämierten Titeln, für welchen dieses Jahr das Büro Fons Hickmann aus Berlin Konzept und Gestaltung erarbeitet hat.

Mit den Wettbewerben will die Stiftung Buchkunst den Blick der Öffentlichkeit über den Inhalt hinaus auf buchgestalterische und buchherstellerische Spitzenleistungen lenken und damit dem Medium und seiner Form in Deutschland mehr Aufmerksamkeit schenken. In dem Wettbewerb »Förderpreis für junge Buchgestaltung« wurden von einer aus Gestaltern und Hochschulexperten besetzten Jury aus insgesamt 184 Einsendungen drei mit je 2.000 Euro dotierte Gewinnertitel ausgewählt. Kriterium für diesen Wettbewerb sind besonders innovative, zukunftsweisende Konzepte zur gestalterischen Weiterentwicklung des Mediums Buch.

Zur Teilnahme zugelassen waren Bücher aus deutschen Verlagen, sowie Bücher aus ausländischen Verlagen, sofern die technische Produktion ausschließlich in Deutschland erfolgte.

Die PDFs mit der Shortlist, den 25 prämierten Büchern sowie der Pressemitteilung auf dieser Website:
www.stiftung-buchkunst.de

BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

Seit Jahren wachsen die Umsätze in der Kreativwirtschaft. Design-Unternehmen verzeichnen ein Umsatzvolumen von jährlich 19 Milliarden Euro. Und doch kann die Branche offenbar nur einen Teil ihrer Mitglieder ausreichend ernähren. Entsprechend groß ist die Unsicherheit selbst unter Designern, die mit ihren Gehältern und Honoraren zurechtkommen. Nur einer von sieben selbständigen Designern sieht einer Familiengründung gelassen entgegen, unter den angestellten Designern ist es sogar nur einer von zwanzig. Mehr als ein Drittel kann sich aus finanziellen Gründen gar nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Jeder fünfte Teilnehmer gibt an, kein Geld für Weiterbildungsmaßnahmen zu haben.

Bereits zum zweiten Mal hat der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner nach den Lebensumständen von Designern in Deutschland gefragt. Knapp 2000 Kollegen und Kolleginnen haben sich an der Online-Umfrage beteiligt. Die Ergebnisse zeigen ein umfassendes Bild der Branche mit einigen durchaus erfreulichen teils aber auch erschreckenden Fakten: Fast die Hälfte aller selbstständigen Designer kalkuliert mit einem Stundensatz unter 50 Euro, mit dem keine dauerhafte Existenz zu sichern ist.

Insgesamt zeigt der Report einen erschreckenden Mangel an kaufmännischer Kompetenz. Beispielhaft sei, so der BDG gegenüber der Presse, dass nur einer von vier selbständigen Designern standardmäßig schriftliche Auftragsbestätigungen versendet. Ein Viertel der Befragten lasse diesen Akquiseschritt in der Geschäftsbeziehung dauerhaft wegfallen. Und so erhielten die Ausbildungsinstitutionen für ihre kaufmännische Vorbereitung auf den Beruf in der Umfrage eine glatte Fünf.

Der Verband weiß um eventuelle Verzerrungen, die durch das Befragungsmedium Internet entstehen können. Es sei nicht sicher, ob ein repräsentativer Querschnitt aller Kommunikationsdesigner erreicht wurde. Das Bild unter den Angestellten entspricht jedoch den Ergebnissen, die der BDG in seiner Umfrage von 2010 herausgefunden hat.

»Die Branche befindet sich im Spagat zwischen einem funktionierenden Markt und einem nicht zu übersehenden prekären Vorhof« beobachtet BDG-Präsident Christian Büning. »Sorge bereitet uns insbesondere die Tatsache, dass viele Kolleginnen und Kollegen vor allem in kaufmännischer Hinsicht nur unzureichend auf ihren Beruf vorbereitet sind. Die Teilnehmer der Umfrage haben ihren Ausbildungsinstitutionen hier erschreckend schlechte Noten verliehen. Alle Beteiligten – auch die Verbände – müssen hier unbedingt nachbessern.«

Die 92-seitige Dokumentation der Online-Umfrage zu diversen Aspekten der Arbeitsbedingungen von selbständigen und angestellten Kommunikationsdesignern gibt es hier als PDF … (Konzept, Gestaltung und Fotografie: www.vonzweidesign.de, München)

