ein Kommentar von Jürgen Siebert
Politik ist die Kunst des Kompromisses. Ich bin ziemlich untalentiert für diese Aufgabe, bzw. verliere rasch die Geduld. Darum beneide ich Raban Ruddigkeit nicht, der sich in den letzten Wochen als Verhandlungspartner auf Seiten von Create Berlin um die Neuformulierung der Ausschreibung des Code-Plakatwettbewerbs bemühte.
Er hielt mich regelmäßig auf dem Laufenden darüber, wie ein Stolperstein nach dem anderen wegdiskutiert wurde. Unser Maßstab waren die Spielregeln des Vereins Fidius e. V., der über Designwettbewerbe wacht und unfaire Ausschreibungen mit einem Negativpreis belegt. Also bat Create Berlin den Verein um Rat.
Am gestrigen Montag verdüsterte sich dann Rabans Miene. Es ging um das Preisgeld. Vorm Wochenende lautete die Devise in einer E-Mail aus Fidius-Kreisen noch: »Die ausgelobten Preise scheinen … zu gering. Es muss noch geprüft werden, ob z. B. der dritte Preis in Höhe von 500,00 EUR ein Mehrfaches des üblichen Honorars für eine Plakatherstellung und Nutzung in dem vorgesehenen Umfang darstellt.«
Raban interpretierte vorsorglich das »Mehrfache« als »Bruchteil«, um sogleich bei den Sponsoren erneut die Hand aufgehalten. Kein leichtes Geschäft, in diesen Zeiten. Auch FontShop griff noch mal in die Kasse. Nun winken 1500 €, 1250 € und 1000 € Preisgeld, also das Doppelte für den Drittplatzierten im Vergleich zur ersten Ausschreibung.
Am Montag dann wurden die Signale von Seiten Fidius’ ziemlich unwirsch. »Bitte nehmen Sie sofort wieder die Ausschreibung aus dem Netz. Sie müssen sonst damit rechnen, von FIDIUS eine Negativauszeichnung zu erhalten.« Etwas später dann: »… wenn die Kosten für die Plakatherstellung weiterhin auf die ›Gewinner‹ abgewälzt … werden, wird FIDIUS eine offizielle Presseerklärung zu dem Plakatwettbewerb abgeben und ausdrücklich von einer Teilnahme abraten.«
Daher hier noch mal zusammengefasst: Fidius hält den Wettbewerb für unfair und rät von der Teilnahme ab. Insbesondere werden die folgenden 3 Punkte bemängelt (wobei ich den 3. für belanglos halte):
• Die Preisgelder sollten 12.500 €, 10.000 € und 7500 € betragen
• Die Gewinner dürften nicht die Kosten der Plakatherstellung tragen
• zum (freiwilligen) 1-monatige Praktikum-Angebot (Arbeitsplatz, Wohnung)
gehöre auch die Flugkostenübernahme
In der Politik gibt es eine Methode, die nennt sich »Verhandlungen platzen lassen«. So etwas geht sehr schnell, wenn eine der teilnehmenden Parteien unerfüllbare Forderungen stellt. An diese Methode fühlte ich mich gestern erinnert. Zum Glück hat Create Berlin die Verhandlungen nicht platzen lassen, sondern die neu formulierte, faire und transparentere Ausschreibung heute ins Netz gestellt.
Hokuspokus Fidius … drei mal Schwarzer Kater für Create Berlin und seine Partner, darunter auch FontShop. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Niederlage = Gewinn … vielleicht sollte ich doch in die Politik gehe.










Thomas K. aus Berlin schreibt gerade: »Habe eben den neuen Fontshop getestet und bin sehr angetan! Im Fontblog wird ja schon länger intensiv um Feedback gebeten, also hier zwei Anregungen, die ich nach meiner Bestellung habe: