— Aktuell —


Hans Eduard Meier (1922 – 2014)

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Hans Eduard Meier im Juni 2001 auf der Type-It in Stuttgart (Foto: Michael Bundscherer)

Viel berühmter als der Name des Schweizer Designers ist seine Schrift, die Syntax. Hans Ed. Meier ist der Erfinder eines ganz speziellen und sehr populären Schriftstils, der zur Gruppe der serifenlosen Linear-Antiqua gehört und salopp gerne als »humanistische Sans« bezeichnet wird. Die FF Meta ist vielleicht der populärste Vertreter dieser Gattung, doch bevor es die gab, arbeitet man bei MetaDesign in Berlin mit der Syntax, zum Beispiel als Textschrift für den legendären Marlboro-Design-Shop-Katalog Anfang der 1990er Jahre. Syntax war damals gesetzt, wenn eine sympathische Sans gewünscht war.

syntax_musterMeiers Syntax vereint die Klarheit der Groteskschriften mit der Wärme und Lesbarkeit der Renaissance-Antiqua. Die Großbuchstaben leitet Meyer sogar aus der ganz frühen Römischen Lapidarschrift ab (2. J. v. Chr), die keine Serifen und kaum Kontrast kannte. Jeden Buchstaben, jede Ziffer, jedes Satzzeichen zeichnete Meier mit Tuschepinsel und Feder.  Anschließend korrigierte er mit weißer Farbe oder Rasierklinge so lange, bis die Form exakt seinen Vorstellungen entsprach. Genau 14 Jahre hat Hans Meier an der ersten »Antiqua ohne Serifen« gearbeitet, von 1954 bis 1968.

Mitte 1968 kommt die wegweisende Schrift unter der Bezeichnung »Syntax Antiqua« bei D. Stempel für den Handsatz auf den Markt. Jan Tschichold ist voll des Lobes: »… vorzüglich, sehr gut leserlich, gut zugerichtet: Besser als die ihr verwandte Gill Sans.«

Auch im Digitalzeitalter gab Hans Ed. Meier die Zügel nicht aus der Hand. Die Wiederveröffentlichung und Erweiterung seiner Erfolgsschrift als Linotype Syntax im Jahr 2000 (siehe Abbildung, gesetzt in FontBook) lief komplett über den Rechner des damals 78-Jährigen, vom Entwurf bis zur Bildschirmoptimierung.

Sein Schüler und Weggefährte Beat Stamm schreibt heute in einer Rund-Mail an Kollegen: “This past Tuesday Hans Eduard Meier passed away peacefully. I’ll fondly remember Hans’ humorous yet patient way to teach me the basics of typography. Rest in Peace, Hans.”

FontShop schließt sich Monotype an

Der heutige Tag ist wegweisend in der 25-jährigen Geschichte von FontShop, der wichtigste seit unserer Gründung. Das US-Schriftenhaus Monotype übernimmt die Unternehmensgruppe von FontShop International. Zu dem erworbenen Paket gehören, neben der Firmenzentrale in Berlin, die FontFont-Schriftenbibliothek, der US-Vertriebsableger in San Francisco (fontshop.com), sowie die deutsche Filiale FontShop AG. Die FontFonts von Gründer Erik Spiekermann übernimmt Monotype direkt vom Entwerfer, einschließlich aller Verwertungs- und Veröffentlichungsrechte, wobei alle seine Bestseller (FF Meta, FF Info, FF Unit, FF Govan) elementarer Bestandteil der FontFont-Bibliothek bleiben. Spiekermann wird Monotype in Zukunft als typografischer Berater zur Seite stehen. Weitere Informationen zu der Transaktion in einer ausführlichen Pressemitteilung von Monotype …

Durch den Kauf gewinnt Monotype – neben einer zeitgenössischen Type-Library – vor allem neue Kundengruppen, populäre Marketingtools und -kanäle, sowie eine zweites Standbein im deutschen Markt, den der Konzern als einen der vitalsten Font-Märkte bewertet. »Monotypes globale Reichweite, seine finanzielle Stärke und seine Leidenschaft für Schrift, kombiniert mit FontShops komplementärem Know-how, seiner Marketing-Drähte und der angesehenen FontFonts stärkt unser Bestreben, die Märkte weltweit mit professionellen Schrift-Lösungen zu bedienen – für jeden Bildschirm, jede Plattform und jedes Medium.« heißt es in der heute veröffentlichten Pressemitteilung.

