Artikel im März 2007


»Designer und Architekten nerven …«

Bruce Nussbaum, Business-Week-Kolumnist und Autor des Buches »Das Ende unserer Zukunft«, ist der Ansicht: »Designer nerven mich, weil sie arrogant sind. In Blogs und auf Webseiten krakeelen sie herum, wie furchtbar es sei, dass sich heute jeder Designer nennen könne, der einen Mac, Web 2.o oder auch nur YouTube verstanden habe. … Das ist einfach nicht wahr.«

Der ganze Artikel »Are Designers The Enemy Of Design?« auf der Business-Week-Seite von Bruce Nussbaum. Gefunden bei Ahmad Humeid.

Bürolampen zu Kronleuchter

Falls sich diese 16 Schreibtischlampen auf ein flexibles Leben im Büro eingestellt hatten, war die Vorfreude verfrüht. Mit »Dear Ingo«, eine Hommage an den allegorischen deutschen Leuchtengestalter Ingo Maurer, schuf Ron Gilad (Designfenzider) einen Ready-made-Lüster. Neben ungezählter symmetrischer Ausrichtungen (hier ein paar Beispiele beim holländischen Händler Poaa), lassen sich die zweckentfremdeten Leuchten natürlich zu unendlich vielen Formationen verstellen. (Gefunden bei Swissmiss)

Heiße Buchstaben, delikate Frage


Der 26-jährige Salzburger Designer Benjamin Hohnheiser hat sich von der globalen Kultur-Initiative Dropping Knowledge inspirieren lassen (Fontblog berichtete: Bebelplatz – Runder Tisch für 11.200 Antworten), die Antworten auf die drängendsten Fragen der Menschheit sucht. Er kreierte einen analogen typografischen Stopmotion-Film mit dem Titel »… why don’t we?« (YouTube-Link). Die Frage »Warum ernähren wir die Welt nicht?« inszeniert er aus Lebensmittel-Buchstaben in einer Art dampfenden Typo-Küche. »Hey, fühlt euch nicht angegriffen. Ich möchte nicht eure schlechten Manieren kritisieren. Denkt einfach mal über die Frage nach und lasst mich eure Antwort wissen.« schreibt er im Blog der Fachhochschule Salzburg, wo der Film in der Abteilung MultiMediaArt / Motion Design entstanden ist.

Der unaufhaltsame Sturz von Vanity Fair

Als ich vor 6 Wochen unser neues Life-Style-Magazin begrüßte (Willkommen, Vanity Fair), klang alles so vielversprechend. Der Verlag Condé Nast machte uns in einer Pressemitteilung so richtig scharf: »… eine der größten Zeitschriftenmarken der Welt, startet diese Woche in Deutschland. Die neue wöchentliche Zeitschrift aus Berlin verbindet die visuelle Opulenz und die intellektuelle Tiefe einer anspruchsvollen Monatszeitschrift mit dem aktualitätsbezogenen Qualitätsjournalismus eines wöchentlichen Nachrichtenmagazins und bietet eine einzigartige Themenmischung aus Kultur, Politik, Wirtschaft, Stil und Gesellschaft. Es ist der wichtigste Launch einer Zeitschrift seit 15 Jahren in Deutschland.«

Chefredakteur Dr. Ulf Poschardt verkündete in Interviews: »Jeder deutsche Politiker, jeder deutsche Star ist covertauglich – dann, wenn er das radikal Richtige denkt und tut und dafür Mehrheiten findet. … ›Vanity Fair‹ ist ein Heft für Mover & Shaker, also Schlüsselfiguren unserer Gesellschaft.«

Doch der Titel der Startausgabe hätte uns eine Warnung sein sollen: Unter dem schwarzen Typo-Umleger erblickten wir Till Schwaiger mit bloßem Oberkörper und einem Zicklein im Arm. Letzte Woche lächelte uns Angela Merkel auf dem Vanity-Fair-Cover entgegen (die exklusive Haus-Schrift war bereits abgewickelt), was sicherlich zu einem Verkaufseinbruch führte. Heute ziert ein Verkaufs-Garant die Titelseite: Eisbär Knut. Dass man gleichzeitig die Seele seines journalistischen Anspruchs mit verkauft … wen kümmert das wirklich noch? Auf Wiedersehen, Vanity Fair.

