Artikel im April 2007


New-York-U-Bahn-Plan neu gestaltet

NYC Subway Map Redesign

Der New Yorker Designer Eddie Jabbour hat den U-Bahn-Plan seiner Heimatstadt – ohne Auftrag – neu gestaltet. Seine Überarbeitung wirkt auf den ersten Blick aufgeräumter als das Original. Doch schaut man genauer hin, so scheint Jabbour zwar ein guter Illustrator zu sein, aber kein guter Typograf. Vor allem in der Großansicht wird deutlich, dass er eine schlecht lesbare, geschlossene Schrift verwendete und diese nach Belieben verengte. So überrascht es nicht, dass die Metropolitan Transit Authority kein Interesse an seiner Fleißarbeit hat.
Komplettansicht vorher/nachher. (Via)

Spiekermann entwirft Fußball-Pokal

Hoppla … da hat ein Sponsor des ukrainischen Fußballs die deutsche Berichterstattung zur Fußball-Maskottchen Goleo aufmerksam verfolgt, genauer: Erik Spiekermanns Kritik, die immer auch ein »Ich kann’s besser« enthält. Sie soll ihm den Auftrag beschert haben, den Pokal zur ukrainischen Fußball-Meisterschaft zu gestalten, vermeldet eine Pressemitteilung von SpiekermannPartners. Er fand die Idee charmant und entwickelte einen Pokal »im Stil eines Lorbeerkranzes, ein Entwurf, der bei Kennern von Spiekermanns sonst eher reduziertem, klaren Stil ein Lächeln im Gesicht hervorzaubern wird.« Der Entwerfer dazu: „Arbeiten mit Ornamenten, Gold und Diamanten, das gilt bei uns als kitschig. Überbordendes Design ist peinlich oder zumindest geschmacklos. Die osteuropäischen Länder sehen das anders: Hier muss Design auffällig sein, Prunk ist hier cool. Ich konnte und wollte daher nicht einfach einen Pokal mit einem großen Stein in der Mitte entwerfen, so wie er bei uns üblich ist.« (Abb: Page Online)

eBoy-TYPO-2006-Vortrag im Video-Podcast

Auf der TYPO 2006 »Play« zeigten die vier eBoys (Steffen Sauerteig, Svend Smital, Kai Vermehr und Peter Stemmler), was sie inspiriert. Zum Beispiel Pixel und die »irre Realität« der Google-Bildersuche. Elemente daraus transferieren sie in eine noch verrücktere Kunstwelt. Der gesamte Vortrag – live auf der Bühne und auf zwei Leinwänden – jetzt im TYPO Video-Podcast.

Polit-Font »Parole«: CC hilft nicht wirklich

Arm aber sexy: die Wowi-Schablone aus der OpenType-Schrift Parole, entweder direkt getippt mit der Euro-Taste oder durch die kontextsensitive Ersetzung der Initiale KW (Abbildung aus dem Parole-Read-Me-PDF (80 K)

Ich wusste gar nicht, dass »Software-Verschenken« so viel Stress machen kann. Gestern haben Dataloo und FontShop den Polit-Font ›Parole‹ zum kostenlosen Download in die Welt gesetzt. Wir wollten die Software unter einer Creative-Commons-Lizenz herausgeben, ein Gebiet (um nicht zu sagen Minenfeld), von dem wir beide nicht wirklich viel verstehen. Die Reaktion kam prompt: Man diskutierte hier und hier nicht über die tolle Schrift, sondern über die mitgelieferten Lizenzbestimmungen.

Reaktion: Wir haben die Lizenzbedingungen überarbeitet und uneingeschränkt auf CC Attribution – Share Alike 3.0 umgestellt. Unsere eigentliche Intention steht zusätzlich und unverbindlich – in Umgangssprache – ebenfalls im Read-Me-PDF (80 K). Denn:

Hintergrund: Creative Commens bietet keine passende Variante für die von uns gewünschten Spielregeln. Dazu später mal mehr.

