Artikel im Oktober 2008


Welches RFID-Logo darf’s denn sein?

Das hängt von Ihrer ideologischen (oder beruflichen) Einstellung ab. Befürworter des Radio Frequency Identification – man begegnet den hierzu gehörigen Aufklebern im Logistik-Bereich, zur Warensicherung aber auch am Schuh von Marathonläufern – bringen das gestern vom Informationsforum RFID vorgestellte Logo an. Es wurde im Rahmen eines Wettbewerbs vom Bremer Designer Andreas Wiegand entworfen, Absolvent der Hochschule für Künste. Das Signet soll zur Kennzeichnung von RFID-Anwendungen dienen und die Akzeptanz fördern.

Parallel zu dieser Aktion veranstaltete der Bielefelder Bürgerrechtsverein FoeBuD einen Wettbewerb zur Ermittlung eines RFID-Warnlogos. Sieger wurde der Hamburger Johannes Steil mit einem dreieckigen, gelben Logo, das die drahtlose Lesbarkeit der RFID-Chips (dargestellt als Barcode) durch Kreisbögen darstellt. Weitere Wettbewerbsbeiträge auf dieser Seite.

Auslöser für beide Wettbewerbe war das Bestreben der EU-Komission, mittels Logo auf RFID-Anwendungen hinzuweisen und dem Verbraucher Transparenz zu bieten. Wie eine europaweite Lösung aussehen und ob es überhaupt eine geben wird ist im Moment ungewiss. (Quelle)

Eröffnung der TDC-Schau auf der Buchmesse

von Suzu Pahlke

Der Einlass auf die Buchmesse mit der aus dem Fontblog ausgedruckten Karte funktionierte einwandfrei – die Messemitarbeiter am Eingang waren informiert. Kurz vor Eröffnung der Type-Directors-Club-Show war rund um die Ausstellungsfläche des Schmidt-Verlags in Halle 4.1 kein Durchkommen, so groß war der Andrang. Ob Franz Müntefering nebenan am 3Sat-Stand angesichts des Interesses für die Typografie blass geworden ist? Genau kann ich’s nicht sagen, denn er war in der Menge der Typo-Interessierten bald nicht mehr zu sehen.

Die Begrüßung durch Karin und Bertram Schmidt-Friderichs war kurz aber herzlich, auch um den Mitarbeitern ihres Verlages schnell Platz zu machen, damit die Besucher mit Häppchen und Wein versorgt werden konnten. In seinen einleitenden Worten wies Prof. Ivica Maksimovic (HBK Saar) auf den zunehmenden internationalen Erfolg des deutschen (typo-)grafischen Designs während der letzten Jahre hin. Er zitierte aus einem Gespräch mit Gert Dumbar, den er fragte, woher die hohe Qualität des holländischen Designs komme. Gert Dumbar habe gesagt, die deutschen Designer seien genauso gut wie die holländischen, aber die deutschen Auftraggeber tickten anders. Ein holländischer Designkunde sagt am Ende eines Briefings schon mal: »Und dann will ich damit auch einen Designpreis gewinnen«. Bei deutschen Auftraggebern heiße es fast immer: »Und dann darf das alles nicht viel kosten«. Ein Bewusstsein für Qualität zu schaffen, das sei die Zukunftsaufgabe für die deutschen Designer, so Maksimovic.

Unter den Exponaten war kein durchgehender Trend auszumachen. Eigentlich waren alle Stile von den 80ern bis heute vertreten. Am ehesten gab es vielleicht eine Tendenz zum Konstruktivistischen und weniger geschwungene Formen. Und mit Farbe wurde im letzten Jahr sparsam umgegangen.

Die Gespräche der am Rande der Ausstellung waren anregend und dauerten lange, bis ringsum auf dem Messegelände die Lichter langsam erloschen. Es war ein gelungener Abend und ich empfehle allen Interessierten, die Publikumstage Samstag und Sonntag für einen Besuch der TDC-Schau in Halle 4.1 zu nutzen.

Eine tolle Idee der Post …

… aber ist sie erlaubt? Will man sie wirklich zum Erfolg bringen?

