Artikel im Februar 2010


Die schönste Zeitung kommt aus Deutschland

Alljährlich prämiert die Society for News Design (SND) Mitte Februar die am besten gestalteten Tages- und Wochenzeitungen weltweit. Vergangenes Jahr war nicht einfach für die Branche, was auch die Jury spürte. Fast überall kämpfen die Zeitungen mit schwindenden Auflagen und sinkenden Anzeigenerlösen. In den USA scheint die Situation dramatischer als außerhalb, wo die Printmedien nach Auffassung der SND-Berater einen »gesünderen« Eindruck machten.

Doch gerade der Wettbewerb mit den digitalen Nachrichtenquellen sei eine große Herausforderung für die Gestaltung. Die Rolle es Designers habe sich gewandelt, die visuelle Inszenierung sei wichtiger als je zuvor. »This is the age for the thoughtful designer. Your efforts must be as considered as they are creative.« resümieren die Experten bei SND.

Dieses Mal beteiligten sich 240 Zeitungen am Design-Wettbewerb der SND. Sie reichten das nach ihrer Ansicht beste Exemplare des vergangenen Jahres ein – drei eingebettete Flickr-Diashows im nachfolgenden Beitrag (mit Full-Screen-Funktion) zeigen diese eingereichten und prämierten Ausgaben.

Am 8. Februar entschied sich die Jury für drei Sieger, von denen zwei aus Deutschland kommen, was das gefühlte hohe Niveau des deutschen Zeitungsdesigns bestätigt:

1. der Freitag (Wochenzeitung, Berlin)
2. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (Wochenzeitung, Frankfurt am Main)
3. The New York Times (Tageszeitung, New York, USA)

Die Zeitungen wurden gewählt, weil ihre Gestaltung beweist, dass die Redaktionen ihre Leser genau kennen und gut bedienen möchten. Das Aussehen der Siegerblätter ist in jedem einzelnen Fall das Ergebnis einer sorgfältigen Planung plus einer redaktionellen Strategie, die sich von der ersten bis zur letzten Seite durch das Gedruckte zieht. Die Jury: »They each have a strong DNA — an identity that goes beyond format. A partial inside page is as identifiable to the publication as its’ page one.«

Der Freitag, Berlin, wöchentlich, Auflage 12.400 Exemplare

Wie die Berliner Wochenzeitung gestern in ihrem Redaktionsblog mitteilt, habe die Freitag-Redaktion nach Erreichen der Nachricht aus Orlando, Florida, erst mal die Arbeit für ein paar Minuten eingestellt: »Die Freude ist riesengroß«. Verantwortlich für die vorbildliche Gestaltung des Blattes sind Matthias Last und Alexander Seeberg-Elverfeldt, das interne Art-Department (Janine Sack, die Leiterin, Andine Müller, Corinna Koch, Jana Schnell und Stefan Stalder) sowie Anja Horn und ihr Team beim Berliner Designbüro Einhorn Solutions. Johannes Erler (factordesign) stand beim Redesign beratend zur Seite. Und nicht zuletzt gebührt dem Schriftentwerfer Luc(as) de Groot ein Lob, der für dieses Projekt eine weiterentwickelte Version von TheAntiqua produzierte.

Hier die ausführliche Begründung der Jury, übersetzt von Christine Käppele bei Freitag: »Auffällig und doch so schlicht. Seite für Seite wartet diese Zeitung jede Woche mit visuellen Überraschungen auf; diszipliniert und elegant, anstatt laut und chaotisch. Wie gelingt dem Freitag diese schwierige Balance? Das strenge Grundlayout – eine solide Typographie, eine intuitive Navigation – wird durch eine präzise Auswahl und Präsentation der visuellen Inhalte ergänzt. Die Zeitung, die 2009 radikal neu gestaltet wurde, hat von der Titelseite an keine Angst davor, auffällige, originelle Illustrationen zu zeigen. Ein Frosch, der in allen Regenbogenfarben schillert, sticht dort hervor, als wolle er den Leser dazu auffordern, in die Zeitung einzutauchen. In der Mitte einer Doppelseite illustriert das wundervolle Foto eines einsamen Iglus in der gefrorenen Tundra eine Leseprobe auf eindringliche Art. Farbe wird zur Navigation des Lesers sparsam und strategisch eingesetzt. Woche für Woche ist die Struktur einheitlich, ohne dass die Zeitung dadurch vorhersehbar wird. Ähnlich reduziert ist die Typographie. Verwendet wird nur eine Schrift, was jedoch durch den Einsatz verschiedener Schriftschnitte nie eindimensional wirkt. Es gibt keine Unordnung oder unnötige Bilder, die den Blick ablenken. Der Freitag scheut sich nicht davor, seine Leser einfach lesen zu lassen. Um es kurz zu machen: Die Zeitung ist ein Genuss«.

