BDG Honorar- und Gehaltsreport 2012

Seit Jahren wachsen die Umsätze in der Kreativwirtschaft. Design-Unternehmen verzeichnen ein Umsatzvolumen von jähr­lich 19 Milliarden Euro. Und doch kann die Branche offenbar nur einen Teil ihrer Mitglieder ausrei­chend ernähren. Entsprechend groß ist die Unsicherheit selbst unter Designern, die mit ihren Gehältern und Honoraren zurecht­kommen. Nur einer von sieben selb­stän­digen Designern sieht einer Familiengründung gelassen entgegen, unter den ange­stellten Designern ist es sogar nur einer von zwanzig. Mehr als ein Drittel kann sich aus finan­zi­ellen Gründen gar nicht vorstellen, eine Familie zu gründen. Jeder fünfte Teilnehmer gibt an, kein Geld für Weiterbildungsmaßnahmen zu haben.

Bereits zum zweiten Mal hat der BDG Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner nach den Lebensumständen von Designern in Deutschland gefragt. Knapp 2000 Kollegen und Kolleginnen haben sich an der Online-Umfrage betei­ligt. Die Ergebnisse zeigen ein umfas­sendes Bild der Branche mit einigen durchaus erfreu­li­chen teils aber auch erschre­ckenden Fakten: Fast die Hälfte aller selbst­stän­digen Designer kalku­liert mit einem Stundensatz unter 50 Euro, mit dem keine dauer­hafte Existenz zu sichern ist.

Insgesamt zeigt der Report einen erschre­ckenden Mangel an kauf­män­ni­scher Kompetenz. Beispielhaft sei, so der BDG gegen­über der Presse, dass nur einer von vier selb­stän­digen Designern stan­dard­mäßig schrift­liche Auftragsbestätigungen versendet. Ein Viertel der Befragten lasse diesen Akquiseschritt in der Geschäftsbeziehung dauer­haft wegfallen. Und so erhielten die Ausbildungsinstitutionen für ihre kauf­män­ni­sche Vorbereitung auf den Beruf in der Umfrage eine glatte Fünf.

Der Verband weiß um even­tu­elle Verzerrungen, die durch das Befragungsmedium Internet entstehen können. Es sei nicht sicher, ob ein reprä­sen­ta­tiver Querschnitt aller Kommunikationsdesigner erreicht wurde. Das Bild unter den Angestellten entspricht jedoch den Ergebnissen, die der BDG in seiner Umfrage von 2010 heraus­ge­funden hat.

»Die Branche befindet sich im Spagat zwischen einem funk­tio­nie­renden Markt und einem nicht zu über­se­henden prekären Vorhof« beob­achtet BDG-Präsident Christian Büning. »Sorge bereitet uns insbe­son­dere die Tatsache, dass viele Kolleginnen und Kollegen vor allem in kauf­män­ni­scher Hinsicht nur unzu­rei­chend auf ihren Beruf vorbe­reitet sind. Die Teilnehmer der Umfrage haben ihren Ausbildungsinstitutionen hier erschre­ckend schlechte Noten verliehen. Alle Beteiligten – auch die Verbände – müssen hier unbe­dingt nachbessern.«

Die 92-seitige Dokumentation der Online-Umfrage zu diversen Aspekten der Arbeitsbedingungen von selb­stän­digen und ange­stellten Kommunikationsdesignern gibt es hier als PDF … (Konzept, Gestaltung und Fotografie: www​.vonzwei​de​sign​.de, München)

Druckexemplare können in der Geschäftsstelle per Mail an info@bdg-designer.de abge­rufen werden. Für Journalisten sowie BDG-Designer und -Designerinnen ist die gedruckte Dokumentation kosten­frei, andere zahlen 10 Euro.


30 Kommentare

  1. Jürgen

    Ein schönen Dank an den BDG für diesen Report.

    Ich bin doch recht konster­niert, speziell was die Einkommensverhältnisse angeht, unab­hängig ob die Honorare nun die Selbständig oder Angestellt verdient werden. Meine persön­liche Einschätzung der Wertigkeit unserer Arbeitsleistung weicht offen­sicht­lich stark von der Realität ab. 

    Ich wein ein biss­chen in meine Mittagssuppe…

  2. J.P.

    Kaufmännische Ausbildung. Da erin­nere ich mich an ein erschre­ckendes Erlebnis. Ich saß mal in einer Gastwirtschaft und hörte wie sich am Nebentisch ein Lehrbeautragter meiner ehema­ligen Hochschule mit einem Absolventen unter­hielt. Der Absolvent erzählte, er hätte poten­zi­elle Aufträge, wisse aber nicht was er verlangen könne und ob ihm der Lehrbeauftragte einen Tipp geben könne. Daraufhin meinte dieser, ER verlange für Kreativleistung zwischen 35,- und 50,- Euro und für einfache Produktionsleistung ziwschen 20,- und 35,- Euro. Dauerhaft leben könne man als Grafikdesigner nicht von seinem Job. Der Absolvent solle sich eine Lehrerin zur Frau nehmen, die dann dauer­haft für das Einkommen sorgen würde. 

    Das ist doch mal eine Motivation für einen Mitte 20-Jährigen.

  3. Kurt

    Was haben solche Videos mit Design zu tun?

    Und wieso finden solche Leute keine Jobs?

    Geht es nicht in erster Linie darum zu beweisen, dass man es tech­nisch kann, bevor man in totalen Konzeptionen zu denken beginnen darf, weil man endlich einen Job erhalten hat? Oder läuft die Branche derzeit einfach schlecht?

