Artikel im Mai 2008


Eine Torte für Sagmeister

Am 5. Juni 2008 wird der »Kölner Klopfer« an Stefan Sagmeister überreicht. Der Preis wurde von der Köln International School of Design ins Leben gerufen und ist die einzige Designauszeichnung, die von Studierenden verliehen wird. Die Feierlichkeiten finden ab 18:30 Uhr im Museum für angewandte Kunst statt. Zuvor weilt Sagmeister drei Tage auf der TYPO Berlin, wo er Freitag den 30. Mai um 11:00 Uhr seinen Vortrag »Dinge, die ich bisher im Leben gelernt habe« hält.

Studenten-Oscar geht an Kunsthochschule Köln

Die dpa eben meldet, setzte sich heute der 36-jährige Reto Caffi mit seinem Abschlussfilm »Auf der Strecke« beim Studenten-Oscar gegen Konkurrenten aus Tschechien, Spanien, Israel und Slowenien durch. Caffi studierte unter anderem an der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM). Sein halbstündiger Spielfilm war als einziger deutscher Beitrag für den »Besten ausländischen Studentenfilm 2008« nominiert. Die fünf Finalisten wurden aus einer Gruppe von 45 Kandidaten aus 29 Ländern ausgewählt. Die begehrte Auszeichnung wird am 7. Juni überreicht.

»Auf der Strecke« handelt von einen Kaufhausdetektiv, der ein Auge auf eine Verkäuferin geworfen hat. Er beobachtet sie per Überwachungskameras und folgt ihr abends auf dem Weg zum Zug. Als er Zeuge wird, wie ein vermeintlicher Nebenbuhler Opfer einer Gewalttat wird, greift er nicht ein. Vom schlechten Gewissen zerfressen, bricht sein geordnetes Leben zusammen. Ein Ausschnitt des prämierten Filmes ist hier zu sehen.

Esquire-Cover-Galerie 1933–2008

esquire covers 

Die neue Esquire-Cover-Galerie bildet eine wunderschöne Evolutionsreihe der sich wandelnden redaktionellen Bildsprache eines People-Magazins.

100 Beste Band 12: FF DIN OT

Heute erscheint Band 12 der von FontShop ins Leben gerufenen 100 Beste Schriften Edition: FF DIN OT, die zweite FontFont-Familie unserer Edition (Bestellseite für Neuabonnenten und Einzelkäufer). Auf der CD befinden sich die 5 gebräuchlichsten DIN-Schnitte im OpenType-Format.

Der Klappentext skizziert die Entstehungsgeschichte der FF DIN: »Jahrzehntelang galt die deutsche Industrieschrift als vaterlose Schöpfung, das Produkt einer Behörde. Recherchen von Albert-Jan Pool, dem Schöpfer der FF DIN, ergaben: Der Siemens-Ingenieur Ludwig Goller (1884 – 1964) war ab 1925 als Vorsitzender des DIN-Komitees für Zeichnungen verantwortlich für die Entwicklung der Schrift DIN 1451. Mit seiner Publikation ›Normschriften‹ wurde sie 1936 für die Beschilderung der deutschen Straßen und Hausnummern vorgeschrieben.

Beim Entwurf der FF DIN durch Albert-Jan Pool 1995 wurden typografische Lesbarkeiteregeln berücksichtigt. Horizontale Striche sind dünner als vertikale, die Übergänge von Kreisen auf Geraden harmonisiert. Evert Bloemsma brachte den Erfolg der FF DIN, die zu den fünf bestverkauften FontFonts gehört, auf folgende Formel: 80 % Hi-tech, 10 % Unvollkommenheit (= Charme) und 10 % Statik.«

Das Paket für die 100 Beste Edition enthält, wie oben bereits erwähnt, 5 FF-DIN-Grundschnitte für den Text- und Headlinesatz: Regular, Regular Italic, Medium, Medium Italic und Bold … doch die haben es in sich. Wie viele OpenType-Schriften der FontFont-Bibliothek bieten sie einen großen Zeichenvorrat (hier zum Beispiel Mediävalziffern, Pfeile und alternativ gestaltete Zeichen in allen 5 OT-Fonts) und warten mit sog. OpenType-Features auf. Das sind typografische Funktionen, die man in Programmen wie Adobe InDesign komfortabel »schalten« kann.