Der Präsident und Geschäftsführer von Monotype Imaging, Doug Shaw, fasst die Synergien so zusammen: »Als ein Unternehmen, das sich der Schrift verpflichtet fühlt, ist die Integration von FontShop, wo Design und Typografie tief in den Genen verankert sind, ein Glücksfall. FontShops langjährige Zusammenarbeit mit weltweit angesehenen Schriftentwerfern, das Wissen über den Bedarf der Kreativen, die E-Commerce-Sites und Events wie die TYPO-Konferenzen ergänzen unmittelbar unser Business und helfen uns in unserem Anspruch, der Nummer-1-Anbieter für Schriften, Fonttechnik und Know-how zu sein.«

Auch auf Seiten FontShops ergeben sich positive Impulse für das gemeinsame Geschäft. Petra Weitz, die internationale FontShop-Geschäftsführerin, hebt nicht nur die neuen, weltweite etablierten Vertriebskanäle für die FontFont-Bibliothek hervor, sondern auch spannende Spezialmärkte für diese Schriften, zum Beispiel in Geräten (OEM-Lizenzen) oder Betriebssystemen. Wörtlich sagt sie: »Nach 25 Jahren Vertriebspartnerschaft kennen Monotype und FontShop ihre gegenseitigen Stärken in- und auswendig. Gemeinsam können wir die Type- und Design-Community auf eine Art unterstützen, die uns als eigenständige Unternehmen nicht möglich war. Ich freue mich auf die neuen Möglichkeiten.«

FontShop-Gründer Erik Spiekermann, der die jüngsten Akquisitionen von Monotype mit Interesse zur Kenntnis genommen hat, sieht seine eigenene FontFonts und die der Kollegen in guten Händen: »Als Schriftentwerfer, der tief mit dem Schriftenmarkt verwurzelt ist, habe ich nicht nur Monotypes Fortbestand beobachtet, sondern auch seinen Wachstum und Erfolg. Das Unternehmen ist in der Branche und im Bereich Font-Technik anerkannt. Dass Monotype jetzt meine Schriften ins Programm nimmt, stärkt deren Position im Markt, genau so wie die der FontFont-Bibliothek. Die gesamte Font-Industrie gewinnt an Bedeutung, wenn FontShop sein kreatives Potential mit Monotypes Stärken vereint.«

Für Ivo Gabrowitsch, der gerade mit rund 15 Entwicklern und Designern next.fontshop.com auf die Beine stellt – einen Font-Store mit noch nie gesehenen Testfunktionen – kommt die Partnerschaft mit Monotype gerade recht. »Der limitierte FontShop-Etat stellt unser Projekt mit vielen geplanten Innovationen vor große Herausforderungen. Mit Monotype im Rücken wird die Weiterentwicklung entschieden gestärkt. Davon werden schon bald unsere Kunden profitieren.« Jürgen Siebert, der Programmdirektor der TYPO-Konferenzen, schlägt ähnliche Töne an. »Seit 3 Jahren versuchen wir die TYPO Berlin zu internationalisieren, doch über San Francisco und London sind wir noch nicht hinausgekommen. Gemeinsam mit Monotype kann das TYPO-Wachstum neu Fahrt aufnehmen.«

Soviel zu den Aussichten und zukünftigen Projekten. Was bleibt bestehen? Eigentlich alles, was uns und unseren Freunden wichtig ist. Auch wenn der Unternehmensname FontShop in Rente geht, das Online-Geschäft läuft weiter unter der Marke FontShop, FontFont bleibt FontFont, und FontBook App bleibt FontBook App. Auch der Fontblog wird weiterhin seine Meldungen und Meinungen hinausposaunen. Und wir gehen schwer davon aus, dass dies auch im Interesse aller Leser ist – trotz des Eigentümerwechsels. Weitere Informationen in unserem Q&A …

Teilnahmeschluss MFG-Award: 1. Aug 2014

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Noch bis zum 1. August 2014 können Arbeiten zum MFG-Award eingereicht werden. Seit 1992 gibt es den vom Bundesverband Druck veranstalteten Designwettbewerb Wettbewerb für herausragende Druckerzeugnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wegen seiner nicht-kommerziellen Ausrichtung gilt der MfG als einer der fairsten Designwettbewerbe, kleine wie große Unternehmen können sich eine Teilnahme leisten. Gewinner werden nicht mit zusätzlichen Kosten belastet.