Eine Website, in der Küche gestaltet

Wenn ich mehr Zeit zum Lesen hätte … ich würde das Buch »No one belongs here more than you.« von Miranda July sofort kaufen. Ihre poetische Küchen-Webseite hat mich überzeugt! (Via: Achtung Werbung)

Deutsche Entscheider: »Generation Web 0.0«

Thomas Knüwer schreibt im Handelsblatt: Über das Internet Bescheid zu wissen »ist keine Frage des Alters, sondern des Willens. Und deshalb gibt es auch so viel Aufruhr um Themen wie Vorratsdatenspeicherung und Online-Durchsuchung: Sie greift in das Alltagsleben der Bürger ein. Doch dieser Alltag liegt den Entscheidern so fern, dass sie nicht mal ahnen, weshalb so viele Menschen erbost sind. Unsere Politiker und viele Manager bewegen sich hier in einer anderen Welt. Dumm nur, dass sie auf diesem Planeten, im Deutschland des Jahres 2007 wichtige Positionen bekleiden.« Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Michael Glos lässt surfen und ist stolz darauf, gerade mal sein Handy bedienen zu können. Knüwer hat den sehr lesenswerten Beitrag soeben komplett in sein Weblog Indiskretion Ehrensache gestellt. (Abbildung aus: Parole, dem eben veröffentlichten kostenlosen Polit-Font)

Kostenloser Agitprop-Font »Parole«

Garniervorschlag an Beton: Natürlich eignet sich die Schrift ›Parole‹ gleichermaßen für Drucksachen, T-Shirts, Wollpullover, Transparente, Banner, Fahnen, …

Zum dritten Mal mischt sich FontShop mit einem kostenlosen Font in eine gesellschaftliche Debatte ein. Nach Rettet das Ampelmännchen (1996) und der WM-2006-Einwechselschrift Trivia (2006) möchten wir heute einen typografischen Beitrag zur Stasi-2.0-Diskussion leisten. Angeregt von der Schäublone bei Dataloo (Fontblog berichtete: Grafischer ziviler Ungehorsam) fragten wir uns: Ist es nicht sinnvoll, einer breiten politischen Debatte eine exklusive Schrift in die Hand zu geben, damit diese visuell geschlossen auftreten kann? Ein Kampagnen-Font für die Sicherheitsdebatte also, die demnächst nicht nur in Bundestag, Bundesrat und Bundespräsidialamt stattfinden wird, sondern auch auf der Straße.

Wir haben uns mit Dataloo kurzgeschlossen und gemeinsam einen Font entwickelt, der ›Parole‹ heißt, auf der DIN Schablonierschrift von Marian Steinbach basiert und von FontShop erweitert wurde: Konvertierung ins OpenType-Format sowie Integration von Polit-Portraits und Stasi-2.0-Logo; als OT-Schrift läuft der Font auf Mac OS X und Windows.

Die Schrift enthält 19 Polit-Portraits und 1 Logo auf den folgenden Tasten-Positionen: , §, $, %, (, ), #, , *, +, /, , =, >, @, [, ], {, } und ^. Wer mit Parole in einem OpenType-fähigen Programm arbeitet und die kontextsensitive Ersetzung aktiviert hat, darf sich an einer Automatik erfreuen: tippt man die Tastenkombination <am, erscheint Angie, tippt man <eh erscheint Honni am Bildschirm und so weiter.

Was darf man mit Parole machen? Es gilt die Creative-Commons-Lizenz Namensnennung • Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Namensnennung ist nur bei kommerziellen Produkten im Rahmen eines Impressums oder einer Credit-Zeile erforderlich, in der Form Schrift: »Schrift/Abbildung: Parole von www.fontshop.de« oder »Schrift/Abbildung: Parole von www.dataloo.de«).

Wie bekommt man den Parole-Font? Entweder hier im Fontblog downloaden, oder bei Dataloo (.zip-Datei, bestehend aus 1 OT-Fontdatei und 1-Read-me-PDF).

Lesenswert: »50 Jahre Helvetica« (SpOn)

»Zu ihrem 50. Geburtstag widmet das New Yorker Museum of Modern Art der Schrift Helvetica eine Ausstellung. Denn Experten schätzen, dass sie die populärste Schriftart der Welt ist.« schreibt Spiegel Online heute. Das wissen die Leser des Fontblogs natürlich schon lange. Zum Beispiel durch diesen Beitrag (Erstes Font-Ranking) und durch diesen (Platz 1: Helvetica). Und nie war sie so preiswert wie hier … Alles weitere: www.100besteschriften.de.