Siehe auch: www.100besteschriften.de und Band 12 FF DIN OT

Drei weitere neue Designbücher


Seit heute neu im FontShop-Lager (= sofort lieferbar, versandkostenfrei):

Publishers Group: 1000 Works of 100 Young Designers. Ein Schaufenster des neuen Grafikdesigns in China. Junge, in den 70er und 80er Jahren geborene Künstler präsentieren auf 20 bis 35 Seiten jeweils ca. 10 zwischen April 2006 und März 2007 entstandene Arbeiten. Preis: 25 €. Mehr Bilder und bestellen bei FontShop …

Dhairya (Hrsg.): Package & P.O.P. Structures. 280 neue Ideen für Verpackungen und Präsentation: Kartons, Displays, Dispenser, Umschläge, Mappen, Folder, Tragetaschen und mehr. Alle vorgestellten Ideen lassen sich ausprobieren, denn auf der mitgelieferten CD befinden sich die Zeichnungen im Vektorformat EPS und als PDF. Preis: 19,90 €. Mehr Bilder und bestellen bei FontShop …

Savoir Lou Andrea: Viva Grafica – Real graphic applications. Dieses Buch zeigt, wie Flächenmuster heute im Design kreativ eingesetzt werden. Auf Doppelseiten ist jeweils das Muster ganzseitig zu sehen, daneben gibt es ein oder mehrere Fotos mit realen Anwendung in Mode, Produktgestaltung, Werbung u.a. 288 Seiten mit vielen Farbbeispielen. Preis: 39,90 €. Mehr Bilder und bestellen bei FontShop …

Spruch des Tages, von René Obermann

Der Telekom-Chef im FAZ-Interview auf die Frage ›Wie viele Deutsche telefonieren mit gehackten iPhones?‹: »… der Anteil ist sehr gering, das ist mengenmäßig kein relevantes Phänomen.«
Zur Erinnerung: die Telekom gibt an, bis heute rund 100.000 iPhones verkauft zu haben. Die Deutsche Presseagentur meldete von zwei Wochen, dass darüber hinaus zirka 50.000 importierte Geräte in deutschen Netzen unterwegs seien. Der vielreisende Erik Spiekermann erzählte mir jüngst, dass der deutsche Zoll einheimische Passagiere von ankommenden US-Flügen routinemäßig fragt: »Haben Sie ein iPhone im Gepäck?«

René Obermann und Steve Jobs verkünden am 19. 9. 2007 den iPhone-Deutschland-Start in Berlin

Kapitälchen ästhetisch in HTML simulieren

Bei esse est percipi gibt es praktische HTML-Tipps rund um die Kapitälchen. Wir lernen, warum automatische Small Caps zu vermeiden sind und wie man(n) mit einem (Handarbeit-)Trick trotzdem zum Ziel kommt. Schön geschrieben. Danke.

Vorträge zur Medienethik an der FH Mainz

Die Fachschaftsräte Kommunikations- und Mediendesign/Zeitbasierte Medien der Fachhochschule Mainz organisieren diese Jahr eine Vortragsreihe zum Themenkreis Medienethik. Die Organisatoren beobachten nicht nur seit längerem ein steigendes Interesse an ethischen Fragen bei den Studierenden, auch in der Industrie zeichnet sich eine Tendenz zu mehr unternehmerischer Verantwortung ab. Die Vortragsreihe umfasst vier Veranstaltungen mit verschiedenen Schwerpunkten und Gastrednern:

14.Mai, 19.00 Uhr, Sarah Hillebrecht (HfK Bremen): »Gutes oder Schlechtes Design—eine Frage der Moral?«

21.Mai, 19.00 Uhr, Heike Rost (Fotografin und Bildjournalistin): »Ethik im Bildjournalismus«

28.Mai, 19.00 Uhr, Prof. Dr. Volker Wolff (Johannes Gutenberg-Universität): »Der Deutsche Presserat und sein Pressekodex — Wie wirksam ist die Selbstkontrolle der Presse?«; 20.00 Uhr, Thomas Jarzombek (Beauftragter der CDU-Fraktion für Neue Medien): »Computerspiele — eine neue Herausforderung für die Ethik?«