Noch bis zum 1. August können die besten Druckprodukte zum MfG-Award 2014 für die folgenden Kategorien eingereicht werden:

  • Raffinesse (ausgezeichnet werden Drucksachen, die durch drucktechnische Andersartigkeit überraschen)
  • Umweltbewusstsein (ausgezeichnet werden Drucksachen, die Ressourcen durch die Verwendung von Recyclingmaterial schonen oder neue Materialien unter Berücksichtigung natürlicher Ressourcen verwenden)
  • Vereinfachung (ausgezeichnet werden Drucksachen, die bei der Bewältigung von Komplexität helfen – zum Beispiel benutzerfreundlich gestaltete Bedienungsanleitungen oder Gebrauchsanweisungen oder Printmedien mit hohem Infografik-Anteil)
  • Emotion (ausgezeichnet werden Drucksachen, die durch das Zusammenspiel von Inhalt und Umsetzung das Herz der Jurorinnen und Juroren berühren)
  • Individualität (ausgezeichnet werden Drucksachen, die in hohem Maße für den Nutzer angefertigt wurden, z. B. durch individuelle Ansprache, handschriftliche Personalisierung etc.)

Außerdem gibt es noch die Kategorie Debütanten, in der Einsendungen von Auszubildenden und Studenten bewertet werden.

Internationales Teletext-Kunstfestival 2014

ITAF2014Es ist wie mit der Schreibmaschine und dem Gameboy: Kurz bevor sie vom Aussterben bedroht sind, findet sich eine treue Schar von Fans, die solche Technik-Dinos am Leben erhält, ja zum Kult macht. So könnte es auch dem Teletext ergehen, der in Deutschland Videotext heißt. Er begleitet das TV-Programm der großen Sender mit Nachrichten, Bauklötzchen-Texten und bildhaften Darstellungen, die in der Austastlücke des Fernsehsignals versteckt sind und sich mit der Fernbedienung aufrufen lassen.

Die Künstlerkooperation FIXC organisiert vom 14. 8. bis zum 14. 9. 2014 zusammen mit ARD Text, ORF Teletext, Schweizer Teletext und arte Teletext die Internationale Teletextkunstausstellung ITAF 2014. In diesem Zeitraum werden die Kunstwerke im Teletext der teilnehmenden Fernsehsender gezeigt. Mit der Eröffnung von ITAF 2014 am 14. 8. wird »Lucky Cat« von Dragan Espenschied als erstes Kunstwerk ins Museum für Teletextkunst einziehen.

Aus dem Programm:

  • Offizielle Eröffnung und eine Ausstellung von ITAF-Werken der Jahre 2012, 2013 und 2014 im Fernsehzentrum des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in Berlin
  • Eröffnungsveranstaltung in der Z-Bar, Berlin
  • “ITAF in the house”, ein Dokumentationsprojekt zu Teletextkunst in der (privaten) Öffentlichkeit
  • Verleihung des Teletext-Kunstpreises
  • Finissage im MuseumsQuartier, Wien
  • Finissage im FISH, Helsinki

Weitere Informationen …

Leipzig: Schrift, vom Buch auf die Straße

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Zusammen mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) zeigt das Museum für Druckkunst Leipzig vom 27. Juni bis 28. September die Ausstellung »Vom Buch auf die Straße. Große Schrift von 1600 bis 1920«. Die Ausstellung findet im Rahmen des 250-jährigen Jubiläums der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig statt.

Unter der Leitung von Julia Blume, Prof. Fred Smeijers und Pierre Pané-Farré (alle HGB Leipzig) recherchierten Studierende der Fachklasse Type-Design in Leipziger Archiven und Bibliotheken nach Zeugnissen, die die visuelle Kraft und den Facettenreichtum von Schrift darlegen. Betrachtet wurde besonders der Zeitraum zwischen 1600 und 1920, aber auch frühere Belege und Tendenzen wurden einbezogen. Für die Ausstellung wurden Plakate, Schriftmuster, Postkarten, Drucksachen und Fotografien sowie Objekte und Filme ausgewählt. Ein Schwerpunkt lag hier auf Artefakten, die einen engen Bezug zu Leipzig aufweisen.

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Schriften verließen ab dem 18. Jahrhundert zunehmend den Raum des Buches und prägten das Stadtbild besonders im 19. Jahrhundert. Ob politisch oder kommerziell: Buchstaben transportierten an Plakatwänden, Litfaßsäulen oder Schaufenstern Botschaften in die Öffentlichkeit. Neben gedruckten Erzeugnissen existierten von Hand gemalte Schriften auf Schildern und Schaufenstern, in Stein gehauene Straßenbeschriftungen oder wandfüllende Mauerbeschriftungen. Diese diversen Techniken der Umsetzung, wesentliche Entwicklungen in der Druckindustrie sowie Einflüsse aus Architektur und Malerei (z.B. Art Nouveau und Jugendstil) führten im ausgehenden 19. Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zu einer einzigartigen Vielfalt an Schriftformen.