Druckexemplare können in der Geschäftsstelle per Mail an info@bdg-designer.de abgerufen werden. Für Journalisten sowie BDG-Designer und -Designerinnen ist die gedruckte Dokumentation kostenfrei, andere zahlen 10 Euro.

bukowskigutentag 6/13: Welt verändern

Der Versuch, die Welt zu verändern, hat sich bekanntlich als ziemlich zähe Angelegenheit erwiesen. Kann man das überhaupt? Und wenn ja wer und dann womöglich noch zum Guten? Ich möchte dazu ein Gedankenspiel wagen, beginnend mit dieser These:

Alle Verbraucher zusammen wären die mächtigste Organisation der Welt. Alle Verbraucher einzeln sind das ohnmächtigste Stimmvieh der Welt.

Man stelle sich dazu vor, es gäbe einen Verbraucherverband, dem Millionen Leute in Deutschland angehören. Dieser Verband definiert einen Konsum-Kodex. Auf die schwarze Liste kommen zum Beispiel Unternehmen, die in Deutschland satte Gewinne erwirtschaften, aber keine Steuern zahlen. Oder Produkte aus unfairer, umweltschädigender oder sonstwie dem Gemeinwohl abträglicher Herstellung. Oder Konzerne, die ihren Vorständen obszön hohe Gehälter zahlen. Oder Firmen, die systematisch Kinder zu Zuckerjunkies erziehen. Oder Monopole, die ihre Marktmacht missbrauchen. Und so weiter und so weiter.

Die Mitglieder des Verbands verpflichten sich, ihr Konsumverhalten nach den Vorgaben des Verbandes zu gestalten. Würde ein Faktencheck also ein Unternehmen als eindeutig sittenwidrig ausweisen, hätte dies einen Boykott von Millionen Käufern zu Folge. Die organisierten Verbraucher könnten dadurch ein unfaires Unternehmen von einem Tag auf den anderen ruinieren oder mindestens schwer schädigen. Alle Räder stehen still, wenn der Verbraucher euren Scheiß nicht mehr will, hieß es dann.

Mit anderen Worten, um zur eingangs gestellten Frage zurückzukommen: Die Antwort lautet: Ja. Organisierte Verbraucher könnten die Welt nicht nur ändern, sondern im gewünschten Sinne und mit sofortiger Wirkung. Kein Unternehmen könnte sich mehr den heute üblichen Schweinkram leisten. Keinem Lobbyisten würde es noch etwas nützen, Politiker zu beeinflussen. Keine Werbekampagne könnte mehr unlautere Machenschaften kaschieren und so weiter. Keine politische Partei und nicht einmal eine Regierung wäre so handlungsfähig und einflussreich.

Der Verband könnte außerdem Alternativen aufzeigen, falls der Boykott bestimmter Unternehmen schwer fällt; insbesondere bei Monopolen. Vielleicht müssten die Mitglieder sogar einen Beitrag bezahlen, um die Verbandsarbeit zu finanzieren. Aber das wär’s wert. Und das alte Problem, dass man alleine sowieso nichts ausrichten kann, wäre gelöst, wenn man weiß, dass man sich auf eine Masse an Gleichgesinnten verlassen kann.

Eigenartig. Das klingt ganz einfach eigentlich, oder? Das Gegenteil davon ist leider Realität. Dazu mal ein Tweet:

Ich halte es übrigens für sehr wahrscheinlich, dass ich nicht der erste bin, der auf diese Idee gekommen ist. Vielleicht sind dazu auch schon ganze Bücher geschrieben worden. Wenn jemand davon weiß, freue ich mich über einen Hinweis. Ich würde mich gerne tiefer mit diesem Thema beschäftigen.

Abschließend noch die Frage, ob dieses Vorhaben realisierbar wäre. Keine Ahnung. Vielleicht könnte man ja in kleinerem Maßstab regional anfangen. Angenommen, es gründen sich Ortsgruppen, die sich dann nach Bedarf gegenüber einzelnen Unternehmen zusammenschließen würden. Das wäre dann vielleicht ein Ausrufezeichen, das im Idealfall eine größere Lawine in Gang setzen würde.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.

bukowskigutentag 4/13: Huch, fertig!

Wir hatten es hier und hier angekündigt, und jetzt steht das Roman-Manuskript mit dem Arbeitstitel »Der Sandfloh«.

