Artikel im August 2007


Zuzana Licko überarbeitet Erfolgsschrift Matrix

Matrix II ist eine komplette Überarbeitung der 1985 von Zuzana Licko veröffentlichten Matrix-Schriftfamilie. Das Redesign begann im Januar 2007, anlässlich der Übertragung der Fontdaten ins neue OpenType-Format. Licko nutzte die Gelegenheit, die über mehrere Jahre entstandenen Ursprungsformen zu harmonisieren. So verringerte sie teilweise den Strichstärken-Kontrast und nahm Überhänge zurück. Die Breite einiger Zeichen wurde angepasst beziehungsweise neu abgestimmt. Der Querstrich des f wurde in fast allen Schnitten vereinfacht, auch die Gestaltung des kleinen g überarbeitet die Designerin, wobei sie nun auch ein offenes Alternativzeichen zum OpenType-Zeichensatz hinzufügte.

Tatsächlich war das kleine g vielen potentiellen Kunden ein Dorn im Auge: »Some designers complained they liked the typeface but would pass on using it simply because they disliked the lower case g. Its flat, hook-like tail was seen as a distraction, it stood out too much in text.« Als 2005 auf Typophile einige Schriftenfreunde begannen, alternative gs zu entwerfen, war dies auch für Zuzana Licko der Auslöser, nach einer oder mehreren Alternativen zu suchen.

Das Original-Kleinbuchstaben-g mit seinem flachen, hakenartigen Schweif (links) wurde oft kritisiert. Die alternative, gerundete Version (mitte) entstand 2005 nach einer Diskussion auf Typophile; das offene g (rechts) findet man in der 2007-OpenType-Version, der Matrix II

Doch es kamen auch neue Fonts dazu, und zwar gleich sieben Stück: Semi Narrow, Semi Wide, Semi Tall und Inline Italic sowie drei weitere Kursive. Um die Neuinterpretation von der Ur-Matrix zu unterscheiden (und ungewünschte Vermischungen zu vermeiden), gab ihr Zuzana Licko den Namenszusatz II.

Die ganze Geschichte zum Redesign auf der Emigre-Website: Matrix II – A History.

Craigs Popstar-Dauerlutscher

Lollipos

Neben den bekannten Pixelminiaturen Minipops, die auch als Buch erschienen sind, zeichnet Craig Robinson seit längerem für das Observer Music Magazine gepixelte Popmusiker in einem anderen Stil. Sein Arbeitstitel hierfür war Ommpops. Heute gab er ihnen einen offiziellen Namen, unter dem sie nun eine eigene Galerie auf Flip Flop Flyin’ bekommen haben: Craig Robinsons Lollipops.

Wer für seine eigene Arbeit Craig-Robinson-Illustrationen kommerziell einsetzen möchte, der sei an die fStop-Kollektion Pixel Business erinnert (royalty-free). Die 40 Grafiken sind einzeln oder – zum günstigen Komplettpreis – auf einer CD zu beziehen.

Abschlussfrage: Wer kann alle gezeigten Pop-Größen am schnellsten hier in einem Kommentar niederschreiben.

Redesign bei Boing Boing

Eines der bekanntesten Technologie- und Nerd-Blogs der USA wurde geliftet … und hat einen Ableger bekommen: Boing Boing. Die Homepage verzweigt sich nun in Boing Boing und BB Gadgets. Für die Webseitengestaltung sind Jemma Hostetler und Studio Sans Nom verantwortlich. Das überarbeitete Logo und die Pixelmaskottchen stammen von Eboy. Mehr zum Redesign von den Auftraggebern selbst …

Sehr schöner Ikea-Werbespot

Vielleicht kann ich das Stimmungsruder im Fontblog noch ’rumreißen …
Es geht leider nicht um Typografie, nicht um Papier, einfach nur um einen Werbefilm des dänischen Resisseurs Martin De Thurah für Ikea … der mir sehr gefällt. Wirklich sehr. Nur schade, dass keine Buchstaben drin vorkommen: Home. (Via)