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, wöchentlich, Frankfurt, Auflage 347.000 Exemplare

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ist die Sonntagsausgabe der FAZ, ursprünglich nur als Regionalzeitung in der Region Rhein-Main vertrieben, und seit dem 30. September 2001 bundesweit erhältlich. Trotz der gemeinsamen Nutzung redaktioneller Ressourcen (die FAS hat aber zusätzlich 50 eigene Redakteure) tritt die Sonntagszeitung eigenständig auf. Ihr Erscheinungsbild unterscheidet sich deutlich vom Muttermedium in der Satzgestaltung, der durchgängigen Vierfarbigkeit und einer eigenen Brotschrift, der Janson. Außerdem ist ihr Ton leichter und unterhaltsamer als jener der seriösen FAZ. Ein Erkennungsmerkmal sind die oft eingesetzten Illustrationen am Artikelanfang (Vignetten), die unter anderem von dem Illustrator Bengt Fosshag stammen.

Die Jury: »Ein bemerkenswerter Mix visueller Elemente entfaltet sich auf den Doppelseiten dieser Wochenzeitung im Nordischen Format. Anstatt Geschichten in unveränderbare Layouts zu quetschen, erzählen die Designer des Sonntagsblatts – handwerklich gekonnt –  Geschichten, passend zum Thema des Beitrags. Auf einer Seite ließ sich eine Geschichte am besten mit 24 Screenshots vom iPhone illustrieren. Wenige Seiten später erlaubt die riesige Abbildung eines Renaissance-Gemäldes dem Leser, sich in malerischen Details zu verlieren, was die begleitende Geschichte zusätzlich kraftvoll unterstützt. Der sinnvolle Gebrauch weißer Flächen und des Rasters, verbunden mit dem umsichtigen Einsatz von Farbe tragen zur allgemeinen Klarheit bei. Das Ergebnis: eine Zeitung, welche die Zeit, den Verstand und die Neugier standhaft respektiert«.

The New York Times, täglich, New York City (USA), Auflage 930.000 Exemplare

Die New York Times (NYT), gegründet 1851, ist eine einflussreiche überregionale US-Tageszeitung, die von der New York Times Company geführt wird. Sie wird auch »The Gray Lady« genannt. Ende 2004 betrug die verteilte Druckauflage wochentags 1.124.700 Exemplare, heute liegt sie bei 930.000. Die Wirtschaftskrise ab 2008 traf die New York Times mit Einbrüchen bei den Anzeigeneinnahmen. Am 19. Januar 2009 teilte die New York Times Company mit, dass sich der mexikanische Milliardär Carlos Slim mit weiteren 250 Millionen Dollar am Verlag beteiligt. Die Redaktion wurde von 1330 auf 1100 Mitarbeiter reduziert. Wie schon andere Druckpublikationen auch verlegt die NYT den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten zunehmend in den Online-Bereich, der zunächst als Ableger und Ergänzung der Druckausgabe behandelt wurde. Zuletzt machten die New Yorker mit innovativen Apps und Webseitenkonzepten auf sich aufmerksam.

Die Jury: »A large-circulation general-interest newspaper is a tough beast to visually tame. Every Sunday, the local edition of The New York Times has a dozen or more sections, covering the world from Bali to the Bronx, and topics ranging from nuclear bombs to nose jobs. A DNA of visual discipline binds sections with distinct accents together into a paper that speaks with one voice. A design architecture of timeless elegance provides a solid foundation upon which to build innovative visual storytelling that weaves through the paper. In the Metropolitan section, the extraordinary lives of ordinary people unfold in a feature that raises the bar for photo columns. When it comes to presenting long-form written journalism, Times designers realize their job is to enhance the pleasure of reading narrative text, not diminish it with distractions. From its iconic front page to cutting-edge fashion photos in its magazine, the Times serves a national audience with a sprinkle of New York flavor.«

