Artikel im Juli 2009
»Krieg der Zeichen« — Eine Leserkritik …
… als Antwort auf die Kritikerkritik »Stadtgespräche«
von Friedrich Grögel
Dieses Buch stinkt. Ich weiß nicht, woher das genau kommt, aber es kam mir schon öfter unter: manche aktuellen Drucksachen überraschen einen beim Auspacken als erstes durch einen unangenehmen, beißenden, chemischen Geruch.
Dieser erste Kontakt verstimmt das Gemüt, zumal ein Klebchen auf der Schutzfolie stolz »printed in Germany with Love« verkündete. Doch auch der zweite Eindruck, der haptische, ist keineswegs erfreulich. Das Hochglanz-Plaste-Hardcover wirkt wie von einem Billigverlag à la »Buchclub« und nicht wie eine Herzensangelegenheit des wichtigsten deutschsprachigen Verlags für Grafik und Typografie.
Da ich auf den Inhalt äußerst gespannt war, hatte ich leider keine Zeit, das Buch auslüften zu lassen und unterwarf mich für eineinhalb Tage den schalen Ausdünstungen der 288 Seiten.

Das erste deutschsprachige Textbuch zur grafischen Kultur des öffentlichen Raums
In »Krieg der Zeichen – Spurenlesen im urbanen Raum« geht es darum, die grafischen und schriftlichen Phänomene der Stadt in eine Ordnung zu bringen, zu erläutern und zu interpretieren. Dabei greift Markus Hanzer auf eine überbordende Fülle von Beispielen zurück, die er fotografisch dokumentiert hat. Das Bildmaterial stammt überwiegend aus europäischen Straßen: aus Österreich (der Heimat des Autors), Deutschland, der Schweiz, Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Irland, Norwegen, Italien, Ungarn, Kroatien, Griechenland, und Malta. Viele Fotos sind ebenfalls in den USA aufgenommen. Für Südamerika stehen Vertreter aus Brasilien und Argentinien. Bilder aus der Türkei, Indien, Sri Lanka, Kamboscha, Thailand und Vietnam spielen eine untergeordnete Rolle. Der abgedeckte Schriftraum kann letztlich mit der Sphäre des Lateinischen Alphabets gleichgesetzt werden.
Das Thema ist sicherlich »Special Interest« und nicht für jeden etwas. Andererseits liegt »Schrift im öffentlichen Raum« bereits seit Jahren in der Luft und eine textreiche, inhaltliche Auseinandersetzung stand nach einer großen Zahl kleiner Veröffentlichungen im Sinne von Fotoalben und Kuriosa-Sammlungen auf der Tagesordnung. Das wachsende Interesse ist auch durch die enorme Zahl von Blogs und Websites zum Thema belegt, ebenso wie durch den grafischen Trend zum Hand-made der letzten Jahre und die rasant wachsende Anzahl von Fonts auf der Basis von Handschriftlichkeit, Schriftmalerei und Lettering.
Im deutschsprachigen Raum war ein Werk überfällig, das für sich beansprucht, einen Überblick über die visuelle Kultur des öffentlichen Raums zu geben. Interessierte mussten bisher auf englischsprachige Veröffentlichungen zurückgreifen, etwa auf »Signs – Lettering in the Environment« von Phil Baines und Catherine Dixon oder auch die älteren, zu Unrecht wenig bekannten Standardwerke von Alan Bartram und Nicolete Gray.
Die Stadt als Schauplatz eines andauernden Krieges
»Krieg der Zeichen« von Markus Hanzer geht von einem gewalttätigen Bild aus, das im Großen und Ganzen über das ganze Buch hinweg durchgehalten wird : »Dieses Buch versteht sich als Bericht von der Front eines Kriegs der Zeichen und versucht, Beweggründe und Methoden zu beschreiben, die im Kampf um Aufmerksamkeit sichtbar werden. Es erzählt von kleinen Grabenkämpfen und großen Schlachten, von Guerilla-Taktiken, von Siegern und Verlierern.« Der gewählte Vergleich zum Krieg liefert in der Folge viele sprachliche Bilder für Kapitel- und Seitenüberschriften. So handelt etwa der erste Teil von »Kriegsparteien und Waffengattungen«.