Deutscher Designverbände wollen kooperieren

Noch ist die Initiative Deutscher Designverbände (iDD) ein sich konstituierendes Netzwerk von acht Designerverbänden: Allianz deutscher Designer e.V. (AGD), Bund Deutscher Grafik-Designer e.V. (BDG), Deutscher Designer Club e.V. (DDC), designerinnen forum e.V., Forum für Entwerfen e.V., Forum Typografie e.V., Verband Deutscher Industrie Designer e.V. (VDID) und Verband Deutscher Mode- und Textil-Designer e.V. (VDMD). Zusammen repräsentieren diese Verbände rund 5.100 Designerinnen und Designer. Am 13. Oktober 2007 soll der 1. iDD-Kongress stattfinden.

Die bundesweit agierenden Designer-Verbände sind meist nach Berufssparten wie KommunikationsdesignerInnen, ProduktdesignerInnen, Textil- und ModedesignerInnen ausgerichtet; eine Mitgliedschaft ist freiwillig. Ein Branchen übergreifender Dachverband, analog zum Arbeitgeberverband etwa, fehlt bisher; auch eine Verkammerung der Design-Berufe gibt es ebenso wenig wie den Schutz der Berufsbezeichnung »Designer« oder »Designerin«.

Kontakt: kontakt@i-dd.org

Besser kommentieren im Fontblog

Ich habe die Info-Seite überarbeitet (Link am Kopf des Fontblog). Das Einbinden von Bildern in Kommentare sollte jetzt sicher klappen … da waren in der Erläuterung zwei Zoll-Zeichen zu viel. Die ideale Breite für Abbildungen in Fontblog-Kommentaren ist 400 Pixel.

Diplomausstellung Mediendesign BA Ravensburg

In Stichworten: Diplomaustellung der Berufsakademie Mediendesign in Ravensburg: eine Einladung zur Auflösung! Auf der Suche nach der Suche – haltlos, über alle Raster hinweg, in blanker Vorfreude hüpfende Rasterpunkte vereinen sich zu einem Weg.
Nächste Haltestelle: Haltestelle. Findung eines Weges – Erfindung eines Fahrplans. An der Endstation trifft man auf Unerwartetes. Austausch. Überlagerung. Moiré. Störung. Urknall im Kopf und im kleinen Zeh.
Freudig anstoßen, am 15. 9. 2007, ab 10:00 Uhr. Tanzen, trinken und Gespräche ab 20.30h in der 3TonBar. Weitere Infos unter aufloesung.wm04.de

Lasst das nur nicht Apple sehen

Die Webseite der Hamburger Werbeagentur Grabarz und Partner simuliert die Oberfläche eines Mac OS X. Voyeuristisch veranlagte Besucher dürfen die Festplatte von Steffi oder Volker durchforsten, wobei sie auf mehr oder weniger interessante Word- und Excel-Dokumente stoßen. Mal abgesehen davon, dass sich der Witz nur für 90 Prozent der Computerbenutzer erschließt: Ich glaube nicht, dass Apple die Simulation seines Betriebssystems zu Werbezwecken gefallen wird. (Via: Mac Essentials)

Wenn das Otto Dix wüsste

Heute schrieb mir Matthias aus Gelmeroda: »Okay, im Fontblog werden meist hervorragende Designs gezeigt, ich komme aber nicht umhin, dir folgendes negative Beispiel zu schicken: Das neue Corporate Design der diesjährigen BUGA-Stadt Gera in Thüringen, meiner Heimatstadt.« Buga steht für die Bundesgartenschau, die im Zweijahresturnus in verschiedenen deutschen Städten stattfindet. Sie wird von den austragenden Orte – zu Recht – als Anstoß für deren Tourismus und zur Verbesserung der Infrastruktur genutzt.

Die Email von Matthias endet mit den Worten: »Zum Heulen. Was kann man nur machen?« Ich denke, dass man da gar nix mehr machen kann … außer mitheulen.