  4. Carola

    Leider wird immer wieder durch die Medien impli­ziert, das gutes Design jeder kann.
    Das fängt bei der Flyergestaltung mit Word an oder mit der Do-It-Yourself-Webseiten von großen Webhostern oder durch den Volkshochschulkurs der Ehefrau die jetzt Photoshop kann.
    Die Wertigkeit von Designleitungen und deren Mehrwert für ein Unternehmen oder Dienstleister ist in der Gesellschaft nicht ange­kommen und wird somit auch nicht gerne bezahlt, geschweige denn verstanden.
    Ich persön­lich bin es leid mich immer wieder recht­fer­tigen oder erklären zu müssen das meine Leistung auch Geld kostet, oder mich immer wieder neu zu erfinden um über­leben zu können.
    Besonders übel ist es, wenn ein poten­zi­eller Auftraggeber über Preise disku­tiert, weil er sich gerade einen 3000 Euro Flachbildschim geleistet hat.

  5. Thomas Weyres

    „Die Wertigkeit von Designleistungen und deren Mehrwert für ein Unternehmen oder Dienstleister ist in der Gesellschaft nicht ange­kommen und wird somit auch nicht gerne bezahlt, geschweige denn verstanden.“ 

    Ich finde diese Sichtweise schwierig, weil sie ein Problem nur von einer Seite betrachtet: Gerade viele der Freelancer, bzw. klein­un­ter­neh­me­ri­schen Designer stellen, meiner Meinung nach, oft nicht die rich­tigen Fragen nach unter­neh­me­ri­schen Gesamtstrategien, Zielgruppen und der Erwartungshaltung des Kundens an den Return of Investment der jewei­ligen Designdienstleistung. Bettet man eine Designdienstleistung vernünftig in eine Gesamtstrategie eines Kunden ein, ist es meis­tens relativ einfach diese dem Kunden auch zu vermit­teln – und damit auch ange­messen bezahlt zu werden. Ein Problem ist zudem die stati­sche Wahrnehmung vieler „Print“-Designer im Hinblick auf Design-Prozesse: Für viele ist der Auftrag mit Drucklegung ange­hakt. Was in der digi­talen Entwicklung längst alltäg­lich ist, die Überprüfung von Layouts einzelner Teile digi­taler Produkte durch Analytics und stän­dige Reaktion auf Dinge die nicht funk­tio­nieren, findet oft im analogen Bereich nicht statt. Ein Treffen mit dem Kunden nach „Auftragsende“ findet oft nicht statt, um zu analy­sieren was man aus der Designdienstleistung lernen konnte und was man damit über Strategie und Zielgruppe erfahren konnte. So endet der Designer oft, genauso wie der Gärtner, der mir einen Rasen gepflanzt hat, der nicht anwächst und der danach nicht mehr an sein Telefon geht, in einem von MIsstrauen geprägten Verhältnis zu einem Kunden. Wichtig ist zu verstehen, dass den Kunden ein für seine Zwecke funk­tio­nie­rendes Produkt inter­es­siert – dies ist für ihn die Wertigkeit der ganzen Angelegenheit. Und nicht der Prägedruck, der H&FJ-Font oder das Gmund-Papier – diese sind das Mittel zum Zweck zu einem funk­tio­nie­renden Produkt. Funktioniert das Produkt werden wir als Designer auch immer, oder fast immer, Respekt bekommen. Aber von alleine wird dies nicht passieren.

  6. Florian Pfeffer

    Ich persön­lich bin es leid mich immer wieder recht­fer­tigen oder erklären zu müssen das meine Leistung auch Geld kostet, oder mich immer wieder neu zu erfinden um über­leben zu können.

    Was ist denn so schlimm daran, sich neu zu erfinden? Das ist doch auch eine Form von Design … ist es nicht unglaub­würdig, daß ausge­rechnet wir Designer uns weigern, uns neu zu erfinden, wenn wir das von unseren Auftraggebern immer wieder verlangen? Diese ganze Nostalgie führt doch nirgendwo hin. Die Zeiten in denen man in seiner Jugend eine Fertigkeit gelernt hat mit der man dann 40 Jahre Berufsleben bestritten hat, sind längst vorbei …

  7. Vroni

    @ Thomas Weyres

    Recht so. So kann und wird es funk­tio­nieren mit mehr Wertschätzung fürs Design.
    Die rich­tigen Fragen nach der Unternehmensstrategie zur Einbettung des Designs zur rich­tigen Zeit stellen. Die Erwartungen abfragen.
    (Allerdings gibt es den einen oder anderen hart­ge­sot­tenen Auftraggeber, der einen genau deswegen wie einen Unbotmäßigen abwatscht: Beim Erwähnen des Worts Strategie schwillt recht boden­stän­diger Kundschaft, aber auch mancher gehetzter Marketingassistentin der Kamm. Böses Wort^^. )

    Gibt es denn an den Hochschulen so langsam mal was in Richtung Positionierung, Auftraggeber-Akquisition, Projektleitung, die Kunst der rich­tigen Klientel die rich­tigen Fragen zu stellen?
    Oder dümpelt das noch genau so wie anno Knack? 

    Und ebenso wie eh und je: Hauptsach‘, möglichst viel und immer mehr Designstudenten annehmen, damit noch mehr Professuren dabei rausspringen …?

  8. Vroni

    @ Carola
    Aber auch Sie haben recht.