Schon wieder ein Buch also, fragen Sie sich? Muss das immer sein mit diesen Büchern? Wer soll denn das alles lesen? Na ja, ich zum Beispiel, am 16. Mai bei Read on, my dear in der Z-Bar. Jan-Uwe Fitz und Frederic Valin laden ein und lassen freundlicherweise auch mich mal kurz auf die Bühne.

Das heißt: Sie müssen dort nicht lesen, aber zuhören. Um ein wenig Neugier zu wecken hier schon mal vorab ein paar packende Passagen aus dem Text:

»Es war an einem der ersten warmen Frühlingstage …«

»Vor ein paar Monaten erst, erinnerte er sich, hatte er sie auf einer Party …«

»Guten Tag.« – »Guten Tag.«

»… bestellte er an Ort und Stelle für jeden ein Bier.«

Sie sehen, da ist Zug drinne! Und wie man schon anhand der kurzen Auszüge merkt, geht »Der Sandfloh« auch stilistisch ganz eigene und bisher noch nie beschrittene Wege. Hören Sie selbst: am Donnerstag, 16. Mai um 20 Uhr 30 bei Read on, my dear in der Z-Bar.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.

Die »warme« Gira Sans, 14 Fonts, 320,– 249,– €

Der portugiesische Schriftentwerfer und Designer Rui Abreu suchte seine Inspiration für Gira Sans in den Groteskschriften des frühen 19. Jahrhunderts. Die Neue sollte jedoch keine Wiederbelebung einer viktorianischen Schrift werden, sondern ein moderner Font mit einem spielerischen, menschlichen Touch. Und mit einem Hauch Vintage. Gira Sans vereint saubere, klare Buchstabenformen mit warmen Details.

Die Familie bietet sieben Strichstärken plus sieben Kursive dazu. Sie ist unfassbar umfangreich ausgebaut, mit über 700 Glyphen pro Font, darunter nicht nur jede Menge diakritische Zeichen für osteuropäische Sprachen, sondern auch Pfeile, hochgestellte Minuskeln und diverse Ziffernsätze. Mehr Informationen über die Schrift und viele Abbildung in diesem aufschlussreichen Schriftmuster-PDF (14 MB).

Als Stern der Woche gibt es die vielseitig einsetzbare Gira-Sans-Familie bei FontShop bis zum 13. Mai 2013 für nur 249,– € statt der amtlichen 320,– €. Einfach beim Bestellen auf www.fontshop.com den Promocode DE_star_2013_19 verwenden …

Das hier eingebettete Video vermittelt die ganze Wärme, die Texte und Headlines aus Gira Sans ausstrahlen können:

bukowskigutentag 4/13: Alter Schwabe!

Liebes Texter-Tagebuch, weißt du noch damals, vor ein paar Jahren? Da hatte ich meinen härtesten Job. Der fing ganz harmlos an. An einem Donnerstag im Sommer stieg ich in die Bahn und fuhr nach Stuttgart. Von dort ging es mit einem Regionalzug weiter in eine Kleinstadt im Ländle, wo mich jemand vom Bahnhof abholte und mich zum Auftraggeber kutschierte: ein schwäbischer Mittelständler und ordnungsgemäß Weltmarktführer in seinem Segment.

Vor dem Firmengebäude begrüßten mich die Chefs, mit vorerst etwas skeptischen Blicken, was das da denn für eine Type aus Berlin sei und was man überhaupt von jemandem halten sollte, der Texte für Firmen schreibt. Dann wurde der Grill angeworfen und mit Bier angestoßen.

Ein paar Stunden später waren zwei Kästen Bier und zwei 1,5-Liter-Flaschen Vodka leer und ich voll. Und zwar so voll wie noch nie in meinem Leben. Ein Kurzer nach dem anderen ging über den Tisch und ich wußte nicht, wie ich mich dem entziehen sollte. Wie der Abend und die Nacht weiter verliefen, weiß ich nur noch in groben Erinnerungen. Irgendwann saßen wir irgendwo anders und tranken da weiter. Später saßen wir in einem Taxi und standen plötzlich in Stuttgart vor einem Club oder so, in den wir dann zum Glück nicht gegangen sind.