Was unter Waffengattungen zu verstehen ist, begreift man, wenn man die ersten drei Doppelseiten gelesen hat und sich bewusst geworden ist, dass man den Schlüsselbegriff des Abschnitts besser im ersten Absatz sucht als in den Überschriften. Diese neigen leider dazu, durch die Versteigung in eine Metaebene den Gliederungspunkt zu verbergen, statt ihn zu präsentieren. Letztlich ist das erste Kapitel eine kleine Mediengeschichte von der Grab- und Monumentinschrift über das Papiergeld, den Brief, das Buch, die Zeitung und das Plakat zum Kino, Fernsprecher, Fernsehen und Internet. Dabei bilden die im öffentlichen Raum fotografierten Zeichen lediglich die Folie für einen kritischen Mediendiskurs, der, geschult an Naomi Klein (»No Logo! – Der Kampf der Global Players um Marktmacht«, zu finden in Hanzers Literaturanhang), die Welt der öffentlichen Zeichen überwiegend als illegitime Versuche der Fremdsteuerung des Individuums durch staatliche und wirtschaftliche Mächte darstellt.
Auf die grafische Beschaffenheit, Gestaltungsprinzipien und Kontexte dieser Zeichen wird nicht eingegangen. Bereits hier fragt sich der Leser, ob ein gestaltungsfeindlicher Soziologe oder ein praktizierender Designer zu ihm spricht. Ein Kulturwissenschaftler kann es nicht sein, da die Präsentation der Medien weder Bezug nimmt auf die historische und technikgeschichtliche Situation ihrer Entstehung, noch auf die kulturellen Effekte, die die Medien zeitigten: etwa auf die Ausstellung der Gesetze in der Griechischen Polis, die Kultur des Flugblatts in der Reformation oder die Briefkorrespondenzen des 18. Jahrhunderts.
Die Zeichen werden aus einem einzigen, zeitgenössischen und eindimensional-konsumkritischen Blickwinkel gelesen und interpretiert.

Verschiedene Versuche, Ordnung zu schaffen
Im zweiten Teil wird das Material nicht nach Medien, sondern nach formal-stilistischen Kriterien und Techniken geordnet. Vom Disloziert-Poetischen über das Individualistisch-Handschriftliche zum Standardisierten, vom Offiziellen über das Kommerzielle zum Persönlichen, vom Teuren zum Billigen, vom Handwerklichen zum Industriellen, vom Verwurzelten zum Globalisierten. Wird in diesem Teil die Organisation des Materials interessanter, so gilt dies leider nicht für die Entwicklung der textlichen Ebene, die all zu oft auf beschreibendem Niveau verharrt oder sich in Allgemeinplätzen ergeht. Dies ist um so bedauerlicher, als die Überschrift dieses zweiten Teils verspricht, zu erklären, »Wodurch Zeichen ihre Macht ausüben«. Diese Frage bleibt im ganzen Buch unbeantwortet.
Im dritten Teil widmet sich der Autor dem »Kampf der Kulturen«. Auf Bildebene werden (hauptsächlich) Südfrankreich, San Diego und Amsterdam in die Schlacht geschickt. Auf der Textebene erfahren wir aber nichts über konkrete lokale Differenzen der Zeichenqualitäten sondern werden mit der Existenz von Mechanismen und konsensfähigen Regeln der individuellen geschmacklichen Exponierung, mit visueller Integration und postkolonialer Patchwork-Identität, mit Authentitizität und dem Auslagern von Botschaften an übergeordnete gesellschaftliche Instanzen konfrontiert, die, wie so vieles, nicht besprochen, sondern lediglich zur Sprache gebracht werden.
