Artikel im Juni 2007


Die Design-Philosophie für London 2012

Während Laien und Experten weiterhin den Tod des London-2012-Logos herbeisehnen, hat das britische Bewerbungskomitee ODA (Olympic Delivery Authority) soeben das 30-seitige Bekenntnis-PDF (3 MB) Designing A Legacy (Ein Vermächtnis gestalten) aufgelegt.

Aus dem Vorwort: »Design for London 2012 will reach far beyond big architectural and design practitioners. We want to encourage up-and-coming designers to get involved as well as young people and local communities. A diverse and inclusive procurement route and community engagement have been incorporated into our design processes to provide different opportunities and ways for people who want to get involved and make their mark on this historic project.«

Auf der Doppelseite 6/7 steht die Kernbotschaft einer neuen Design-Philosophie, mit der sich viele professionelle Gestalter (noch) nicht anfreunden wollen: »Get involved« (Mach mit).

Weitere Informationen auf der Corporate-Design-Seite für London 2012.

Flexible Identities

Mit der Vorstellung des Londoner Olympia-Logos (Fontblog-Bericht 1, 2 und 3), das eine neue Dimension der Freiheit ins Corporate Design brachte, wuchs das Interesse für flexible Erscheinungsbilder. Vor 14 Tagen stellte ich hier die variablen Logos für die US-Filmserie Point of View (POV) vor, entworfen von Pentagram.

Das Londoner Designbüro Johnsonbanks hat eine kleine Galerie mit Flexible-Identity-Klassikern zusammengestellt und in seinem Weblog veröffentlicht: All change und All change again, darunter so große Namen wie IBM, Tate, NAI und tv asahi.

Ein aktueller Zwischenstand zum London-Logo: Während viele Kritiker bis zuletzt dafür beteten, dass es zurückgezogen würde, haben die Veranstalter eine neue London-2012-Logo-Bastelseite veröffentlicht (mit tollen Bekenner-Botschaften, z. B. »Yes, I’m going to join in and e. g. give up smoking by 2012«) und eine Nachrichtenseite zum Logo veröffentlicht.

Stromberg: 4. Staffel kommt [Update]

In der kommenden TV-Saison setzt ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl auf prominente Namen und die Fortführung bekannter Serien und Marken. In die Verlängerung gehen auch die beiden Serien »Dr. Psycho« und »Stromberg«. Die Fortsetzung der Ulmen-Serie war bereits bekannt, die Fortsetzung von »Stromberg« bislang noch nicht offiziell bestätigt.

Überraschend ist die Tatsache, dass die neuen Folgen schon Anfang 2008 laufen sollen. Im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de hatte Christoph Maria Herbst noch gesagt: »In diesem Jahr werde ich definitiv keine weitere Staffel drehen. Alles was zu viel ist, ist ohnehin nicht gut und ich möchte das in der richtigen Dosis halten.« Offenbar konnte Autor und Produzent Ralf Husmann die von Christoph Maria Herbst geforderte »zündende Idee« liefern. (Quellen: DWDL und Stromberg Fanclub)

[Update] Vierte Staffel der Serie weiterhin offen

[Update 20. 7. 2009] Nach neusten Angaben (Quelle: dwdl) im Oktober 2009 auf ProSieben starten.

[Update 20. 8. 2009] Um die Fans auf die vierte Staffel Stromberg-vorzubereiten, organiseren die Veranwortlichen am 4. September 2009 in der Kölner Kulturkirche einen Special Event:
Stromberg Live – mit exklusiver Preview von Staffel 4

mit Christoph Maria Herbst, Oliver K. Wnuk, Bjarne I. Mädel, Diana Staehly, Milena Dreissig & den Machern. Seit gestern gibt es Tickets im Vorverkauf für erschwingliche 27 Euro. Hier Karten sichern!
Wichtig: Bei der Bestellung das Passwort CAPITOL angeben.