    Es ist – wenn das passiert – das Werk beider, des Auftraggebers und des Auftragnehmers. Was die eigent­lich tolle Sache uner­quick­lich, gar austauschbar macht und somit in ihrem Wert beschädigt.
    (Fast wie bei Irvings „Gottes Werk & Teufels Beitrag“)

    Auszug:
    „Im Gegensatz zur Werbung, die stel­len­weise als hoch-stra­te­gisch begriffen wird und Chefsache ist (TV-Spots z. B.) von Vorstand und Hauptwerbeleiter, wird das Design in größeren Firmen meist an das mitt­lere Management, an Produktmanager oder Fachabteilungen dele­giert. Und kommt so nebenbei dele­giert bei den Agenturen und Designern an. Ein Großteil der werbe­trei­benden Auftraggeber hat kein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Design und über das Erfolgspotenzial opti­maler Design-Lösungen für Auftritte und Produkte. Design ist jedoch Chefsache.“

    Aus: http://​www​.the​-missing​link​.de/​7​-​s​c​h​l​i​m​m​s​t​e​n​-​b​r​i​e​f​i​n​g​-​f​e​h​l​e​r​-​d​e​s​i​g​n​a​g​e​n​t​ur/

  9. Vroni

    „Seit Jahren wachsen die Umsätze in der Kreativwirtschaft. “

    Immerhin.
    Ist nur die Frage wo und wie.

    Ob der Komplett-Report Antwort gibt? (Hab ihn noch nicht gelesen.)
    Oder bleibts bei 42.

  10. Vroni

    „Was ist denn so schlimm daran, sich neu zu erfinden? “

    Keine Sorge lieber @ Florian Pfeffer,
    man erfindet sich als Kreativer jeden Tag neu. Geht gar nicht anders.
    Carola tut das sicher auch.

    Was mich stört, ist, solche Aussagen implizit-indi­rekt als Gejammer um des Jammerns willen oder als einsei­tigen Blickwinkel abzutun. Sie zeigen erstmal nur die beruf­liche Realität, nichts anderes. Was jeder einzelne dann danach, nach so einem Realitätscheck, macht, das muss man halt sehen. Umorientieren ist sicher­lich nicht die schlech­teste Wahl, stattgegeben.

  11. Florian Pfeffer

    Hallo Vroni,
    ich versteh kein Wort. Ich hab hier nichts „abgetan“ (das Wort „Jammern“ stammt von dir). Es ist doch gerade der Sinn einer Kommentarfunktion, daß Aussagen öffent­lich besprechbar gemacht werden – deswegen werden sie doch gepostet, oder? Es ist viel inter­es­santer, hier über die Sache zu spre­chen als über Befindlichkeiten. 

    Zum Beispiel ist die Frage inter­es­sant, warum der „prekäre Vorhof“ (wie es so schön in der Studie formu­liert ist), immer größer wird. Es könnte (!) sein, daß der mangelnde Wille der Branche, sich neu zu erfinden einer (!) der Gründe dafür ist. Wenn man ein nicht funk­tio­nie­rendes Geschäftsmodell betreibt, kann man noch so viel kauf­män­ni­sches Wissen haben – es wird nicht gehen. Kaufmännisches Wissen ist sowieso über­schätzt … siehe Bankensektor. Was in meinen Augen der Branche eher fehlt, ist Unternehmertum.

    Es wird hier gerne auf die Hochschulen gezeigt (fair enough) – aber, daß kaum ein Gestalter sich fort­bildet (s. Studie!) zeigt, daß anschei­nend viele glauben, daß man sich mit dem Diplom/Master/Bachelor ausent­wi­ckelt hat. Aber genau das geht nicht mehr. Wenn sich heute jemand an einer Hochschule einschreibt, wird er für einen Job ausge­bildet, den es am Tag der Erstsemesterbegrüßung noch gar nicht gibt. Wie kann man dann erwarten, daß es den Beruf, den ich seit 5 Jahren mache in 5 Jahren auch noch geben wird? Weiterbildung hat dabei wenig mit Geld zu tun, sondern in erster Linie mit Neugierde und der Offenheit, Veränderungen zuzu­lassen (und das nicht nur aus wirt­schaft­li­chen Gründen). 

    Ich freue mich über Widerspruch in der Sache, weitere/gegenteilige Analysen oder Lösungsvorschläge. …

  12. Thomas Weyres

    True words, Mr. Pfeffer!

  13. Vroni

    @ Florian Pfeffer

    Zu dem Vorwurf des Jammerns: Ich sagte, er sei implizit drin. Implizit heißt: nicht wört­lich, aber in Ton und Subtext. Mit so Powersätzen wie“Was ist so schlimm dran …“

    Zu „Unternehmertum“:
    „Unternehmertum“ faktisch: Der einzelne frei­be­ruf­liche Grafikdesigner ist von der Position her ein Freiberufler und kein Unternehmer. Als Freiberufler hat man ledig­lich eine arbeit­neh­mer­ähn­liche Position.

    Unternehmer sind dieje­nigen Designer, die ein Unternehmen aufma­chen, Ideen und Kapital inves­tieren und Mitarbeiter beschäf­tigen. Das dazu.

    Ausflug in den Zeitgeist: Unternehmerisch sein wird heut­zu­tage auch von Angestellten gefor­dert. Mit welchem Erfolg bleibt mal dahin­ge­stellt. Sie können weder Kapital inves­tieren noch ein Geschäft aufma­chen. Ich persön­lich halte diese Forderung an Angestellte und arbeit­neh­mer­ähn­liche Wesen auch für über­zogen. (Das sind dann die, die diese Unternehmerforderung nach Angestellten-Unternehmertum ernst nehmen, verin­ner­li­chen und sich dann in pausen­loser Selbstausbeutung über­en­ga­gieren und wenn sie Pech haben ausbrennen.)

    „Unternehmertum“ mental: Aktiv sein, neue Ideen für sein Geschäft und voraus­denken, frei­lich. Das tun Freiberufler schon, doch. Ich denke, Ihr Vorwurf trifft die Sache nicht.

