Artikel im Dezember 2009


EU-Biologo: es darf abgestimmt werden [Update]

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Die Europäische Union versucht seit zwei Jahren ein einheitliches Biologo für Lebensmittel einzuführen. Das im März 2008 vorgestellte Signet wurde zurückgezogen, weil es dem Biologo von Aldi zu ähnlich sah (Fontblog berichtete: Neues EU-Biosiegel ähnelt Aldi-Biologo). Ein Jahr später rief die Europäische Kommission zu einem Studentenwettbewerb auf (Fontblog berichtete: EU sucht neues Biologo per Wettbewerb). Nun liegen drei Entwürfe vor, über die wir Bürger abstimmen dürfen (bis 31. Januar 2010). Auf dieser (englischsprachigen) Voting-Seite …

Auf einer News-Seite erfahren wir, das 3422 Vorschläge eingereicht wurden. Eine hochkarätige Jury hat eine Short-List (100 Entwürfe) erstellt, aus der nun die Generaldirektion für Landwirtschaft der EU-Kommission in Brüssel 3 Finalisten ausgewählt hat. Mit dem neuen EU-Logo sollen ab Juli 2010 alle ökologisch produzierten Nahrungsprodukte gekennzeichnet werden. Durch die Online-Abstimmung will die Europäische Kommission sicherstellen, dass das neue Logo »so viele Menschen wie möglich anspricht«. Gleichzeitig trage die öffentliche Auswahl zum Ziel bei, die Menschen für die Bedeutung des biologischen Landbausektors zu sensibilisieren, erklärte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel (ihr Weblog).

[Update] Da Jury-Mitglied Erik Spiekermann gerade bei FontShop im Haus weilt, habe ich ihn um einen Kommentar gebeten. »Die Jury war einstimmig für das linke Motiv, weil es dynamisch ist und die europäische Flagge – mit einem Augenzwinkern – zitiert. Gleichzeitig meldeten wir gegenüber dem Designbüro Verbesserungsvorschläge: etwas größere Sterne, realistischere Perspektive. Dass nun neben diesem Motiv zwei ziemlich redundante bzw. nichts-sagende Alternativen zur Wahl stehen ist wieder mal typisch EU.«

PdW 50: Der Weihnachts-Munny, 10 cm, 10 €

Munny pur

Wer hat Angst vorm weißen Mann? Vielleicht dieselben Menschen, die Angst vor einem weißen Blatt Papier haben. Wer unter dieser Phobie leidet, sollte weder Schriftsteller, noch Designer werden. Die Action-Figur Munny von Kidrobot ist ein solches »weißes Blatt«, in personifizierter Form. Der kalifornische Hersteller, den FontShop-Freunden bereits durch die Peecol-Figuren ein Begriff, nennt es »The World’s Greatest Do-it-yourself Toy«. Tatsächlich ist Munny eine Provokation – für Auge und Hirn. Das Männlein schreit nach Aufmerksamkeit. Es will bekleidet werden: Mit Farbe, Papier, Knete, Fell, Stoff … der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Schickt uns eine Ansichtskarte von Eurem ganz persönlichen Munny. Diese Woche kostet der weiße Munny nur 10 € (zzgl. MwSt.)  Hier geht’s zur Produkt der Woche-Sonderseite bei FontShop …

Munny pur

© Fotos: Kidrobot

Mercedes verschrottet Sound-Logo

Wie das Schweizer Online-Portal der Kommunikationswirtschaft persoenlich.com meldet, setzt der Automobilhersteller Mercedes-Benz das Soundlogo von Jung von Matt ab. Interne Untersuchungen hätten ergeben, dass man den zusätzlichen Audio-Effekt nicht brauche. »Die Marke Mercedes-Benz spricht für sich selbst«, so eine PR-Mitarbeiterin gegenüber dem Branchenorgan Horizont. Vor zwei Jahren bei der Einführung des Sound-Logos klang das noch anders. Damals hieß es, das akustische Markenzeichen passe perfekt zu Mercedes, die Marke werde dadurch noch schneller wahrnehmbar.

Gleich nach der Einführung war das »Engelchor«-Sound-Logo in die Kritik geraten, weil es angeblich nicht eigens für die Marke kreiert wurde, sondern direkt von der Sampling-CD Symphony Of Voices stamme, die jedermann für günstige 300 € kaufen kann (ein YouTube-Video zu dem Thema). Auf YouTube erschienen auch Veralberungen des Sound-Logos.

»Wehret den Anfängen«, Schweiz?