Ein  Teil der Ausstellung zeigt die für Schrift häufig verwendete Methode des Schablonierens. Anhand eines rekonstruierten Schabloniertisches können Besucher diese Reproduktionstechnik selbst erproben. Eine Auswahl von historischen Objekten gibt Einblicke in die Herstellung und Entwicklung dieser manuellen Technik. Die Fachklasse Type-Design, die als profilbildender Strang der HGB Leipzig auf eine 110-jährige Tradition zurückblicken kann, ermöglicht somit auch einen Einblick in die eigene Arbeitsweise eines Schriftgestalters, bei der die historische Reflexion einen wesentlichen Anteil einnimmt.

Abbildungen oben: Schablonenring, Messing, New York Stencil Works, 1868-1871, Durchmesser 250mm; Mitte: Schablone M, Art Nouveau, um 1910. Höhe 158mm.

Schwarz-rot-goldene Blumen wachsen aus Fanartikel

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Das Problem bei vielen WM-Fanartikel: Sie sind aus Kunststoffen gefertigt, die weder recycelt, noch kompostiert werden können. Dies wird zum Problem, wenn Fähnchen im Straßengraben landen oder Girlanden in den Beeten am Rande der Fanmeile.

Chantal Diaz, Sina Faikosch und Tina Schönheit, Studentinnen der Fakultät Gestaltung der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim, haben deshalb bei Prof. Barbara Kotte folgende Idee entwickelt: Fan-Artikel aus biologisch abbaubaren Materialien, in denen Blumensamen eingearbeitet sind. Entstanden sind eine Blumenkette, eine Rassel und eine Fahne*, die ein zweites Leben haben, wenn sie irgendwann im Grünen landen. Die Materialien zerfallen innerhalb von 6 Wochen und bilden den Humusboden für die eingearbeiteten Samen. Aus Samen werden Blumen, und die blühen natürlich in: schwarz, rot, gelb. So bunt und nachhaltig kann eine Cradle-to-Cradle-Fankultur sein.

*Gearbeitet wurde mit Schleiernessel, Lyocell (einer Cellulose-Faser), Formteilen aus Palmblatt, Kleber aus Wasser, Maisstärke, Zucker und etwas Glyzerin sowie Farben auf Wasserbasis. Die eingearbeitete Stockrosen- und Kapuzinerkresse-Blumensaat ist aus biologischem, regionalen Anbau. Die Fanartikel sind produktionsreif, einen Vertriebspartner und Produzenten gibt es noch nicht.

bukowskigutentag 1/14: Datensalat

In Beiträgen und Diskussionen zur digitalen Krise und zum Zerfall unserer Grundrechte werden verschiedene Arten der Datenpreisgabe oft munter durcheinandergewürfelt. Das ist nicht hilfreich, um das Problem zu verstehen, geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen. Eine Sortierung tut not, um sich nicht im aktuellen Datensalat zu verirren.

Grundsätzlich kann klar zwischen drei verschiedenen Typen der Datenpreisgabe unterschieden werden:

1. Unwissentlich und unfreiwillig

Die anlasslose Totalüberwachung von Geheimdiensten geschieht ohne Zustimmung und Wissen der Überwachten und ist mit den Grundrechten nicht vereinbar. Seit Snowden weiß man nur, dass jeder jederzeit überwacht werden kann.

Unsere Staaten und Regierungen sind leider nicht fähig oder/und nicht willens, etwas dagegen zu unternehmen. Im Gegenteil werden die Budgets aufgestockt. Diese Überwachung für sich wäre schon ein ausreichend schwerwiegendes Problem. Leider wird es noch komplizierter.

2. Wissentlich, aber unfreiwillig

Man weiß um das digitale Echo, das jeder Schritt in der analogen Welt heute auslöst, kann dem aber nicht entkommen. Zum Beispiel erweist es sich als ein nahezu unmögliches Unterfangen, eine Reise zu unternehmen, die von keinem Unternehmen oder Geheimdienst mitgeschnitten wird. Niemand kann sich Überwachungskameras entziehen und Smartphones sind unsere persönliche Allzweckwanzen.

Diese unfreiwillige Datenpreisgabe wird von Unternehmen monetarisiert und selbstverständlich auch von Diensten mitgeschnitten. Ebenfalls ein schwerwiegendes Problem, aber es kommt noch schlimmer.

3. Wissentlich und freiwillig

Es sind nicht mehr nur die relativ neuen globalen Player wie Amazon oder Google, die ihr Geschäftsmodell auf eine Datenbasis stellen. Im Zuge der totalen Verschmelzung von analoger und digitaler Sphäre entdeckt zunehmend die gute, alte Realwirtschaft die Vorteile des Datengeschäfts.