    Weiterbildung:
    Also meine­r­einer büldet sich weiter. Und an Kollegen sehe ich das auch. Bücher, Seminare, Programme lernen, Weiterbildung in Akquise und Kommunikation, Dialog führen, das ganze Programm. Man bleibt nicht stehen, man ist stets und ständig und selbst.
    Woher der Vorwurf kommt, es gäbe zu wenig Neugierde auf Veränderung, keine Ahnung. In meinem Umfeld nicht.

    Was Sache ist und da hilft tatsäch­lich kauf­män­ni­sche Exzellenz nichts:
    Der tradi­tio­nelle Markt, hier der Freiberufler, da der Auftraggeber, ist tot, bzw. ein extremer Käufermarkt geworden. 

    Neue Geschäfts- und Dienstleistungsideen tun also tatsäch­lich not.
    Ich bezweifle nur, ob da ein arbeit­neh­mer­ähn­li­ches Wesen – egal ob es Neugier, Ideen, Energie und Grips hat für 10 – einzeln da groß was reißen kann, wenn es weder Kapital inves­tieren kann noch eine große Klappe hat.

    Schönes Wochenende!

  14. Vroni

    Nur ein Beispiel:
    Selbst Webdesigner, Kommunikator und Ideeninkubator Patrick Breitenbach, der mit der – damals im Werbeblogger-Universum jeden­falls – größten (groß meine ich positiv, damit mir da ja nichts aufkommt) und erfolg­reichsten Klappe hat seine eigenen unter­neh­me­ri­schen Geschäftsideen einge­stellt. Der Familienvater aus Würzburg ist seit ca. 1 Jahr (memo­riert) erneut Angestellter/Dozent bei der Uni.

    Über die Gründe mag ich nicht recht speku­lieren, dazu habe ich keine Befugnis. Ich nehme nur zur Kenntnis.

  15. clevermind

    aus meiner sicht glie­dert sich das „problem“ in mehrere gruppen auf: 1. keine (wirk­lich­keits­nahe) kauf­män­ni­sche lehre inner­halb einer gestal­te­ri­schen ausbil­dung bzw. studium 2. falsch vermit­telte vorstel­lung des späteren berufs­le­bens (alter­na­tive?) 3. werbe­agen­turen sind gegen­über ihren ange­stellten an keine Tarifverträge (kammern) gebunden und können nach belieben prak­ti­katen und viele auszu­bil­dende einstellen ohne diese später für eine gewisse zeit verpflich­tend über nehmen zu müssen 4. der markt an desi­gnern scheint gesät­tigt zu sein 5. unter­nehmer wissen oft gar nicht genau was sie eigent­lich suchen und wollen immer sparen (sonst wären es keine unternehmer).
    in einer branche in der unbe­zahlte über­stunden zum gutem guten ton gehören braucht man sich nicht wundern. als erstes muss man bei sich selbst mit dem lohn­dum­ping aufhören. evtl findet man in einer anderen oder ähnli­chen branche sein glück. wichtig wäre eine unab­hän­gige aufklärung/plattform die vor allem auch noch unge­lernten design­in­ter­es­sierten ein wirk­lich­keits­ge­treues bild des späteren berufs­all­tags vermit­telt. hier sollten insbe­son­dere auch hoch­schulen kritisch sein. ohne kauf­män­ni­sche und recht­liche aufklä­rung kann man gleich einpa­cken. diese unab­hängig en gwa- stan­dards sind ein schlechter witz. in vielen anderen bran­chen bekommt man statt 600 euro naem­lich 1000 monatl prak­ti­kan­ten­ge­halt mit zur gestellter wohnung. und ich rede nicht von bwlern. lasst euch nicht verschau­keln. seht euch nach einer alter­na­tive um.

  16. Jürgen

    Hallo Vroni,
    Ich stimme die in vielen Punkten zu, ledig­lich deine These, Freiberufler nicht als „Unternehmer“ zu betrachten, halte ich für grund­falsch. Noch mehr, ich halte das unzu­rei­chende Selbstverständnis vieler Freiberuflern im Zwiespalt zwischen „arbeit­neh­mer­ähn­lich“ und „Unternehmertum“ für den Kern allen Übels.
    Was uns fehlt, allen voran denje­nigen die ihr Geschäftsmodell nicht zufrie­den­stel­lend betreiben können, ist unter­neh­me­ri­sches Denken! Gerade als Einzelkämpfer kam man sich eine „arbeit­neh­mende“ Einstellung nicht leisten, die führt grund­sätz­lich in ein Missverhältnis von Leistung und Ertrag.

  17. Florian Pfeffer

    Hallo Jürgen,
    danke – du hast es viel kürzer und prägnanter zum Ausdruck gebracht. Wer Rechnungen schreibt ist ein Unternehmer.

    Wer vor 20 Jahren ein Designbüro gegründet hat, hat als erstes einen Raum gemietet und Möbel/Einrichtung gekauft. Heute gründet man ein Büro, indem man eine Facebook-Seite/Website einrichtet. Man braucht all die Hardware nicht mehr und Größe (beispiels­weise ausge­drückt durch die Anzahl/Anwesenheit von Angestellten) spielt nur noch eine unter­ge­ord­nete Rolle – das ist zumin­dest meine Erfahrung. Viel wich­tiger ist es, sich mit den rich­tigen Leuten zu verbinden, um einen hohen Grad an Diversität zu errei­chen (von denen muß aber keiner ange­stellt sein – viele talen­tierte Leute wollen das auch gar nicht). Laut BDG gibt es immer mehr selb­stän­dige Designer – die gute Frage ist: Welche Modelle gibt es neben dem „Ich bin der XY und kann Webseiten machen“, die es Selbständigen ohne große Büros erlauben, Aufträge zu ergat­tern, die lukrativ sind, inhalt­lich span­nend und eine nach­haltig wirt­schaf­liche Entwicklung ermög­li­chen? Da ist jetzt auspro­bieren gefragt …

  18. Vroni

    Jürgen,
    da darf ich dir auch einmal in aller Freundschaft widersprechen :-) :
    Das ist nicht nicht einmal eine Wischiwaschi-These von mir, wo käme ich hin.
    Deshalb habe ich ja unter­schieden zwischen: faktisch und Mentalität.

