Artikel im Januar 2008


Musicbon: die umständlichste Art Musik zu kaufen

Das Musiklabel Sony BMG und die Schweizer 234 AG haben heute den Musicbon eingeführt. Was die Herausgeber als »völlig neue Art des Musikkonsums« bezeichnen, ist in meinen Augen der wahnwitzig komplizierte Versuch, das Tonträgergeschäft in Form eines Phantoms neu zu beleben.

Ich soll also zu einer Saturn-Filiale fahren und dort – statt der Leona-Lewis-CD – für 9,99 € einen kreditkartengroßen Leona-Lewis-Musicbon mit einer 3-stelligen Prüfziffer kaufen. Beim Bezahlen erhalte ich einen Kassenbeleg mit einem 12-stelligen Code. Damit fahre ich nach Hause, setze mich an meinen Rechner, suche www.musicbon.de auf und gebe Code plus Prüfziffer ein, um mir anschließend die 13 Titel des Leona-Lewis-Albums auf die Festplatte zu laden. Diese kann ich dann auf eine CD-ROM brennen, die exakt in die maßgeschneiderte Musicbon-Hülle passt. Nie war Musikkaufen mühsamer.

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Diploma 2008 in Aachen

Eine E-Mail aus Aachen: »Ich studiere am Fachbereich Design der FH Aachen und lese regelmäßig ihre Beiträge auf Fontblog.de … und so dachte ich, dass Sie die jedes Semester bei uns stattfindende ›Diploma‹ interessieren könnte. Hier stellen sich alle Absolventen der Bereiche Grafik-, Multimedia-, Objekt- und Interior-Design mit ihren Abschlussarbeiten vor.« Das wird nicht nur mich, sondern alle Designinteressierten in und um Aachen interessieren.
Die Ausstellung findet vom 8. bis 9. Februar 2008, jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr in der FH Aachen statt:
Fachhochschule Aachen
Boxgraben 100
52064 Aachen
Weitere Informationen …

Frist verlängert: Corporate Design Preis 2008

Noch bis zum 31. Januar können sich Designbüros mit ihren Corporate-Design- und Branding-Projekten für den Corporate Design Preis 2008 bewerben. Seit 12 Jahren wird die Auszeichnung vergeben. In diesem Jahr kann man erstmals seine Arbeiten komplett online einreichen … die aufwändige Pappen- und Folder-Produktion entfällt. Studenten können mit ihren Semester- oder Diplomarbeiten beim CDP-Nachwuchspreis teilnehmen.

FontStars in den USA erschienen

Heute sind die von FontShop Deutschland und FontShop US ins Leben gerufenen FontStars (fontshop.de/fontstars2007) offiziell in den Vereinigten Staaten erschienen (Pressemeldung): gleicher Inhalt, lokalisiertes Packaging.

Sie auch im Fontblog: Roter Teppich, die FontStars 2007 kommen!, Das sind die FontStars 2007 und Jetzt lieferbar: FontStars 2007.

Neue Identity bei BBC Three

Mit neuem Logo, neuer Hausschrift und in Pink geht der britische Fernsehsender BBC Three in diesen Tagen on Air (Design: Red Bee Media). Der öffentlich-rechtliche TV-Kanal besteht in dieser Form seit 2004. Sein Vorgänger hieß BBC Choice und strahlte von 1998 bis 2003 sein Programm aus.

Die Kollegen der Creative Review bedauern vor allem die Entlassung der kegelförmigen Knetfiguren (Blobbies), die in amüsanten Trailern für das eigene Programm warben (Zusammenschnitt auf YouTube). Darüber hinaus verschwand das perspektivische Versalienlogo und die Hausfarbe änderte sich von himmelblau zu rosa. Als Beweggrund für die optische Renovierung gibt der Sender sein verstärktes Engagement im Internet und in mobilen Medien an. Unklar bleibt, warum das mit dem bisherigen grafischen Werkzeug nicht möglich gewesen wäre. Die Eingliederung in die Logo-Parade der Schwestersender BBC One, BBC Two und BBC Four schien ebenfalls eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben (siehe Abbildung unten).


Nachtrag Weihnachtskartenkritik (Wkk)

wkk fuenfwerken

Die schlechtesten Weihnachtskarten 2007 sind eigentlich Schnee von gestern: Einen Monat lang habe ich täglich Festgrüße aus der Designindustrie vorgestellt, die entweder gegen meine 10 Gebote verstießen oder einfach nur schlecht gestaltet waren. Am 23. und 24. Dezember folgten schließlich doch lobende Worte, denn die guten Beispiele lehren uns, wie man es besser machen kann.

Für meine 4-wöchige Aktion bedeutete das 10. Gebot »Die Grüße treffen erst kurz vor (> 22. 12.) oder nach Weihnachten ein« automatisch Disqualifizierung, egal ob gut oder schlecht gestaltet. Tatsächlich kamen rund 10 Prozent aller Weihnachtsgrüße zu spät an. Es gab jedoch eine Karte, die mich noch mehrere Tage beschäftigte: die von Fuenfwerken. Irgendwann kam ich zu der Überzeugung, dass es die beste Karte war. Und dies sollten mehr Menschen erfahren. Darum dieser Nachtrag.