Design-Mitmachkampagne gegen Gewalt

Im März startete der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe eine Werbekampagne unter der Schirmherrschaft der Familienministerin Ursula von der Leyen mit dem Ziel, die Situation betroffener Frauen durch verstärkte Aufklärung zu verbessern.

Bei der Auftaktveranstaltung in der Akademie der Künste am Pariser Platz stellte die Promiköchin Sarah Wiener das erste Plakatmotiv vor. Die zentrale Idee besteht darin, Prominente aus den Bereichen Kultur, Medien und Gesellschaft zu ihrer Haltung zum Thema Gewalt gegen Frauen zu befragen. Diese »Standpunkte« werden mit Fotografien der jeweiligen Beine oder Füße als Anzeigen veröffentlicht. Begleitend wurde die Homepage www.frauen-gegen-gewalt.de eingerichtet.

Heute startet auf der Marketing-Marktplatzseite www.innup.de ein Aufkleber-Wettbewerb. Kreative sind aufgerufen, bis zum 09. Mai Motive für die bff-Kampagne unter dem Motto »Gegen Gewalt an Frauen« einzusenden. Das Gewinnermotiv wird als A6-Aufkleber in einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt, des weiteren erhält der/die Siegerin und die folgenden neun Teilnehmer/innen einen Preis in Form von Druck-Gutscheinen.

Schönste-Bücher-Katalog: dickes Ding!

Zunächst war ich schockiert, als ich am Freitag den Katalog des Wettbewerbs »Die schönsten deutschen Bücher 2006« aus der Post fischte: 424 Seiten, 3 Zentimeter Buchrücken. Wer soll das lesen? Seit 12 Jahren sammle ich den jährlichen Katalog, der durchschnittlich 160 Seiten auf die Waage brachte. Nun dieses Trumm, ein fettes Buch … aha: Ein Buch!

»Wie teilt man die Begeisterung über ein Buch, mit dem man sich Stunden oder Tage beschäftigt hat …? Indem man anderen ein Bild des Buches zeigt? Wohl kaum. Ich denke: Über diese Begeisterung muss man berichtend erzählen, Worte verlieren.« mit diesen Sätzen lud der Katalogmacher Bernd Kuchenbeiser renommierte Autoren ein, um über eines oder mehrere der ausgezeichneten Bücher Texte zu verfassen, darunter Jean-Christophe Ammann, Rudolf Paulus Gorbach, Eckhard Henscheid, Klaus Hesse, Jost Hochuli, Victor Malsy, Manfred Sack und Roger Willemsen. So entstand ein voluminöser, radikaler und mutiger Katalog, ein Buch, das der Herausgeber, die Stiftung Buchkunst, uneingeschränkt unterstützte. Der Katalog 2006 ist eine Hommage an das Lesen, das über die Lektüre einen lebendigen Zugang zu den vorgestellten Büchern ermöglicht. Tatsächlich habe ich es in einem Rutsch – mit großer Freude – durchgearbeitet.

Teil 1: Titelabbildungen alle ausgezeichneten Bücher, vierfarbig auf Bilderdruckpapier

Wie immer ist der Katalog reichhaltig ausgestattet: drei Papierarten, 250 g/m²-Einband, Fadenheftung, vorzügliche Typografie aus Fred Smeijers Arnhem (Text), und Pau Renners Futura (Neufville-Version für Ordnungszahlen, Jurybegründung und Auszeichnung).