Am frühen Morgen, so gegen fünf Uhr schätze ich, landete ich sturzbetrunken auf welchen Wegen auch immer in meinem Hotelzimmer, wo ich am nächsten Tag gegen halb zwölf Uhr mittags wach und dachte »Ach du Scheiße!«. Einmal abgesehen von meinem Zustand, war da nicht für morgens ein Briefing-Termin vorgesehen gewesen? Ja.

Eine Stunde später hatte ich mich verlaufen. Eigentlich, meinte ich mich zu erinnern, lag die Firma doch nicht weit vom Hotel entfernt. Aber ich befand mich plötzlich auf einem Feldweg irgendwo in der Pampa. Es war mir etwas peinlich, den Mitarbeiter anzurufen mit der Bitte, mich abzuholen von da, wo ich gerade auch nicht weiß, wo ich bin. Das klappte aber und eine weitere halbe Stunde später saß ich im Konferenzraum beim Mittelständler, wo man inzwischen beim zweiten Frühstück war. Die Chefs und Mitarbeiter begrüßten mich mit bester Laune, von einem Kater bei keinem eine Spur. Die Leute waren schon wieder seit morgens im Einsatz. Einer aus unserem Alkohol-Exzess-Team von gestern war sogar seit halb acht Uhr morgens schon wieder fleißig am Schaffe.

Mit mir war allerdings nicht so viel anzufangen. Zum Glück machte mir niemand einen Vorwurf, nicht am frühen Morgen zum Briefing-Termin erschienen zu sein. Man amüsierte sich nur etwas über mich. Warum man nicht verärgert war über mein Fehlen, stellte sich dann bei Kaffee und belegten Brötchen schnell heraus: Es gab eigentlich kein Briefing. Niemand konnte mir erklären, was denn im Detail in der zu textenden Unternehmensbroschüre stehen sollte. Das fand ich gut. Hätte eh kaum zuhören, geschweige denn etwas verstehen oder aufnehmen können. Im Nachhinein könnte man fragen, wozu ich überhaupt aus Berlin angereist war, außer um abgefüllt zu werden, aber lassen wir diese kleinteilige Frage mal beiseite.

Nach dem Frühstück am Mittag fuhr mich der Mitarbeiter wieder zum Bahnhof und ich mit dem Zug zu meinen Eltern aufs Land. Dort erholte ich mich von Freitag bis Sonntag von meinem Kater. Am Montag schrieb ich die Broschüren-Texte, die dann fast ohne Änderungen durchgewunken wurden, und schrieb meine Rechnung, die pünktlich bezahlt wurde.

Heute, mit ein paar Jahren Abstand kann ich nur sagen: Alter Schwabe! Was war das denn? Also, zugegeben: Maschinenbau könnt Ihr besser als ich. Saufen auch. Moment mal, sehe ich da etwa einen Zusammenhang? Na ja, tatsächlich erinnere ich mich an einige rein Kaffee basierte Jobs, die deutlich zähflüssiger verliefen.

Michael Bukowski

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bukowskigutentag 3/13: Lotto für Arme

Schon wieder ein neuer Rekord: 46 Millionen Euro diesmal! Der größte deutsche Lotto-Jackpot aller Zeiten wurde ausgeschüttet. Na, da freue ich mich aber – nicht. Im Gegenteil. Dieser erneute, allerzeitenste Super-Duper-Rekord bringt bei mir das Glücksfass zum Überlaufen. Endgültig.

Missgönne ich dem Gewinner oder der Gewinnerin die Kohle? Keineswegs. Es interessiert mich nicht. Was mich dagegen nicht nur interessiert, sondern sogar enerviert, ist das konstant pervertierende Lotto-System. Es scheint mir übrigens eine erschreckend analoge Entwicklung zur allgemein überhitzten Spirale in Sachen gesellschaftlicher Umverteilung von Wohlstand. Bekannt ist ja, dass ein Konzernvorstand früher ein zweistelligfaches eines durchschnittlichen Arbeitnehmers verdiente, heute dagegen ein dreistelliges Vielfaches. Immer munter weiter von unten nach oben lautet auch das Motto bei Lotto.

