Artikel im Februar 2010


Heute ist Webfont-Tag (3): Alle Fonts im Schnelldurchlauf

Nach einem heißen Q&A-Gefecht am gestrigen Samstag dreht sich Fontblog-Leserin Nina (Kommentar 38) der Kopf: »Ehrlich gesagt blicke ich derzeit gar nicht mehr durch, welche Schriften ich nun als Webschriften bekomme und welche nicht … betrifft das erst ganz wenige Schriften?«

Gemessen am Gesamtangebot der von FontShop angebotenen Schriften sind es noch wenige. Für die eigene FontFont-Bibliothek sind es bereits sehr viele, nämlich 1250 Bestseller. Sie sind sofort lieferbar, in den USA bereits per Download … fontshop.de wird gerade für die Darstellung und den Download der Web-FontFonts vorbereitet. Eine erste Orientierung in unserem Webshop bietet die (inhaltlich analoge) Bibliothek der Office-FontFonts (Suche nach dem Stichwort »Offc«), die vor 8 Wochen erschienen ist. Über eine Bestellung unter info@fontshop.de oder Tel. 030 69596-333 landen die Web-FontFonts binnen weniger Minuten auf Deiner Festplatte, Nina.

Nachfolgend eine Blätterübersicht (Full-screen-Ansicht möglich), powered by Issuu (issuu.com/FontShop/docs/ff_52_overview). Es handelt sich um die Simulation eines PDFs auf Flash-Basis – also um ein Bild vom Bild vom Bild. Qualität und Performance dieser Technik sind zwar atemberaubend (ich verstehe nicht, wie Issuu das macht), die Darstellung der Schriftmuster basiert allerdings nicht auf Webfont-Technik und hinkt dieser in der Qualität hinterher. Diese Screenshots auf Flickr sind aussagekräftiger.

Heute ist Webfont-Tag (2): Fragen & Antworten [Update]

Webfont ist eine neue Kategorie digitaler Schriften, die nicht für Drucksachen sondern für Webseiten gefertigt wird. Webfonts werden von Webdesignern mittels der @font-face-Regel über die Stilvorlagen einer Website (CSS) auf einem Webserver implementiert. Dieser liefert die Webfonts – gemeinsam mit den übrigen Elementen der Website – über den Browser eines Besuchers auf dessen Bildschirm. Auf diese Art können erstmals kopierbare, skalierbare und indexierbare HTML-Texte für alle Besucher die gleiche individuelle Typografie aufweisen.

Alle technischen Fragen zu den Webfonts beantwortet unser 12-seitiger Benutzerleitfaden (Abbildung, PDF laden). Die wichtigsten sind nachfolgend kurz zusammengefasst, aktuelle Fragen zu Preisen und Vertrieb kommen in den nächsten Stunden dazu.

(weiterlesen…)

Heute ist Webfont-Tag (1)

Als ich im November meinen Beitrag über die typografischen Milieus 2010 schrieb, wusste ich natürlich von den Plänen unserer Schwesterfirma FSI FontShop International. Mein These damals, kurz zusammengefasst: Es zeichnen sich für die kommenden Jahre drei professionelle Milieus ab, in denen kommerzielle Schriften zum Einsatz kommen … und für jedes dieser Milieus werden maßgeschneiderte Fonts erscheinen, die technisch und lizenzrechtlich angepasst sein werden:
1. Prepress, 2. Office
und 3. Internet.

Am Mittwoch hat FSI mit den FontFonts einen ersten großen Schritt unternommen, um die typografische Kultur im Internet zu fördern: Es erschienen 1250 FontFont-Bestseller in den Formaten .woff und .eot für Webdesigner. Alle Fakten dieser Premiere sind in einer gemeinsamen Presseerklärung festgehalten, die ich der Einfachheit halber hier zitiere (danach folgen Preise und weitere Zusatzinformationen).

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Pressemitteilung von FSI und FontShop, Berlin:

Typografische Vielfalt: Neue Ära im Webdesign

Berlin, 24. Februar 2010. Ein vielfältigeres und angenehm lesbares Internet steht bevor: FSI FontShop International startet eine neue Kollektion digitaler Schriften, die ausschließlich für den Einsatz im Internet angefertigt sind. Endlich sind Webdesigner nicht mehr allein auf die wenigen Systemschriften angewiesen, die bei allen Website-Besuchern installiert sind. Die neuen Web-FontFonts werden so mit den Elementen einer Website verknüpft, dass erstmals HTML-Texte für alle Besucher die gleiche, individuelle Typografie aufweisen können.