Der vierte Teil »Historische Dimensionen« vereint ein Potpourri von Aspekten in sich, die man grob unter das Thema Zeit stellen kann. Das betrifft öffentliche Gedenkinschriften (verknüpft mit der Frage nach der Interpretationshoheit über Geschichte), Jahreszahlen an Fassaden, das Anbringen von öffentlichen Uhren (mit dem Zweck, den Einzelnen besser zu kontrollieren und ohne die Erwähnung der Begeisterung für Mechanik im Barock) und Schriftformen, die zeitlich und stilistisch Epochen zugeordnet werden können (Fraktur, »Westernschriften«). Ebenfalls hier einsortiert werden die Überlagerung von Schichten, der Zerfall, die Wegwerfgesellschaft und der Dreck. Einen inhaltlichen Zusammenhalt über das Oberthema Zeit hinaus gibt es nicht, ebensowenig wie die Möglichkeit, das Säbelrasseln des Titels in diesem Kapitel ins Bild zu schmuggeln.

Ausweitung der Kampfzone
Der fünfte Teil »Raumordnung und Schlachtfelder« holt uns ins Kriegsgeschehen zurück. Es wird überwacht, verboten und begrenzt. Infrastruktur ergänzt Hierarchie und der Einzelne ist erneut gefangen zwischen den Fronten. Ein falscher Schritt und es droht Versorgungsentzug, Ausgrenzung oder Genickschuss.
Fühlen wir uns bereits gegängelt, abhängig und permanent geblendet, gibt uns nun der sechste Teil »Kampf um Kunden« den Rest. Auf beachtlichen 40 Seiten werden wir mit mannigfaltigen Möglichkeiten konfrontiert, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir sind schwach, wir werden verlockt, von Werbung bedrängt und umzingelt, suchen Zuflucht in vertrauten Qualitäten (die alten, guten!), dann wieder mit Fastfood gequält, in Hotels eingelagert, zu Fitness, Beauty und Lifestyle genötigt, von Marken angefixt und ausgesaugt, um schließlich in den Schlund einer Unterhaltungsindustrie gestoßen zu werden, in der wir so lange Konsumkarussel fahren bis wir uns übergeben und endlich einschlafen, aber natürlich erst, nachdem wir so richtig schön im Puff waren. Das auffälligste an diesem Kapitel ist sicher, dass vier Doppelseiten Las Vegas gewidmet sind, dem Herz der Finsternis, der Epigone des Kampfes der Industrie gegen das Indiviuum. Es bleibt die Frage, warum Menschen wie du und ich täglich mit unseren Füßen für die Erhaltung dieses Systems abstimmen. Und warum der Autor Mitinhaber einer Agentur ist.
Es folgen zwei Teile zu Informationssystemen und Kollektivem Gedächtnis, deren Tenor einmal mehr lautet: Misstraue den Botschaften, denn oft sind sie böse. Misstraue den Institutionen, denn die wenigsten sind legitimiert.
Interessant wird es dann von Seite 234 bis Seite 245, auf denen es um die »Verteidigung privater Positionen« geht, nämlich um Graffiti und Streetart. Hier wird der Basso continuo des asymmetrischen Kriegs im öffentlichen Raum endlich einmal leiser und die Sympathie des Autors für das Eingreifen des Andersdenkenden im Geschrei der Zeichen bricht sich Bahn. Was für eine Wohltat!
Ein bisschen Frieden
Zum Ende des Buches wird der Ton versöhnlich, Zeichen der Vermittlung, des Ausgleichs, des Leben-und-Lebenlassens werden gesucht. Zeichen der Gemeinschaft, der Waffenruhe, des Friedens gar. Hier nun wird die Qualität der öffentlichen Zeichen auf den Punkt gebracht: »Wo es gelingt, Auseinandersetzungen auf eine Zeichenebene zu übertragen, müssen wir uns nicht mehr direkt die Schädel einschlagen.« Das Kriegsgeschrei der Zeichen, das uns über 250 Seiten Angst einflößte, bekommt jetzt eine positive Bedeutung. Das kommt einigermaßen überraschend. Dankbar ist man trotzdem.