Pressemitteilung von Vanity Fair zum Knut-Titel.

TYPO-Keynote-Speaker Steven Heller

Steven Heller ist überall und nirgends … er tarnt sich gerne. Dabei ist er seit fast 40 Jahren der produktivste Chronist der internationalen Designszene. Heller ist Autor, Co-Autor und Herausgeber von über 100 Fachbüchern, viele davon Standardwerke. Als Journalist, Kritiker und Kommentator stand und steht er in Diensten der Zeitschriften Print, U&lc, I. D. Magazine, Affiche, Graphis, Creation, Eye, Design, How, Oxymoron, Design Issues, Mother Jones und Speak Magazine. Er ist, seit seiner Gründung Anfang der 80er Jahre, Herausgeber des AlGA Journal of Graphic Design.

So viel zu den Nebenbeschäftigungen von Steven Heller. Hauptberuflich wirkt er als Senior-Art-Direktor bei der New York Times Book Review, ein wöchentliches Literaturmagazin. In dieser Funktion hat er ungezählten Illustratoren zu einer Berufskarriere verholfen. Im Jahr 1999 erhielt er vom US-Grafiker-Verband AIGA die Goldmedaille für sein Lebenswerk.

Seit kurzem erst betreibt Heller die eigene Website www.hellerbooks.com, die schon eine detaillierte Newsseite enthält und demnächst um ein Weblog erweitert wird.

Für die TYPO 2007 hat sich Steven Heller mit dem Schaffen des Designers Alex Steinweiss beschäftigt, der als der Erfinder des gestalteten Plattencovers gilt. 1939 wurde Steinweiss der erste Art-Direktor bei Columbia Records, wo er bis 1945 eine grafische Sprache des Album-Designs entwickelte. Von 1945 bis 1950 baute er bei Columbia eine Grafikabteilung auf, anschließend war er auch für andere Labels aktiv, zum Beispiel Decca, RCA und Remington. Mitte der 50er Jahre setzte Steinweiss erstmals Fotos bei der Gestaltung einer Plattenhülle. Seine letzte Schaffensphase reichte von 1960 bis ungefähr 1973. Insgesamt gestaltete er rund 2500 Cover.

Adobe kündigt CS3-Produktlawine an

Mit einem Heer von Pressemitteilungen und Produktblättern verrät Adobe (San Jose, Kalifornien) seit heute mehr über die heiß erwartete Creative Suite 3 (CS3). Das Software-Paket ist Adobes größter Produkt-Launch in der 25-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Um das Ereignis gebührend zu feiern, wird später ein Live-Webcast aus New York übertragen, der gegen 21:30 unserer Zeit startet. Zur Webcast-Seite …

Die aus diversen Grafik-Anwendungen bestehende Suite (die bekanntesten sind InDesign, Photoshop, Illustrator, Flash, Premiere, Acrobat …) wird in sechs Linien für unterschiedliche Zielgruppen angeboten:

• Adobe Creative Suite 3 Design Premium and Design Standard
• Adobe Creative Suite 3 Web Premium and Web Standard
• Adobe Creative Suite 3 Production Premium
• Adobe Creative Suite Master Collection (12 Programme)

Die Mehrheit der Software-Pakete können als Universal-Version für Intel- und PowerPC-Macs geliefert werden, sowie für Windows XP und Windows Vista. Die US-Preise liegen zwischen 1599,– und 2499,– Dollar; es gibt diverse Upgrade-Pfade für bestehende Kunden.

