Artikel im Januar 2007


»Blogcharts: Fontblog steigt in die Top 50 ein«

… schreibt Exciting Commerce. Und weiter: »Der unaufhaltsame Aufstieg des Fontblogs geht weiter. Das Blog des Fontshops aus Berlin steigt als zweites Händlerblog (nach dem Shopblogger) in die Top 50 der deutschen Blogcharts ein. Geholfen hat sicherlich die Veröffentlichung der 100 besten Schriften aller Zeiten.*

Das Fontblog zeigt auf herausragende Weise, wie sich ein Handelshaus mit einem interessanten Fachblog profilieren kann und so kontinuierlich an Aufmerksamkeit gewinnt. Vor genau einem halben Jahr war das Fontblog erstmals unter den Top 100 Blogs.«
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* Könnte man meinen, ist aber nicht so, denn es gibt keine Link-Brücke zwischen 100besteschriften.de und dem Fontblog (wohl aber eine zu fontshop.de). Mit anderen Worten: die rund 38.000 Besucher von »100 beste Schriften« wissen gar nicht, dass diese mit dem Fontblog verwandt sind. Heute habe ich aus unseren Log-Files erfahren, dass unser Font-Ranking – nach nur einer Woche online – von 1.424 internationalen Webseiten verlinkt wurde … (ein PDF mit 16 eng bedruckten Seiten).

Die Position 50 in den Deutschen Blogcharts basiert auf der Technorati-Bewertung des Fontblog (z. Zt. 274 Punkte), das Verdienst von 3 Jahren täglicher Meldungen. Die 100 Besten Schriften haben binnen einer Woche 141 Punkte erobert … die auf das Fontblog nicht abgefärbt haben.

Schon die Fontblog-Kommentare abonniert?

Vor 3 Monaten habe ich hier die Devise ausgegeben: Abonniert die Fontblog-Kommentare! (Dazu den folgenden Link – Fontblog Kommentare – in einem RSS-Reader abonnieren oder den Link ganz unten rechts auf dieser Seite). Ich träumte mal von mehreren 100 Abonnenten. Das ist utopisch, und auch nicht wichtig. Entscheidend ist die Klasse, nicht die Masse. Klingt banal, aber ich kenne genügend Weblogs, bei denen es umgekehrt läuft, doch solche Debattierklubs rauben Profis zu viel Zeit.

Und so freue ich mich heute, dass sich die Zahl der Kommentar-Abonnenten von 41 auf 100 mehr als verdoppelt hat; die Beiträge empfangen inzwischen 1502 Fontblog-Leser per RSS (zu denen sich noch 1700 Direktbesucher täglich hinzugesellen).

Was sagen uns die neuen Adobe-Icons?

Adobe CS3 Icons

Ende Dezember 2006 kündigte Adobe eine neue Markenarchitektur für seine grafischen Software-Produkte an. Mit auf dem Prüfstand: die illustrativen Icons der Programme (mehr dazu im Adobe-Blog). Das neue Konzept (auf obiges Bild klicken) ist, bis auf wenige Ausnahmen, typografischer Natur.

Der radikale Schritt polarisiert: manche mögen die neuen Icons, andere verdammen sie. Das Portal Quark vs. InDesign ruft jetzt sogar zu einem Redesign-Wettbewerb auf.

Die verwendete Schrift stammt übrigens aus der Feder des Adobe-Haus-Typografen Robert Slimbach, der Groß-, Klein- und Kapitälchen-Buchstaben seiner demnächst erscheinenden Schriftfamilie Gauge beisteuerte.
Soll ich euch was sagen: Mir gefallen die Dinger! Sonst wär’ ich kein Typograf …

Von oben nach unten: Adobe Creative Suite 1, 2 und 3 (Danke an Jonis fürs Polishing)

Tage der Typografie, 7. bis 10. Juni 2007

Zwischen »Adel verpflichtet« und »schräge Typen« oszilliert der wunderbare Titel der 9. Tage der Typografie in Lage-Hörste: Noblesse Oblique. Das Motto bildet die Basis für Workshops, Vorträge und das Zusammentreffen von Designstudenten, Grafikdesignern, ambitionierten Schriftsetzern, Dozenten und Ausbilder sowie weiteren Teilnehmer/innen aus Bereichen der Druck- und Medienbranche.

