Bei der Weihnachtskarte der Zeitschrift PAGE liegt der Fall ähnlich wie beim Wettbewerber form (Wkk 9): Die Grüße entsprechen nicht dem Niveau, das die Magazine auszeichnet. Nun muss man entschuldigend dazusagen, dass die offiziellen Absender in beiden Fällen nicht die Magazine, sondern deren Verlage sind. Doch wer kennt eigentlich den (jungen) Page Verlag? Und so dauerte es eine Weile, bis ich verstanden habe, wer mir »frohe Weihnachtstage« wünscht.
Die Reihenfolge der Kartenentfaltung:
Karte dem Umschlag entnehmen, die erste – leicht triviale Botschaft – lesen: »2007 – Das Jahr klingt aus, wir wünschen frohe Weihnachtstage.« Aufklappen. Pergament mit spiegelverkehrt durchscheinendem Text drehen und wenden. Die zweite Botschaft lesen: »2008 – Wir freuen uns auf ein Jahr guter Zusammenarbeit, verbunden mit den besten Wünschen.« Drei Unterschriften, unpersönlich angeordnet wie unter einem Vertragswerk. Und da, rechts, der Absender.
Geschäftliche Weihnachtspost ist Marketing pur. Darum sollte die Marke im Vordergrund stehen (PAGE), nicht der Verlag. Und wenn die Marke sich durch eine kompetente Berichterstattung über die besten Illustratoren, die tollsten Fotografen, die schönsten Papiere und die überraschendsten Designagenturen auszeichnet – ja, das leistet PAGE ganz vorzügliche, dann sollten diese Kompetenzfunken auch auf die Weihnachtskarte überspringen. Gute Gestaltung kostet, in dieser Disziplin, keinen Cent mehr als schlechte Gestaltung.
Ein letztes Wort zur Zweiteiligkeit: Bei uns auf dem Foyer-Tresen liegen rund 100 Weihnachtskarten, die täglich von Mitarbeitern gewendet werden. Die PAGE-Karte hat sich schon eine Stunde nach ihrem Eintreffen in einen nichtssagenden Mantel (1) und einen schlabberigen, unverständlichen Pergamentgruß (2) zerteilt … nur ein Tacker hilft, die beiden Botschaften wieder zu verschweißen.
Fazit:
+ (keine positiven Punkte)
- langweilige Gestaltung, zweiteilig (= Verstoß gegen Regel 4, »herausfallenden Teile«)
- 1 Punkt



Das Offenbacher
Der englische Text ist handgeschrieben und macht durch die typografische Gestaltung die Bedeutung zum Gegenstand sinnlicher Erfahrung. Zum Beispiel wird ein »Tunnel« durch zahlreiche Us und Ns zum Buchstabentunnel geformt. Auch Geräusche werden mit Hilfe der Typografie erlebbar. Das Buch enthält einen Anhang und die deutsche Übersetzung der englischen Texte.