Die Jury:
J. Bruce Baumann, Evansville Courier & Press
Dennis Brack, The Washington Post
Miguel Gomez, Al Nisr Publishing Group (Dubai)
Lily Lu, Berater und Bründer von SND China
Margaret O’Connor, The New York Times

Erst googeln, dann twittern …

… ist das neue »Erst denken, dann sprechen«. Wer sich das nicht hinter die Ohren schreiben möchte, kann die neue Weisheit der Socials auch schwarz auf weiß bestellen. Entworfen von Joe Newton (@TheJoeNewton), mit der Schrift Olduvai, gedruckt auf 300 g Somerset-Velvet-Baumwollpapier im Buchdruck, Format A4 und erhältlich bei I love Typography für 15,00 Dollar.

Unsere Nachbarn in der Bergmannstraße

Das echte Leben spielt dort, wo die Menschen sind: auf der Straße. Das dachte sich auch das Team um die Dokumentarfilmerin Bettina Blümner, als es bei uns hier in der Bergmannstraße den zufällig vorbeikommenden Passanten ein paar Fragen stellte. Zum Beispiel: »Was wollten Sie immer schon mal machen?« oder »Was ist ihnen lieb und teuer?« Aus den Antworten zimmerte Jung von Matt/Alster, unter dem Kreativdirektor Fabian Frese, eine Imagekampagne für die Deutschen Versicherer: vier Werbeclips, gedreht in vier deutschen Städten mit stark-dokumentarischem Charakter. Gut gemacht, toll geschnitten, und zumindest für den Drehort Bergmannstraße können wir bestätigen: Die gezeigten Personen leben hier, wir kennen die meisten vom Sehen.

Gold für Dan Reynolds Schriftfamilie ›Malabar‹

Der Entwerfer von ›Malabar‹ Dan Reynolds (links) und ihr Herausgeber Frank Wildenberg, Geschäftsführer der Linotype GmbH nach der Preisübergabe

Am Wochenende fand in Frankfurt die Verleihung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland statt, darunter der Gold-Award für die Serifenschrift Malabar, entworfen von Dan Reynolds und herausgegeben von Linotype (Fontblog berichtete). Nach 2007 wurde damit zum zweiten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs ein Preis für Schriftdesign vergeben (›DB Type‹, Erik Spiekermann/Christian Schwartz).

»Linotype ist mit Malabar eine ebenso zeitgemäße wie zeitlose Schrift gelungen, die durch überragende typografische Qualität der Buchstaben und einzelnen Schriftschnitte sowie durch eine perfekte Harmonie der Schriftschnitte miteinander besticht«, lobte Robert Klanten, Mitglied der Jury, den Entwurf. Dan Reynolds sieht in dem Gold Award vor allem Anerkennung für eine Zunft, die vielen Menschen unbekannt ist: »Den Deutschen Designpreis als Schriftdesigner zu erhalten, ist etwas ganz Außergewöhnliches, denn mit dem Preis wird weit mehr ausgezeichnet als nur die Malabar. Durch den Award wird Schriftgestaltung in das Zentrum der Designwelt gerückt. Schrift ist nicht die Gestaltung von Buchstaben auf dem Bildschirm – Schrift ist ein qualitatives Designprodukt.«

Bereits während der Gestaltung von Malabar reichte Reynolds Schriftmuster zu den kleinen Spezialwettbewerben ein, zum Beispiel dem TDC Award, wo sie ebenfalls gefeiert wurde. Der Deutsche Designpreis sei jedoch etwas ganz anderes. Da stehe die eigene Arbeit plötzlich »auf der gleichen Stufe wie das Design eines Audi A5«. »Einfach großartig«, beschreibt Reynolds seine Freude.

Der Amerikaner Dan Reynolds (30) lebt in Berlin und arbeitet bei Linotype in der Gruppe für Fontentwicklung. Nach seinem ersten Besuch in Mainz entschied er sich, nach Europa umzusiedeln. Seither bestimmt die Arbeit mit und an Fonts sein berufliches Leben. Zusammen mit vier seiner Mitstudenten an der HfG Offenbach gründete er 2004 den Offenbacher Typostammtisch. 2008 bekam er seinen Master-Abschluss in Schriftgestaltung an der Universität Reading.

Neben Linotype standen mehrere renommierte deutsche Marken und Designfirmen auf dem Siegerpodest, wie beispielsweise Audi, Bulthaup oder Lamy. Auch prominente Projekte aus dem Ausland wurden mit dem Preis dotiert, unter anderem Hollywood-Schauspieler Brad Pitt mit seinem Projekt »Make it Right«, das einen Beitrag zum Wiederaufbau New Orleans nach dem Hurrikan Katrina leistete.