Es liest sich ganz toll in dem Heftchen, das ich heute morgen in meinem Briefkasten fand: die Internet-Briefmarke und das Handyporto der Deutschen Post. Endlich kann man Briefmarken zu Hause mit dem eigenen Rechner und dem eigenen Printer selbst drucken (www.porto-direkt.de). Noch raffinierter ist das Handyporto. Du schickst eine SMS mit dem Stichwort »Brief« oder »Karte« an die Nummer 22122, worauf man postwendend eine 12-stellige Ziffer aufs Handy gesendet bekommt, die man – anstelle einer Briefmarke – mit einem Stift rechts oben auf das Briefkuvert oder die Postkarte schreibt.

Da muss es doch einen Haken geben, denke ich mir. Selbstverständlich geht die Gebühr für die Anforderungs-SMS auf meine Kosten. Das kann ich verstehen, als Preis für den Komfort, keine Briefmarken auf Vorrat zu kaufen und lagern zu müssen. Und wenn man eine SMS-Flatrate hat oder ein monatliches Kontingent – geschenkt.

Leider steht im Kleingedruckten die wirklich schlechte Nachricht, dass ein per SMS frankierter Standardbrief 95 statt wie üblich 55 Cent und eine Postkarte 85 statt 45 Cent kostet. Hallo‽ Das entspricht einer Preiserhöhung von 73 % (Brief) bzw. 89 % (Karte). Mal abgesehen davon, ob die Post dies überhaupt darf – eine Preiserhöhung für Brief und Karte durch die Hintertür: Warum denkt man sich in Bonn einen tollen Service aus, der durch absurde Mehrkosten schlicht unattraktiv wird.

Das neue Handyporto beweist erneut, dass Geschäftsmodelle im Handynetz immer noch absurde Nebenkosten mit sich bringen. Die Branche ist schlicht verwöhnt, eine Kette von Providern/Carriern/Dienstleister/Portale hält die Hand auf, bevor das Endprodukt beim Kunden ankommt. Wir kennen das aus der Klingeltonwelt. Da scheinen immer noch jede Menge Handynutzer 3 € und mehr für einen Pop-Song in minderer Qualität auszugeben, der dann auch nur auf ihrem Handy läuft, während sie das ganze auch über die iTunes- oder Musicload-Schiene für 99 Cent lösen könnten – in besserer Qualität und lebenslänglichem Abspielrecht.

Noch mal SpOn und Buchmesse

Spiegel Online legt gerade dar, »warum E-Reader das Buch nicht verdrängen werden«. Dass das E-Book eine Sackgasse ist, war auch die Meinung vieler Experten auf der Buchmesse (zum Beispiel die des Schriftentwerfers Gerard Unger auf unserem Podiumsgespräch in Halle 4.0, gestern). Wir kamen gemeinsam zu der Überzeugung, dass die wahre Bedrohung für das Buch Handys und iPods seien. Robert Klanten (Gestalten Verlag) zitierte ein Beispiel aus Japan. Dort werde »Der Herr der Ringe« inzwischen fast ausschießlich für Handy verkauft: die gedruckte Ausgabe verschwindet. Die Japaner lesen das Buch in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Dieses Beispiel zeigt mir, dass das (Lese-)Buch für viele Menschen nicht mehr kompatibel zu ihrem Leben ist.

Lesetipp: SpOn über verzwickte Anleitungen

Konrad Lischka widmet sich heute bei Spiegel Online dem Technikärgernis Anleitung. Schöne Beispiele. Immer wieder amüsant. Und gute Argumente für Kommunikationsdesigner.

Gruß von der Frankfurter Buchmesse

Ich war anderthalb Tage dort. Habe mehr Gespräche geführt als Bücher gesehen. Das Gastland ist in diesem Jahr die Türkei. Überall sieht man das Labyrinth-Logo. Das hat mich sofort an unsere Diskussion vom März letzten Jahres erinnert, als Sandy Kaltenborn (www.image-shift.net) mit einer juristischen Drohung konfrontiert war, nach der Labyrinthe im Grafikdesign eine geschützte Idee von Adreas Uebele seien.

Als Gastland der Buchmesse 2009 wurde China gewählt. Die Gestaltung von Logo und Halle wird die bekannteste chinesische Desinerin in Deutschland, Bestseller-Autorin und TYPO-Sprecherin Yang Liu übernehmen (Fontblog über ihre Plakate, Fontblog über ihr Buch).