Die dreimal gefaltete, braune Pappkarte traf in einem transparenten Kuvert bei mir ein, durch das die Botschaft scheinte: »Fuenfwerken Design will Ihnen mit dieser Karte einen kleinen Anstoß geben Gutes zu tun, denn das macht nachweislich glücklich …« und so weiter. Ich denke mir ›Ach so, der übliche Tue-Gutes-und-quassel-drüber-Scheiß’‹. Von wegen. Nach dem Öffnen entdecke ich am Ende des Textes einen leicht fixierten, echten 5-Euro-Schein, der mit einem orangen Rubbelfarben-Stempel markiert ist: »Tu gutes!« Hoppla. Ich bin gezwungen, den darüber stehenden Text genauer zu lesen. Oder ich lasse es, und stecke mir den Schein gleich in die Brieftasche. Nee, das will ich dann auch nicht. Außerdem kommen bei FontShop alle Geschenke in eine Tombola, um unter allen Mitarbeitern verlost zu werden.

Ich erfahre, dass Fuenfwerken einen Grundstein legen möchte, mit den 5 Euro. Am liebsten wäre es den Designern aus Wiesbaden und Berlin, ich packte noch etwas drauf und ließe die Endsumme einem guten Zweck zukommen. ›Ooohkay‹ – denke ich bei mir, um Zeit zu gewinnen … ›Und was mach’ ich jetzt?‹

Einen Tage habe ich gar nicht getan (außer mich ein wenig darüber zu ärgern, dass die Karte erst am 23. Dezember bei mir eintraf und hier im Fontblog keine Beachtung mehr fand). Am Vormittag des 24. Dezembers habe ich dann den 5-Euro-Schein einem Obdachlosen vor meinem Kaiser’s-Markt in die Hand gedrückt … und war mit meinem Gewissen wieder im Reinen.

Die Designer über ihr Konzept: »Mit dieser Weihnachtskarte gehen wir offensiv mit dem heiklen Thema Geld um und wollen uns deutlich gegen verschämte Aktionen der Wohltätigkeit und des versteckten Spendens wenden. Mit der Karte weisen wir darauf hin, dass Wohltaten durchaus auch, das eigene Glück beflügeln, wie die Neurobiochemie belegt. Die Verantwortung allerdings, ob und wie sich der Empfänger der Karte sein Glück im besten Sinne ›kauft‹, liegt ganz bei ihm. Das regt vielleicht zum Nachdenken an und löst womöglich weiterführendes Engagement aus. Doch selbst wenn der Geldschein nur eigennützig verwendet wird, stiftet der (bedruckte) Schein eventuell den nächsten oder übernächsten Besitzer dazu an, Gutes zu tun – und das nicht nur zu Weihnachten.«

Marke Berlin: Embassy und Fuenfwerken sind dabei

Im August letzten Jahres rief der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit die Kreativen des Landes dazu auf, mit einem Gremium von Experten die Marke Berlin zu entwickelt sowie Design- und Werbekonzepte einzureichen (Fontblog berichtete). Wie aus Wettbewerbskreisen zu erfahren ist, soll der Claim für Berlin inzwischen feststehen. Darüber hinaus haben sich zwei Agenturen eine Poleposition erkämpft: Embassy (Berlin) soll das überzeugendste Werbekonzept vorgelegt haben, Fuenfwerken (Wiesbaden/Berlin) beeindruckte das Berlin-Board mit seinen Ideen fürs Corporate Design.

Diplom- und Masterarbeiten Mode/Grafik/Foto

Über 30 Absolventen zeigen am Fachbereich Gestaltung der FH Bielefeld Diplom- und Masterarbeiten zu zeitgenössischer Fotografie, Grafikdesign und Mode. Die Ausstellungseröffnung findet am Freitag, 1. Februar 2008, um 18 Uhr statt. Nach einer kurzen Ansprache des Dekans können designinteressierte Besucher bei allerlei Snacks und kühlen Getränken durch die Gänge flanieren und sich von »vielen wunderbaren Arbeiten berauschen lassen«. In diesem Rahmen zeigt der Fachbereich auch eine Auswahl von Studienprojekten, die im letzten Jahr entstanden sind. Zu später Stunde bitten die Studierenden zum Tanz.

Die Absolventen werden das ganze Wochenende über anwesend und freuen sich über anregende Gespräche sowie über einen konstruktiven Austausch zu ihren Abschlussarbeiten. Veranstaltungsort sind wie in den vergangenen Jahren die Räume des Fachbereichs Gestaltung in der Lampingstr. 3.