    Die fakti­sche Definition des Freiberuflers kann man sich, wenn man inter­es­siert ist, überall herholen von Finanzant, dem Steuerberater seines Vertrauens, BfA, KSK.

    Er ist einfach stän­de­ge­sell­schaft­lich, poli­tisch und behörd­lich so defi­niert. Der Witz ist ja: Der Freiberufler hat nicht nur auf dem Papier einen Sonderstatus unter den Selbständigen. Er IST per Definitionen kein Unternehmer, wird nicht als Unternehmer aufge­führt, nirgends. Wenn man das ändern wollte, muss man als Lobby den poli­ti­schen Vertretern eine Änderung einbläuen. 

    Dann sind aber auch die netten Vorteile weg, z.B. dass das Finanzamt nicht nur der jahre­lang uner­folg­rei­chen Nageldesignerin oder dem ständig Miese machenden Wolladen-Betreiber, sondern auch einem akade­misch ausge­bil­deten Freiberufler dann in Zukunft doch Hobbytätigkeit vorwerfen kann, wenn er über Jahre (!!) zu wenig verdient = Miese macht. Mit unschönen Konsequenzen fürs Absetzen und für die Vorsteuer. Bis jetzt darf das Finanzamt dem akade­misch ausge­bil­deten Freiberufler da nicht benach­tei­ligen. (Wissen auch viele Steuerberater nicht richtig, welche vorwie­gend GmbHs und gewerb­liche Berufe betreuen – Freiberuflich ist ab er nicht: gewerb­lich. Und GmbH in der Regel auch nicht.)

    Die Mentalität des hands-on zupa­ckenden Ideenumsetzers darf der Freiberufler sich natür­lich gerne dazu drauf­schaffen. Was einer gewitzten Hausfrau oder einem gewitzten Handwerker nicht schadet, wird einem in seinem Büro grübelndem Freiberufler schon dreimal nicht schaden. :-)

    Mentalität ist jedoch wesens­be­dingt. Energiereichtum und hinter­fra­gende Charakter und Charakterstärke über­haupt hat man entweder vor dem Studium schon oder hat sie eben nicht. Durfte ich als Mitarbeiter-Führender immer wieder fest­stellen: Es schadet weniger, jemanden einzu­stellen, der gewisse Techniken oder Wissensvorsprünge noch nicht hat, aber das rich­tige zupa­ckende offene Wesen schon. Technik und Wissen drauf­schaffen ist leichter. Wer die Ausbildung hat, aber das zupa­ckende Wesen nicht, das wird schon schwie­riger. Eine Wesensart ist schwer bis kaum änderbar, von Forderungen von außen schon gar nicht, so berech­tigt sie sein mögen. Schlafmütze bleibt meist Schlafmütze (bis auf wenige Ausnahmen, die dann aufwa­chen, wenn sie einen Nasenstüber bekommen), intro­ver­tiert bleibt introvertiert.

    Was uns fehlt, allen voran denje­nigen die ihr Geschäftsmodell nicht zufrie­den­stel­lend betreiben können, ist unter­neh­me­ri­sches Denken! 

    Nuja, ic h will den Teufel ja nicht an die Wand malen. Der Prozess des toten Markts, da Käufermarkt, ist jedoch für meine Begriffe schon so weit fort­ge­schritten, das Image dazu auch stel­len­weise beschä­digt (zu wenig Respekt, keine Wertschätzung vor allem des Mittelstands gegen­über der Branche) dass auch unter­neh­me­ri­sches Denken alleine dem tüch­tigen Gewitzten in der Masse nicht mehr auf den toten Gaul hilft. Es sind zu viele, man liebt den Designer auch oft nicht, sondern belä­chelt ihn gerne, wenn er nett ist und beschimpft ihn sofort aber als arro­ganten Abzocker, wenn gleich­zeitig kreativ und unter­neh­mer­sich zupa­ckend ist aber auch seine Rechte gut kennt – so einfach ist das.

    Manchmal ist Adam Riese gut für den Realitätscheck.

  19. Jürgen

    Hallo vroni,
    Ich denke „Unternehmer“ ist ein dehn­barer Begriff, aber auch wenn der Freiberufler recht­lich und steu­er­lich einen sonder­status hat, das Prinzip des selb­stän­digen Einkommenserwerbs bleibt gleich.
    Ich wollte aber ohnehin auf die Geisteshaltung hinaus, und da kommen wir uns, glaub ich wieder näher: unter­neh­me­ri­sches denken schließt in meinen Augen zwin­gend ein, das eigene Geschäftsmodell fort­wäh­rend zu prüfen. Das würde in der Konsequenz auch einschließen, bei nicht-Erfolg andere Richtungen einzu­schlagen und bis dahin auch zu keinem Zeitpunkt Geschäfte zu tätigen die sich nicht rechnen können. Zu viele Kollegen verharre zu lange in Passivität und in einem womög­lich für sie nicht funk­tio­nie­rendem Markt.