Wer ein Logo für die Buchmesse gestalten darf, wird aus in und auf den unterschiedlichsten Medien wiederfinden: Tragetaschen, Katalog, Anzeigen, Säulen, Transparente, Teppichböden … Ich bin gespannt auf Yang Lius Werk, das sie heute Mittag auf einer Pressekonferenz vorstellen wird, die ich leider nicht besuchen kann, weil ich schon wieder auf dem Rückweg in Berlin bin (diesen Beitrag schreibe ich im McDonald’s, Kirchhain). Sie hat mir aber verraten, dass es schwarzweiß sein wird.

Ich verschenke noch ein paar Tipps an alle, die in den nächsten Tagen die Buchmesse besuchen werden. … ich selbst konnte sie nicht nachprüfen:

• Volker Ronneberger (Publishing Praxis) schwärmte in den höchsten Tönen von einem Bildband über Läden in New York, den man am Gingko-Messestand besichtigen kann: »Tolle Display-Typografie, wunderbare Fotos.«
• Beim Schmidt-Verlag ist der Adfontskalender von Judith Schalansky zu bewundern.
• Birkhäuser zeigt das voluminöse Frutiger-Lebenswerk – für Typo-Fans sicher die Neuerscheinung des Jahres.

Geschenke: Drei Poster-Quellen

Drei Poster

Ich werde immer wieder mal gefragt, wo es originelle (typo-)grafische Poster gibt. Nun ja, Weihnachten naht, ich habe mir mal drei Quellen in den letzten Tagen notiert, bei denen sich ein Besuch lohnt:

Der Print-Shop der Kapitza-Schwestern (London)
Die Poster des Art-Lebedev-Studios (Moskau)
Der Online-Laden von Eboy hat auch wieder Nachwuchs (Berlin)

Sicher können einige Leser weitere Tipps beisteuern. Lasst sie uns wissen.

Köln: »Ich sehe was, was Du nicht siehst«

Banner Ich Sehe Was

Den Studenten des 3. Semesters Studiengang Mediendesign an der Rheinischen Fachhochschule Köln wurde die Organisiation und Realisation des »Forum Mediendesign« als Semesteraufgabe gestellt. Die Veranstaltung am 8. November 2008 steht unter dem Motto »Ich sehe was, was Du nicht siehst« und soll Designinteressierten eine Plattform bieten, sich auszutauschen.

Die Referenten sind unter anderem:
Tom Hirt, ERCO
Prof. Klaus Hesse, Hesse Design
Tom Alby, Ask.com
Prof. Dr. Albrecht Schmidt, Fraunhofer IAIS
Matthias Spaetgens, Scholz & Friends
Robert Müller und Patrizia Widritzki, facts+fiction
Dietmar Henneka, Fotograf
Juli Gudehus, Gestalterin
Prof. Lucas de Groot, FontFabrik

Fakten: 8. November in Köln, www.forum-mediendesign.de, Filmforum im Museum Ludwig (Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln), Eintritt: kostenlos; weitere Infos: Pressemitteilung)

Großbritannien: Pizza Hut heißt jetzt Pasta Hut


Schon im Januar 2008 berichtete das Weblog trademork.com über die Bemühungen der weltweit operierenden Restaurantkette Pizza Hut, sich das Warenzeichen Pasta Hut zu sichern. Ende März 2008 verkündete die Pizzeriakette offiziell, dass sie eine Umbenennung vorbereite. Nun melden die Gastronomen in Großbritannien Vollzug: Pizza Hut heißt jetzt Pasta Hut.

Der Namenswechsel ist Teil eines 100-Mio.-Pfund-Investment-Programms, um die Restaurantkette zu modernisieren, die zum US-amerikanischen Unternehmen Yum! Brands gehört. Innerhalb von sechs Jahren soll das komplette Großbritannien-Geschäft mit rund 700 Units auf Vordermann gebracht werden. Der geänderte Name soll einen neuen ernährungsphysiologischen Ansatz  bei Pizza Hut reflektieren. Dazu hat man bei sämtlichen Gerichten das Salz reduziert, die Öle ausgetauscht und auf der Kinderkarte verstärkt Gemüse positioniert.