Ralph du Carrois hat die Schweizer Flagge etwas umgestaltet. Er schreibt: »Bei dem Plakat das zum Bürgerentscheid zum Minarett-Verbot in der Schweiz hing wird einen bang ums Herz und das Grafikerhirn beginnt Analogien zu kreieren.« Er schuf eine grafische Interpretation, zu der ich gerne verlinke, die ich hier jedoch nicht zeigen möchte. Kommentare? Ja, gerne …

Dessau: Was kommt nach dem Designstudium?

dimensions_of_arbeitKommenden Dienstag (8. 12. 2009) findet in Dessau die 4. Dimensions-Of-Konferenz statt, wie jedes Jahr in der Bauhaus-Aula, organisiert von den Studenten des Fachbereichs Kommunikationsdesign. Aktuelles Thema »Arbeit – Was kommt nach dem Designstudium?«. Es geht darum, Erfahrungsberichte von ehemaligen Dessauer Studierenden einzuholen und Einblicke in die zeitgenössische Designpraxis und Arbeitswelt zu bekommen. Zwischen großem Erfolg und grandiosem Scheitern, Generation Praktikum und Designpreis … wie verorte ich mich heute als Designer?

»Das diesjährige Line-up mit Vorträgen von Ole Schäfer, Tony Brook & Adrian Shaughnessy, Nico Schminke (Fiat) und vielen mehr dürfte sicher den ein oder anderen ins sonst eher ruhige Dessau locken« schreibt mir Thomas Rohr, der das Event medial auf Flickr und Twitter begleitet. Das hier abgebildete Plakat hat Nora Wolf entworfen. Weiter Informationen unter http://dimensions-of.de/arbeit.

Branchenschriften (4)

Branchenschriften4

Es gibt Berufszweige, die gerne auf die immer gleiche Schrift zurückgreifen: siehe Branchenschriften, Branchenschriften (2) und Branchenschriften (3). Zur Lieblingsschrift der Gärtnereien hat sich die Cooper Black (nur 19 €) gemausert, vielleicht, weil sie zu Flower-Power-Zeiten – Ende der 60er Jahre – ihren 3 Frühling feierte. Durchaus passend für die Logistiker ist die windschnittige Slipstream, die einzige Schrift mit Rallyestreifen. Antique Olive ist die Type der »großen weiten Welt« (Peter Stuyvesant), weil sie jahrzehntelang bei der Air France im Einsatz war – von diesem Renommee können Reisebüros heute noch profitieren. Die Schrift Broadway passt ganz automatisch zu kleinen und großen Theatern, weil sie ein Kind der Musical-Meile New Yorks ist. Die zerbrechliche, biomorphe Papyrus schließlich ist der Liebling aller Wellness-Einrichtungen.
Wer kennt weitere Branchen, denen es an typografischer Imagination mangelt? Bitte Kommentar mit Bild …

Neu auf www.fontshop.de (1)

icon_einsTypospiel TwittFont. Ist ja wunderbar, dass uns Twitter pausenlos mit neuen Nachrichten aus der Welt der Schriften versorgt … wenn nur die Darstellung nicht so eintönig wäre. TwittFont auf der FontShop-Homepage schafft Abhilfe. Einfach ein Stichwort oder Twitter-Quelle eingeben, Font auswählen, zurücklegen und genießen. Demnächst: TwittFont als einbettbare Animation für eure eigene Webseite.

icon_einsNeuer Hersteller Jan Fromm. Er studierte in Potsdam Kommunikationsdesign und arbeitet seit 2003 als freier Designer. Seine Liebe gehört der Typografie. Seit 2004 arbeitet Jan Fromm an der großartigen Sans-Serif-Familie CamingoDos: 7 Strichstärken, 3 Breiten, Kapitälchen und viele Extras. Der Geheimtipp fürs Corporate- und Editorial-Design. Ausführliches Schriftmuster als PDF gefällig?

icon_einsNeue Sudtipos-Schriften. Seit gestern gibt es auf www.fontshop.de die neuen Sudtipos-Schreibschriften Buffet, Pronto, Tanguera und Whomp. Sie alle überzeugen mit einem lockerem Latino-Swing, den niemand so gut beherrscht wie Type-Director Alejandro Paul, Gründer von Sudtipos. Sicher mag es zur ein oder anderen Script Alternativen auf dem Markt geben, aber Buffet und Whomp sind schlicht einzigartig.