Adrian Frutiger im TYPO-Video-Podcast

Im Sommer 1996 lud FontShop den großen Schweizer Schriftentwerfer Adrian Frutiger zur 2. TYPO-Konferenz nach Berlin ein. Weil er sich noch von einer Krankheit erholte, riet ihm sein Arzt von der anstrengenden Reise nach Berlin ab. Also reisen der TYPO-Moderator Erik Spiekermann und der Filmemacher Klaus Keller ins Schweizerische Bremgarten, um den Schriftentwerfer in seinem Atelier zu interviewen. Das 30-minütige intime Gespräch wurde während der TYPO 96 im großen Saal aufgeführt, wo es viel Applaus erntete.

ADC zeichnet 5 Schmidt-Bücher aus

Die Verleger Karin und Bertram Schmidt-Friderichs teilten soeben mit: »Die Jury des Art Directors Club (ADC) hat getagt. … Bücher hatten es in der Vergangenheit im Werbeumfeld eher schwer. Umso mehr freut es uns, heute von vier Bronze- und einer Silbermedaille für die kreativen Autoren und Gestalter des Verlages Hermann Schmidt Mainz berichten zu können. … Fast noch mehr freut uns, dass hinter drei der fünf Siegerarbeiten Studenten stecken.«

Die prämierten Bücher:

Fraktur mon Amour von Judith Schalansky (Silber)
Die kleine Serifee von René Siegfried (Bronze)
Book of Independence von Kirsten Dietz und Jochen Rädeker (Bronze)
rotis – eine Streitschrift von Christian Hartig und Ralph Burkhardt (Bronze)
Warum gerade ich? von Nils Holger Moormann und Jäger & Jäger (Bronze)

Kopie or not Kopie?

Strahletitel

Ich spiele gern’ mit offenen Karten und rege gerne auch Diskussionen an. Am Samstag bekam ich eine nette E-Mail von Jens Fassmann (SignForm24): »Gestern ist mir auf dem Nachhauseweg dieses Citylight-Poster aufgefallen: Hat das was mit euch, den Moniteurs oder den ›100 besten Schriften‹ zu tun oder hat sich da durch Zufall etwas überschnitten?«

Ich antwortete ihm, dass es kein Zufall sei, sondern ein Zusammenhang bestehe. »Damit unser Strahle-Cover nicht nach Lenor oder Dash aussieht (vgl. form-Cover Packaging), suchte ich nach ›poetischen Waschmittel-Strahlen‹ … was ich jedoch nicht weiter beschreiben konnte. Im Dezember dann fielen mir die Heinrich-Plakate ins Auge, bei dem die Strahlen nicht gerade, sondern gebogen angelegt sind. Ich mailte den Moniteurs ein Foto, um mich verständlich zu machen. Sie griffen die gebogenen Strahlen auf und haben trotzdem etwas eigenes geschaffen. Wäre ich nicht zu dieser Bewertung gekommen, hätte ich mein OK nicht gegeben. Fazit: Beeinflussung ja, Kopie nein!«

Im Januar, kurz nach Erscheinen von »100 beste Schriften«, hatte Bernd Kreutz bereits eine erste Inspirationsquelle enttarnt, nämlich die Musik-Rankings der Zeitschrift Rolling Stone. Sein schmeichelndes Fazit: »… es ist etwas komplett Eigenständiges und Großartiges geworden, eine Pflichtlektüre für alle an visueller Gestaltung Interessierten. Und zwar deshalb, weil es sein Vorbild nicht verleugnet, sondern es feiert, preist und ehrt. Weil es ihm seine Referenz erweist, nicht durch nachmachen und nachahmen, sondern durch aufgreifen und weitertragen.«