Aber schon in der alten, analogen Welt erweist sich der vermeintlich private Konsum tatsächlich als sozial relevanter und leider oft asozialer Akt. Wenn ein Mofafahrer die Luft mit unverbranntem Öl und Benzin aus seinem Zweitakter verpestet, schädigt er Gesundheit von Mitmenschen. Bekanntlich ist das völlig legal und die Kollateralschäden des privaten Konsums sind nicht eingepreist. Wären sie es, müsste unser Mofafahrer wohl eintausend Euro pro Kilometer an Schadensersatz bezahlen.

Der Mofafahrer ist natürlich ein plakatives unmittelbares Beispiel für private Vorteilsnahme (hier die günstige Mobilität) zu Lasten der Allgemeinheit (Schädigung anderer). Indirekt schädigt auch jeder Industriefleischverzehrer seine Mitmenschen wie die Umwelt (gefolterte Tiere, Antiobiotika-Resistenzen uvm.).

Dieser Systemfehler, auf dem unser Wirtschaftsmodell spätestens seit dem Beginn der industriellen Revolution basiert, wird heute in Zeiten der digitalen Vollvernetzung mit modernen Mitteln fortgeführt. Den Konsumenten werden immer mehr Angebote unterbreitet und Anreize geliefert, mit Daten zu bezahlen. Sie wissen, dass sie von den Unternehmen überwacht werden, und sie stimmen dem zu. Dieser Daten-Deal findet genau wie die Zweitaktverbrennung nicht im luftleeren Raum statt, sondern hat Auswirkungen auf Mitmenschen und die Gesellschaft. Ein anschauliches Beispiel liefern Versicherungen.

Zahlen Sie bar oder mit Daten?

Nehmen wir Auto- oder Krankenversicherungen, die ihr Geschäftsmodell auf die Datenbasis stellen. Je mehr man über den Kunden weiß, desto präziser kann man die eigenen Leistungen tarifieren. Im ersten Schritt bedeutet das: Kunden, die ihre Autofahrten oder ihren Gesundheitsstatus tracken lassen, erhalten Vergünstigungen. Akzeptiert die Masse der Bevölkerung dieses Modell, werden Versicherungen für alle anderen teurer, die bei Datenverweigerung zu Problemkandidaten werden, weil sie zum Beispiel für die Versicherung teure Lebensgewohnheiten verbergen könnten (riskanter Fahrstil, Zigaretten, Alkohol …). Wenn die einen, die sich tracken lassen, weniger zahlen, zahlen die anderen mehr. Denkbar wäre auch, dass Versicherungen zukünftig gar keine Kunden mehr ohne Tracking akzeptieren. Fazit: Die Summe privater Konsumentscheidungen wirken sich auf alle anderen Konsumenten aus.

“Wer nichts zu verbergen hat, …

Wenn sich der Großteil der Bevölkerung auf den Daten-Deal einlässt, sich die Masse der Menschen also freiwillig überwachen lässt, hat das Auswirkungen auf jeden, der sich dem System entziehen möchte. Wenn alle nach dem Zuckerberg-Prinzip “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten” handeln, dann verkehrt sich das Prinzip für jeden, der sich dem entziehen will, ins Gegenteil: Wer seine Daten nicht preisgeben möchte, macht sich verdächtig. Sprich: “Wer etwas zu verbergen hat, muss wohl etwas zu befürchten haben.”

Und jetzt?

Wir hätten also die drei verschiedene Varianten der Datenpreisgabe sortiert. Was folgt daraus? Ganz einfach: Dass eine Lösung des Problems in noch weitere Ferne rückt. Nehmen wir das Beispiel Verschlüsselung.

Selbstverständlich sind Initiativen wie “Reset the Net” zu begrüßen. Aber können Sie wirklich etwas bewirken? Wenn man hier mal eine E-Mail verschlüsselt, auf der anderen Seite aber täglich die Daten-Deals mit diversen Unternehmen akzeptiert und von zahlreichen anderen unfreiwillig getrackt wird, ist das ungefähr so wirksam, als würde man mit einem Fingerhut Wasser aus einem sinkenden Boot schippen, während man mit der anderen Hand eimerweise Wasser nachkippt.

Ein weiteres Beispiel für den Versuch zivilen Widerstands wäre die Vermeidung. Die beste Verschlüsselung von Daten erzielt man dann, wenn Daten gar nicht erst entstehen. Das ist beispielsweise bei einer Barzahlung der Fall. Man kann das machen, es bleibt aber ein eher homöopathischer Eingriff und die Nischen für rein analoge Transaktionen schwinden.

Eines von drei Lecks stopfen

Natürlich sind Verschlüsselung und andere Maßnahmen im Einzelfall und bei sensiblen Inhalten sinnvoll. Aber insgesamt gesehen bleibt es immer der Versuch, eines von drei Lecks in einem Boot zu stopfen. Denn der private Widerstand einzelner ändert nichts am Geschäftsmodell unserer Gesellschaft. Wenn alle ihre Daten freiwillig verkaufen dürfen und im Alltag immer öfter unfreiwillig hergeben müssen, dann braucht sich auch niemand mehr Sorgen um Überwachung zu machen. Die Überwachung gibt’s dann gratis und inklusive. Denn auf alles, was Unternehmen an Daten sammeln, können letzten Endes auch die Geheimdienste zugreifen.