Namhafte Referenten und spannende Workshops bilden das Herzstück der Tage der Typografie:

Underware werden mit den Teilnehmern ihres Workshops eine jeweils ganz persönliche Schrift entwickeln, die ihr gesamtes Leben darstellen wird.

Dan Reynolds, Schriftdesigner und Mitarbeiter bei Linotype, setzt auf »Typedesign mit Durchblick«: die Teilnehmer entwerfen eine Schablonenschrift und setzen sie auch praktisch ein.

Im Workshop der Typonauten, das mehrfach ausgezeichnete Büro aus Bremen, geht es um Typen und Charaktere: reale oder erfundene Personen werden mit dem Zeichensatz einer Schrift dargestellt.

Graf Zahl, bekannt aus der Sesamstraße, erhält im Workshop von Tanja Huckenbeck und Peter Reichard, Herausgeber des »spatium – Magazin für Typografie«, ein Corporate Design.
Weitere Informationen, das komplette Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung hier …

Noch mal Labels: Vinyl (201)

Beim Durchsuchen der Flickr-Fotoalben von cottoncandyhammer (siehe vorheriger Beitrag) fiel mir noch diese Vinyl-Label-Sammlung positiv auf. Die Etikette eignen sich auch gut als iTunes-Cover-Art-Platzhalter, wenn – bei uralten Songs – entweder nie Cover-Art existierte oder diese für immer verschollen ist. Was man hier, bei Rate Your Music nicht digital findet, existiert nur in Antiquariaten.

Hotel-Labels aus aller Welt (761)

Ilja Wanka (microboy) hat mich auf diese schöne Flickr-Sammlung aufmerksam gemacht: wunderschön gestaltete Bierfilze, Aufkleber und Servietten aus den großen Hotels dieser Welt, mit großartigen Schriften in Szene gesetzt. Eine Fundgrube für Illustrator(innen) und Schriftfreund(innen).

Die phallischsten Logos

Der Rekordwahn im Grafikdesign nimmt kein Ende. Rob Manuel von B3ta hat internationale Logos zusammengetragen, in denen – durchweg unfreiwillig – Assoziationen zum männlichen Geschlechtsorgan versteckt sind. Darunter auch das Signet des Deutschen Volleyball-Verbands. Zur B3ta-Seite Phallic Logo Award …

Die 12 beliebtesten Business-Schriften

Dan Reynolds (TypeOff) hat ebenfalls ein interessantes Font-Ranking veröffentlicht. Aus dem Geschäftsbericht-Test das Manager Magazins (Die 10 besten Geschäftsberichte 2006) ermittelte er die beliebtesten Business-Schriften des letzten Jahres. Am Ende seines Beitrags führt er sogar alle verwendeten Schriften auf und verlinkt fleißig zum FontShop-Ranking www.100besteschriften.de, dass er als »excellent resource« bezeichnet. Danke Dan.
1 Frutiger Next, 2 Frutiger, 3 ITC Zapf Dingbats, 4 Compatil, 5 Neue Helvetica , 6 Univers, 7 Corporate ASE, 8 Myriad, 9 Helvetica, 10 Minion, 11 Thesis, 12 Wingdings

Mein »Tagesspiegel« ist heute ein Unikat

Die Düsseldorfer Künstlerin Leni Hoffmann erhält heute den mit 20.000 € dotierten Gabriele-Münter-Preis (GMP). Aus diesem Anlass hat sie der Berliner Tagesspiegel zu einer Kunstaktion eingeladen: Die Malerin versah jede Ausgabe der heutigen Auflage mit einem individuellen Farbstreifen. Hierzu arbeitete die Künstlerin am »offenen Herzen« der Zeitung, direkt in der Druckmaschine. Gute sechs Stunden stand sie in der Nacht an der Rotationspresse, um mit Schlauch und Pinsel die Farben auf einer reservierten seitenhohen Fläche in der Dienstagsausgabe aufzutragen. »Pizzicato. 114 ist 441« nennt Hoffmann das Kunstprojekt, ein Zusammenspiel zwischen Künstlerin und Druckmaschine und eine »Anspielung auf das Motto der vier Musketiere: Einer für alle und alle für einen.« Der Tagesspiegel-Bericht zur Aktion … (Foto: FontShop)

