Artikel im August 2008


Das organisierte Imageproblem, oder …

Warum engagieren sich eigentlich so wenige deutsche Designer für und jenseits ihres täglich Brot?

von Johannes Schardt und Christophe Stoll (precious-forever.com)

Seit einiger Zeit verspüren wir das Bedürfnis, unserer Profession, die wir seit zehn Jahren ausüben, etwas zurückzugeben und unseren Teil dazu beizutragen, dass der Beruf des Gestalters mehr soziale, gesellschaftliche und auch wirtschaftliche Relevanz erlangt.

Gute Arbeit abliefern, Artikel publizieren, Lehraufträge annehmen, Praktikanten ausbilden, Workshops durchführen, Vorträge halten, seine Fähigkeiten für wohltätige Belange einsetzen… es gibt viele Dinge, die jeder einzelne neben seiner alltäglichen Arbeit als Gestalter tun kann, um sein Fach zu unterstützen.

Eine weitere Möglichkeit ist das Engagement in größeren Gruppen und Organisationen, sei es nur durch eine Mitgliedschaft oder durch aktive Mitarbeit. Beides war für uns vorstellbar und so informierten wir uns über die verschiedenen Zusammenschlüsse, die es in Deutschland gibt.

Ein kurzes Nachfragen in unserem direkten Umfeld ergab, daß kein Designer Mitglied in irgend einem Verband ist. Manche wussten überhaupt nichts konkretes über AGD, BDG und Co., andere hatten sehr klare Meinungen dazu. Leider keine positiven (»angestaubt, langweilig, bringt nix«).

Beim Sichten der Websites und des angeforderten Infomaterials mussten wir feststellen, daß auch wir uns überhaupt nicht angesprochen fühlten. Thematische Schwerpunkte, Ansprache und nicht zuletzt die gestalterische Umsetzung wirkten auf uns alles andere als einladend. Von einem Designverband hatten wir etwas mehr kreativen Geist erwartet als von der Bäckerinnung.

Nicht nur uns und unseren Bekanntenkreis scheinen die Verbände nicht überzeugen zu können. Denn wie Henning Krause, Präsident des BDG, am 11. Juli 08 auf dieser Seite kommentierte: »Vor diesem Hintergrund möchte ich (mal wieder) darauf verweisen, daß lachhafte 5% der Designer Deutschlands es für nötig befinden, in einem Berufsverband Mitglied zu sein.«

Tatsache ist, dass wir die Relevanz für solche Organisationen durchaus sehen. Dennoch zögern wir mit einem Beitritt. Vielleicht weil es ein Imageproblem gibt? Und selbst wenn viele Designer die Wichtigkeit solcher Verbände erst gar nicht erkennen, bedeutet das nicht letzten Endes, dass es ein Kommunikationsproblem gibt?

Ist es nicht paradox, dass Berufsverbände, die sich mit Kommunikationsdesign befassen, ihre Botschaft nicht vermittelt bekommen? Oder nicht in der Lage sind, ein Bild von sich zu zeichnen, das die ihresgleichen anspricht?

Wenn ein deutscher Verband auch nur halbwegs so rüberkommen würde, wie z. B. die amerikanische AIGA, dann hätten wir schon längst den Mitgliedsbeitrag überwiesen.

Wie wichtig sind Dir die deutschen Design-Organisationenen? Hier geht’s zur Umfrage …

Werde zum Manga …

Einen Comic-
Avatar erstellen mit Face
 Your 
Manga!

Ohne Fotovorlage, allein mit einer Palette von Gesichts- und Oberkörperelementen, lässt sich binnen weniger Minuten ein Comic-Selbstportrait erstellen. Jeder kann den Service der italienischen Agentur Pixelheads kostenlos nutzen; eine Registrierung ist keine Voraussetzung. Die 178 x 178 Pixel große Grafik wird entweder per E-Mail gesendet, oder man macht sich einen Screenshot vom Endergebnis. Wer seinen Avatar in höherer Auflösung wünscht, kann für wenig Geld einen Ausdruck bestellen.

Ich möchte Euch als Manga sehen, wie damals: Werde zum Simpson …

Der entscheidende Moment … gewinne ein Buch

Im Zoomfeed kann man ein nützliches Buch gewinnen. Einfach ein Foto hochladen, das Dir im entscheidenden Moment geglückt ist.

Sommerspiele (6): Ausstatter-Logo-Doping?

Die Sportpresse fragt sich: Haben die chinesischen Turner ein Ausrüster-Logo kopiert? Auf dem Trikot der erfolgreichen Turnerinnen und Turner befindet sich ein Logo, das mit dem Nike-Swash verwandt sein könnte. »Handelt es sich etwa um einen weiteren Versuch einer chinesischen Firma, sich erfolgreich und knapp an der Legalität zu bewegen? Oder ist das ein chinesisch angepasstes Nike-Logo?« fragt die Neue Zürcher Zeitung.

Tatsächlich handelt es sich um das Firmenzeichen des chinesischen Sportartikelherstellers Li Ning Company Limited. Li Ning ist der bekannteste Turner Chinas, 6-facher Medaillengewinner der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984. Er entfachte das olympische Feuer während der Eröffnungsfeier letzten Freitag in Beijing. Als Li Ning 1988 vom Spitzensport zurücktrat gründete er ein Textilunternehmen. Das Logo ist dem chinesischen Zeichen für seinen Familiennamen nachempfunden.