Die Zukunft der Zeitschrift

Eine Vision des Verlagshauses Time, Inc. in Zusammenarbeit mit dem Designbüro The Wonderfactory. Wann geht es los? Ganz am Ende wird’s eingeblendet. (via @AmirKassaei)

Weltmarken setzen auf akustisches Branding

Das Audio-Branding-Unternehmen HiProCall (Unterföhring) weist in einer aktuellen Pressemitteilung auf den hohen Wiedererkennungswert eines gut gemachten Corporate Sounds hin. Ein Beispiel hierfür sei der Handyhersteller Nokia, dessen akustische Markenidentität auf einer Gitarrenmelodie des 1909 verstorbenen spanischen Gitarristen und Komponisten Francisco de Asís Tarrega y Eixea basiert. Der finnische Konzern hat für sein Audio-Logo einen Ausschnitt aus dem »Gran Vals« gewählt (Audio-Link am Ende dieses Beitrags), das unter der Bezeichnung »Nokia Tune« auch als Klingelton eingesetzt wird.

»Wer die Takte 13 bis 17 aus dem Großen Walzer von Francisco Tarrega hört, denkt sofort an den weltweit größten Handyhersteller«, meint der Corporate-Sound-Experte Karl-Heinz Häuslein, Gründer von HiProCall. Er sieht Nokia als den Vorreiter eines Trends im Audio Branding, den auch Audi, BMW, Deutsche Telekom und Intel erfolgreich pflegen. Intel setzt sein Sound-Logo derzeit in Werbespots besonders geschickt ein, indem es (statt aus dem Off kommend) von Mitarbeiter gesummt wird.

[audio:nokia_gitarre.mp3]

DVD der TYPO 2009 ist erschienen

Seit Montag liefert FontShop die neue TYPO-DVD aus, mit Beiträgen der Space-Konferenz (Mai 2009). Neben den beiden kompletten Präsentationen von Chip Kidd und Joshua Davis (zweisprachig D und E), den besten Szenen von der TYPO-Stage und einem Zusammenschnitt mit Konferenz-Impressionen befindet sich auch das oben eingebettete HQ-Video auf der Silberscheibe: Die australische Designstudentin Gemma O’Brian aka Mrs Eaves beim Auftragen ihrer Körperbeschriftung.

typo_dvd_kleinDie Dreharbeiten begannen bereits am Vortrag der Konferenz an verschiedenen Plätzen in Berlin. Während der Registrierung am Donnerstag beendete sie ihr Werk. Am Samstag begeisterte Gemma das Publikum mit einer persönlichen und aufschlussreichen 45-Minuten-Show im großen Saal des Haus der Kulturen der Welt.

Letzte Woche schrieb sie uns, das sie ihr Studium beendet und parallel dazu viele aufregende Projekte realisiert habe. Und: »I’ve been missing Berlin very much and am considering an extended stay in the latter part of 2010.« Weil wir nicht so lange warten wollen, haben wir sie kurzerhand zur TYPO Berlin 2010 eingeladen.

Breaking news: Vor wenigen Minuten haben David Carson und Erik Kessels (Kesselskramer, Amsterdam) der TYPO 2010 ihre Zusage gegeben.

Aachen: Afternoon Travel Type Performance

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Im Rahmen eines Workshops unter der Leitung von Prof. Karel Boonzaaijer und Prof. Ilka Helmig beschäftigten sich Studierende des Fachbereichs 04 Gestaltung der FH Aachen für eine Woche mit dreidimensionaler Typografie. Es wurden über 100 Zeichen und Symbole konstruiert, mit denen die Studierenden im Rahmen des Kulturprojektes KULT.TOUR2009 den Aachener Bahnhof zum Mittelpunkt einer vierstündigen Performance machten.

Ziel war es, im Bahnhof, auf Bahnsteigen und in Zügen den Reisealltag durch unerwartete visuelle
und akustische Signale zu erweitern. In Form von typografischen Performances wurden Wörter und Texte in Spontan-installationen inszeniert, die Passantenströme neugierig gemacht und zum Verweilen angeregt. Video auf YouTube ansehen …

Branchenschriften (3)

Branchenschriften3

Es gibt Berufszweige, die gerne auf die immer gleiche Schrift zurückgreifen: siehe Branchenschriften und Branchenschriften (2). Zur Lieblingsschrift der Print- und Copyshops hat sich die Comic Sans gemausert, wahrscheinlich, weil sie billiger als eine A4-Kopie ist, nämlich kostenlos. Durchaus passend für die Berufsgruppe Gas-Wasser-Sanitär ist die Bauhaus, deren Buchstaben wie Siphons und Leitungsrohre gebogen sind. Der Klassiker im Antiquitätenmarkt ist die Jugenstilschrift Arnold Boecklin. Dem Fontblog-Leser passant verdanken wir den Hinweis auf die Schrift Bertram für das Bowlingcenter am Rande der Stadt, aber auch Spielzeugläden. Opernhäuser schmücken sich, wahrscheinlich wegen des Schriftnamen, zunehmend mit FF Scala. Wer kennt weitere Branchen, denen es an typografischer Imagination mangelt? Bitte Kommentar mit Bild …