Dieser lang erwartete Schritt erlaubt nicht nur das freie typografische Gestalten von Internet-Seiten. Marken und Unternehmen sind endlich in der Lage, Drucksachen und Webseiten im gleichen Stil zu gestalten. Zu diesem Zweck stehen seit heute über 30 der erfolgreichsten FontFont-Schriften zur Verfügung, darunter FF DIN, FF Meta, FF Dax und FF Kievit – insgesamt 1250 Fonts; weitere werden bald folgen.

Web-FontFonts werden in 2 Formaten geliefert: EOT Lite und WOFF, die im Moment von den beiden meistbenutzten Browsern unterstützt werden, nämlich Internet Explorer und Firefox. FSI erwartet, dass noch in diesem Jahr weitere Browser dem WOFF-Standard folgen.

Geliefert werden die Web-FontFonts entweder als Einzelschnitte, nützliche Basic Sets (üblicherweise mit Regular, Bold, Italic und Bold Italic – wenn verfügbar) oder als komplette Familienpakete. Genau wie bei den ebenfalls neuen Office-FontFonts sind versale Tabellenziffern Standard. Mediävalziffern kommen in Small-Caps-Schnitten zum Einsatz, wenn diese zur Familienausstattung gehören, und sind als Einzelschnitte lieferbar. Die Sprachunterstützung der Webfonts entspricht der ihrer Parallelprodukte im OpenType-Format (OTF) bzw. der Office-FontFonts (TTF): die Ausführung »Standard« deckt die westlichen Sprachen ab, »Pro« zusätzlich die zentraleuropäischen, oft auch griechisch und kyrillisch. Jeder Bestellung liegt ein 12-seitiger Benutzerleitfaden bei, mit kurzen, verständlichen Anleitungen für Webdesigner und Webserver-Administratoren.

Die Lizenzierung der Web-FontFonts richtet sich nach den Pageviews/Monat aller Websites eines Unternehmens, auf denen sie zum Einsatz kommen. Es gibt drei leicht zu kalkulierende Lizenzstufen: bis zu 500.000 (Grundlizenz), bis zu 5 Mio oder bis zu 50 Mio Pageviews/Monat. Unternehmenslizenzen, die über die 50-Mio-Schwelle hinausgehen, werden auf Anfrage ermittelt.

Weil Webfonts auf Bildschirmen zum Einsatz kommen, werden sie für diesen Zweck technisch optimiert (Hinting). Die Web-FontFonts unterstützen die ClearType-Schriftglättung von Microsoft, die seit Windows XP unterstützt wird. Die Web-FontFonts werden von allen FSI-Vertriebspartnern angeboten, darunter die FontShops, inklusive FontShop in Berlin.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Preise Grundlizenz

Die Preisgestaltung der Web-FontFonts folgt jener der kürzlich vorgestellten Office-FontFonts. Der Einzelschnitt Web-FontFont kostet ab 40 € und liegt damit 33 Prozent unter dem vergleichbaren OT-FontFont-Einzelschnitt für PrePress-Anwendungen (Adobe InDesign, Quark XPress, …). Alle genannten Preis zzgl. MwSt.

Single weight Std: ab 40,– € (OT zum Vergleich: 59,– €)
Single weight Pro: ab 50,– € (OT zum Vergleich: ab 69,– €)
Basic Pack Std (Reg, Bld, Ita, BldIta): 129,– €
Basic Set Pro (Reg, Bld, Ita, BldIta): ab 179,– €

Preise Multilizenz

Anders als die Multilizenzen für Office- und Prepress-FontFonts, die sich über die Anzahl der Arbeitsplätze berechnet, basiert die Mengenkalkulation der Web-Lizenzen auf die Pageviews/Monat. FSI unterscheidet dabei nicht nach der Menge der Domains oder Datenmengen, sondern was zählt ist allein der Lizenznehmer (das Unternehmen) mit allen seinen Websites, auf denen Web-FontFonts laufen) und die Summe ihrer Pageviews.