[Update 14. 10. 2009] ProSieben schreibt: »Gute Nachrichten für die Fans des ›fiesesten Chefs der Welt‹ – am 03. November, um 22:15 Uhr ist er wieder da. Die 10 neuen Folgen gibt es dann immer dienstags auf ProSieben.
In der vierten Staffel der Kult-Serie von Ralf Husmann ist wieder das komplette Erfolgs-Ensemble dabei: Christoph Maria Herbst, Oliver K. Wnuk, Bjarne I. Mädel, Diana Staehly, Lars Gärtner, Maja Beckmann, Milena Dreißig, Laurens Walter und Simon Licht. Neu sind die „Stromberg“-Kollegen Kai Malina und Ramona Kunze-Libnow.«

FF Fago – jetzt auch aus Schokolade

Hat mir Robertmichael verraten: »Typolade – das ist die süße Verbindung von Typografie und Schokolade. … Lassen Sie sich das ABC auf der Zunge zergehen und Sie werden sehen, die Schrift FF Fago Mono Bold kann ein typografisches Geschmackserlebnis sein.« Handgegossen in 48 pt, 60 % Kakaobestandteile, 0,60 € pro Buchstabe. Mehr: www.typolade.de

Leb wohl, Dobro …

Dobro

Peter Dobrowolski ist einer der ersten FontShop-Mitarbeiter, seit 1990 mit im Boot, also ein Jahr nach Firmengründung eingestiegen. Er war Bereich Logistik tätig, kümmerte sich jahrelang um unsere EDV, pflegte die Kunden-Adressen und überwachte die Statistiken. Heute ist sein letzter Arbeitstag, Dobro geht in Rente. Wahnsinn: Der erste FontShop-Rentner. Fünfzig Kolleginnen und Kollegen von FontShop und FSI winken ihm zum Abschied … Mach’s gut Dobro … vergiss uns nicht und komm bald mal wieder auf einen Kaffee vorbei.

Simon Waterfall im TYPO-Video-Podcast

Die Vorträge von Simon Waterfall sind ein Genuss. Er ist der Prototyp eines engagierten, selbstbewussten britischen Designers. Zehn Jahre lang trug er im Job gerne Röcke: »Zur Selbstdarstellung«, wie er zugibt. Das habe die Gesprächspartner regelmäßig verwirrt. Nach fünf Minuten Gespräch jedoch stellten sie fest, »dass ich ganz normal bin«. Seine Gegenüber fühlten sich dann ein wenig schuldig, da sie ihn vorverurteilt hatten … keine schlechte Voraussetzung, um übers Business zu reden.

Werber und Gestalter sind für Waterfall Hofnarren, die sich über den König lustig machen dürfen … aber auch die Wahrheit sagen sollen. Sein Vortrag von der TYPO 2006 im Video-Podcast …

PrintRadio-Interview »Gralshüter der Schriften«

Der von mir sehr geschätzte Journalist (und Radio-Moderator) Hans-Georg Wenke hat mir am Rande der TYPO-Konferenz ein Interview abgerungen. Er betreibt seit einem Jahr sein PrintRadio, in dem er Publishing-Experten aus der Schweiz und Deutschland zu Wort kommen lässt. Wer zu viel Zeit hat, kann sich hier eine 20-minütige PAGE-FontShop-TYPO-Melange anhören (Quicktime). Kompliment an Wenke: Wer richtig fragt kriegt richtig viel raus.

Flickr reagiert endlich

Nach einer Woche weichgespülter Bekundungen, nach dem Anwachsenden der Protestdemo auf über 11.000 Teilnehmer, nachdem sich führende deutsche (und österreichische) Medien kopfschüttelnd mit dem Gebaren der Yahoo-Tochter auseinander gesetzt haben … seit heute kann ich endlich selbst entscheiden, ob ich sicher oder frei suchen möchte: Die jüngst abgeklemmte Funktion wurde eben wieder reaktiviert.