Im Schlusskapitel »Optische Heimat« verheißen die Bilder (aus Frankreich, Brasilien und Thailand) eine Reflexion über visuelle Identitäten in Zeiten offener Grenzen für Waren und (viele) Menschen. Leider erfüllt sich diese Erwartung nicht. Stattdessen wird resümiert, dass die Stadt ein Spiegel gesellschaftlicher Konflikte ist, festgehalten, dass jede Gruppe einer Stadt ihre Zeichen setzen können muss, um sich akzeptiert zu fühlen, unterstellt, dass multinationale Konzerne Vielfalt als Markthindernis sehen, repetiert, dass das Internet die Welt kleiner gemacht hat und territoriale Grenzen an Bedeutung verloren haben. Aber letztlich werden wir »nur im urbanen Raum […] weiterhin mit verschiedenen Zeiten, Kulturen und Zivilsationen konfrontiert«. Schade, dass genau diese Konfrontation weder aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben, noch im Kontext städtischer Räume analysiert wird.

Wo ist die Stadt?
In »Krieg der Zeichen – Spurenlesen im urbanen Raum« verfolgt Markus Hanzer mitnichten die Spuren der Zeichen im öffentlichen Raum, sondern einen gesellschafts- und medienkritischen Diskurs, den man als »konsumkritischen Mainstream« bezeichnen könnte. Die gefundenen Zeichen entwickeln kein System aus sich selbst, sondern werden in ein Wahrnehmungs- und Interpretationssystem eingefügt, in dem die Erscheinung lediglich als Sprungbrett für einen Text dient, der dem eingangs gesetzten Bild von Krieg und Kampf unterworfen ist. Die formalisierte Konzeption in Doppelseiten führt zu erheblichen inhaltlichen Redundanzen und Allgemeinplätzen.
Diese drei Faktoren – Degradierung der Zeichen zu Anlässen, formalisierte Konzeption, sowie Unterwerfung der Betrachtung unter ein negatives Leitbild – führen dazu, dass der viele Text zu einer Bürde wird, die dem Betrachter des vielschichtigen und hervorragend ins Bild gesetzten Materials auferlegt wird. In Anbetracht von Umfang und Geruch des Buches ist diese Last groß.
Auch sehnt man sich nach der Lebendigkeit, der Kreativität der Stadt, der positiven Deutung der Stadt als Ort der Wahl, der Verwirklichung, der übersprudelnden Kraft. Wo ist das Vibrieren New Yorks, das Fragmentarische Berlins, das Strahlende von Paris? Das Selbstbewusstsein Lissabons, das Morbide Barcelonas, die Langeweile LAs? Wo ist die Begegnung der Polis, die Befreiung der Republik? Wo ist die Verneigung vor guter Gestaltung, grandioser Inszenierung, handwerklicher Brillianz? Wo ist die Freude, die Lust am Leben, das Prickeln, das Abenteuer? Wo ist die Stadt?
Fotos: Friedrich Grögel
»Krieg der Zeichen: Spurenlesen im urbanen Raum« von Markus Hanzer, Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2009; 288 reich bebilderte Seiten, 39,80 Euro (FontShop-Link)
11. Tage der Typografie

Vom 9. bis 11. Oktober werden unter dem diesjährigen Motto schön und wieder »Experten der Gegenwart und Zukunft« Gelegenheit zum Austausch, zur Weiterbildung und Umsetzung ihrer kreativen Ideen haben und neue Impulse für die Druck- und Medienbranche mitnehmen. Flankiert wird das Wochenende durch das Projekt Mediencommunity 2.0, das seine diesjährige Jahrestagung am 9. Oktober in den Räumen der Akademie durchführt.
Die Tage der Typografie sind ein jährlich stattfindender Fachkongress, an dem rund 100 Experten aus unterschiedlichen Bereichen der Druck- und Medienbranche mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund teilnehmen. Die in Deutschland in dieser Form einmalige Veranstaltung kombiniert mehrtägige Workshops und Fachvorträge, bei denen die Teilnehmer unter der Anleitung namhafter Typografen und Grafikdesigner ihren Horizont mit klarem Fokus auf die Praxis erweitern.