Die Grundlizenz schließt 500.000 Pageview/Monat ein, was üblicherweise gut besuchte Websites abdeckt (z. B. das Fontblog mit rund 380.000 Pageviews/Monat). Unternehmen mit Websites, die bis zu 5.000.000 Pageviews/Monat generieren zahlen (Preis der Grundlizenz) × 4, Traffic mit bis zu 50.000.000 Pageviews/Monat schlägt mit (Preis der Grundlizenz) × 15 zu Buche. Alles was darüber hinaus geht bedarf eines gesonderten Angebots von FSI.

Verkaufsbeginn

Verkauf bei FontShop Berlin ab Montag (offline-Lieferung, Download in Vorbereitung); zur Orientierung und zur Produktauswahl dient das aktuelle Angebot an Offc-Schriften auf www.fontshop.de.

Nächster Beitrag: Heute ist Webfont-Tag: Fragen und Antworten

Was gibt’s Neues bei DSDS? Lass TwittFont sprechen!

TwittFont, das vor Weihnachten auf der fontshop.de-Seite vielen Besuchern Freude bereitet hatte, ist flügge geworden. Das heißt: Ab heute kann jeder Tweets, animiert mit einer von 8 angebotenen Schriften, auf der eigenen Website so einfach einbetten wie ein YouTube-Video: www.twittfont.de

Warum soll man das tun? Es gibt drei Gründe:
• ihr seid selbst auf Twitter und wollt die eigenen Nachrichten darstellen (twittername)
• ihr wollt wissen, was andere über Euch schreiben (@twittername)
• ihr wollt zu einem Thema Echtzeit-Meinungen einholen (#stichwort)

Ich hab das mal für »Deutschland sucht den Superstar« (#dsds) eingerichtet … keine Ahnung, was da jetzt steht, aber es ist genau das, was andere im Moment über die Sendung denken:

Übrigens funktionieren alle Links im TwittFont-Fenster, das heißt Leser können mit einem Klick Twitpics öffnen, YouTube-Filme starten oder das Profil eines Twitter-Accounts aufrufen. Schreibt mit mal in einem Kommentar, wo und wie ihr TwittFont einsetzt. Bin neugierig …

SPIEGEL-iPhone-App: defektes Heft kostenlos nachladen

Heute kam eine E-Mail vom SPIEGEL mit einer Anleitung, mit deren Hilfe die Premiere der Digitalausgabe doch noch zu einem Happy End findet:

»Leider kam es in Ausnahmefällen zu technischen Problemen bei der
Bildübertragung in der aktuellen SPIEGEL-Ausgabe. Wir bitten um
Entschuldigung.
Sie können nun die komplette SPIEGEL-Ausgabe erneut herunterladen, indem
Sie unter ›meine Hefte‹ unten im Menü das Heft löschen (Wischen-Geste auf
dem Hefteintrag) und es dann erneut laden.
Wir danken für Ihr Verständnis und wünschen Ihnen weiterhin eine
informative SPIEGEL-Lektüre.«

Ich danke ebenso. Jetzt ist fast alles da, bis auf »Briefe«, »Hausmitteilung«, »Hohlspiegel«, »Rückspiegel« und »Register«. Der Screenshot oben zeigt – in der Galerieansicht – eines von 7 Fotos aus dem Interview mit dem Schauspieler und Produzenten Ulli Lommel (Sektion »Kultur«)

Letzter Aufruf ans TYPO-Volk …

Das TYPOblog meldet gerade: »Ding-dong: der Monat endet am Sonntag«. Übersetzt in die Sprache der Schnäppchenjäger heißt das »Jetzt anmelden, denn die 100 € Frühbucherrabatt gibt es nur noch bis Sonntag.« Wir wiederholen das nicht, um zu nerven, sondern weil wir euch lieben. (Abb: Johann Meier)

Neues Lernplakat: Anatomie der Buchstaben

Das bereits im Januar hier vorgestellte Plakat von Achim Schaffrinna (Lehrreiches Poster), zunächst nur als PDF geplant, gibt es jetzt auch gedruckt. Christian Büning hat es in seine Lernplakate-Sammlung mit aufgenommen. Dort ist es im Format 70 x 100 cm zum Preis von 24,– € (zzgl. Versand) erhältlich.