Der Daten-Deal beginnt heute gerade erst seine Wirkung zu entfalten, wenn die Realwirtschaft flächendeckend auf das Datengeschäft umsteigt und bald jede Zahnbürste vernetzt sein wird. Mit dem oder einem Internet hat das alles nicht mehr viel zu tun. Es fehlt noch ein aktueller Begriff für unsere schöne, neue Welt.

Michael Bukowski

P.S.: Autoren, die diesen Beitrag geschrieben haben, haben auch diese Beiträge geschrieben.

11. Type Talk: Long-Form Journalism (E)

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Harry Keller von EdenSpiekermann sprach auf der TYPO-Bühne über agile Software-Entwicklung und neues Projektmanagement (Foto: Sebastian Weiß)

Die Berliner Gespräche über typografische Gestaltung am Bildschirm gehen weiter. Wer in der letzten Woche auf der TYPO Berlin Andre Jay Meissner, Fabian Hemmert, Tom Moog, Vitaly Friedmann oder Harry Keller (siehe oben) verpasst hat, darf sich auf den kommenden Type Talk im Apple Store Kurfürstendamm freuen (Freitag, 19 Uhr). Dort führt der Interaction-Designer und Typograf Paul Woods (EdenSpiekermann) das Thema mit dem Schwerpunkt ›Storytelling am Bildschirm‹ weiter. Sein Referat wird auch Komponenten der vielbeachteten TYPO-Stage-Präsentation von Harry Keller enthalten. Und weil die Präsentation  in Englisch sein wird … wechsle ich für die Kurzbeschreibung im nächsten Absatz schon mal die Sprache.

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More and more publications are using long-form articles for their online websites and apps. Interaction designer Paul Woods (Design Director at Edenspiekermann) will be presenting design tools and outstanding examples of this new digital journalism from outlets such as Schweizer Illustrierte, The Guardian, ZEIT magazine online, Red Bull and more. Please register now for the 11th Type Talk at the Apple Store Kurfürstendamm website …

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FontShop feiert seinen 25. Geburtstag

Auf der TYPO Berlin, im Haus der Kulturen der Welt, heute ab 21 Uhr, mit DJs, Performances und anderen Überraschungen. Eintritt frei. Lettering: Martina Flor, Musik: Daniel C. Smith

Hans Hillmann 1925 – 2014

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Der deutsche Grafiker, Illustrator und Designer Hans Georg Hillmann verstarb am vergangenen Sonntag in Frankfurt am Main. Hillmann prägte ab den 1950er-Jahren das moderne Filmplakat in Deutschland, zeichnete für die Kultzeitschrift »twen«, das Kulturmagazin »TransAtlantik« sowie für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« und hinterließ auch in einer rund 30-jährigen Lehrtätigkeit nachhaltige Spuren im bundesdeutschen Grafikdesign.

Geboren wurde Hans Hillmann am 25. Oktober 1925 im schlesischen Nieder-Mois. Bereits zu Schulzeiten begann er mit dem Zeichnen, konnte sein Talent jedoch erst nach Kriegseinsatz und Gefangenschaft ausbauen. Zwischen 1948 und 1953 studierte er an der Staatlichen Werkakademie in Kassel. Prof. Hans Leistikow, einer der Designpioniere aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde hier zu seinem Lehrer und Mentor.

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Noch während seines Studiums wurde Hillmann von dem Filmliebhaber Walter Kirchner angesprochen, der mit einem neugegründeten Filmverleih Neue Filmkunst das anspruchsvolle Kino ins Nachkriegsdeutschland holte. Einige Jahre später erhielt er den Gesamtauftrag für alle Filmplakate des Unternehmens, das Filme von Buñuel, Godard, Eisenstein, Kurosawa und Bergman im Programm hatte. Nach und nach entwickelte er eine neue visuelle Sprache, die mit den Konventionen der traditionellen Gestaltung brach, und die neue Standards in Typografie und Bildästhetik setzte. Seine Arbeiten gingen in Ausstellungen und Publikationen bereits damals um die ganze Welt. Bis in die 1970er-Jahre war Hillmann für Walter Kirchner tätig und gestaltete in seinem Auftrag mehrere hundert Filmplakate. Seine besten Arbeiten, darunter das Plakat zu „Panzerkreuzer Potemkin“, gehören heute zum Kanon der internationalen Designgeschichte und befinden sich u.a. in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

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Als sein Lehrer Hans Leistikow Ende der 1950er Jahre erkrankte, übernahm Hillmann die Lehre an der Kasseler Akademie, und erhielt dort 1961 eine Professur. Das führende Werbemedium Plakat wurde zum zentralen Thema seiner Lehrtätigkeit. Gemeinsam mit seinen Schülern prägte er den Ruf der »Kasseler Plakatschule« weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Bis zu seiner Emeritierung 1989 lehrte Hillmann in Kassel und beeinflusste mit seiner Ausbildung mehrere Generationen deutscher Gestalter.