  20. Jürgen

    Noch ein Wort zur „Beschimpfung“, ein Phänomen dass mir auch nicht fremd ist. Und auch wenn ich damit große Schwierigkeiten habe, glaube ich doch dass man das einfach igno­rieren sollte. Meiner Erfahrung nach steht in einer verhand­lungs­si­tua­tion das Gejammer, Gefeilsche und auch Geschimpfe oft in keinerlei Verhältnis zur Realität, d.h. Die aller­reichsten und erfolg­reichsten sind die aller­größten Pfennigfuchser und konse­quent empört, verwun­dert und verständ­nislos. Ich glaube das ist eine verin­ner­lichte verhand­lungs­taktik, da muss man einfach drüber…;-)

  21. Vroni

    Gut,
    eine Gesellschaft braucht jedoch auch die Introvertierten. Sie machen oft tolle Arbeit, kommen auf Ergebnisse, auf die die“Unternehmertypen“ nicht kommen. Eben aufgrund der ruhigen zurück­hal­tenden „passiven“ Art.
    Die ist bei den Kreativen nicht sonder­lich selten, wie ich erfahren durfte.

    Wenn man jetzt die als wenig brauchbar einstuft, weil sie eben nicht diese angeb­lich gefor­derte unter­neh­me­ri­sche Art haben, macht man einen großen Fehler. Ich finde, wie gesagt, sie machen oft die tolleren Jobs. In Heißluftgetriebe-Betrieben, in denn alle Monate ein neuer Innovationswind (höher! schöner! weiter! besser! schräger! wilder! inter­es­santer! markt­gän­giger! kunden­ge­rechter!) durch den Ventilator gejagt wird, können sie sich nicht entfalten.
    Ich habe ein großes Herz für sie.

    Das für die Dauerunternehmer und Daueroptimierer – alle Tage ein neues heißes Ding – hingegen mag nicht so recht klopfen.

  22. designer

    Solange wir Kreativlinge keine Lobby in Berlin/Brüssel haben wie ALLE anderen Branchen welche bis zum Trachtenverein von den Steuerzahlern subven­tio­niert werden, werden wir immer die letzten Deppen sein und uns wundern wenn wir die Verdienstmöglichkeiten in anderen Branchen sehen.

    Laut einer Wirtschafts Woche Tabelle verdient der Grafiker grade mal so viel wie ein Personaler, während der Anwalt ein gedrucktes Buch hat in dem steht wieviel er ergauern kann.

    Leute, lest mehr Wirtschaftspresse und erkennt das wir drin­gend eine Gewerkschaft bzw eine gute Interessesgemenschaft brau­chen wie unsere Kunden.

    Leider versteht aber der Designer von wirt­schaft­li­chem Denken nichts und wundert sich von den ehren­werten Kaufmännern über den Tisch gezogen zu werden mit den Folgen von Altersarmut.

    Wer keine Lobby hat wie zB der Zahntechnker in meiner Nachbarschaft der eine AUDI R8 und Q5 fährt und sich grade ein zweites Haus (Neubau, ca eine halbe Million Euro teuer) gekauft hat muss alles hinn­nehmen und sich ausbeuten zu lassen.
    Wenn ich mir dann noch anschaue das sich zB Handwerker in Oberbayern (nähe Wasserburg) ein frei­ste­hendes Haus mit ca 1000m2 Garten leisten können über­kommt mich die Wut das wir uns so mies behan­deln lassen.

    https://​www​.face​book​.com/​b​d​g​d​e​s​i​g​ner
    und 372 Gefällt mir Klicker zeigt auch offen­sicht­lich das Desinteresse an Interessensgruppen die für uns kämpfen.eigendlich eine Bankrotterklärung.

    Schade das wir für andere Werben können, aber nicht um uns :(

    Fazit:
    Eine Branche voller intel­li­genter Menschen mit Bildung ((!!! … keine Hauptschüler) schafft sich ab und ist zu deppert die Realität zu erkennen.

  23. Vroni

    Tja,
    diesen Ansatz habe ich hier auch mal vertreten.

    Uiui. Kann froh sein, nicht geshit­s­tormt worden zu sein. Denn die Damen und Herren Designer sind doch recht indi­vi­du­elle Naturen und geruhen ihre Freiheit zu lieben. D. h sie lieben den Satz „Der Einzelne ist seines Glückes Schmied“ über alles und lehnen in der Mehrheit eine in welcher Weise auch immer orga­ni­sierte Zusammenarbeit ab. Das mache sie unfrei.
    Lieber prügelt man auch in mitrei­ßenden Sonntagsreden die einzelnen unter­neh­me­risch doch schwer under­per­for­menden^^ Einzelgrafiker zu soge­nannten besseren Lösungs/-Ideenansätzen, weil man selber keine weiß. (Das tote Pferd noch mehr reiten, indem man ihm Zucker gibt und es noch mehr peitscht, nennen das die Vertriebler.)

    Was will man da noch sagen. Außer in schönstem bairi­schen Deutsch: Der Bauer ist schlauer als wie ihr.

    [Die Schreiberin ist immerhin zumin­dest bei Ver.Di. Aus der AGD ist sie rasch wieder ausge­treten, da sie sonst in Tiefschlaf verfallen wäre. Zur über­mä­ßigen, wenn nicht gar ins neoli­be­rale drif­tenden Verherrlichung der Individualität, zum Selbstoptimierungswahn und zum einzelnen Schmiedglück hat sie eine deut­liche persön­liche Meinung.]

  24. Jürgen

    Hallo Vroni,
    sorry, aber deine Unterscheidung zwischen „intro­ver­tierten“ (Die tolle Arbeit leisten) und „Unternehmertypen“ („Optimierer“) kann ich so gar nicht nachvollziehen.
    Ich möchte ledig­lich dafür plädieren, dass jeder, der seine Leistung selb­ständig zu Markte trägt, elemen­tare Grundsätze ordent­li­chen Wirtschaftens berück­sich­tigt. Um seiner selbst willen und zum Wohle der Branche, der Kollegen die unter denje­nigen leiden, die zu lange Zeiträume mit Nebenjobs und zu nied­rigen Stundensätzen tatkräftig am Stuhlbein aller Designer sägen.