In einem Text zur Erstveröffentlichung heißt es: »Die Form der lateinischen Buchstaben hat sich über viele Jahrhunderte aus Hand- und Druckschriften entwickelt. Viele Bezeichnungen der einzelnen Buchstabenteile sind dem Schreiben und dem Schriftschneiden entlehnt. Dieses Plakat zeigt die Anatomie der Buchstaben mit leicht verständlichen Erklärungen. …Gedruckt ist es wie alle Lernplakate auf Phoenix Motion von Römerturm mit zwei Schmuckfarben und Schwarz.«

Etwas ungewöhnlich ist der Einsatz der Systemschrift Georgia (aus der auch dieser Text gesetzt ist), die nie für Papier gedacht war, sich auf dem Plakat jedoch hervorragend macht.

Vortrag und Gespräch im Atelier Beinert

Morgen, um 20:00 Uhr, findet im Atelier Wolfgang Beinert (Berlin, Görlitzer Straße 51, Kreuzberg) ein Vortrag (mit Diskussion) von Bernhard Pompeÿ statt. Thema: »Soziale Verantwortung im Kommunikationsdesign.« Seit knapp 4 Jahren beschäftigt sich der Mannheimer Designer mit diesem Themenfeld, auf der TYPO’08 präsentierte er erstmals seine Gedanken dazu. Inzwischen ist seine Forschungsarbeit einen großen Schritt voran gekommen … neue Erkenntnisse und neue eigene Projekte werden morgen im Mittelpunkt stehen.

Die soziale Verantwortung von Unternehmen (Corporate Social Responsibility, CSR) hat in den letzten Jahren in unserer Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Gesellschaft beginnt mehr und mehr zu verstehen, dass Reichtum nicht mit ökonomischem Kapital gleichgesetzt werden kann, sondern im wesentlichen ein hohes Maß an sozialem, ökologischem und menschlichem Kapital darstellt. CSR wird von Seiten der Politik, der Kirchen und der Wirtschaft, auf nationaler, europäischer und globaler Ebene inzwischen verstärkt als eine Notwendigkeit betrachtet – und das in einer Zeit des industriellen Wandels und der wachsenden Globalisierung.

Die Teilnahme ist kostenfrei. Wenn möglich bitte noch heute per Mail anmelden:  2010@beinert.net.

PdW 8: Gutelaunemodeschrift ›Buffet Script‹

H&M mag sie, Kosmetikmarken sowieso, und Hollywood wird sie überschwänglich bejubeln, wenn sie dort erst mal entdeckt ist: Buffet Script, von Alejandro Paul (Sudtipos). Die verbundene Schreibschrift ist inspiriert von der Arbeit des wohl größten amerikanischen Schilder- und Werbemalers Alf Becker. Anfang der 30er Jahre begann Alf R. Becker mit der Gestaltung einer Reihe von Alphabeten die in »Signs of the Times« erschienen. In den späten 1990er wurden viele seiner Entwürfe digitalisiert.

Weil Becker in erster Linie Kalligraf und kein Schriftentwerfer war, liegen der Nachwelt keine kompletten Figurenverzeichnisse vor. Da bedarf es eines einfühlsamen Script-Genies wie Ale Paul, um die historischen Formen in einer moderne, komplett ausgebaut OpenType-Schrift (mit Features) neu aufleben zu lassen – in einer Lebendigkeit und Qualität, die es nie zuvor gab.

Ein wunderschönes, 13-seitiges Schriftmuster-PDF verrät alle Geheimnisse: der Buffet Script Guide. Und hier geht es zum Angebot der Woche, statt 99,– € nur 79,– €.

Fehlstart beim SPIEGEL-iPhone-App [Update]

Am vergangenen Freitag wurde das lang erwartete iPhone-App des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL von Apple freigegeben. Wie versprochen, kam die Digitalversion des morgen erscheinenden Heft 8 dann am gestrigen Samstag um 22:00 Uhr heraus, zum »Einführungspreis« von 2,99 € (Preis der Printausgabe 3,80 €; geplanter Preis des iPhone-Papers 3,99 €). Doch was viele Leser auf ihrem Mobilgerät empfingen, war keinesfalls die versprochene komplette Ausgabe: es fehlten Abbildungen und Heftteile; ganz selbstverständlich fielen auch die Anzeigen unter den Tisch (und der Kultur-SPIEGEL ebenfalls). Inzwischen äußern Benutzer ihren Unmut per Kommentar im App-Store und werten die Applikation ab. Auch im SPIEGEL-Forum kommt das Programm nicht gut weg.