Die Termine:
Freitag, 1. Februar, 18 Uhr (Eröffnung)
Samstag, 2. Februar, 11––18 Uhr
Sonntag, 3. Februar, 11– –17 Uhr

Font-Copyright: Klage aus China gegen Microsoft

Pikant: Das kleine chinesische High-tech-Unternehmen ZhongYi Electronic Ltd. hat eine Klage gegen den Software-Giganten Microsoft eingereicht, weil das US-Unternehmen angeblich eine ZhongYi-Technologie (Zheng-Code-Input-Method) und ZhongYi-Fonts zur Generierung und Benutzung chinesischer Schriftzeichen für die Darstellung von Webseiten unlizenziert nutze – und dies bereits seit 10 Jahren. Mehr dazu in einem Artikel der amerikanischen ›PC-Magazine‹.

Löst das Thema Schriften in China möglicherweise eine Trendwende in der Bewertung geistigen Eigentums und seine wirtschaftliche Bedeutung aus? Ich sprach über dieses Thema mit Prof. Dr. Christian Feuerhake, der an der Hochschule Wismar Internationales Marketing lehrt. »In konfuzianisch geprägten Ländern wie China oder Japan ist ›das Übernehmen‹ der (geistigen) Erkenntnisse anderer eine von drei legalen Methoden, Wissen zu gewinnen und weiterzuentwickeln.« beschreibt er die aktuelle Problemlage vieler internationaler Software-Unternehmen. »Das wird sich ändern, wenn Menschen oder Unternehmen in diesen Ländern erstmals selbst erleben bzw. spüren, dass ihr eigenes geistiges Eigentum zu ihrem Nachteil von anderen ausgenutzt wird und sie sich dagegen juristisch wehren.«

Ehren-Designpreis 2008 für Dr. Manfred Lamy

So kommt man zu einer Exklusivmeldung: Der Einladung zum Festakt konnte ich soeben entnehmen, worüber sich die Webseite des Deutschen Designpreises noch ausschweigt: Dr. Manfred Lamy wird am 8. Februar in Frankfurt am Main als »Gestalter-Persönlichkeit« geehrt. Der Preis wird vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, übergeben, die Laudatio hält Klaus Jürgen Maack, Berater der Geschäftsführung von Erco.

Manfred Lamy trat 1962 mit 26 Jahren in die Heidelberger Schreibgerätefirma C. Josef Lamy GmbH ein. 1972 wurde er alleiniger Geschäftsführer und entwickelte das Unternehmen zu einer weltweit bekannten Marke. Dabei spielte das Design von Anfang an eine wichtige Säule in seinem Strategiegebäude, sowohl für die Produkt als auch in der Kommunikation mit Geschäftspartnern und Verbrauchern.

Der Rat für Formgebung vergibt den Designpreis im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie jährlich an Unternehmen und Designer, »deren Leistungen sich durch ein hohes Maß an Gestaltungsqualität, Gebrauchswert, ökologischer Qualität und Innovation auszeichnen.«

Neues Sport-Logodesign aus Österreich

Die dritte und letzte Logo-Neuvorstellung des Tages möchte ich euch nicht vorenthalten. Das bunte Signet kommt aus unserem Nachbarland Österreich und wurde beim Sport-Video-Portals Laola1.tv eingeführt. In einer Pressemitteilung des Hauses heißt es: »Aufgrund der sensationellen Entwicklung von Laola1.tv und um künftig eine internationale Dachmarke etablieren zu können, ändert Sport1.at, Österreichs größtes Sportportal, mit 01. Februar 2008 seinen Namen auf Laola1.at. … Das bestehende Team der Sport1 Multimedia GmbH (ab 01. Februar Laola1 Multimedia GmbH) wird die tägliche Leidenschaft sowie die Action der Sportwelt auch weiterhin optimal aufbereiten und für die ›Welle der Begeisterung‹ im
Internet sorgen.« Lasst Euch mitreißen …

Neues Corporate Design der Deutschen Nationalbibliothek

Claus Koch, das Unternehmen für Corporate Identity der BBDO-Gruppe, hat das öffentliche Erscheinungsbild der Deutschen Nationalbibliothek einem Relaunch unterzogen. Die Deutsche Nationalbibliothek ist die zentrale Archivbibliothek und das nationalbibliografische Zentrum der Bundesrepublik Deutschland mit Standorten in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin.

Im Fokus des Relaunch steht ein Zeichen, das zugleich die Offenheit eines Dienstleisters wie auch die Autorität einer nationalen Institution visualisiert. »Dabei stellen die vertikalen Linien die Geschichte des Sammelns, des Archivierens und des Ordnens abstrakt dar. Die unterschiedlichen Abstände und die intensive Vitalität der verschiedenen Farben symbolisieren die Vielfalt der Bibliothek und können zugleich als Buchrücken oder digitaler Code interpretiert werden. Der Leichtigkeit der Farben wird eine durch die Typografie erzeugte Autorität gegenübergestellt. Die Verwendung von klaren Farben und Bildern ermöglicht einen vitalen, offenen und selbstbewussten Auftritt über alle Medien hinweg.« schreibt Claus Koch in einer Pressemitteilung.

Logo in groß downloaden …