Malabar ist eine robuste Serifenschrift, für die Reynolds auch Devanagari-Schriftzeichen entwarf. In ihr spiegeln sich Einflüsse des 16. Jahrhunderts wider. Die Buchstaben sind im Stil der Renaissance Antiqua gezeichnet. In ihrer Form ist eine markante Diagonalachse in den Kurven zu erkennen. Die kräftigen Serifen verstärken das Textbild in kleinen Größen und definieren den allgemeinen Charakter der Schrift. Die Schriftfamilie umfasst drei Fetten, jede mit einer eigenen Kursivvariante. Alle Schnitte verfügen über Versalziffern  – die Schnitte Malabar Regular und Italic beinhalten auch Mediävalziffern. Die Familie wird in den nächsten Tagen bei FontShop erhältlich sein.

FIFTY|1: Das neue FontFont-Magazin 50/51 [Update]

Soeben frisch im Netz: Die 2. Ausgabe des FontFont-Schriftmuster-Magazins, mit dem Titel FIFTY|1 (kleiner Erinnerungslink zur Ausgabe 1: FORTY9). Es ist eine Doppelnummer, gewidmet den FontFont-Releases Nº 50 und Nº 51. Viel Spaß beim Blättern des 64-seitigen Journals, gestaltet von Alexander Roth und seinem Team für FontShop International (FSI), Herausgeber der FontFonts (unbedingt im Vollbild-Modus ansehen).


Das neue FontFont-Magazin als Flash-Film, bereitgestellt von Issuu (Direktadresse zum Dokument), wo es nicht geladen werden kann (bitte den Download-Link am Ende dieses Beitrags verwenden)

Neu an FIFTY|1 ist die lokalisierte Ausgabe von FontShop Berlin, mit deutschem Editorial und einer Einführung in die Office-Fonts in Deutsch; sie wird – wie FORTY9 – demnächst auch gedruckt erscheinen. Ansonsten folgt auch die aktuelle Ausgabe des FontFont-Journals dem bewährten Rhythmus: Zwischen aussagekräftigen Schriftmustern, die es zu lesen lohnt (nicht übersetzt), befinden sich als Augenschmaus wieder vierfarbige doppelseitige Typoillustrationen.

Erik Spiekermann bezeichnete diese Typopralinen anlässlich des Erscheinens von FORTY9 als »die besten Schriftmuster die ich kenne seit Berthold 1913. Das liegt vor allem daran, dass Alexander die Schriften versteht, die er abbildet.« Mit Alexander ist der junge Art-Direktor der FontFont-Magazine gemeint, Alexander Roth. Er war letztes Jahr Praktikant bei FSI, studiert am Fachbereich 2 (Medienproduktion) der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und hat sich für die neueste Ausgabe Verstärkung aus seinem Semester geholt.

FF Celeste Offc als Banknotenschrift: Eine von zehn prächtigen Doppelseiten, auf denen neu erschienene FontFonts visuell inszeniert sind (Illustration: Alexander Roth)

In seinem Editorial erinnert FontFont-Marketingchef Ivo Gabrowitsch an die Anfänge der Bibliothek. Noch bevor sie ihren Namen trug, erschien 1989 eine erste Schriftfamilie für die ein Jahr später gegründete Font-Library: Beowolf, entworfen von Erik van Blokland und Just van Rossum. Die Buchstabenformen der 3 Schnitte änderten sich nach dem Zufallsprinzip. Die heute legendäre Schrift trug bereits die drei wichtigsten Bausteine der FontFont-Philosophie in sich: ästhetische Qualität, technische Raffinesse und Esprit.

Auch die kurz darauf erschienenen Schriften folgten diesen Motiven, zum Beispiel FF Scala, FF Meta oder FF Hands. Dabei gab es zu jener Zeit weder ein offizielles Leitbild, noch einen typografischen Leitfaden für die junge Bibliothek. Außer: … von Designern für Designer.