Dabei sah alles zunächst gut aus. Der SPIEGEL-E-Reader geht selbstbewusst einen anderen Weg als zum Beispiel das Magazin stern oder die BILD-Zeitung. Statt die aktuellen Inhalte des Internet-Portals handygerecht zu präsentieren (stern) oder eine Verkleinerung der Print-Version als PDF anzubieten (BILD), setzt der SPIEGEL auf den klassischen Reader, der die Inhalte der aktuellen Druckausgabe für das Lesen am Kleinbildschirm neu umbricht. Gekaufte Exemplare werden in einem Archiv abgelegt und sind dort jederzeit verfügbar. Auf Wunsch kann man sich zusätzlich die tagesaktuellen Seiten von SPIEGEL online in der gleichen Applikation ansehen.

Mittels Demoheft, das zur Grundausstattung des kostenlosen SPIEGEL-Readers gehört, können sich neue Benutzer mit seiner Logik vertraut machen. Das Lesen beginnt durch das Aufrufen des einspaltigen, bilderlosen Inhaltsverzeichnisses (siehe Abb. oben rechts). Wie in der gedruckten Ausgabe stehen traditionell die Titelgeschichte an erster Stelle (auch wenn sie, je nach Schwerpunkt, irgendwo im Heft beginnt) und die »Briefe« (üblicherweise auf S. 6 ff anzutreffen) ganz am Ende, gemeinsam mit »Impressum«, »Register«, »Personalien« und anderen Rubriken. Die »Hausmitteilung« (andere Medien nennen das »Editorial«) steht nie im SPIEGEL-Inhaltsverzeichnis, also auch nicht in dem der E-Reader-Datei, mit der unangenehmen Folge, dass die Vorrede im digitalen SPIEGEL unauffindbar bleibt – vielleicht ist sie da, aber es führt kein Weg zu ihr. Die Navigation irritiert all jene Stammleser, die das gedruckte Heft von vorne beginnen und sich langsam durcharbeiten … das iPhone-App erfordert hier radikales Umdenken. Wer den SPIEGEL üblicherweise von hinten liest … dazu später mehr.

Beginnen wir mit der Titelgeschichte. Auf dem E-Reader öffnet sie sich, wie alle Artikel, als einspaltige Miniseite, mit einem Aufmacherfoto, zentrierter Headline, ebenfalls zentriertem Introtext und linksbündigem Haupttext. Ist man mit dem Lesen am Ende des Bildschirms angekommen, wischt man die Seite nach links und der Reader präsentiert den Folgetext auf Seite 2. Die Möglichkeit seitenweise zu blättern ist zwar typisch E-Reader, widerspricht jedoch der iPhone-Gepflogenheit, auch längere Passagen vertikal zu scrollen (Fotoalbum, App-Store-Bestsellerlisten, Webseiten, usw.).

Beim E-SPIEGEL geht es ausschließlich horizontal vorwärts, Abschnitt für Abschnitt, 100 Prozent Text, keine Abbildungen. Wie ein Vergrößerungsglas schwebt das Reader-Guckloch von links nach rechts über die eigentlich vertikalen Textspalten der (nicht vorhandenen und doch über allem schwebenden) Druckausgabe. Verwirrend. Beim aktuellen Heft ergeben sich so 43 Seiten Titelgeschichte, bei mittlerer Schriftgröße. Eine Mischung von Text und Bild findet nicht statt. Kippt man das iPhone um 90 Grad, öffnet sich eine Galerie inklusive Bildunterschriften mit allen zum aktuellen Beitrag gehörigen Fotos. Das Entkoppeln von Foto und Text ist redaktionell gesehen ein Desaster und technisch unnötig. Ein Video auf dieser SPIEGEL-Seite demonstriert die typischen Handgriffe des neuen SPIEGEL-Blätterns.