Was da los ist bei bei der staatlichen Lotterie, erzählte sie mir kürzlich unaufgefordert selbst, in Form einer E-Mail mit klassischem Euphemismus-Sprech zur Verschleierung und Schönung der Tatsachen. Hier drei Beispiele aus dieser Mail mit einer kurzen Übersetzung ins Klartextdeutsch:

Lotto wird also für mich attraktiver, weil eine Umverteilung von kleineren Gewinnen zum Jackpot vorgenommen wird. Ob ich diese Aussage unterschreiben würde, hat mich allerdings niemand gefragt. Zurecht. Ich würde sie nicht unterschreiben, sondern sogar ganz anders interpretieren. Nämlich so: Kleinere Gewinne zahlen für den großen Jackpot-Overkill. Satte 2,8 Prozent werden von unten abgezogen und oben draufgepackt.

Künftig wird es schon für zwei Richtige plus Superzahl einen Gewinn geben: 5 Euro! Bei dieser Nachricht floss bei mir aber der Champagner in Strömen, kann ich euch sagen, liebe Leute. Ich bin jetzt noch ganz besoffen vor Glücksrausch.

Und hier mein ganz besonderes, persönliches Leckerhäppchen: »Vereinfachtes Preissystem«? Geil! Und: »… erfreulicherweise steigen auch die Jackpots und ihre Gewinnchancen«? Noch mal geil! Und, ach so, bevor wir es vergessen: Es wird ein bisschen teurer. Aber nur ein bisschen, nämlich nur läppische 25 Prozent, also ein schlappes Viertel … 25 fucking Prozent? Meine Fresse!

Und jetzt eine kurze Rückblende. Ich erinnere mich an meine Kindheit, als Eltern, Großeltern und andere Lotto spielten. Da wurde immer mal was gewonnen. 1000 Mark zum Beispiel. Das war toll. Bei niemanden war Reichtum ausgebrochen, aber es gab was Neues zum Anziehen, Spielsachen für die Kinder und so weiter. Sehr nett.

Und gleich wieder zurück in die Gegenwart. Ich spiele seit etwa zehn Jahren Lotto mit wöchentlich zwei Ziehungen und zwölf Feldern. In diesen zehn Jahren habe ich zweimal 4 Richtige gehabt. Man sieht also, wie unwahrscheinlich allein schon diese 4 Richtigen sind. Vor kurzem hatte ich wieder diesen kleinen Miniatur-Jackpot und für meine 4 Richtigen wurden mir satte 52 Piepen irgendwas ausgezahlt. Na da war bei mir aber gleich mal schon wieder der Champagner geflossen, kann ich Ihnen sagen.

Fazit: Lotto dreht zunehmend an einer völlig überdrehten Jackpot-Spirale. Wie im richtigen Leben zahlen die kleinen die Zeche für die großen. Sprich: die Kleingewinne sinken und finanzieren damit die regelmäßig neuen größten Jackpots aller Zeiten. Ich finde das zum Kotzen.

Leider darf man annehmen, dass die Leute genau diesen Kick der Superlative wollen. Ich hatte mich vor Jahren sogar mal mit dem Geschäftsführer eines Online-Lotto-Anbieters ausführlich unterhalten. Ihm persönlich gefiel meine Idee eines entspannten Lotto mit guten Gewinnchancen auf realistischere Gewinne – also öfter mal einen Tausi, aber dafür auch keine hundert Zillionen ganz oben. Aber er sah dafür keinen Markt.

Man überlege einmal: Anstatt dass aktuell einer oder eine mit 46 Millionen Euro beglückt wird, könnte es jetzt 46 Leute mit einer Million auf dem Konto geben. (Hier machen wir mal eine kleine volkswirtschaftliche Hobby-Ecke auf: 46 Leute mit einer Million würden sich jeweils ein neues Auto kaufen und ein Häusle bauen. Sprich: Die Wirtschaft ankurbeln. Eine Person mit 46 Millionen wird sich aber nicht 46 Autos kaufen und auch keine 46 Häusles bauen. Fazit: Auch die Volkswirtschaft guckt bei diesem Umverteilungsmotor mit akuter Oben-Unten-Unwucht doof aus der Wäsche).