Typografischer Zauberwürfel

Manuel Kiem, ein Fons-Hickmann-Schüler, entwickelt gerade eine Art typografischen Würfelstempel. Ich erfuhr über einen Fontblog-Kommentar zu diesem Beitrag von seinem Projekt. Seiner Seite konnte ich nicht entnehmen, ob es ihm bereits gelungen ist, ein komplettes Alphabet zu schreiben.

Ich kann mir vorstellen, dass man mit einer dreigeteilten Rubik’s-Cube-Architektur das Hundertfache von Zeichenvarianten erreicht … leider mit der Gefahr, die Reproduzierbarkeit zu verlieren. Ein begleitendes Büchlein könnte Aufgaben und Lösungen darstellen. Mir fällt eigentlich nur ein Verlag ein, der daraus ein wunderbares Produkt entwickeln kann …

Neulich, bei Schmidt-Friderichs’ (Gastreportage)

Diebe, die diesen Artikel geklaut haben, klauten auch …

Mittwoch früh: Unser Lagerleiter konfrontiert mich mit über 100 verschwundenen Exemplaren eines 100-Euro-Fachbuchs. Ich raunze, er solle sein Lager in Ordnung halten und die Augen offen. Aber suchen hilft nicht, der Dieb hat sogar ordentlich eine Palette umgeparkt, eine aus dem Weg geräumt und ein paar einzelne Bücher umgestapelt

Ich weiß um die Lust und Last, Bücher an den Mann und an die Frau zu bringen und denke laut: ›Wer Detailtypo klaut, klaut auch Lesetypo …‹ Der Lagerist zählt: Hier fehlen 150 Stück. Nun kenne ich meine Hitliste … Nach einer Stunde gebe ich schon Schätzwerte zu den Stückzahlen ab, gegen Mittag erstatten wir Anzeige: Über 1000 verschwundene Bücher im Wert von über 75.000,– Euro.

Was macht jemand, der auf drei Paletten Büchern hockt? Solche Mengen verkauft man nicht en passant. Bei Amazon finden wir einen Shop, nur Schmidt-Titel, alle ›neu‹, alle ca. 20 % billiger. Die Bewertungen des Verkäufers laufen schon einige Zeit – plötzlich erscheinen die ›Inventurdifferenzen‹ in einem anderen Licht …
Die Kripo arbeitet auf Hochtouren und mustergültig. Nach wenigen Tagen wird der Dieb überführt, ein Teil der Ware wird eine Woche später sichergestellt. Zusammen mit einigen ›Inventurdifferenzen‹.

Hinter uns liegt eine schlaflose Woche, die auch anders hätte enden können. Ein solcher Deal kann das Ende sein. Ein kleiner Verlag, von Idealisten geführt, die höchste Qualität sauber kalkulieren und deren Handeln weniger auf Gewinn als auf die Schönheit der Bücher zielt, hat keine großen Reserven. Zumal die Aktion ja doppelt trifft, denn wer die vermeintlichen Schnäppchen bestellt, kauft ja nicht mehr im Handel oder beim Verlag …
Glück im Unglück also, aber auch Anlass zu Fragen:

Müssen wir als Branche – aber auch Amazon im Speziellen – die Ladenpreisbindung besser, intensiver und konsequenter kommunizieren? Damit sich beispielsweise die 360 Kunden unseres Diebes bewusst werden, dass neue Bücher zu günstigeren Preisen vielleicht Hehlerware sind, an denen sie gar kein Eigentum erwerben können?

Hinter wie vielen Preisbindungsverstößen steht daneben noch ein Diebstahl, der bis dato als Inventurdifferenz toleriert wurde?

