Artikel im Mai 2007


Versales Eszett, ein Medien-Update

Saechsische

Nachdem sich Anfang dieses Monats im Fontblog die Diskussion um das versale ß (Wikipedia dazu) neu entfacht hat, schlägt sich das Thema auch in den allgemeinbildenden Medien nieder: ISO-Arbeitsgruppe schlägt Unicode mit “ß” als Großbuchstaben vor (heise online), Das große Eszett kommt (Focus Online) und Hilfe! Ein Buchstabe fehlt! (Süddeutsche). Ursprünglicher Initiator der Debatte waren Andreas Stötzner und seine Signa Ausgabe 9.

Eben machte mich Robertmichael auf obigen Artikel in der Sächsischen Zeitung aufmerksam (von der wir immer noch nicht wissen, warum sie die Ole-Schäfer-Schrift Zine nicht mehr einsetzt … Hallo). Er schreibt: »Frau GroSSmann von der Sächsischen Zeitung hat den Vogel abgeschossen. Erst wird die Signa zur Sigma, dann schiebt sie ›Mister Microsoft‹ die Aufgabe zu, einen Platz für das versal-ß auf Tastaturen zu finden und schließlich bastelt sie ›wunderschöne‹ Versal-ß-formen für Times, Arial und einer anderen Spaßschrift. Peinlich, schlimm.«

4. Tag der Schrift, Zürich

Am Samstag, den 7. Juli 2007, findet in der Berufsschule für Gestaltung in Zürich der 4. Tag der Schrift statt. Beginn: 9:45 Uhr. Die Referenten: Paul van der Laan, Daniel Lanz, Tobias Peter und Fred Smeijers. Mehr …

Das ZEIT-Magazin ist wieder da

Neues ZEIT-magazin

Heute neu am Kiosk: Die ZEIT Ausgabe 22/2007, erstmals seit 8 Jahren wieder mit vierfarbigem Magazin. Damit haben die »Phantomschmerzen« ein Ende, woran viele Freunde der Wochenzeitung »noch lange nach Abschaffung des Magazins litten«. (Chefredakteur Giovanni di Lorenzo). Wiedererweckt wurde die Beilage von einem jungen Team um den 33-jährigen Christoph Amend, der zuvor das Ressort »Leben« leitete, das nun weitgehend im Supplement aufgegangen ist. Für die Titelgeschichte griff die Redaktion auf einen alten Bekannten zurück: Günter Wallraff, der Undercover als Callcenter-Agent Michael G. Misstände dieser Branche aufdeckte.

Erstes Urteil zum Magazin: Etwas betulich aber hoffnungsvoll. Der Spiegel schreibt: »Opulent, geschmackssicher, doch leider viel zu brav« und empfiehlt die Kolumne unseres geliebten Harald Martenstein, der zur Premiere erst mal dem AD seines neuen Unterschlupfs vors Schienbein tritt: »Wenn ich König von Deutschland wäre, würde ich den Beruf Artdirektor verbieten.« Zum dritten Mal hat ein luftigeres Layout die Länge seines Kommentars beschnitten, von einst 3150 über 3050 auf inzwischen 2800 Zeichen.

Schrift-Feiertag in Bulgarien

Davon können Typografinnen und Typografen hierzulande nur träumen: ein Feiertag für die Schrift. Bulgarien und Mazedonien zelebrieren heute den Tag der kyrillischen Schrift, ein offizieller Feiertag. Am Denkmal für Kyrill und Method vor der Bulgarischen Nationalbibliothek werden Blumen niedergelegt, auch in Moskau auf dem Slawjanskaja-Platz in der Nähe des Kreml, wo sich ebenfalls ein Denkmal befindet. In vielen Kirchen werden Gottesdienste abgehalten.

Die Brüder Kyrill und Method wurden im 827 bzw 815 als Konstantin und Michael in Thessaloniki geboren. Nach ihrer Priesterausbildung zogen sie nach Konstantinopel, wo Kyrill Bibliothekar in der Hagia Sophia wurde und Method ins Kloster ging. In den folgenden Jahren wurden sie die bedeutendsten Missionare im slawischen Raum. Sie übersetzten einen Großteil der Bibel sowie liturgische Texte in die slawische Sprache. Konstantin entwickelte hierfür das erste slawische Alphabet, die glagolitische Schrift (Glagoliza), nicht identisch mit der heute nach ihm benannten kyrillischen Schrift.

Diese entwickelte sich erst gegen Ende des 9. Jahrhunderts auf dem Territorium des bulgarischen Reiches, größtenteils aus der griechischen Schrift. Einige Zeichen der glagolitischen Schrift (ohne Zahlwert) wurden für Laute übernommen, die im Slawischen existierten jedoch nicht im Griechischen. Ab dem 10./11. Jahrhundert wurde die Glagoliza von der kyrillischen Schrift verdrängt.

(Abbildung: Wikipedia)

Pixelschrift aus Klebezettel

Pixelschrift

Thomas Gnahm aus Weimar hat mir ein Erinnerungsfoto seiner Installation in der Designmai-Youngsters-Halle geschickt, wo er eine Ausstellungswand mit einem »analogen 3D-Pixelfont« aus farbigen Klebezetteln bespielt hatte.

