Artikel im April 2008


Avant-Garde-Leitmedium Beef bleibt sich treu

Das vierteljährliche Kreativmagazin Beef, herausgegeben von Horizont und dem Art Directors Club ADC, verfolge ich seit der Erstausgabe mit zunehmender Freude (Fontblog berichtete hier und hier). Die aktuelle Ausgabe schickte mir Artdirektor Andreas Liedtke mit den Worten: »Ab der nächsten Ausgabe setzen wir beef komplett in der Arial.« Ich schrieb ihm per Mail: »Nimmst Du Bezug auf das Titelthema der aktuellen Ausgabe: ›Warum die Werbebranche das Lügen nicht lassen kann‹? Falls Deine Ankündigung ernst gemeint ist, möchte ich vor einem solchen Schritt warnen: Er wird von der Designszene als müder Abklatsch einer Meiré-Marotte bzw. einer 032c-Nullnummer antlarvt werden.« Gestern Abend kam die Entwarnung von Andreas per Mail: »Das mit der Arial war ein – etwas verspäteter – Aprilscherz.«

Und so bleibt Beef mein Avant-Garde-Vorzeigemedium. Für den Anwendungen der Avant Garde in beef hat die Zeitschrift übrigens einen silbernen Nagel in der Kategorie Typografie beim ADC gewonnen.

Online-Marktplatz für Streetculture

ArtSchoolVets ist ein neuer Sammelplatz für die »Kultur von unten«. Die Seite vereint Nachrichten und Features, spiegelt Weblogs und baut parallel dazu einen offenen Shop auf. »Das Besondere an ArtSchoolVets ist, dass der Designer bei uns an erster Stelle steht und weitaus mehr als nur der kreative Geist hinter dem Produkt ist. … ArtSchoolVets (wird) von einem losen Verbund kreativer Schreiberlinge aus den Bereichen Musik, Kunst und Mode unterstützt, wobei dieser synergetische Effekt eine Schnittstelle zwischen Magazinkultur, Art-Community und dem alltäglichen sozialen Netzwerk binden wird.« heißt es im About. Dass die Macher rund um Lodown (Thomas Marecki), David Fischer und Daniel Josefsohn schreiben können, beweist schon die Headline »Germany’s Next Schnaps Bottle« eines Features über die Likör-Hersteller Jan und Hendrik Borgmann. Wenn man jetzt noch in der Homepage-Banner-Show den Accent Aigu ´gegen einen echten Apostroph austauscht, dann ist ArtSchoolVets auch typografisch perfekt. (Via)

Neues Grafikdesign in China

Die japanische Designzeitschrift Pingmag bespricht ausführlich das Kompendium »New Graphic Design in China« von Javin Mo (Redaktion). Das online veröffentlichte Interview mit Jo , der hauptberuflich das Büro Milkxhake in Hongkong leitet (gegründet 2002), gibt eine Einführung in die aktuellen Stil-Richtungen des Landes. Noch ist die kommerzielle Designszene überschaubar, mit ihrer jungen Geschichte (15 Jahre) und etwa 30 wegweisenden Büros. Seiner Meinung nach habe sich ein typisch-chinesischer Designstil noch nicht entwickelt. Viele junge Grafiker holten sich ihre Inspirationen eher aus westlichen Ländern und auch Japan. Der Artikel enthält einige Links zu Designern und am Ende drei Designblog-Empfehlungen.

Sexfilmplakate aus den 60er und 70er Jahren

Eye magazine: Management-Buy-out

Die angesehene britische Typografie-Zeitschrift Eye hat sich vom Verlag Haymarket getrennt. Wie die beiden früheren Partner per Pressemitteilung verlauten ließen, geben sie dem vierteljährlichen Nischenmagazin mehr Chancen in den Händen ihrer Macher: John Walters (Eye-Chefredakteur), Simon Esterson (Eye-Artdirektor) und Hannah Tyson (Geschäftsführerin Esterson Associates). Das Trio gründete hierfür Eye Magazine Ltd. Sowohl Esterson als auch Tyson waren an der Gründung von Eye 1990 beteiligt.

Font Game: Schriften erkennen

»The rather difficult font game« ist für echte Kenner kein Problem: Möglichste viele der 34 präsentierten Schriften erkennen und ganz oben in der Bestenliste landen. (Danke an Simon für den Tipp)

Offene Designertüren in Wiesbaden

Der Tag der offenen Kreativbüros in Wiesbaden, Access All Areas, geht in die zweite Runde. In diesem Jahr nehmen vom 17. bis 20. April noch mehr Firmen teil, darunter 3deluxe, Fuenfwerken, Q und Scholz & Volkmer. Gerade wurde das vorläufige AAA-Programm veröffentlicht. Ein hochwertiges Magazin mit den Profilen aller
teilnehmenden Firmen ist in Vorbereitung; diesem ist die obige Abbildung des Büro Q-Teams entnommen.