Auch im 11. Jahr ist es gelungen, Branchengrößen als Referenten zu gewinnen. Den Auftakt gestaltet Boris Kochan, Vorsitzender der Typografischen Gesellschaft München. Mit dabei sind auch Lars Harmsen (Slanted Magazin), Oliver Linke und Robert Strauch (Lazydogs), Ben Santo (Ben Santo visuelle Kommunikation), Martin Schonhoff (die Transformer) sowie Tanja Huckenbeck und Peter Reichard (Typosition), die in Workshops unterschiedliche Facetten der typografischen Gestaltung beleuchten. Mehr Informationen und zur Anmeldung hier …
Flügge/09: Eröffnung am Sonntag

Der Studiengang Industrial Design der Universität der Künste Berlin zeigt ab Sonntag 13 ausgewählte Diplomarbeiten aus Produktdesign, Textil- und Bekleidungsgestaltung. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, in dem mit 27 Diplomarbeiten ein noch größeres Spektrum der Arbeit des Studiengangs präsentiert wird. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen …
Eurovision Song Contest, interaktiv visualisiert
Wenn die Musik schon nicht gefesselt hat, dann vielleicht die Visualisierung der Ergebnisse des 54. Eurovision Song Contest in Moskau. Der türkische Designer Baris Gumustas stellt sie auf seiner Webseite Blob vor. Eurovision 2009 Results Visualized ist eine interaktive Infografik der Endergebnisse, ermittelt aus allen teilnehmenden Ländern. Jede Nation wird durch eine Farbe repräsentiert, die Größe des Punktes entspricht der Platzierung, mit Norwegen auf Platz 1 und Deutschland unter »ferner liefen«. Klickt man auf ein Land, wird die Punktvergabe der anderen Nationen deutlich, die zwischen 1 und 12 liegt – eine schmale Linie bedeuted 1 Punkt, eine fette Linie 12 Punkte.
Währen die interaktive Darstellung es erlaubt, einzelne Länder zu betrachten, liegt auf der Flickr-Seite von Gumustas eine Grafik, die alle Ergebnisse übereinander gelagert zeit (kleine Abbildung links). Das Original ist 3600 x 3600 Pixel groß.
MTV und BBDO verneigen sich vor dem King of Pop
Mit einem grafischen Motiv verabschieden sich der Musiksender und die Agentur von einem genreprägenden Künstler. Seit Bestehen hat Michael Jackson das Image des Senders mit seinen bahnbrechenden Videos geprägt wie kaum ein anderer Künstler. Aus diesem Grund hat die Düsseldorfer Werbeagentur BBDO nun ein Logo entwickelt, das auf dem global gebräuchlichen Trauersymbol basiert, dem Black Ribbon, kombiniert mit einer für Michael Jackson typischen Pose. Kreation: Toygar Bazarkaya, Carsten Bolk, Martin Knipprath, Milena Hirschochs, Aristotelis Saflanis
Für den Tag der Beerdigung wurde die Motividee als kurzer Stummfilm (Spot auf Youtube ansehen) sowie als Anzeige und City-Light-Plakat umgesetzt (PDF des Plakats, 1,25 MB). Des weiteren wird das Black Ribbon als Icon neben dem MTV-Logo platziert.
Junior Award für beste Nachwuchsdesigner

Der Lucky Strike Junior Designer Award, die begehrteste Auszeichnung für Nachwuchsdesigner in Deutschland, geht in diesem Jahr geht an vier Hochschulabsolventen: Joel Sam Horwitz, der an der Berliner Universität der Künste Modedesign studierte, sowie das Produktdesigner-Team Kathrin Lang, Nina Wolf und Wolfgang Rößler von der Hochschule Coburg erhalten den mit insgesamt 12.000 Euro dotierten Preis. Mit dem Preis würdigt die Raymond Loewy Foundation zum 18. Mal herausragende Abschlussarbeiten von Designstudenten.
Joel Horwitz erhielt den Lucky Strike Junior Designer Award für die Herrenmode-Kollektion »Neuaushandeln von Normalitäten«. Ungewöhnliche plakative Muster sind sein Thema. Überraschende Effekte entstehen durch transparente Materialien, die sich changierend überlagern. Kathrin Lang, Nina Wolf und Wolfgang Rößler wurden für ihre Diplomarbeit »Rettet die Realität! Integrationshilfen für die digitale Evolution« ausgezeichnet. Das Team untersuchte den Einfluss der digitalen Welt und die Wirkung von Computern, Internet und Mobiltelefonen auf unseren realen Alltag. Daraus gingen humorvoll angesetzte Produktideen hervor: Das Handy kommt in eine Funklochtasche – und schon ist man nicht mehr erreichbar. Oder für die Aufbewahrung von Fotos, Musik und Dokumenten gibt es digitale Gefäße, die zur zeitgemäßen Erweiterung eines Regals werden.