    Der Designer-Freiberuf funk­tio­niert nicht für jeden, er ernährt nicht jeden und er macht nicht jeden glück­lich. Würde diese Erkenntnis öfter und schneller wahr­ge­nommen, wäre der Markt evtl. auch nicht derart „käufer­be­stimmt“, da weniger Anbieter mit der Motivation „Not & Verzweiflung“ auf dem Spielfeld stünden, ja viel­leicht insge­samt weniger Anbieter über­haupt mitspielen würden?

  25. Vroni

    Jürgen,
    das muss auch nicht jeder nach­voll­ziehen. Mir reicht es, wenn ich von einigen verstanden werde.

    … dass jeder, der seine Leistung selb­ständig zu Markte trägt, elemen­tare Grundsätze ordent­li­chen Wirtschaftens berücksichtigt.

    Nur reicht das nicht mehr, uups – wie auch ein Kommentarist drüben beim BDG anschau­lich beschreibt. Deutlicher geht es nicht mehr, und der kann mit Zahlen. Mal rüber­gehen und den lesen vielleicht?

    … er [Der Designerbreiberuf] macht nicht jeden glück­lich. Würde diese Erkenntnis öfter und schneller wahrgenommen, … 

    Wie soll das gehen, wenn zig private Ausbildungsakademien mit sehr geschicktem Marketing (übri­gens auch ein feines sehr unter­neh­me­ri­sches Geldverdien-Geschäftsmodell, wenn direkte Auftraggeber immer schwerer zu kriegen sind, dann verdient man halt Geld mit der Ausbildung des zukünf­tigen arbeits­losen Nachwuchses …, da ist die Nachfrage enorm. Was später aus den Adepten wird, ja mei … ) wie nix aus dem Boden schießen und damit werben, dass man ohne Mappe genommen würde und begeis­terte Auftraggeber/Firmen bereits Studenten mitten aus den Hörsälen zögen. Das rockt, das funzt, das ist Pop näch. Ich nenne nur mal die Pop, die U5 und andere.

    Oder wie ist es damit, dass das Arbeitsamt unter der Schröder-Regierung alles was nicht recht­zeitig den Baum rauf­ge­kommen ist, Trockenbauer, Maurer zum Webdesigner und Mediengestalter umge­lernt hat. Auch das spüren wir heute massiv. Dem durch­schnitt­li­chen Auftraggeber aus dem Mittelstand sind doch die Unterschiede wumpe, alle machen Logos oddrr? Nur sind die Webdesigner mit ihren Pixellogos und die Mediengestalter deut­lich billiger. Aufrufe der AGD und anderen, man möge doch püdde nicht für 15 oder 35 EUR arbeiten, sondern für 76, gehen sauber an der Realität, der Marktwirklichkeit vorbei. Natürlich sind 35 EUR betriebs­wirt­schaft­lich kaum sinn­voll und klingen übel nach schlechter blau­äu­giger Kalkulation und Unfähigkeit zum Wirtschaften. Doch viele Einzelgrafiker haben keine andere Wahl, ob sie in Mathe und Wirtschaftslehre mal gut waren oder nicht ist doch mitt­ler­weile uner­heb­lich geworden.

    Die AGD ist auch recht putzig: http://​www​.agd​.de/​6​2​8​.​h​tml
    „Design stärkt den Mittelstand“ sagen sie. Und reden dann in den Vorträgen mit dem Mittelstand über Maschinen, dass man an gut ausse­henden Maschinen besser arbeite. Welches Design zur Hölle, achja das Produktdesign. Hab ich glacht. Dem Kommunikationsdesigner, der mit dem Mittelstand nicht allzu selten seine liebe Argumentationsnot hat, bleibt das Lachen im Halse stecken. Was für ein Verein.

  26. Vroni

    Jürgen,
    Thema: erst nicht ernst nehmen und wenn ernst dann sofort ruppig.
    Ich meinte damit gar nicht so sehr die Hardbuying-Einkäufer-Taktik, wenn es um die Verhandlung des Honorars geht. Da gilt es frei­lich, nicht mit einer einzigen Wimper zu wackeln und Pokerface.

    Sondern wie man gene­rell auch während des Prozesses mit Kreativen umzu­springen pflegt. Da ist eben­falls das volle Programm dabei. 

    Was ich hervor­heben wollte: Während des Prozesses. Wie fix bei ein- und demselben Auftraggeber und ein- und demselben Kreativen das Gebaren des Auftraggebers negativ umspringen kann, sobald letz­terer merkt, da sitzt ja jemand, der nicht nur freund­lich und unbe­darft ist, sondern einer, der rechnen kann und der fach­lich seine Hausaufgaben gemacht hat. Ist ja eigent­lich erfreu­lich, toll. Das fordern ja alle Verbände in ihren Hochglanzreden. Aber: Das mögen viele Auftraggeber gemeinhin gar nicht. 

