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Die Cottbus-Diskussion ist durch. Inzwischen tut es nur noch weh. Hoffen wir, dass der Fall zum abschreckenden Beispiel für alle Städte wird, die ähnliches vorhaben.
Lasst uns eine Spielpause einlegen. Gestern habe ich bei »Schlag den Raab« (ProSieben) ein Google-Duell gesehen, aus dem ich eine 17+4-Variante abgeleitet habe. Das Original bei Raab ging so:
• man gibt ein Substantiv vor, zum Beispiel »Zimmer«, und ergänzt dies mit einem weiteren Hit-verdächtigen Wortteil, um maximale Google-Treffer zu erreichen (meine Tochter Marie schlug mich eben mit »Zimmermann«, was zufällig auch ein beliebter Nachname in den USA ist).
• Die umgekehrte Variante des Spiels: Wie bei »17 und 4« muss man sich möglichst dicht an eine Zahl heranpokern (hier die 1 satt der 21), ohne sie zu übertreffen (hier = Null Treffer). Nehmen wir wieder das Beispiel Zimmer-, an das immer mehr Buchstaben drangehängt werden. Viel Spaß.
(Foto: ProSieben)
Markus Goldammer schreibt mir: »Auch ich bin sprachlos über Cottbus. Aber ich glaube, dass alles nicht so schlimm wäre, wenn du uns nicht aufmerksam gemacht hättest auf die Ausschreibung damals. Dann wüssten wir nichts von Cottbus und das wäre sicherlich in diesem Fall für einige besser.
Will sagen. Genau wie wir, haben sicherlich erst viele andere über dein Blog vom Wettbewerb erfahren und haben – bisher gibt es noch keiner so richtig zu – auch mitgemacht, wie wir. Irgendwie reizt es mich natürlich zu sehen, was haben die anderen gemacht. Da wäre natürlich der erste Schritt, seine eigenen Arbeiten zu zeigen. Und letzten Endes ist es ja auch gerade der Wegfall der versprochenen öffentlichen Präsentation, die uns alle auch ärgert.
Man könnte also mal alles bei dir sammeln, und dann anonym zeigen und dann die Blogleser abstimmen lassen. Anschließende Liste der Namen natürlich inbegriffen.«
Prima Idee. Aufruf an alle Wettbewerbsteilnehmer: Zeigt in den Kommentaren – direkt eingebettet oder per Link zu einer eigenen Seite – was Ihr gestaltet habt.
[Update: Markus Goldammer, der Ideengeber für diesen Beitrag, kam erst heute dazu, seinen Cottbuw-Wettbewerbsbeitrag zu verlinken ... siehe Kommentar 76]

Die Lausitzer Rundschau hat das neue Logo für Cottbus veröffentlicht. Seit Wochen wurde der Weg zum neuen Logo im Fontblog heiß diskutiert. Im Briefing hieß es: » …das Markenprofil von Cottbus ist zwischen Energie und Fürst Pückler angesiedelt.« Die Diskussion des Auswahlverfahrens sorgte für einen Kommentarrekord im Fontblog. Mein erster Ausdruck: sitzt, passt, wackelt und hat Luft.