Das Lesen funktioniert einigermaßen. Es funktioniert vielleicht besser, als das Schweben über eine gestaltete PDF-Seite, in die man unentwegt hinein- und herauszoomt. Ein Genuss ist dieses Lesen keineswegs. Es fehlt der Überblick, es fehlen die optischen Aufmunterungen. Alle Beiträge sind Null inszeniert. Kein Foto, keine Grafik kämpft um meine Aufmerksamkeit. Allein die beiden Zeilen im Inhaltsverzeichnis müssen für einen Artikel werben. Das geht oft schief, wenn es zum Beispiel im Kulturteil  nichtssagend heißt: »Musik – Pure Romantik« oder »Sprache – Nur mit der Mutter«. Der Leser weiß auch nie, wie viel Lesestoff sich hinter einem Eintrag verbirgt … er kann von einem seitenlangen Interview bis hinunter zu einer kurzen Meldung auf einer Auftaktseite reichen (zum Beispiel »Szene« oder »Sport«).

Na gut, vielleicht gewöhnt man sich daran. Was den SPIEGEL jedoch veranlasst zu glauben, dass Menschen demnächst 3,99 € für den Torso einer digital herunter gebrochenen Papierausgabe ausgeben, ist mir ein Rätsel. Tatsächlich entspricht die E-Reader-Ausgabe qualitativ und auch quantitativ nicht der gedruckten Ausgabe. Die Lieferung der Anzeigen ist per se nicht vorgesehen. Das mag mancher begrüßen, im SPIEGEL jedoch sind Anzeigen schon immer mehr als »nur Werbung«. In Deutschlands wichtigstem Magazin werden Marken Aufsehen erregend eingeführt, hier pflegen Weltunternehmen mit viel Geld und Qualität ihr Image. Das will ich auch auf dem iPhone sehen. Wenn nicht, böte ein E-Reader die wunderbare Möglichkeit, Werbung auf Wunsch ein- oder auszuschalten. Leider scheint der einmal im Monat beiliegende Kultur-SPIEGEL ebenfalls nicht zum digitalen Lieferumfang zu gehören.

Zurück zur guten Hoffnung. Ich unterstütze den Wunsch des SPIEGEL, sich redaktionelle Arbeit vom Leser angemessen entlohnen zu lassen: Grünes Licht für kostenpflichtige ePaper. Aber hier stehen Preis und Leistung in keinem Verhältnis. Mehr als 0,99 € dürfte ein SPIEGEL-ePaper dieser Art auf dem iPhone nicht kosten. Ein Vergleich mit der BILD-Zeitung: 1,59 € monatlich (beziehungsweise 3,99 €/Monat inklusive PDF der BILD) scheint im Moment eine realistische Preisgestaltung.

Doch der SPIEGEL ist ein Leitmedium, alle wollen von ihm lernen. Darum rauschte der kostenlose Reader auch binnen weniger Stunden auf Platz 1 der App-Store-Download-Charts. Viele der neugierigen Kunden werden heute die erste offizielle Digitalausgabe kaufen und enttäuscht sein. Ein Rumpfexemplar landet auf ihrem Apple-Smartphone. Bei mir fehlen fast alle Abbildungen (siehe Titelgeschichte, Abb. oben rechts) und mit den Leserbriefen endet mein Heft (siehe Abb. oben links). Wie zuvor beschrieben heißt das glücklicherweise nicht, dass mein elektronisches »Heft« nach Seite 6ff abbricht … die »Leserbriefe« erscheinen in der Digitalausgabe erst kurz vorm Ende, doch anschließend kämen noch »Register« sowie die beliebten »Personalien« und »Hohlspiegel/Rückspiegel«. Sie fehlen in meiner Datei, für einen SPIEGEL-Leser, der hinten anfängt, ein Super-GAU.