FontFont 40: PDF-Übersicht und Online-Showing

Wegen der großen Beliebtheit, führe ich die Veröffentlichung unserer internen FontFont-Neuheiten-Übersicht fort. Vor 3 Wochen erschien FontFont-Release 40 (Ivo berichtete), der zu einem Großteil aus OpenType-Updates besteht sowie die Neuheiten FF Atomium (Donald Beekman), FF Good (Å?ukasz Dziedzic), FF Holmen (Per Baasch Jorgensen) und FF Speak (Jan Maack) enthält. Die FontFont-40-Übersicht (PDF, 6. S, 460 K). Zum Sammeln noch mal die bisher erschienenen Übersichten:

FontFont 37 (PDF, 1,5 MB)
FontFont 38 (PDF, 1,4 MB)
FontFont 39 (PDF, 0,5 MB)

Neu hinzugekommen ist eine gestaltete Online-Übersicht, die auf der Vorarbeit unserer Kolleginnen und Kollegen von FontShop San Franciso basiert. Alle Schriften sind – als Familien oder Einzelschnitte – bei www.fontshop.de per Download käuflich zu erwerben.

Wer tiefschürfende Informationen wünscht: auf dieser Verteilerseite gibt es 4600 PDF-Infoblätter zu jedem einzelnen Textschrift-Schnitt der FontFont-Bibliothek (Fontblog berichtete).

Fuenfwerken gibt Designunterricht in Schulen

In der aktuellen Bildungsdebatte ist häufig von der sogenannten informellen Bildung die Rede, also vom Kompetenzerwerb außerhalb der offiziellen Bildungseinrichtungen bzw. über den konventionellen Bildungskanon hinaus. Das Wiesbaden-Berliner Designbüro Fuenfwerken möchte seinen Beitrag hierzu leisten, indem es seine Wissen an Schüler und Studierende weitergibt. Aus diesem Grund hat man die Initiative gestaltBildung ins Leben gerufen.

Die erste Aktion richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 11. Klassenstufe. Fuenfwerken stiftet 1000 Skizzenbücher mit dem Titel »unliniert«, die mit Tipps und einfach durchzuführenden Übungen in kreative Findungsprozesse einführen. Die Bücher werden kostenlos an Schulen oder soziale Einrichtungen verteilt.

Am 28. März verteilten Simone Heißel und Rolf Mehnert 200 Skizzenbücher an der Elly-Heuss-Schule in Wiesbaden, heute sind zwei Vertreter von Fuenfwerken zu Gast am Kreuzberger Hesse-Gymnasium. Die Schüler haben bis zum Ende der Sommerferien Zeit, die Bücher zu füllen und sie anschließend der Fuenfwerken-Jury vorzulegen, die Material für eine Ausstellung auswählt.

Helft dem Bergvolk!

Bei meiner Rundfahrt durch die Alpen-Design-Republik bin ich auf ein freches Modelabel in der Steiermark gestoßen (A-8742 Obdach, Hauptstr. 52b), das »vom Bergvolk« heißt. Die Kleidungsstücke haben mich fasziniert: Eine avantgardistische Country-Kollektion, die mit rohen Naturmaterialien arbeitet und diese in hochwertigen Schnitten inszeniert … Leder, Jute, Leinen, Hanf.

Auf Gürtel, Blusen und Schleifen sind teils Frakturschriften aufgedruckt oder verwoben, teils florale Alpenmuster. Die Verarbeitung strahlt eine ungeheure Liebe zum Detail aus.
Ganz im Gegensatz dazu das Faltblatt, das mir in die Hand gedrückt wurde: Provinzielle Fotos, unlesbare weiße Konturschrift vor weiße-grauem Hintergrund, keine Legende, kein USP … eine verschenkte Chance.

Da ich nicht glauben will, dass Mode-Designer absolut keine Wertschätzung für eine gedruckte Unterstützung ihres Schaffens aufbringen, wollte ich eigentlich die besten Grafikdesigner der Region dazu auffordern: Greift dem Bergvolk bitte mal etwas unter die Arme, ruft da mal an … angelt Euch einen attraktiven Design-Job.

Als ich mir eben die trostlose Webseite von vom Bergvolk angesehen habe und feststellen musste, dass sie zuletzt 2000 aktualisiert wurde, glaube ich inzwischen: das Label ist vielleicht schon tot. Wäre wirklich schade.

Eine starke lokale Marke

Kann man an dieser Dose vorbeigehen? Ich nicht … und nun sitze ich hier am Pool und genieße … Frakturschrift am Abend, mit Blick auf die Berge.