Labyrinthisches

Ich hole an dieser Stelle etwas weiter aus und betreibe eine Nabelschau, weil ich mich vor jemanden stellen möchte. Heute morgen erhielt ich nämlich eine E-Mail unseres Designer-Kollegen Benjamin Hickethier, einen der am besten vernetzten Pragmatiker der Branche. »Ein guter Freund von mir (Sandy, www.image-shift.net) gestaltete das Labyrinth-Cover einer G8-kritischen Broschüre mit dem Titel ›Die Deutung der Welt‹. Vor ein paar Tagen stieß er in einem Werbeflyer zufällig auf den Titel des Buches ›Orientierungssysteme und Signaletik‹, das ebenfalls auf der Idee eines Typo-Labryinths basiert. ›Lustiger Zufall‹ dachte sich Sandy und rief den Entwerfer an, der wohl anfangs eher gelassen reagierte und Sandy bat, ihm das Cover zuzuschicken. Nachdem er das getan hatte, bekam Sandy am folgenden Tag eine Mail, in der dieser Entwerfer bei Verwendung des Covers mit juristischen Schritten drohte.«

Wenn die Geschichte so stimmt, wie Benjamin sie erzählt, dann hielte ich eine solche Reaktion für überzogen. Erst recht, wenn Sandy die »Vorlage« nicht kannte, was ziemlich wahrscheinlich ist, denn seine typografische Konstruktion ist eine völlig andere als die auf dem Buchtitel. Und deshalb stelle ich mich vor Sandy.

Lange Stromberg-Nacht im Kino Babylon, Berlin

Von links: Kameramann Johannes Imdahl, Christoph Maria Herbst (›Bernd Stromberg‹), Arne Feldhusen (Regisseur), Martina Eitner-Acheampong (›Erika Burstedt‹), Diana Staehly (›Tanja Seifert‹), Oliver Wnuk (›Ulf Steinke‹) und Bjarne Mädel (›Berthold Heisterkamp‹ genannt ›Ernie‹)

Am Freitagabend war ich mit Ivo im Berliner Kino Babylon zur langen Stromberg-Nacht. Schon beim Anstellen zeigte sich: Die Fans kamen aus ganz Deutschland. Hinter uns standen Verehrer aus Münster, die Freikarten auf der Stromberg-Fanseite gewonnen hatten. Andere kamen aus Helmstedt, Leipzig und Göttingen. Den weitesten Weg hatte Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst zurückzulegen, der direkt aus seinem Marokko-Urlaub anreiste und erst kurz vor 24:00 Uhr auf die Bühne stürmte, um sich den Fragen des Publikums zu stellen. (weiterlesen …)

Prof. Dr. Heiner Erke 1939 – 2007

Wer in München den Flughafen betritt, in Wien in eine U-Bahn steigt oder auf deutschen Autobahnen fährt, folgt Hinweisen, die Heiner Erke als kreativer und produktiver Gestalter von Leitsystemen geschaffen hat. Der Braunschweiger Psychologe ist am 17.2.2007 nach schwerer Krankheit in München gestorben.

Als Student hat Erke in Münster bei Wolfgang Metzger und Wilhelm Witte die Gestaltpsychologie kennengelernt, die ihn nicht mehr los ließ. Nach einer Assistenzzeit in Münster und in Saarbrücken folgte er 1970 einem Ruf an die TU Braunschweig. Hier baute er im Institut für Psychologie seine Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie auf, die er 31 Jahre lang leitete.

Auf der TYPO Berlin 2002 ›Information‹ sprach Heiner Erke über psychologische Aspekte beim Gestalten von Informations und Leitsystemen. Wikipedia über Heiner Erke. Nachruf auf der Webseite des Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. (Foto: Marc Eckardt)

T-Shirt-Wettbewerb bei Typografie.info

Typografie.info ruft seit heute im Rahmen eines Wettbewerbs zum Gestalten typografischer T-Shirts auf. Den Gewinnern winken attraktive Preise, zum Beispiel ein Ticket für die TYPO-Konferenz. Die Sieger-Motive werden von einer fachkundigen Jury ermittelt und die besten Shirts werden nach Abschluss des Wettbewerbes produziert. Mehr Infos …