11.Juni, 19.00 Uhr, Prof. Dr. Petra Grimm (HdM Stuttgart): »Ethik in der Lehre«

Veranstaltungsort: FH Mainz, Holstraße 36, 4.Stock

Reclam-Verlag startet Literaturdöner

Vor 140 Jahren revolutionierte der Reclam-Verlag mit Literaturklassikern im Taschenformat die Bücherwelt. Die neue Internetseite Literaturdöner, entwickelt von Jung von Matt Neckar, soll die Tradition »leicht verdaulicher Literatur« (Reclam) fortsetzen. Auf der Website drehen sich Zitate ausgewählter Werke in der Form eines türkischen Fleischspießes. Zu jedem Ausspruch können Autor, Titel und eine kurze Inhaltsbeschreibung angezeigt werden. Aus vorgemerkten Titeln kann auch ein eigener Döner zusammengestellt, Zitate gedruckt oder weiter verschickt werden. (Via Typeneu)

Das erste Deppen-Versaleszett

So haben sich die Freunde des Versaleszetts die Premiere im Buchhandel sicher nicht vorgestellt. Der Berliner Drucker Martin Z. Schröder verkündet nicht ohne Stolz über das neue Max-Goldt-Hörbuch ›Nichts als Punk und Pils und Staatsverdruss‹: »Mein Kollege und Mitarbeiter Frank Ortmann … hat nach der Dresdner Form … einen eigenen Entwurf für den kalligraphierten Titel gezeichnet; ich freue mich sehr, diesen Titel hier präsentieren zu können … Frank Ortmann hat vermutlich das erste große Eszett auf einem CD-Cover überhaupt gezeichnet.«

Leider hat Frank Ortmann nicht bedacht, dass sich die deutschen Verlage vor vielen Jahren zur Neuen Deutschen Rechtschreibung verpflichtet haben. Nach dieser schreibt sich »Verdruss« mit Doppel-s, denn das u wird kurz gesprochen, im Gegensatz zu »Ruß«. Es besteht daher keine Veranlassung, bei versaler Schreibweise etwas anderes zu schreiben als VERDRUSS. Es sei denn, das Cover ist eine Steilvorlage für einen neuen Max-Goldt-Text, der den Titel tragen könnte »So machen es die klugen Sprachen (2)«.

Nach dem Deppenapostroph und dem Deppenleerzeichen wird die deutsche Rechtschreibung – in Rekordzeit – um ein weiteres Phänomen bereichert, das Deppenversaleszett.

Schwebende Anzeigen in der Berliner Zeitung

Hover Ads (schwebende Anzeigen) sind eine Pest aus dem Internet, die auf gedruckte Medien übergreift: raffiniert programmierte Werbefenster, die den redaktionellen Inhalt zum Teil verdecken, wobei das Bedienelement zum Schließen versteckt ist, um die Aufmerksamkeit des Benutzers für einen längeren Zeitraum zu erzwingen. Kurz: hinterhältige Sch…, die sich ein Webseiten-Betreiber freiwillig ans Bein bindet, um ein paar Anzeigenkröten einzustreichen – auf Kosten genervter Besucher, frustrierter Redakteure und selbstgefälliger Anzeigenkunden, die nicht merken, dass ihre Produkte zunehmend gehasst anstatt geliebt werden.

Ohne Not transformiert die Berliner Zeitung diese werbliche Unsitte aufs Papier. Dabei scheint es sich in der gestrigen Ausgabe nicht um eine seltene Point-of-Sale-Aktion zu handeln, sondern um ein neues Konzept, denn außer auf der Titelseite (Kunde: MediMax) verdeckte auch im Innenteil ein halbseitiger Überleger (Kunde: Mercedes Benz) die Auftaktseite eines Produkts.

Formen finden und nicht stehlen (2)

Das Designtagebuch berichtet gerade über die Rücknahme eines Logos der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, das sich im Nachhinein als sehr ähnlich zum Logo der portugiesischen Universidade do Minho herausstellte. Der Fall erinnert mich an einen älteren Fontblog-Beitrag mit dem Titel Formen finden und nicht stehlen. Wir dürfen nie vergessen, dass – bei einfachen grafischen Formen – zwei Menschen an unterschiedlichen Orten zur gleichen Zeit diesselbe Idee haben können. Nicht gleich den Plagiatsvorwurf erheben …