Gut gemacht: Mit »Reflektor 1« präsentiert der Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund auf 175 Seiten einen Querschnitt der aktuellen Leistungen aus den gestalterischen Disziplinen Fotodesign, Grafikdesign, Objekt- und Raumdesign sowie Film und Fernsehen. Rückblicke auf hochschulinterne Aktivitäten wie Events, Ausstellungen und Symposien sowie Essays von namhaften Gestaltern und Kunstwissenschaftlern bieten zusätzlich Einblick in das Spannungsfeld von Theorie und Designpraxis.
Sicher habt Ihr es schon an Silvester auf Twitter gelesen*: Auch in diesem Jahr hat die FontShop-Redaktion wieder ihre liebsten Schriften der zurückliegenden 12 Monate gewählt, die FontStars 2008. Anders als die FontStars 2007, die auf CD als Minibibliothek erschienen, kann man die FontStars 2008 einzeln kaufen und sofort downloaden. Damit nicht genug: Erstmals stellen wir alle Schriften auf einer eigenen FontStars-Webseite in Wort und Bild vor.
Für das kommende Jahr nehmen wir uns vor, die FontStars-Idee zu vollenden: eigene Website plus Einzelfont-Download plus Kollektion-Download (mit Preisvorteil) plus alternativ auf CD plus schön gestaltetes Poster.
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* Um die Twitter-Meldungen des Fontblog noch einfacher lesen zu können, habe ich hier oben rechts in der Navigation einen Twitter-Button eingeführt. Der aktuelle Thread ist untypisch, weil geprägt von meinem gestrigen Einsatz als Telefonjoker bei »Wer wird Millionär« (man muss auch auf Twitter von unten nach oben lesen).
Die Diskussion zur obigen Frage war fruchtbar und hat den bisherigen Kommentarrekord (Haus der Kulturen wird »das Haus«) gebrochen … vor allem in der Länge. Wir verlieren den Fokus und Außenstehende erschrecken ob der puren Länge, selbst wenn sie sich für das Thema begeistern.
Nur ein persönliches Gespräch (mit Entscheidungen) kann uns weiter bringen. Daher biete ich an, auf der TYPO eine Gesprächsrunde zu veranstalten. Arbeitstitel »Designkammer«. Dauer 60 Minuten. Johannes, Henning, Vroni und HD sollten mindestens dabei sein, denn sie haben mit Engagement die Debatte entfacht. Alle anderen sind ebenfalls eingeladen. Dieses Treffen wird öffentlich sein, also ohne TYPO-Ticket zu betreten.
Wir bei FSI und FontShop lieben Heinz Strunk. »Fleisch ist mein Gemüse« war und ist sensationell, »Die Zunge Europas« … ähnlich umwerfend. »Fleckenteufel« haben wir noch nicht gelesen. Wir hoffen aber, dass aus der typografischen Katastrophe auf dem Cover keine Rückschlüsse auf den Inhalt zu schließen sind.
Fleckenteufel ist die literarische Antwort auf »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche, mit 1,4 Millionen Exemplaren der meistverkaufte Roman 2008. Dass Fleckenteufel den Feuchtgebieten nacheifert, erkennt man schon am fast identischen Umschlag. Statt des Pflasters (beim Original) sehen wir einen dreckigen Waschlappen, aus der Grundfarbe Pink (Mädchen) wurde Blau (Jungs). Auch die Typografie wollte ähnlich sein, ist sie aber leider nicht.
Gesetzt aus der wunderbaren Pixelfraktur FF Karo Dot. würde der Strunk-Titel so aussehen:

Und selbst wenn einem das k »zu sehr nach Fraktur« und damit unpopulär aussieht, muss man nicht gleich eine andere Schrift nehmen oder selbst machen oder vergewaltigen … die offensichtlich auch kein besseres k hatte, von den restlichen Buchstaben und ihrer Zurichtung ganz zu schweigen. Denn Karo bietet ein alternatives k an:

Dies alles für nur 59,– € im OpenType-Format. Musste mal gesagt werden dürfen … Nichts für ungut, Heinzer! ;) Wie sagte auch Bertram Schmidt-Friederichs auf der Buchmesse 2006: »Gute Typografie kostet nicht mehr als schlechte … spart aber Zeit und sieht besser aus.«
Cottbus hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Erneut wurden Kommunikationsdesigner an der Nase herumgeführt … so wie man es sich bei Architekten, Ingenieuren oder Anwälten nie erlauben würde. Diesen Berufsständen ist eines gemein: Sie haben eine Kammer im Rücken, also eine berufsständische Körperschaft, die öffentlich-rechtlich organisiert ist und Aufgaben der berufsständischen Selbstverwaltung wahrnimmt. Solche Kammern sind die Interessenvertretung ihrer Mitglieder. Wikipedia ergänzt dazu: »Auch besitzen sie Satzungsgewalt, welche personell auf ihre Mitglieder und sachlich auf ihren Aufgabenkreis beschränkt ist. Der Staat hat die Aufsicht (Staatsaufsicht) über die Kammer. Weit überwiegend besteht Zwangsmitgliedschaft. … Kammern vergeben Berufszulassungen und können diese bei Fehlverhalten auch wieder entziehen und Strafen erteilen. Sie nehmen Einfluss auf Ausbildung und Prüfungsrichtlinien.«
Johannes Erler (Factor Design, Hamburg) sympathisiert mit der Idee einer Designkammer: »Manchmal muss man etwas auch ganz neu andenken, um der Idee einen Schub zu geben. Also: Verbände vereinen, eine Kammer gründen, etwas Neues machen. Ich bin mir fast sicher, dass sich an der momentanen, unbefriedigenden Situation sonst nichts ändern wird. Die existierenden Verbände haben es in zwanzig Berufsjahren nicht geschafft, mich zu überzeugen.«
Der nächste Schritt?