Bis 23. Juli zeigt die Raymond Loewy Foundation die ausgezeichneten Arbeiten als multimediale Ausstellung im Levantehaus Hamburg, Mönckebergstraße 7, 20095 Hamburg. Die Ausstellung ist täglich von 10.00 Uhr bis 22.00 Uhr zu sehen.
Axel »klauen«

Bevor es andere tun und damit angeben, verrate ich es lieber gleich: Natürlich wird seit Freitag die Schrift Axel Bold, die hier in den Headlines zu sehen ist, gemeinsam mit den Texten und Bildern des Fontblog auf eure Rechner geliefert. Genau das ist der Grund, warum viele Schriftenhäuser gerade fieberhaft an sicheren Lösungen und neuen Lizenzbedingungen arbeiten, um den Webdesignern bald typografische Freiheit durch Webfonts zu geben.
FontShop Deutschland hat es da etwas leichter. Axel ist unsere erste kommerzielle Schrift, das heißt wir dürfen noch »spielen« und können schnell reagieren. Außerdem sind wir nicht an alte Designerverträge gebunden. Und so sehen wir die liberalen Axel-Politik als einen Testballon, auch für andere Schriftenhäuser, mit denen wir gerne unsere Erfahrungen teilen.
Wir glauben, dass ein Font den gleichen urheberrechtlichen Schutz genießen muss wie Texte und Fotos. Ach diese werden euch täglich auf den Rechner gespült, von Spiegel Online, Süddeutsche, Heise, Tagesschau und Bild. Und ihr wisst, dass ihr die Texte und Fotos anderer nicht in eigenen Webseiten oder Drucksachen nutzen dürft, wenn hierfür nicht entweder ein schriftliches OK oder eine Lizenzdokument (= Nutzungshonorar) vorliegen.
Genauso soll das mit der Schrift Axel sein. Ihr habt zwar den Font auf eurem Rechner, er wird jedoch ausschließlich zum Zwecke der Darstellung der mit diesem Font verbundenen Webseite geliefert. Wer mit der Schrift arbeiten und eine Webseite oder Drucksachen gestalten möchte, benötigt die Lizenz dazu. Die kostet nicht die Welt, wie wir alle wissen, im Falle eines Axel-Schnittes sind das 29,– €, das ist bei weitem nicht so viel wie das einmalige Abdruckrecht für ein Fotos. Und die Axel dürft ihr täglich verwenden, jahrelang, für beliebig viele Jobs, Drucksachen und Leser.
Die Anregung für diesen Beitrag war eine E-Mail von Jürgen F. aus Köln, der sich am Samstag besorgt an mich wendete: »Habe ich was überlesen oder wurde die Problematik, dass man eingebettete Fonts theoretisch einfach so runterladen (aka klauen) kann, noch nicht diskutiert? … Ich dachte, ich schreib’s dir mal per Mail und nicht in den Kommentar, sonst wird die Axel noch die meist runtergeladene Schrift bei FontShop.« Danke, Jürgen. Tatsächlich ist Axel schon die meist-geladene Schrift in der Geschichte von FontShop, wofür nicht zuletzt der günstige Einführungspreis mit verantwortlich ist. All diese Kunden haben die Lizenz zum Arbeiten und Veröffentlichen mit Axel, was sie von jenen Usern unterscheidet, die sie aus dem Cache ihres Browsers angeln.
Zur Abbildung: Das Aktivitätsfenster des Browsers Safari zeigt die Elemente des Fontblog-Beitrags »Diese Headline ist gesetzt aus Axel und ihr alle könnt es sehen«, darunter der Font Axel Bold.