Die neuste Schrift des polnischen Entwerfers Łukasz Dziedzic, FF Mach … nach seiner Textfamile FF Clan eine raffinierte, holzschnittartige Display-Schrift

Es war ohne Zweifel der Designanspruch, der die FontFonts weltberühmt machte. Doch Schriften werden nicht allein von Kreativen eingesetzt. Aus diesem Grund hat FSI Ende letzten Jahres die Office-FontFonts entwickelt, die in FIFTY|1 einen großen Raum einnehmen. Mit ihnen stehen Anwendern typischer Büroapplikationen jetzt Fonts zur Verfügung, die ihren Anforderungen entsprechen, den neuesten Stand der Technik darstellen und ästhetisch eine Bereicherung für die Bürokommunikation sind.

Die Kombinationsmöglichkeiten der FF Mister K Dingbats sind unendlich … und sie ist alles andere als eine kalte Digital-Piktogramm-Sammlung … was der Designer Lars Krüger wunderbar mit Rubbelfolien illustriert

Versalziffern für Tabellen sind Standard in den Office-Fonts, weil sie für Rechnungen, Preislisten und Charts unverzichtbar sind. Werden für typografisch anspruchsvolle Bürodrucksachen proportionale Mediävalziffern oder Kapitälchen benötigt, kann man auf diese über einen Extra-Font zugreifen. Wegen ihrer Stilverlinkung werden Offc-Schriften als Basic-Set geliefert (Regular, Italic, Bold und Bold Italic); sind weitere Strichstärken lieferbar (zum Beispiel Light oder Black), lassen sich diese paarweise hinzu lizenzieren, jeweils geradestehend + kursiv.

Font-Technik ist keine Geheimwissenschaft … diese lehrreiche Grafik in FIFTY/1 veranschaulicht den Unterschied zwischen TrueType-flavoured OT-FontFonts (.ttf) und PostScript-flavoured OT-FontFonts (.otf)

Dreißig der wichtigsten FontFont-Familien sind bereits als Office-Fonts verfügbar (und lösen die PostScript-Fonts ab). Im Moment wird die gesamte Bibliothek überarbeitet und in dieses Format übertragen, so dass bald weitere Offc-FontFonts folgen. Was das Format im Detail auszeichnet, lässt sich nirgends besser erkunden als in FIFTY|1. Alle Offc-FontFonts sind natürlich auf www.fontshop.de downloadbar, hier geht es zur Offc-Schriftübersicht im Shop.

Download-Links (Achtung, je 64 S, 20 MB):
• deutschsprachiges PDF von FIFTY|1
• englischsprachige PDF von FIFTY|1

[Update: Korrigierte Version jetzt im Download]

PdW 7: Ein Slab ins Gesicht … Facebuster

Es ist eine der druckvollsten Slab-Serif-Schriften auf dem Markt, ihr Entwerfer Silas Dilworth bezeichnet sie selbst als »No-nonsense Block Serif«. Der fette Headline-Font ist gut ausgestattet, enthält Kapitälchen und unterstützt den zentraleuropäischen Sprachraum. Auch wenn unsere Abbildung Raum für die eigenen Phantasie bieten möchte, sei doch hinzugefügt: In Farbe gesetzt haut Facebuster vom Hocker … ehrlich!

Als Produkt der Woche gibt es den Einzelschnitt aus der Schriftschmiede TypeTrust für nur 19,– statt 24,– €. Hier geht es zum Einkauf … Unentschlossene werfen vielleicht noch einen Blick in dieses aufschlussreiche PDF … (5 S, 70 K)

2. Corporate-Identity-Konferenz, Mainz

Am 1. Juni 2010 findet an der Fachhochschule Mainz die 2. Corporate-Identity-Konferenz (cxi) statt. Auch dieses Jahr präsentieren 10 bis 12 namhafte Agenturen und Unternehmen aus Europa spannende CI- und Branding-Projekte, stellen Problemstellungen und Lösungswege vor. Dabei stellen Agentur und auftraggebendes Unternehmen ihr Projekt jeweils gemeinsam vor. Zusagen bisher: SomeOne. Schindler Parent, Peter Schmidt, KMS Team, Coande, Weleda und andere. Die Anzahl der möglichen Teilnehmer ist begrenzt und kontingentiert – deshalb gilt: »First come, first served.« Eine Last-Minute-Anmeldung vor Ort ist leider nicht möglich. Für Studenten beträgt der Eintritt 15 €. Zur Anmeldung …

Heute ist Valentinstag

Der 14. Februar gilt in einigen Ländern als Tag der Liebenden. Sein Name Valentinstag wird auf die Legende des Bischofs Valentin von Terni zurückgeführt, der als christlicher Märtyrer starb. An Popularität gewann der Valentinstag mitt des 20 Jahrhunderts durch den Handel mit Blumen und die begleitende umfangreiche Werbung der Floristen. Heute hat er für die »Industrie überflüssiger Produkte« (Süßwaren, Schmuck, Genussmittel, …) eine ähnliche Bedeutung wie Halloween. Aus diesem Grunde spaltet er die Menschen, es gibt Verehrer und Ächter dieser (Kommerz-)Festivitäten.