Liebe Leser,
es ist das erste Mal in der Geschichte des Fontblog, dass ich einen älteren Beitrag noch mal hervorkramen möchte (Ivo ließ mir keine Ruhe »Da muss man doch was machen!«). Am 23 September 2008 schrieb ich unter der Überschrift Cottbus sucht Wort-/Bildmarke: »Diese Ausschreibung dürfte nur etwas für Designer mit dickem Fell sein. Alle Weichen scheinen bereits gestellt: das Markenprofil von Cottbus ist zwischen Energie und Fürst Pückler angesiedelt. Jetzt muss ein passendes Markenzeichen her, … Die Wunschliste ist nicht gerade bescheiden, wie in einem PDF nachzulesen ist. Als Preissumme winken 8000 €.«
Die Kommentare schwankten zwischen »Provinzposse…« und »Mensch, nun seid doch nicht gleich von vornherein so negativ.« (Oliver Adam) bis »…nur nicht aufgeben, mitmachen!«. In unregelmäßigen Abständen berichteten Andi (ab Kommentar # 60), Vroni, ml, edgalf und sm über den Fortgang der Ausschreibung und den Entscheidungen. Heute schreibt sm frustriert, dass es keine öffentliche Präsentation geben wird und »Ich sage Euch das war das ERSTE und LETZTE MAL, dass ich bei so einem Sch.. mitgemacht habe.« Schade.


Unter dem Motto »5 Uhr T« finden an der Academy of Visual Arts (AVA) in Frankfurt am Main im Januar und Februar 2009 drei Vorträge zu den verschiedenen Facetten der Typografie statt. Die Veranstaltung richtet sich auch an alle Interessierten außerhalb der AVA und zeigt damit, dass die Akademie ein Treffpunkt zum Austausch über Typografie ist.
Initiiert wurde die Veranstaltungsreihe von Peter Reichard (Typosition) aus Offenbach, der an der AVA als Lehrbeauftragter für Typografie tätig ist. Den Startschuss macht am 21. Januar die Veranstaltung mit Lars Harmsen vom Slanted Magazin, gefolgt vom Vortrag »Schriftwechsel« von Prof. Ralf de Jong am 27. Januar. Am 18. Februar berichtet der Typedesigner Dan Reynolds über die Entstehung einer Schrift.
Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 17 Uhr in der Aula der Academy of Visual Arts, Ostparkstraße 47–49 in Frankfurt am Main. Weitere Informationen: http://bit.ly/9g84 (dies ist eine verkürzte URL, wie ich sie vorhin in meinem Twitter-Beitrag verwendet habe, dessen Länge auf 140 Zeichen begrenzt ist).
Microsoft hat eine Rückwärts-Karaoke-Musiksoftware entwickelt. Songsmith (dt: Liedschmied) fügt einem gesungenen Text mit wenigen Mausklicks die Begleitung hinzufügt. Kinderleicht zu bedienen. Und ansteckend … auch für die beteiligte Werbeagentur. Gestern Abend dachte ich noch: Folter. Heute kann ich mich nicht mehr satt sehen, an dem Video.
Es ist nicht der erste misslungene Werbespot in den zurückliegenden Monaten aus Redmond. Ein ehemaliger Weltmarktführer hat komplett die Bodenhaftung verloren. Es scheint in dem Unternehmen keine Finanz- und Geschmackskontrolle mehr zu geben. Eine völlig benebelte Werbeagentur erlaubt sich Kardinalfehler (ein telegenes, mit Prilblümchen getarntes MacBook Pro spielt die Hauptrolle in dem Clip) und Seitenhiebe auf die hauseigene Cash-cow-Applikation PowerPoint. Die Entwicklungsleiter von Songsmith, Dan Morris und Sumit Basu, können später nicht behaupten, sie seien von alledem überrascht: beide spielen Hauptrollen in dem Clip »Everyone has a song inside«.