Bereits Mitte der 1960er-Jahre hatte sich Hans Hillmann einen weltweiten Ruf als wegweisender Plakatgestalter erreicht. Neben seinen Filmplakaten trug u. a. sein formal reduziertes Plakat für die »Kieler Woche 1964« zu diesem Ansehen bei. Eine Arbeit, die bis heute zu den wichtigen grafischen Werken des 20. Jahrhunderts zählt. Parallel war Hillmann aber auch stets als Illustrator tätig. So steuerte er zahlreiche Bildbeiträge zum legendären Jugendmagazin twen bei, das zwischen 1959 und 1971 erschien und später auch für die ab 1980 (von Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore) herausgegebene Zeitschrift TransAtlantik.

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Ab den späten 1970er-Jahren arbeitete er an einer grafischen Umsetzung des Dashiell-Hammett-Krimis »Fliegenpapier«, bei der die Handlung durch einen illustrativen Hyperrealismus, die Bewegung der Figuren betonend, bebildert wurde. Mit diesem neuartigen »filmischen« Illustrationsstil setzte Hillmann bei der Veröffentlichung 1982 erneut einen Meilenstein, und wurde in den folgenden Jahren zu einem der gefragtesten deutschen Illustratoren. Zu seinen Auftraggebern gehörten u.a. das Magazin der Frankfurter Allgemeine Zeitung, sowie zahlreiche Verlage aus dem In- und Ausland. Für den Rowohlt Verlag entwarf Hillmann beispielsweise die Umschläge für die deutschen Ausgaben der Romane des Schriftstellers John Updike.

buchvoverZwischen 1968 und 2003 entschied Hillmann als ständiges Jurymitglied im Kunstbeirat der Deutschen Bundespost über das Aussehen deutscher Briefmarken mit. 1994 wurde er zum Ehrenmitglied des Art Directors Club Deutschland ernannt. Bereits seit 1961 gehörte er der Alliance Graphique Internationale an, der renommierten Vereinigung von Grafik- und Kommunikationsdesignern.

In den vergangenen Jahren wurde Hillmanns Schaffen in zahlreichen goßen Einzelausstellungen gewürdigt, u. a. im Klingspor-Museum Offenbach (2005), im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main (2007) und zuletzt im Folkwang-Museum Essen (2013). Seine Aquarelle und Zeichnungen wurden über viele Jahre in der Galerie Streitenfeld in Oberursel ausgestellt. Die Galerie mit Schwerpunkt auf Zeichnung, Illustration und Comic-Kunst widmete Hillmann mehrfach eigene Ausstellungen und vertritt sein Werk bis heute auf dem Kunstmarkt. Bis zuletzt war Hans Hillmann ein begeisterter Illustrator, der noch täglich zum Zeichenstift griff.

Er starb am 04. Mai 2014 im Alter von 88 Jahren in Frankfurt am Main.

Jetzt zum Type Talk Nº 10 anmelden: Das Buch, heute

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Bitte rechtzeitig zum kommenden Type Talk beim Apple Store Kurfürstendamm anmelden: Die Plätze sind rar. Das liegt sicherlich am Thema und an der hochkarätig besetzten Runde.

Type Talk: »Bücher im digitalen Zeitalter«, Dienstag, 29. April, 19:00 Uhr, mit Erik Spiekermann, Robert Klanten und Helmut Ness; Moderation: Jürgen Siebert

Erik Spiekermann ist nicht nur Schriftgestalter und ein internationale gefragter Redner, sondern auch Autor erfolgreicher Typografie-Bücher, die er meist selbst gestaltete. Robert Klanten ist Mitbegründer und Geschäftsführer von Gestalten, einer der innovativsten deutschen Buchverlage. Helmut Ness ist Partner des Designbüros Fuenfwerken, das sich mit Leidenschaft der Typografie widmet und gerade das typografische Lehrbüchlein Apfel i zum iBook macht.

Keine Medienbranche erlebt aktuell einen dramatischeren Umbruch als die Buchindustrie. Geschäftsmodelle brechen zusammen, verschiedene E-Book-Reader kämpfen um Marktanteile, Verlage denken sich neue Medien-Konzepte aus. Beim Type Talk am Dienstagabend werden wir darüber sprechen, warum E-Books eine typografische Katastrophe sind, wieso sie in U-Bahn und Urlaub beste Dienste leisten, wie ein Verlag heute neu denkt und handelt, mit welchen Herausforderungen heute Buchgestalter kämpfen und warum das gedruckte Buch nie aussterben wird.

Wally Olins, 1930 – 2014

@ Marc Eckardt

Wally Olins, einer der großen Markenmacher -und -designer unserer Zeit, Commander of the Most Excellent Order of the British Empire (CBE), starb am gestrigen Montag nach kurzer Krankheit im Alter von 83 Jahren (Quelle: The Guardian). Seine bekanntesten Projekte sind die Entwicklung der Dachmarke VAG für die Volkswagen-Gruppe Ende der 1970er Jahre, das Rebranding der Britischen Telecom zu BT, sowie die Markenführung von Akzo Nobel, Fujitsu und Repsol. 1968 empfahl Olins den Beatles, ihre frisch gegründete Plattenfirma Apple Records zu taufen, 25 Jahre später verlieh er Hutchison Telecom den Namen Orange. Olins definierte Corporate Identity als »Unternehmensstrategie sichtbar gemacht«.

Auf unserer Konferenz TYPO Berlin 2007, wo das obige Foto entstand, stellte Wally Olins seine jüngste und letzte Initiative vor, Nationen und Städte eine Identität nach dem Muster von Marken zu geben. London, Mauritius, Nordirland, Polen, Portugal, Litauen und andere Regionen wurden seitdem seine Auftraggeber. Seinen Vortrag von damals haben wir ins Netz gestellt, hier ist er zu sehen …

Wally Olins wurde 19. Dezember 1930 geboren. Nachdem er am St. Peter’s College in Oxford Geschichte studiert hatte, zog es ihn nach London und dort in die Werbung. Sein erster großer Job war die Geschäftsführung eines jungen Unternehmens, das später Ogilvy und Mather Bombay wurde, wo er 5 Jahre lebte. Anschließend kehrte Olins nach London zurück, um mit seinem Partner Michael Wolff das auf Markenberatung spezialisierte Unternehmen Wolff Olins zu gründen. In den darauffolgenden Jahren expandierte das Unternehmen mit weiteren Standorten in Hamburg, Paris, San Francisco, Madrid und Lissabon, die heute nicht mehr existieren; 1998 eröffnete Wolff Olins ein Büro in New York, 10 Jahre später ein weiters in Dubai.

1989 veröffentlichte Wally Olins das Standardwerk »Corporate Identity – Strategie und Gestaltung«, das ihn zum Pionier der Branche machte. Nachdem Michael Wolff bereits 1983 aus seiner Firma ausgestiegen war, folgte Wally Olins 2001, um mit seinem Kollegen Jacob Benbunan ein neues Unternehmen zu gründen. Sie mieteten eine schicke Altbauwohnung in London, strichen die Wände gelb an, kauften gelbe Teppiche und nannten sich Saffron, zu deutsch: Safran. Denn ein gutes Corporate Design kann Wunder wirken: Eine Messerspitze genügt, und alles färbt sich ein. Saffron spezialisierte sich darauf, Stadtmarken zu entwickeln und Nationen zu positionieren.

Erst gegen Ende seiner Laufbahn merkte Wally Olins, dass er sich selbst nie richtig vermarktet hatte. In einem Interview äußerte er 2001: “I have not consciously branded myself at all. It is true that I wear a bow tie and funny spectacles but it is not conscious branding”. Zumindest entstand auf der Basis von Brille und Fliege ein eigenes Logo, das er auf seiner Website einsetzt.

Wally Olins’ Sohn Rufus Olins, eines von vier Kindern, erklärte heute gegenüber dem Guardian: »Er wollte zuletzt nur noch sein Buch ›Brand New‹ fertig bekommen, das letzte Woche erschien*. Seine Krankheit war kurz, und er arbeitete bis zuletzt, getreu seinem Motto ›Lasst uns weitermachen‹. Bis vor zwei Monaten reiste er noch ins Ausland. Er wollte nie in Rente gehen, und genau so kam es auch.« Bis zuletzt war Olins Aufsichtsratvorsitzender bei Saffron Brand Consultants. (Foto: @ Marc Eckardt)

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*Rezension im Economist: Brand Old Man; die offizielle Premiere für das Buch findet erst am 13. Mai 2014 im Victoria und Albert Museum statt. Im nachfolgenden Video spricht Wally Olins über sein letztes Buch »Brand New. The Shape of Brands to Come«.