Für Designer, die auch von solchen Events leben, bieten beide Tage stets auch den Anlass einer kritischen Betrachtung. Mit besonderem Aufwand haben sich in diesem Jahr Armin Vit und Bryony Gomez-Palacio (Under Consideration) dem Valentinstag gewidmet. Der kleine Radiosender Studio 360 lockte sie mit der Aufgabe aus der Reserve: Lasst uns doch mal den Valentinstag neu gestalten! Die beiden nahmen den Job spontan an und gingen vor wie beim Redesign einer Weltmarke. Systematisch zerpflückten sie die Werte und Symbole des Feiertags, stellten Furz und Feuerstein in Frage um am Ende mit ein neues Logo, ein Farbklima und ganz neue Maskottchen zu präsentieren. Ein für jeden Gestalter lesenswerter Beitrag, inklusive Abstimmung: Redesign Valentine’s Day.

Auch die weltweit angesehene kanadische Designerin Marian Bantjes, Sprecherin auf der TYPO Berlin 2008, hat sich mit dem Tag der Liebenden beschäftigt … natürlich auf die ihr eigene verspielte und kritische Art. Sie recycelte ausrangierte Weihnachtskarten, indem sie aus diesen per Lasercut zarte Spitzenherzen schnitt. Insgesamt stellte sie 500 Exemplare dieser Grußkarten her, jede ein Unikat, von denen auch FontShop eine zugesendet bekam (Abbildung oben). Vielen Dank Marian.

Olympia-Logo-Konflikt in Nürnberg

Wie die Nürnberger Nachrichten heute berichten, hat ihre Frankenmetropole Ärger mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Das Logo für die lokale Radkampagne »Nürnberg steigt auf« soll nach Ansicht des Nationalen Olympischen Komitees zu sehr den fünf olympischen Ringen ähneln.

Die Nürnberger Fahrradkampagne besteht aus einem Bündel an Maßnahmen, die das Radfahren in der Stadt attraktiver machen sollen. Verbindendes Element der Aktivitäten ist ein Signet, das in stilisierter
Form drei fahrradfahrende Personen zeigt, daneben das Kampagnenmotto »Nürnberg steigt auf« (Schrift: Myriad).

In einem PDF beschreiben die Schöpfer des Logos, das es mehrere Bedeutungen zulasse. »Das Signet kann eine Familie sein, die mit Fahrrad unterwegs ist … auch die Interpretation einer nicht weiter spezifizierten Gruppe ist denkbar … Die Farbe rot, als Farbe der Stadt Nürnberg, symbolisiert Aktivität … die Farbe grün steht für den ökologischen Aspekt des Radfahrens, die Farbe gelb allgemein für Licht und Sonne.« Leider kam niemand – weder in der Agentur Alpha 01, noch beim Auftraggeber – auf die Idee, dass auch die Interpretation ›Olympische Ringe‹ nahe liegt.

Das verwundert nicht zuletzt die Nürnberger Nachrichten: »Durch die Fußball-WM sind die Fallstricke des Markenrechts bekannt. Die Fifa schreibt aktuell schon wieder – vor der WM in Südafrika – an die Medienverbände mit dem Hinweis auf Markenverstöße. Bei der Vermarktung von Eisbär Flocke ließ die Stadt Nürnberg selbst Schutzrechte erwirken und kontrollieren.«

Erschwerend hinzu kommt, dass die Ringe in Deutschland seit 2004 per Olympia-Gesetz geschützt sind, das eigens für die (gescheiterte) Bewerbung Leipzigs eingeführt wurde. Das Internationale Olympische Komitee vergibt die Spiele nur an Länder, die solch ein Gesetz haben. Es untersagt Bildzeichen zu gestatten, die »dem olympischen Emblem ähnlich sind, wenn wegen der Ähnlichkeit die Gefahr von Verwechslungen besteht, einschließlich der Gefahr, dass das Emblem mit den Olympischen Spielen oder der Olympischen Bewegung gedanklich in Verbindung gebracht wird«. Nun drohen der Stadt Nürnberg eine Unterlassungserklärung und Schadenersatz.