Die nächsten großen Typo-Dinger

Vor einem Jahr habe ich mich im Fontblog schon mal aus dem Fenster gelehnt und die »next big things« der Schriftenwelt prognostiziert: Hier nachzulesen. Jetzt ist die TYPO Berlin vorüber, gestern war das FontFont-Typeboard-Treffen bei FSI … und da sehe ich doch einige frische Wolken am Horizont, andere lösen sich auf. Zeit für die nächsten großen Typo-Dinger 2007/2008, diesmal mit der Platzierung des Vorjahres in Klammern:

01. Abgerundete Schriften (-) (vgl. VAG Rounded)
02. OpenType-Fonts (2) (Einführung in OpenType)
03. Frakturschriften (1) (Blaktur)
04. Single Stroke Fonts (-) (Hintergrund)
05. Nostalgie-Schriften (7) (z. B. Photo-Lettering)
06. ausgestanzte Punzen (-) (z. B. Naiv Fat)
07. Font-Systeme (-) (BMF Elettriche)
08. Klassiker erweitern (6) (z. B. Morris Sans)
09. ITC Avant Garde (-) (Beef)
10. Versal-ß (-) (Versales ß rückt näher)

Aktualisiert: 4600 FontFont-PDFs

Ein gewaltiges Lager an Schriftmuster- bzw- Schriftinfo-PDFs findet sich auf der Verteilerseite www.fontshop.de/news/FontFont_pdfs.html … gewohnt unsexy, dafür unschlagbar schnell im Zugriff. So wie Indra Kupferschmid das gerne hat: »ohne Marketing-Chichi.« Die 4600 Dokumentationen konzentrieren sich auf die größeren Familien der FontFont-Bibliothek, wobei vor allem die OpenType-Fassungen der Schriften hinreichend erläutert werden. Auch die neuen FF Good (Design: Å?ukasz Dziedzic) und FF Speak (Design: Jan Maack).

Großer Dank aus Bremerhaven

Stefan aus Nordenham bedankt sich für eine TYPO-Freikarte, die er beim Typo-Shirt-Wettbewerb von typografie.info gewonnen hatte. »Ich war sehr froh, Ralf Herrmann einmal persönlich zu treffen und viele interessante Vorträge und Workshops zu erleben. … Zum Dank für den tollen Preis sende ich Ihnen einen symbolischen Händedruck aus Bremerhaven. Die Größe der Hand drückt nur ansatzweise meine Freude aus.«

Fröhliches UN-Umweltkonferenz-2008-Logo

Deutschland ist vom 19. bis zum 30. Mai 2008 Gastgeber der 9. UN-Naturschutzkonferenz. Rund 5000 Regierungsvertreter aus aller Welt werden dann in Bonn zusammenkommen. Die Bundesregierung will auf dieser Veranstaltung entscheidende Weichen für die biologische Vielfalt stellen. Seit gestern wird die Konferenz in Anzeigen des Bundesumweltministeriums beworben (Agentur: KNSK), auf denen ein farbenfrohes Konferenz-Logo ins Auge fällt. Mehr zur Werbekampagne …

Yang-Liu-Plakatausstellung in Berlin

Yang Liu stellt deutsche (blau) und chinesische (rot) Eigenarten in Piktogramm-Form gegenüber

Gestern Abend eröffnen Staatsminister Gernot Erler und der chinesische Gesandte Zhao Bin im Lichthof des Auswärtigen Amts eine Plakatausstellung von Yang Liu. Vor vier Tagen erst begeisterte die deutsch-chinesischen Designerin die TYPO-Besucher mit einem Vortrag über die grafische Sprache der Peking Oper.

Mit ihrer Ausstellung »Ost trifft West« veranschaulicht Liu mittels Piktogrammen die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und China. Anlass für die Schau sind bedeutende Ereignisse des deutsch-chinesischen Kulturaustauschs die im kommenden Halbjahr stattfinden werden: Im August ist Deutschland Gastland der Buchmesse in Peking und Ende 2007 wird das chinesische Kulturzentrum in Berlin eröffnet.

»Ost trifft West« ist im Lichthof des Auswärtigen Amts bis zum 17. Juni zu sehen und werktags von 8 – 20 Uhr geöffnet (11 – 18 Uhr). Der Eintritt ist frei. Ein Katalog ist ebenfalls erschienen. Yan Lius Webseite.

Helvetica-Film in Saarbrücken

Die letzte Station des Helvetica-Films in Deutschland ist am Donnerstag, 24. Mai, die HBKsaar. Ab 17 Uhr gibt es dort Vorträge, Aktionen, Bilder, Musik und eine Grillparty im Innenhof … einschließlich zweier exklusiver Cocktails namens »Helvetica Light« und »Helvetica Heavy«. Dazwischen Kino, Eintritt frei.

Alle wichtigen Informationen hier …

TYPO-Nachlese: Redner berichten [Update]

Stupid Lampenfieber: Daniel Gjøde und Lars Neckelmann (Stupid Studio) kurz vor ihrem gefeierten Auftritt, den sie auf der eigenen Webseite noch mal Revue passieren lassen

Gary Hustwit, Helvetica-Film-Blog: Ich bin ein Helvetiker, Deutschland: Ich liebe Dich [NEU]
Markus Hanzer, Mira4: Vortragstext »Der Rhythmus des Lebens«
Moritz »mo.« Sauer, Phlow.org: The wonderful world of Netlabels, Netaudio Compilation
Henry Steinhau: Zeichen-Sprache
Meek FM: Live(Letter)set at Typo, People playing the MeekFM
House Industries: TYPO Berlin, Yodel while you work
Sander Neijens: Shirtnumbers
Stupid Studio: Berlin, here I am, The time is now, TYPO kicks ass
Steve Heller: Klaus Voormann – The Man Who Made Revolver [NEU]
Steve Heller: Hunkering Down with The Beau Hunks [NEU]
Richard Kegler: typoberlinb07 photo album [NEU]
Stupid Studio: Stupid is Top 3 [NEU]