    Denn auch während des Prozesses ist die Betriebswirtschaft noch nicht rum. Sie kommt sogar oft erst richtig. Egal, ob man gute und saubere AGB hat und Auftragsbestätigungen gemacht hat oder nicht. Änderungen der Änderungen, unvor­her­ge­se­hene Korrekturen, die zwar vertrag­lich als Stundenvergütung verein­bart waren, aber um die der Auftraggeber herum­kommen will. Oder die plötz­liche harsche Forderung nachdem der Auftrag beschrieben und geschrieben ist, man wolle doch jetzt genauso ein Logo gemacht kriegen wie die Konkurrenz (fach­lich und recht­lich ein Unding, habe ich aber erlebt – auch das vernünf­tige Beraten half nichts, man will und basta, und der Designer sei Erfüllungsgehilfe.) Oder der plötz­liche Wunsch mitten im Prozess nach der Herausgabe von offenen Dateien gegen eine Minivergütung. Da stehste dann da. Wie kommt man da wieder heil raus mit klaren freund­li­chen betriebs­wirt­schaft­li­chen und fach­li­chen Entgegnungen und konstruk­tiven Ideen, ohne dass das gemein­same Arbeitsklima versaut ist (es wird). Wie ohne Klima-Verluste das im Gespräch klären und wie kriegt man dennoch das Ergebnis noch gut hin. Da haben Hardcore-Auftraggeber einfach die Nase aufgrund ihrer Dickfelligkeit vorne und zwingen einen auch noch „mora­lisch“ in die Knie: Man müsse doch, man sei doch Dienstleister und so und so. Oder es war mit denen das letzte Projekt. Man muss sich dann über­legen, will man betriebs­wirt­schaft­lich da heil raus oder will man einen schlechten Ruf riskieren. Beides mit einer Klappe ist schwer. Ist halt auch da: Käufermarkt. Von wegen, Hauptsache man hat den Auftrag in trockenen Tüchern und gut ist. Der Terz geht da oft erst los. Zur Zeit mache ich um mindes­tens jede zweite Auftragsannahme einen großen Kratzbogen. Weil es oft trotz Nettigkeit gepaart mit vernünf­tigen Aussagen schon saublöd anfängt. Wie wird da das eigent­liche Projekt sein, geht gar nicht.
    Das hat viel mit typisch mittel­stän­di­schem Misstrauen* gegen­über Agenturen und Designern zu tun. Mein Eindruck: Man traut nur einem erwie­senen Trottel, der nicht rechnen kann.

    * Siehe auch Autor Heiko Burrack in „Vom Pitch zum Award: Wie Werbung gemacht wird. Insights in eine unge­wöhn­liche Branche“.
    Nach seinen Schilderungen tut sich der Mittelstand ausge­rechnet mit mittel­stän­di­schen Agenturen sehr schwer, obwohl man doch erwarten könnte, dass Mittelstand gut mit Mittelstand könne. Das Gegenteil sei oft der Fall: Misstrauen und eisernes, unnach­gie­biges Wachen über Kleinst-Vergütungen verpesten den gemein­samen Arbeitsprozess.

  27. Jürgen

    Hallo Vroni,

    abschlies­send nochmal meine Wunschvorstellung: ähnlich einem Ein-& Verkäufer sollten alle Kollegen den Betrieb einstellen wenn es Ihnen nicht möglich ist einen gewissen mindest­stun­den­satz zu gene­rieren. Der Einkäufer merkt schnell wenn er zuwenig verdient, in dem er schnell große Aussenstände aufbaut – in unserem Gewerbe ist das leider viel zu lange kaschierbar – durch billiges Wohnen, Mami und Papi, Nebenjobs oder sonstwas . Es gibt tausend Wege gute Arbeit für Almosen unters Volk schmeissen zu können. Das schwächt „uns“ leider zusätz­lich, neben den Problemfeldern der zu großen Zahl von Anbietern und dem Machtmissverhältnis zwischen Auftraggeber und -nehmer.

    Wirtschaftliches Handeln ist also keines­wegs die Lösung für alle Probleme, aber eine essen­ti­elle Grundvorraussetzung ohne die der Markt keines­falls funktioniert.

    Und zum Nörgel-Kunden: „Mögen“ muss mich keiner, nur beauf­tragen, das reicht schon…

  28. Designer aus Berlin

    Ich bin recht verwun­dert über den Bericht – ich habe 2007 mein Diplom gemacht, und so gut wie alle meine Mitstudenten stehen heute gut im Geschäft (damit meine ich > 50.000 € brutto als Angestellter, > 70.000 € als Selbstständiger/Freiberufler).

    Bei allen anderen Berufsgruppen aus meinem Umfeld sieht es weitaus schlechter aus. Ist bestimmt aber auch nur meine subjek­tive Sicht der Dinge.

  29. designer

    Und jetzt ? Empörung aber morgen wieder tief bücken?
    Alle paar Jahre das gleiche Dilemma das viele Menschen mit Abitur (!!!) nicht fähig sind für Ihre Rechte zu kämpfen. Leider dem neoli­be­ralen Sauhaufen auf dem Leim gegangen.
    Was macht man denn jetzt? Vermutlich werden eh alle wieder in die Duldungsstarre verfallen und sich verge­wal­tigen lassen. Zeit Exit zu drücken in dieser kranken Branche.

  30. Vroni

    Jürgen,
    mit „wirt­schaft­li­chem Handeln“ als Grundvoraussetzung bin ich einverstanden. 

    Zum Nörgeli:
    Hauptsach, das Preis-Nörgeli schließt mit einem ab. Oft ist das Einschüchtern, Meckern und an der Preisschraube drehen tasäch­lich nur Show und er kauft doch. Genau.

    Einem Schraubenverkäufer ist das sogar sehr recht. Der kriegt sein Happchen ähm seine Schrauben, zahlt zufrieden und ist weg. Schraubenverkäufer auch zufrieden.

    Ein Designer ist aber kein Schraubenverkäufer, bei dem das dann beendet ist. Er muss weiter mit dem im Projekt. Ganz andere Bedingungen. Das einst sorg­fältig kalku­lierte Stundenhonorar wird oft Makulator mit solchen. (Sonderwünsche, Mehraufwände, die sie sich weigern zu vergüten etc., Designern wohlbekannt).

Kommentarfunktion ist deaktiviert.

<em>kursiv</em>   <strong>fett</strong>   <blockquote>Zitat</blockquote>
<a href="http://www…">Link</a>   <img src="http://bildadresse.jpg">