(Abbildungen: ©Verkehrsplanungsamt der Stadt Nürnberg, ® IOC)

Oscar-nominiert: Markenzeichen-Kurzfilm »Logorama«

Willkommen in Logos Angeles. Petr van Blokland wies eben über Twitter auf den französischen Animationsfilm »Logorama« hin. Das 13-minütige Werk wurde von der Agentur H5 produziert, die bereits mit Videos für Alex Gopher, Massive Attack, Goldfrapp und Röyksopp auf sich aufmerksam machten.

Logorama ist der erster Kurzfilm von H5. Er entstand neben der Agenturarbeit in den freien Stunden vieler Mitarbeiter. Die Hauptdarsteller des Streifens sind 2500 weltbekannte Logos und Markenzeichen. Auch sie befinden sich praktisch im Nebenjob, denn ihr Rolle im Film entspricht meist nicht der Funktion im richtigen Leben. Und weil die Regie alle Darsteller ungefragt in den Animationsfilm eingebaut hat, ist er natürlich 100 % illegal. Doch jede Klage eines Warenzeicheninhabers wird den Film nur bekannter machen, der übrigens seit wenigen Tagen für den Oscar in der Kategorie Kurzfilm Animation nominiert ist. Außerdem ist das große Kunst!

Oben eingebettet ist ein Trailer von YouTube, der nur die ersten 45 sec zeigt. Ihr müsst Euch das ganze Werk ansehen (Achtung: Mexican-Grill-Werbung als Vorspann), wenn die Michelin-Männchen (Bibendum), Meister Proper und Ronald McDonald ins Spiel kommen. Die Webseite zum Film: www.logorama-themovie.com

›Oscillator‹ Super-size-always-glow-Poster [Update]

Sagst Du oft Ja, obwohl Du Nein denkst? Was war eigentlich zuerst da: das Ja oder das Nein? Gibt es ein Nein nach einem Ja? Oder ein Ja im Nein? Wenn Dir diese und ähnliche Fragen auf den Nägeln brennen, wird Dir das neue XXL-Poster von Underware gefallen.

Sie nennen es Oscillator, das Super-size-always-glow-Poster, gesetzt aus der neuen Schreibschrift Liza. Es ist nicht billig, aber atemberaubend groß und magisch beschriftet. ›Oscillator‹ misst 825 x 1175 Millimeter und ist 5-fach siebgedruckt, mit Leuchtfarbe und phosphoreszierender Farbe. In seinem Zentrum steht ein Wort, das sich wahlweise als yes oder no liest. Faszinierend. Es gibt nur 100 Exemplare vom diesem Poster, das 80 € kostet.

[Update] Nur heute, am Erscheinungstag: 60 € (in Worten SECHZIG)

Belgische Agenturen wehren sich gegen Unkultur des Pitchens

Aus Unmut über kostenlose Kreativwettbewerbe (Pitchs) veranstaltet der belgische Berufsverband ACC (Association of Communication) mit seinen größten Mitgliedern einen einwöchigen Streik, darunter so berühmte Namen wie BBDO, Ogilvy, Saatchi, McCann-Lowe, Polygone und JWT. Aus Protest haben rund 20 Agenturen ihre Webseiten geschlossen. Auf ihren Hompages prangt der Ausschnitt eines offenen Briefs, dessen gesamter Text sich in einer Art Staffellauf über die Homepages aller Streikenden erschließt. Der Anfang des Textes steht auf famous.be.

Wortführer des Streiks ist der Designer und mehrfache TYPO-Berlin-Sprecher Hugo Puttaert, Gründer und Inhaber von Vision Factory. Seine Begründung ist überschrieben mit »Was ihr schon immer über diese verfluchte Forderung nach einem Pitch wissen wolltet, euch aber nie getraut habt zu fragen« (hier als PDF). Puttaert beklagt, die einst von der ACC beschlossenen Spielregeln für faire Pitches inzwischen nicht mehr gelten. Statt 3 Agenturen würden oft mehr als 10 um einen Etat ins Rennen gehen. Pitches, die gerade bei Kulturorganisationen und öffentlichen Einrichtungen sehr beliebt sind, seien pure Energie- und Geldverschwendung.