Pressemitteilung zum »unverwechselbaren Gesicht« von Gera …
Downloadseite mit dem CD-Manual Otto-Dix-Stadt Gera

Sonntagsspaziergang durchs Haus

Gestern besuchte ich zum ersten Mal die frisch renovierte Kongresshalle, Heimat des Haus der Kulturen der Welt. Ich war neugierig. Für die Renovierung, neue Technik und die Herstellung des Foyers wurden 8,8 Millionen Euro aufgewandt. Zu meiner Überraschung sind die optischen Veränderungen kaum wahrnehmbar, was mich erfreut. Hier und da wurde zurückgebaut, geöffnet und frisch verputzt … doch der Großteil der Investitionen scheint in die Technik geflossen zu sein: Sprinkler, Kabel, Toiletten, Licht, … Ich freue mich auf die TYPO 2008 und die TYPO 2009, die wieder im Haus der Kulturen stattfinden werden.

Ein TV-Beitrag über das Berliner Hansaviertel am vergangenen Donnerstag brachte für mich ein Detail zur Geschichte der Kongresshalle an den Tag, das mir bis dahin nicht bekannt war. Als im Mai 1980 die Dachkonstruktion während einer Konferenz teilweise einstürzte, gingen die Schuldzuweisungen sofort an den amerikanischen Architekten Hugh Stubbins. Doch der Einsturz wurde nicht durch einen Statikfehler sondern durch Ausführungsmängel verursacht. Ein Mitschuld trifft das Berliner Bauamt, das nicht an das von Stubbins entworfene frei schwebende Dach glaubte und unbeholfene statische Abstützungen durchsetzte. Seit dem Wiederaufbau 1987 schwebt das Dach wieder so, wie Stubbins es einst berechnet hatte.


Das Haus hat sich schön gemacht

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Logo-Trend 2007: Massensport

Im Juni 2005 stellte ich erstmals den Logo-Trendreport von Bill Gardner (logolounge.com) vor: Logo Trend 2005 – Weidengeflecht. Auch dieses Jahr hat Gardner die Neuerscheinungen der vergangenen 12 Monate begutachtet, sortiert und klassifiziert. Sein Logo Trend 2007-Report entdeckt die folgenden Stilgruppen: Dos Helix, Rubber Bands, Radiance, Eco Smart, Lit, Pseudo Crest, Urban Vinyl, Hubs, Descending Dots, Flora, Half, Overlap, 3 D, OpticaLine und Ribbons. Besonders beliebt waren dieses Jahr auch animierte Icons.

Als eine Art Megatrend sieht Logolounge das Logo-Gestalten von allen für alle. Social Networks und Blogs haben die Disziplin des Logodesign-Crowdsourcing erfunden (Beispiel hierzulande: Spreeblick, Mister Wong, Spreadshirt): die Freunde der Plattform werden zum Einreichen von Neuentwürfen aufgerufen. »As the public controls their own media more and more – Tivo-ing this, blogging that, YouTube-ing and Googling everything else – people are no longer satisfied to simply consume what is placed before them: They have opinions they want to share.« resümiert Logolounge.

Vienna Design Weeks im Oktober 2007

Zweieinhalb Wochen lang präsentiert sich Wien vom 3. bis 21. Oktober 2007 als Ort der Gestaltung. Unter dem Label Vienna Design Weeks versammeln sich hochkarätige Institutionen und Protagonisten aus dem Bereich Produktdesign sowie Partner aus der Wirtschaft. Die ab diesem Jahr jährlich stattfindenden Vienna Design Weeks sollen bestehende Institutionen und Leistungen in Wien sichtbar machen, die Wahrnehmung von Design schärfen und die Lust auf Gestaltung wecken.

Im Rahmen der Design Weeks findet zum zweiten Mal eine internationale Designkonferenz (Design07 – Die Mitte, 8. und 9. Oktober) an der Universität für angewandte Kunst Wien statt.