Noch mal 1. Preis für »Pachanga« von Schmidt

Die Universitätsdruckerei H. Schmidt sicherte sich beim Wettbewerb der Deutschen Druckindustrie den 1. Platz in der Kategorie Bücher. Mit dem Innovationspreis werden zukunftsweisende Printprodukte und Unternehmen sowie innovative technologische Lösungen prämiert.

Die Auszeichnung erhielt Schmidt für herausragende Leistung bei dem »Titel Pachanga – Grafikdesign-Inspirationen aus dem cloud forest« (FontShop-Link, keine Liefergebühr; Fontblog über Pachanga). Mit einem eigens in Krefeld gewebten Seideneinband, schmetterlingsflügel-dünnen Auftaktseiten und dem individuell gefertigten Lesebändchen begeisterte Pachanga die Jury. Zuvor erhielt das Buch bereits eine Goldmedaille beim iF Communication Design Award, zwei Auszeichnungen vom Art Directors Club 2008 und wurde als Auswahltitel Deutscher Fotobuchpreis 2008 prämiert.

Veranstaltungstipp: London Calling in Berlin

»London Calling« heißt eine Talk-Reihe in englischer Sprache von Designern aus London:
»über geschehene und ungeschehene Zukunft, über Objekte als Protagonisten im Film und über Fliegen essende Roboter.« Sie findet immer Donnerstags, am 06.,13., und 20. November 2008 statt (Beginn 19.00 Uhr, Eintritt frei) , in der Designtransfer-Galerie der Universität der Künste (Einsteinufer 43-53, Berlin-Charlottenburg).

100 Beste Edition: Band 17 ist da!

Heute erscheint Band 17 der von FontShop ins Leben gerufenen 100 Beste Schriften Edition: FF Dax OT (Edition-Bestellseite für Neuabonnenten und Einzelkäufer). Auf der CD befinden sich die 6 meistverkauften und -benutzten Dax-Schnitte (Regular, Bold, Black plus Kursive dazu) im OpenType-Format. Alle Fonts enthalten – über die OpenType-Funktionalität – Kapitälchen, Tabellenziffern, Mediävalziffern und Ligaturen.

Die Geburtsstunde der Textschrift FF Dax liegt im Jahr 1993. Der Wuppertaler Musiker, Komponist, Instrumentenbauer und Designer Hans Reichel sollte eine CD-Booklet gestalten. Er erinnert sich: »›Gestalten‹ ist das falsche Wort … ich musste eine Unmenge von Text auf 12 Miniaturseiten unterbringen«. Reichel griff zur schmal laufenden Futura Condensed. Ergebnis: Die Leserlichkeit des Büchleins war dürftig, denn die Schrift wurde nicht für klein gesetzte Texte sondern Headlines entworfen.

Tage später macht sich Hans Reichel Gedanken über eine lesbare, platzsparende Schrift. Mit einem feinen Filzstift und Tipp-Ex entstehen die ersten Buchstaben einer Schrift, die später FF Dax Condensed heißen wird. Besondere Merkmale: schmal, wenig Kontrast, fehlende Abstriche … typische Merkmale von Headline-Schriften. Doch wenn ein begabter Schriftkünstler wie Hans Reichel (ein Schüler von Günter Gerhard Lange) sich in den Kopf setzt, Dax zur Textschrift zu machen, dann gelingt das auch. Und es gelang tatsächlich.

Der Band »FF Dax OT« der »100 Besten Edition« enthält zum Preis von 199,– € soviel Dax wie möglich und so viel Dax wie nötig, um sehr gut lesbaren Mengenssatz und raffinierte Headlines zu setzen. Das oben als Ausschnitt abgebildete Schriftmuster kann hier als PDF geladen werden. Es zeigt nicht den kompletten Zeichenvorrat der Dax-Schnitte, wohl aber einigy typische Vertreter aus Ziffernsätzen, Pfeilen, Ligaturen, Osteuropa-Zeichen, mathematische Operatoren, Small-Caps und vieles mehr. Einzelbestellung auf dieser Seite. Abonnenten der Edition bekommen sie automatisch zugestellt und zahlen nur 178,– €.