Durchgehend zweisprachig (deutsch, englisch) gliedert sich das Werk in 3 Teile, die sich bereits beim ersten Durchblättern durch unterschiedliche Papiere haptisch ankündigen:

a) S. 1 – 70: Die Titelseiten der Bücher – eines pro Seite –, vierfarbig, auf Bilderdruckpapier
b) S. 71 – 312: Die Jurybegründungen, technische Daten sowie Essays zu ausgewählten Büchern auf Werksatzpapier
c) S. 313 – 424: Der Anhang, mit Jurybericht, Innenansichten der Bücher, 1:1-Satzmuster, Listen und Verzeichnisse auf Recyclingpapier

Teil 2: Juryberichte, technische Daten und Essays renommierter Buchkenner über die ausgezeichneten Titel, einfarbig auf Werksatzpapier

Der Anhang enthält eine aufschlussreiche Bildstrecke, die eine typische Doppelseite der prämierten Bücher (stark verkleinert, schwarzweiß) zeigt, jedoch ein Satzmuster in Originalgröße darunter stellt. Für letzteres hätte man sich eine bessere Auflösung gewünscht (2500 lpi 1-Bit-SW-Scan), doch mit tolerantem Blick lässt sich die typografische Qualität der meisten Bücher gut bewerten.

Teil 3: Innenansichten der Bücher und 1:1-Satzmuster, einfarbig auf Recyclingpapier

Ohne die großzügige Hilfe von Sponsoren und der Fördermitglieder der Stiftung Buchkunst wären weder der Katalog (nur 15,00 €, hier bestellen), noch der Wettbewerb finanzierbar. Ich kann nur jedem empfehlen, der sein Geld mit der Gestaltung und Herstellung von Büchern verdient, Mitglied des Freundeskreises der Stiftung Buchkunst zu werden, damit die verdienstvolle Arbeit weiterhin gesichert ist. FontShop ist bereits seit 10 Jahren Förermitglied, und ich bin eigentlich etwas verwundert, damit zu einem überraschend kleinen Kreis von 12 fördernden Firmenmitgliefern zu gehören (darunter zwei Frankfurter Geldinstitute). Glücklicherweise ist der Kreis persönliche Fördermitglieder doppelt so groß. Die Beiträge zahlen Druckereien und Verlage aus der Kaffeekasse: Firmen 1.100 € jährlich, fördernde persönliche Mitglieder 260 €, einfache Mitglieder nur 75 €.

Die falschen Flaschen der Uni Wuppertal

Produktverpackungen in Flaschenform waren im vergangenen Wintersemester Thema eines Projektkurses im Fach Visuelle Kommunikation an der Bergischen Universität Wuppertal (Leitung: Prof. Hans Günter Schmitz). Das Motto des Projektes: Fake – Lüge – Täuschung – Illusion.

22 Studentinnen und Studenten analysierten im Supermarkt Texte und Bilder von Verpackungen. Anschließend agierten sie als Produkt- und Markenmanager, als Texter, Werber und Designer. Sie konzipierten neue, provokante Produkte, um die Mechanismen der Markenwelt unter die Lupe zu nehmen. Dabei sollten Grenzen überschritten, sollte provoziert und Zukünftiges vorweggenommen werden. So entstanden 82 fiktive Pullen – einschließlich der Werbung dafür –, »von denen einige hoffentlich nie Realität werden« ( Schmitz).

Im Rahmen des Designmai in Berlin wird das Wuppertaler Projekt am 15. Mai vorgestellt, beim DesignCampus, veranstaltet von MetaDesign.

Die Entwürfe – von oben nach unten – stammen von Tobias Wienholt, Christina Beckedahl, Andreas Roffmann und von Jaroslaw Byra. (Via: Page Online)

Die hohe Kunst des Radierspiels

In den USA ist das Zeichenbrett Etch A Sketch in jedem Kinderzimmer zu finden. Die Technik erinnert an ein Wachs-Radierung, wobei man das Kratzwerkzeug mittels zweier Drehrädchen in der Horizontalen und der Vertikalen bewegt. Wer jemals versucht hat, auf Etch-A-Sketch einen Kreis zu zeichnen weiß, dass die Erfolgskurve sehr, sehr flach ist.

Ein wahrer Meister ist ist der Etch-A-Sketchist alias Elliot Sharron. Auf der eigenen Website und auf Flickr zeigt er seine schönsten Werke, die er kurioserweise überwiegend vom Fernseher oder dem Computer-Bildschirm abzeichnet. Ganz ehrlich: Ich glaube, dass es sich bei den Abbildungen um Fotomontagen handelt.

Wer selbst mal eine Radierung anfertigen möchte, kann dies auch online versuchen (mit den Pfeiltasten der Computer-Tastatur). (Via tuaw.com)