Fazit: Die Überführung des gedruckten SPIEGEL in einen E-Reader ist missglückt. Es fehlen nicht nur essenzielle Werkzeuge (Vollbild-Titelseite, Lesezeichen, Suche, Zitierfunktion), der Dialog zwischen Text und Bild – eine Stärke der SPIEGEL-Redaktion – wurde komplett aufgegeben. Als Stammleser irrt man orientierungslos durch Textwüsten. iPhone-typische Funktionen (Vergrößern auf Tipp, Zoomen, Text-Bild-Integration, Weiterleiten/Empfehlen per Mail, …) werden ignoriert. Die gerade für diese Plattform zu erwartende Raffinesse im Detail fehlt gänzlich. Für ein solch dürftiges Ergebnis den gleichen Preis verlangen zu können wie für ein gedrucktes Exemplar ist eine Utopie … der SPIEGEL wird das nicht durchhalten. Und wenn doch, weil die Umrechnung des Drucklayouts ins E-Reader-Format quasi automatisch und damit kostenlos abfällt, schadet diese App dem Ruf des Magazins. Viel schlimmer noch: Seine Entwicklung scheint für die Katz, denn das momentane Konzept kann unmöglich auf das demnächst erscheinende Apple iPad übertragen werden, wo das Zusammenspiel von Wort und Bild Pflicht sein wird.

PS: Typografisch gesehen ist der SPIEGEL im Reader genauso lieblos gestaltet wie SPIEGEL online … durchgehend “falsche” Anführungszeichen und Apo’strophe, die im aktuellen Fall nicht mit Browserkompatibilitäten erklärt werden können. Neu hinzugekommen sind harte Trennun-gen, Rückstände aus dem Printlayout, die ebenfalls nicht sein müssten; sie sind die Folge des variablen Umbruchs (der Reader bietet drei Schriftgrößen an), und ließen sich durch das Verwenden weicher Trennzeichen vermeiden.

[Update]
Andere über den neuen SPIEGEL-iPhone-Reader:
• Christian Jakubetz, JakBlog: »Schluder-Spiegel«
• Christoph Maier, Macomber’s Posterous: »Den iPhone-Spiegel werde ich …«
• Harald Taglinger, Telepolis: »Spieglein, Spieglein im Gerät«
• Ansgar Warner, E-Book-News: »Unglaublicher Guido für die Westentasche«
• Horst Müller, Blogmedien: »Das ›Spiegel-i‹«

Neu: Durcheinander bei der Abrechnung (siehe mein Kommentar # 19).

Designlabor 25|25 in Hamburg

Die Hamburger Branding- und Designagentur The Brand Union startet ab dem 1. März 2010 das Projekt Designlabor 25|25, einen Pop-up-Store als Live-Experiment im Kulturreich Hamburg. 25 Designer füllen in 25 Tagen die Galerie in der Wexstraße mit außergewöhnlichen Verpackungen. Es sollen Entwürfe entstehen, die Spaß machen, zum Nachdenken anregen, aber frei erfunden sind. Während der 25 Tage ist die Galerie sowohl Arbeits- als auch Ausstellungsraum und dient als Kommunikationsplattform für Designer und Interessierte.

Ziel des Projekts ist zum einen, dass man seine Kreativität ohne Beschränkungen (durch Konsumenten und Auftraggeber) ausleben kann. Zum anderen geht es darum, das Packaging-Design attraktiver und interessanter zu machen. Inspiration und Unterstützung für das Live-Experiment liefern aktuelle Trends vom Trendbüro Hamburg.

Sponsor schleicht sich typografisch auf Olympiabekleidung

Typografie kann eine Waffe sein. Zum Beispiel gegen das Verbot von Sponsoring im Sport. Ich erinnere mich dunkel an ein Fußballländerspiel vor ein paar Jahren, da lief die deutsche Nationalmannschaft mit Hemden ins Stadion, deren Rückennummern in der Mercedes-Benz-Schrift Corporate gesetzt waren. Typografische Laien verwirrte allenfalls die Zartheit der Ziffern, Marketingexperten rochen die Schleichwerbung und legten Protest ein. Beim nächsten Länderspiel prangten wieder die vertrauten Zahlen auf den Trikots der Spieler.

Ein Fontblog-Leser machte mich eben auf aktuellen Fall von Under-cover-Sponsoring in Vancouver aufmerksam, dort finden noch bis zum 28. Februar die 21. Olympischen Winterspiele statt. Wenn man sich dieses Foto (nationaler Wettkampf) und dieses Foto (Vancouver) zweier deutscher Eisschnellläufer ansieht, so fällt auf, das die Länderkennung für Olympia (GER) typografisch identisch aufbereitet ist wie das Logo des Hauptsponsors der deutschen Eisläufer, die Deutschen Kreditbank AG (DKB).

Honi soit qui mal y pense.