Offenbach ist nicht Frankfurt
Prof. Klaus Hesse schreibt mir gerade: »Offenbach ist nicht Frankfurt, soviel ist klar. Aber was ist Offenbach wirklich? Studentinnen und Studenten der HfG Offenbach haben sich einem von der Stadt Offenbach initiierten Gestaltungswettbewerb um ein neues Erscheinungsbild gestellt. Eine Auswahl der Ergebnisse werden erstmalig am 10. Juli 2009 öffentlich von den Studierenden im Offenbacher City Tower vorgestellt. Alle Entwürfe für ein neues Corporate Design der Stadt Offenbach sind vom 11. bis 30. August im Klingspor-Museum zu sehen.«
Also: Nichts wie hin zur öffentlichen Präsentation am 10. Juli 2009, Beginn 11:30 Uhr, City Tower, 29. Stock, Berliner Straße 76. Pressekonferenz: 10. Juli 2009, Beginn 17 Uhr, Klingspor Museum, Herrnstraße 80. Ausstellungseröffnung: 10. Juli 2009, Beginn 19 Uhr, Klingspor Museum, Dr. Stefan Soltek.
Weitere Informationen: www.klassehesse.com
Diese Headline ist gesetzt aus Axel und ihr alle könnt es sehen*
Gerade eben auf Radio Eins, in der Sendung Escape: Interview mit Ivo Gabrowitsch (Fontwerk) über Webfonts. Großartig, dass Schrift und Typografie radiofähig werden. Das hat mich gleich daran erinnert, dass mein Kollege Jochen Evertz gestern Abend hier für das Fontblog die @font-face Regel eingebaut hat (in das Theme, entworfen von Ivo): alle Headlines in Axel Bold. Das sieht jetzt nicht unbedingt schön aus, denn Axel wurde für Tabellen entwickelt, aber 1) darf man das mit der Axel (liberalste und verständlichste Lizenzbedingungen weltweit für eine Kaufschrift) und 2) will ich meine ersten Webfonts-Erfahrungen sammeln. Der erste wollte ich jedoch nicht sein. Wer von den über 1000 Axel-Kunden setzt die Schrift ebenfalls im Web ein?
Axel gibt es nur bei FontShop, ab 29 € der Einzelschnitt (Familie 79 €). Spielt im folgenden Fenster mit den 4 Axel-Schnitten, testet die Schrift in allen Größen …
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mit Safari und Firefox 3.5
Schöne typografische Plakate von JvM
Ein Vorurteil in der deutschen Designszene lautet: Werber können keine Plakate. Das stimmt nicht. Ich bin sogar gegenteiliger Auffassung. Weil viel mehr Plakate von Werbern als von Grafikdesignern geschaffen werden, und weil diese sich tagtäglich auf den Straßen »verkaufen« müssen, entstehen in Agenturen wahrhaftig plakative Plakate. Das klingt jetzt wie »weißer Schimmel«, aber so lange man mit unplakativen Plakaten massenhaft unter die 100 Besten Plakate* im Land kommt, muss ich das eben mal doppelt gemoppelt formulieren. Kein Art-Direktor käme auf die Idee, kommerzielle Plakate mit siebgedrucktem Zierrat, tiefschürfenden Metaphern oder mikrotypografischen Sperenzchen zu inszenieren. Es sei denn, man gestaltet sie für die eigene Wand, oder die des Auftraggebers (zum Beispiel einen Theater-Intendanten) … oder einen Designwettbewerb.
Die oben abgebildete Plakatserie von Jung von Matt Elbe für den Hamburger Verein Jüdischer Salon am Grindel e. V. widerspricht gleich mehreren Vorurteilen. Wahrscheinlich ist sie auch für einen Wettbewerb gemacht, OK … trotzdem ist sie plakativ, zugleich gestalterisch sowie typografisch raffiniert und sie funktioniert.
Illustration: Arne Weitkämper, Nelli Quiring, Julia Stoffer; Art-Direktion: Jens Pfau, Arne Weitkämper. Eben gefunden bei I believe in advertising …
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* Nichts gegen den Wettbwerb, und weiß um das Bemühen der Veranstalter, die Werber anzusprechen … die einfach viel zu wenig einreichen. Aber der Name »100 Beste Kunstplakate« wäre auch in diesem Jahr wirklich treffender.