Katalog Schönste Bücher 2007

Soeben ist der Katalog des Wettbewerbs »Schönste Deutsche Bücher 2007« der Stiftung Buchkunst erschienen. Vorgestellt werden 45 prämierte Bücher, 16 Anerkennungen, 3 Preise der Stiftung sowie 3 Förderpreise. Gestaltet wurde das reichhaltig ausgestattete, 312-seitige Werk von L2M3 Kommunikationsdesign, Stuttgart – erstmals mit geprägtem Schutzumschlag. Die Bücher fotografierten Ina Bauer, Thorsten Seidle (L2M3 ) mit Unterstützung von Wolfram Palmer. Das Wissen über schöne Bücher kostet nur 12 Euro; Bezug über MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH.

San Francisco: Geknacktes iPhone mit T-Mobile-Vertrag

Vor dem Bezahlen eines iPhones im US-Apple-Store gibt es furchteinflößende Aufklärung an der Kasse: »Ich darf Sie darauf hinweisen, dass dieses Gerät für den Betrieb in den USA und Kanada vorbereitet ist. Export und Software-Manipulationen sind nicht gestattet und geschehen auf eigene Gefahr; die Apple-Garantie erlischt.« Ein Belgier vor mir lässt sich 4 iPhones einpacken. Die Bezahlung per Kreditkarte geht blitzschnell. »Wollen Sie die Rechnung mitnehmen oder sollen wir sie ihnen per Mail zustellen?« Antwort: »Per Mail.« Fertig. Tüte nehmen. Gehen. Die E-Mail-Adresse holt sich Apple aus der weltweiten Kundendatei, wenn man zum Beispiel einen iTunes-Store-Account hat. Das nenne ich zentrale Datenpflege. Beim Verlassen des Stores versuche ich zu schätzen, wie viele iPhones pro Minute über den Ladentisch gehen … mit drei Kassen … viele Kunden kaufen mehr als ein Gerät. Ich tippe auf 4 pro Minute. Macht bei 11 Stunden Geschäftszeit (10 – 21 Uhr) 2640 iPhones pro Tag. Der Store hat 7 Tage in der Woche geöffnet …

Das »Unlocken + Jailbreaken« im Hotel mit dem Download-Programme ZiPhone dauert keine 10 Minuten. Die größte Herausforderung ist das Öffnen der Sim-Karten-Schublade, wofür man eine Büroklammer benötigt. Dann eigene Sim-Karte einlegen und lostelefonieren …

Man kann sein iPhone auch beim offiziellen T-Mobile-Partner Ecke Larkin Street/Golden Gate Avenue kaufen: geknackt, 100 Dollar billiger als bei Apple und mit einen T-Mobile-Vertrag. Um die Ironie dieser Aktion zu verstehen, muss man wissen, dass der exklusive iPhone-Netzbetreiber in den USA AT&T ist, während in Deutschland T-Mobile das exklusive iPhone-Vertriebs- und Mobilvertragsrecht genießt. (Ivo hat das Foto geschossen)

Das Ich-Wir-Logo von Al Gore

Steven Heller feiert in der New York Times das neue Logo von Al Gores Alliance for Climate Protection (oben links). Wenn man es dreht, wird aus einem we (wir) ein me (ich). Entworfen wurde es von dem New Yorker Designer Brian Collins. jpg-Kopie des Artikels der New York Times … (Danke an Luigi Tipo)

DFB veröffentlicht Details und Logo der 3. Liga

In 100 Tagen startet eine neue Spielklasse im deutschen Fußball, die 3. Bundesliga. Professionelle Strukturen, eine hohe TV-Präsenz und wirtschaftlich gesunde Vereine: Nach den Plänen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) soll die neue Liga »eine perfekte Ergänzung zu den beiden bisherigen Profiligen der Deutschen Fußball Liga (DFL) werden«. So steht es in der DFB-Pressemitteilung. Qualifiziert sind die vier Zweitliga-Absteiger sowie die Vereine auf den Plätzen drei bis zehn der beiden Regionalligen (allerdings höchstens vier zweite Mannschaften von Lizenzvereinen). Maximal 20 Vereine haben in der 3. Liga Platz.

Das Logo für die 3. Spielklasse wurde ebenfalls gestern vorgestellt. In Kombination mit der übergeordneten Dachmarken-Charakteristik des Verbandes – ein Außenkreis mit der nationalen Kennung – sei ein »eigenständiges, aussagekräftiges und vermarktungsfähiges Logo entstanden«, das sich nahtlos in den ganzheitlichen DFB-Markenauftritt einreiht, hieß es seitens des DFB.

Balla-balla: Adidas produziert England-EM-Fußball

Im November verpassten die Engländer mit der 2:3-Heimpleite gegen Kroatien den Sprung zur Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz. Trotzdem gibt es jetzt EM-Bälle mit dem Schriftzug England, zum Beispiel bei dieser Ebay-Versteigerung. Bild hat herausgefunden: »Hergestellt wurden die Bälle im Auftrag von Adidas. Eine Sprecherin zu Bild.de: ›Die Händler haben die Bälle schon vor mehr als einem Jahr bestellt. Deshalb mussten wir sehr früh produzieren lassen.‹ Zu einem Zeitpunkt, als die EM-Qualifikation noch nicht vorbei war.« Ich gehe mal davon aus, dass die Bälle in China gefertigt werden, wo man für iPhones und iPods binnen weniger Tage eine Serienproduktion auf die Beine stellen kann. Mit dieser Infrastruktur sollten sich auch zeitnah Turnierbälle herstellen lassen. (Abbildung: eBay)