Und jetzt mache ich gleich noch eine Klammer auf, diesmal eine kleine Psychologie-Krabbelgruppe: Was bringen mir bitte schön 46 Millionen Euro? Angenommen, ein Betrag von 2 Millionen würde mir die Freiheit gewähren, für den Rest meines Lebens nicht mehr meine Arbeitskraft zu Markte tragen zu müssen. Diese Schwelle ist absolut und nicht steigerbar. 46 Millionen Euro (geteilt durch 2) würden mir also nicht zusätzliche 23 Mal die absolute Freiheit gewähren können. Höchstens ein »Freiheit für«-Effekt wäre das Ergebnis; also die Freiheit, große Mengen an Geld zu investieren, zu spenden oder sonstwie sinnvoll nutzen können. Aber ein Zuwachs an Freiheit von »seinen Lebensunterhalt verdienen müssen« können mir auch 460 Millionen oder 4,6 Milliarden einfach nicht bieten.

Abschließend mein Vorschlag: Wenn schon, dann richtig, Lotto! Schaff doch gleich alle Gewinnklassen unterhalb des Hyper-Mega-Wega-Ultra-Geilo-Jackpots aller Zeiten ab. Dann gibt’s jede Woche einmal 100 Millionen für genau eine Person, dazu geile Schlagzeilen, neue Kunden mit Sabber in den Mundwinkeln und gut is.

Was mich persönlich anbetrifft, ich bin raus. Meinen Lottoschein kündige ich mit einer gewissen »Aber sowas von!«-Verve. Stattdessen habe ich ein anderes Gewinndings aufgetan. Da gibt es – halten Sie sich fest – einen maximalen Hauptgewinn von sportlichen – Achtung! – 15.000 Euro. Garantiert keinen Cent mehr. Da mach ich mit. Tschüss, Lotto.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.

Gewinner 2 x 2 Tickets »Zauberflöte«

Die Gewinner der letzten beiden Opernticket-Paare (»Die Zauberflöte«, am 18. Mai 2013 in der Komischen Oper, Berlin) aus den Anmeldern der vergangengen Woche sind: Kay Krause (Leipzig) und Lina Müsebeck (Wismar).

Bernd Möllenstädt 1943—2013

Erst heute erfuhr ich vom Tod des Schriftentwerfers Bernd Möllenstädt. Bekannt wurde er in den 1980er Jahren mit seiner serifenlose Linear-Antiqua Formata (1984), aus der er 8 Jahre später die Signata entwickelte, mit stärkerem Strichstärken-Kontrast. Formata wurde die Hausschrift der Allianz-Gruppe, sowie von Neckermann Reisen, Postbank, Infratest Burke und Škoda als Markenschrift verwendet. Neben seinen eigenen Entwürfen hat Bernd Möllenstädt Logos und Signets für die Commerzbank, Mauser Office, Privatbrauerei Hoepfner und die Süddeutsche Zeitung gestaltet.

Möllenstädt, 1943 geboren in Mühlheim/Ruhr, hat nach einer Lehre zum Schriftsetzer ein Grafik-Design-Studium absolviert. Ab 1968 war er verantwortlich für das Schriftatelier der Berthold Types. Im Jahre 1990 wurde er Nachfolger von Günter Gerhard Lange als künstlerischer Leiter für Schriftgestaltung der Berthold Types in Berlin. Seit 1998 arbeitete er als selbstständiger Schriftentwerfer.

Die Stiftung Buchkunst sucht …

… Buchideen von und für morgen. Prototypen sind teilnahmeberechtigt. Weitere Informationen …

Gutenberg-Museum: Open Call for Type

Schriftentwerfer und Foundries sind seit gestern eingeladen, ihre besten Schriften für den »Open Call for Type« im Gutenberg-Museum Mainz einzureichen. Einsendeschluss ist der 5. April 2013. Eine Jury* wählt die interessantesten Schriftentwürfe aus, die dann im Rahmen der Ausstellung »Call for Type« vom 7. Juni bis 8. September 2013 im Museum ausgestellt werden. Alle kuratierten Entwürfe werden in einem eigens produzierten Ausstellungskatalog vertreten sein.

Die Jury:

  • Prof. Dr. Petra Eisele, Designlabor Gutenberg / FH Mainz
  • Prof. Lars Harmsen, FH Dortmund / Magma Brand Design
  • Akira Kobayashi, Monotype
  • Dr. Annette Ludwig, Gutenberg-Museum Mainz
  • Prof. Dr. Isabel Naegele, Designlabor Gutenberg / FH Mainz

Weitere Informationen …

Wir gratulieren dem stern …

… zum gelungenen Redesign, …

… zu großzügigen, grafischen Doppelseiten …

… und zur Entdeckung unserer FF Tundra als neue Textschrift.