Die Kunst der Eigenwerbung [Update]
Der Volksmund sagt »Die Schuster tragen die schlechtesten Schuhe«, was so viel heißt wie: Sie machen gute Arbeit, zeigen es aber nicht unbedingt am eigenen Fuß. Der Spruch stammt aus einer Epoche, als Werbung noch Reklame hieß und Schuster sowieso keine Zeit hatten, ihre Werkstatt zu verlassen. Heute hat jeder Handwerker ein Logo und betreibt sein eigenes Marketing. Natürlich auch Design- und Werbeagenturen … obwohl mancher ihrer Werbeauftritte an die alte Schustermentalität erinnert. Nicht ohne Grund sprachen wir hier im Fontblog häufig über die Selbstdarstellung der Designszene.
Eigenwerbung hat für den ein oder anderen Kreativen einen negativen Beigeschmack. Vielleicht stehen sie mit dem Thema auf Kriegsfuß, weil sie nicht angeben möchten. Die Autoren des neuen Buches »The Big Book of Self Promotion« (englisch, Gingko Press, 1. Auflage, 384 Seiten) geben Entwarnung un machen Mut: »Eigenwerbung bedeutet pure Freiheit, denn Du selbst sitzt am Steuer Deiner Kampagne und bestimmst, mit wem Du arbeiten möchtest … anstatt auf das Wohlwollen eines Klienten angewiesen zu sein.«
Warum ist das so. »Wer sich und seine Leistung verständlich bewirbt und wenn diese Botschaft mit dem Bedarf im Marktes übereinstimmt, dann klingeln schon am nächsten Tag die Telefone. … Und dann kommt deine Freiheit zum tragen, dann suchst du dir die Kunden und Produkte aus, dir zu deinem Profil passen.« Klingt eigentlich ganz einfach, ist es aber nicht – das wissen wir alle aus eigener Erfahrung. Doch nach dem Studium diese Buches ist es in jedem Fall einfacher, und man vermeidet Fehler. Und deshalb empfehle ich es gerade hier im Fontblog gerne.
Bereits in der zweiseitigen Einleitung geben die Designberater Peleg Top und Ilise Benun (Gründer von Marketing Mentor, ein Marketingberatung für selbstständige Kreative) eine hilfreiche Liste mit 7 Regeln aus der Hand, die Gold wert sind. Es folgen auf über 350 Seiten Beispiele erfolgreicher Eigenwerbung aus dem Bereich Kommunikationsdesign. Die Auswahl hierfür traf die Herausgeberin Suzanna MW Stephens, Gründerin von Designs on You! und eine erfahrene Buchkonzeptionerin.
Das Buch gliedert sich in 5 Kapitel:
• Self-Promotion by Designers and Design Firms
• Promotions Created for Paying Clients
• Holiday and Seasonal Promotions
• Wearable, Games, and Miscellaneous Items
• Promotions for Nonprofit Orgaizations
Dazwischen eingestreut befinden sich auf 12 Doppelseiten ausführlich dargestellte Fallbeispiele, zum Beispiel die Selbstdarstellung einer Tierstiftung, mehrere Wandkalenderprojekte, eine vorbildliche Arbeit des australischen Büro North, eine Kommunikationskampagne für einen Hochzeitsfotografen auf Hawaii, Taschen für einen kalifornischen Instrumentenbauer und Factor Design US stellen ihre eigene Promo-Box ausführlich vor. Amüsant für deutsche Leser: Als das Büro Hornall Anderson (Seattle, Washington) 25 Jahre alt wurde, konzipierte es eine nette Kampagne um das Wort »Fünfundzwanzig«, denn »für amerikanischen Augen steckt da gleich zweimal ›fun‹ drin.«
[Uodate] Das Buch kostet bei FontShop 45 € (bei Amazon 38,29 €, »versandfertig in 1 bis 2 Monaten«). FontShop hat es auf Lager und versendet noch heute, natürlich versandkostenfrei.

