























































































Wer als Designer nicht twittert oder nichts von Twitter hält, sollte deswegen nicht die Augen vor einer reizvollen Corporate-Design-Herausforderung verschließen: Markenpflege via Twitter.
Jeder glaubt zu wissen, das der Mitteilungsdienst auf 140 Zeichen beschränkt ist, keine Bilder transportiert und 100 % werbefrei ist. Falsch! Twitter-Accounts werden mit einem selbst gebauten Profilbild eingerichtet, was fürs Marketing nichts anderes als eine 48 x 48 Pixel großes farbiges Firmenschild ist. Diesen Werbeträger lassen alle ins Haus, die einem Twitterer folgen: Jedes Mal, wenn sich ein Unternehmen, eine Partei oder ein Hersteller zu Wort meldet, wird quadratische Eigenwerbung eingeblendet.
Für erfolgreiche Accounts heißt das mehrmals in der Woche Tausende kostenlose Werbekontakte, bei Barack Obama sind es sogar 3,3 Mio mit jedem Tweet. Damit diese Markenpflege auf kleinster Fläche funktioniert, muss ein Avatarbild auf 48 x 48 Pixel Größe sofort funktionieren. Es muss reduziert gestaltet, sauber gerendert und nett anzusehen sein.
Wer heute eine Marke gründet oder ein Logo neu gestaltet, muss die Anforderungen des Micromarketing in Betracht ziehen. Wohl jenen Unternehmen, die seit ihrer Gründung mit reduzierten Signets arbeiten, denken wir an Volkswagen oder Mercedes. Runde bzw. quadratische Logos (oder Logo-Elemente) sind klar im Vorteil, während es zum Beispiel Audi gar nicht leicht fällt, seine 4 Ringe in einem Quadratt wiedererkennbar zu inszenieren … ohne viel Fläche zu verschenken.
Ich habe gestern mal einige Weltmarken, Parteien, Politiker, Verbände und Marken auf Twitter unter die Lupe genommen … das Ergebnis meiner Recherche ist oben zu sehen, 88 zufällig ausgewählte Avatare, alle mit den ihnen zugrunde liegenden Twitter-Accounts verlinkt (danke, Twitter Mosaic). Hier meine Gruppenkritik:
Perfekt: Barack Obama, Linde, Amazon, Volkswagen, taz, London 2010, Bayern München, Fiat, Deutsch Bank, New York Times, Mercedes Benz, Ritter Sport, Lidl, TV total, Twitter, Lufthansa, Shell, Spreeblick, Playboy, H&M, Allianz, Rolling Stone Magazine, Eye, FontFont
OK: Bravo, Handelsblatt, Frankfurter Rundschau, Bill Gates, Arnold Schwarzenegger, Ferrari, Guggenheim, The Beatles, Warner Brothers, YouTube, Yoko Ono, 1 Password, ZDF, Stern
Zu viel Kleinkram: Spiegel Online, FAZ, DFB, Stadt Amsterdam, Coca Cola, Epson, Microsoft, Tiger Woods, iTunes, Beck’s, Red Bull, Museum of Philadelphia, Manager Magazin, Google, Die Grünen Bündnis 90, Vodaphone, Black Eyed Peas, KISS, Tagesschau
Uneinheitlich in einzelnen Ländern oder Regionalverbänden: O2, SPD, Telekom
Nicht erkennbar: Kraft Foods, Daimler, BMW/Mini, Haus der Kunst, Pixar, Disney, Oscar, Cirque du Soleil, Veuve Clicquot, Die Welt, FDP-Fraktion
Nichtsagend: Toyota (der Baum), Ai Weiwei, New York City, Victoria’s Secret, Coldplay
Auf den ersten Blick raffiniert, aber kritisch: Haufe (Animation)
Fail: Germany’s Next Topmodel
So, jetzt werde ich gleich mal mein eigenes Profilbild überarbeiten (lassen).