Dass es auf den Trikots der chinesischen Sportler angebracht ist entspricht dem IOC-Reglement und ist kein Versuch versteckter Werbung. Athletinnen und Athleten dürfen das Logo ihres individuellen Ausrüsters auf dem Wettkampf-Dress anbringen, zum Beispiel beim Tennis, oder das ihres Team-Ausstatters.

Symposium Schriftdesign in Offenbach

Aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens veranstalten die Freunde des Klingspor Museums e.V. ein 2-tägiges Symposium, das Protagonisten der aktuellen Schriftgestaltung zu Wort kommen lässt. Die Konferenz bettet sich ein in die Ausstellung »Schrift in Form«, die von Tanja Huckenbeck, Peter Reichard (Typosition) und Otmar Hoefer (Linotype) kuratiert wird.

Die Ausstellung zeigt Schriften von 40 Designern, unter anderem aus Argentinien, den USA, Schweden, den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich, Portugal, Israel, Thailand, Neuseeland und Deutschland. Eröffnet wird die Ausstellung am 3. September 2008 um 19.00 Uhr im Offenbacher Klingspor Museum. Sie bleibt bis zum 26. September geöffnet. Weitere Informationen …

Typografisches Filmplakat-Rätsel

Die Film-Zeitschrift Empire hat sich ein typografisches Rätsel ausgedacht: Anhand einzelner Buchstaben, entnommen aus 46 verschiedenen Filmplakaten, sollen die Namen der Kinowerke erraten werden. Ein Klick auf eine Letter zeigt das dazugehörige Poster. Viel Spaß.

Redesign der Metro in Los Angeles

Das US-Marken-Portal ReBrand veranstaltet jährlich einen Global 100 Award, in dem die Neupositionierung, die Revitalisierung und das Redesign von Marken unter die Lupe genommen werden. Einer der Gewinner 2008 ist das neue Corporate Design der Metro von Los Angeles, dem drittgrößten Nahverkehrssystem der Vereinigten Staaten. Das Redesign wurde nötig, weil »die Kundschaft blind war für die Marketinganstrengungen der verantwortlichen Agentur, die zudem in den letzten Jahren durch negative Presse in Verruf geraten war«.

Das Ergebnis: neues Logo, neue Icons, neues Farbsystem und einheitliche Schriften (FF Scala und DIN).

Logotrends 2008: Supernova meets Farbenblindheit

Wie in den letzten Jahren lohnt sich auch in diesem Sommer wieder ein Blick in den den Logo-Trendreport von Bill Gardner (logolounge.com), der seit 2003 die internationale Logomode unter die Lupe nimmt. In dieser Saison macht Gardner 15 Stilgruppen aus: Supernova, Fine Line, FoldOver, Global Expansion, Loops, Jawbreakers, Strobe, Nimbus, Stitch, Colorblind, Amoeba, Facets, Doodles, Flourish, Fibrous. Neue Trends sind animierte Logos, Braille-Wörter, psychedelische Typografie und Ebenen.

Sein Fazit lautet »Weniger ist mehr geworden«: weniger Grün, weniger Photoshop-Effekte, weniger Bubblegum, weniger 3D.

Ein FontShop-Kunde fragt

»Für einen T-Shirt Druck suche ich ein besonderes Zeichen. Man sieht es oft auf Webseiten, die falsch codiert wurden, Stichwort ›UTF-8 Problematik‹. Es ist eine schwarze Raute, die auf der Spitze steht mit einem weißen Fragezeichen darauf. Wäre klasse, wenn Sie mir helfen könnten, wie ich das Zeichen normal im Textfluss verwenden kann, ohne es per Photoshop entwerfen zu müssen.«
Meine Copy&Paste-Lösung: � (U+FFFD). Mehr zum »Replacement Character« bei Decodeunicode …

Mädchen an die Macht

Als Vater zweier Töchter und Schriftenfreund komme ich an diesem (typografischen) Film natürlich nicht vorbei. »Was passiert, wenn man Mädchen eine Chance gibt?« lautet die zentrale Frage der sozialen Website The Girl Effect (eine Kooperation der Nike Foundation* und der Novo Foundation), die zu diesem Thema das Video produzieren ließ. Den Film in Kinoqualität ansehen …

*Beigeschmack: Wem der Ruf vorauseilt, seine Produkte mit Kinderhänden produzieren zu lassen, sollte zu solchen Themen eigentlich die Klappe halten. Der Film ist trotzdem gut gemacht.

Modulare Dumbar-Schrift »Postcode« (1978) für alle

Das Hamburger Designbüro Precious betreibt ein Weblog, in dem es einen Freefont anbietet, der mit Fontstruct gebaut wurde. Die Schrift heißt Postcode und basiert auf dem typografischen Motiv einer holländischen Briefmarke aus dem Jahr 1978, die Gert Dumbar einst gestaltete. Auf dieser Flickr-Seite ist die Marke in vorzüglicher Qualität reproduziert. Alle weiteren Details zur Briefmarke und dem daraus entstandenen Versalien-Font in einem ausführlichen Blogbeitrag bei Precious. Hier (und natürlich bei FontStruct) kann auch der Font geladen werden; Downloads bei FontStruct hieven Postcode in die Bestenliste.

Japanisches Schriftzeichen-Spiel

Auf der Webseite des japanischen Schriftenhauses Morisawa gibt es ein feines Spielzeug namens Fontpark, mit dem man exotische Schriftzeichen erkunden kann. Am Ende einer selbst inszenierten Session ergibt sich eine Animation, die andere User bewerten können. Nett programmiert (gummiweiche Zeichen) und mit schicken Sounds unterlegt.