Wie viele Presseexemplare verstecken sich in der schönen Rubrik ›neu & gebraucht‹?

Was macht man als Verlag mit Kunden eines Diebes, die leichtgläubig bestellt haben – deren Kreditkarten belastet sind, die aber nun ihre Ware nie bekommen? Oder noch schlimmer: Mit denen, die gegen vermeintlich billiges Geld Bücher ›getauscht‹ haben, die ihnen juristisch nicht gehören …

Wo virtuelle Marktplätze für Schnäppchen wie Pilze aus dem Boden schießen, wird es zunehmend leichter, Diebesgut zu verkaufen. Umso heftiger müssen wir uns die Frage stellen, ob wir Verlage uns mit einkalkuliertem MA und dem derzeitigen aktiven Ausloten der preisbindungsrechtlichen Grenzen wirklich einen Gefallen tun. Wir können von unseren Käufern nur so viel Preis-Gefühl erwarten, wie wir ihnen ›anerziehen‹ …

Wir hatten das Glück einer äußerst engagierten Polizeidienststelle, der Kooperation von Yahoo und Unterstützung von allen Seiten. Und wir haben gelernt, dass sich ›Konkurrenzbeobachtung‹ heute nicht mehr auf Verlage mit ähnlichem Programm beschränkt, sondern andere Anbieter derselben Bücher durchaus mit einschließt.

Karin und Bertram Schmidt-Friderichs, Mainz, 29. Januar 2007

Warum die arte-Werbung ein Rohrkrepierer ist

(Gerrit van Aaken gewidmet, dessen Urteil ich sehr schätze; Abbildung links: Peter Thede, rechts: ich)

Die arte-Werbung kennt jeder, doch ich behaupte mal, die Botschaft dahinter haben nur die wenigsten empfangen. Dabei ist sie verblüffend einfach: Wir sollen arte auf Position 8 unserer Fernbedienung speichern … acht=arte. Ich weiß nicht, warum die verantwortliche Agentur keinen Weg gefunden hat, diesen simplen und einprägsamen Appell leichtverständlich mitzuteilen. Ob auch hier wieder zu viele Leute mitgeredet haben?

Dass die Anzeige nicht funktioniert, hat auch mit Typografie zu tun. Und mit dem doppeldeutigen Claim »ICH HABE ARTE UMGELEGT«, den manche Empfänger mit Sex, andere mit »12 Uhr Mittags« in Verbindung bringen … aber garantiert nicht mit der Botschaft: Bitte programmiere mal deine Fernbedienung um! Eine Ich-Botschaft ist schon gar nicht mit dem Portrait in Einklang zu bringen, das keinen Zapper zeigt, sondern ein arte-Programm-Thema darstellt.

Die Typografie. Es gibt zwei Textblöcke: das Kleingedruckte und der ins Foto integrierte Claim. Dieser ist auf einer Industrie-Beschriftungstafel angebracht, wie man sie in den Hotels der 70er Jahre angetroffen hat und in den Jahrzehnten danach in Büros oder Behörden (Update: Tatsächlich sollen die Tafeln von Steckbrief-Portraits imitiert werden). Ich glaube, dass fotografierte Claims keine Claims sind, sondern Bestandteil eines Fotos. So auch hier. Da wird den aufwendig in Szene gesetzten (teuer!) Arte-Identifikationsfiguren eine Selbstbezichtigung um den Hals gehängt, die auch unmittelbar ins Leere läuft. Was habe ich als Betrachter hier zu tun? Was ist meine Rolle? Multiple Botschaften. Man blättert weiter. Das Kleingedruckte … liest sowieso keiner.
Kein Witz … erst gestern, nach vier Jahren, habe ich mich erstmals dazu gezwungen, eine arte-Anzeige (im Süddeutschen Magazin) zu verstehen, wozu ich sie von oben bis unten durchgearbeitet habe. Die Kopflastigkeit dieser Kampagne, die seit 4 Jahren in Top-Medien geschaltet werden (für einen 7-stelligen Betrag, wie stern shortnews 2003 berichtete; Update: im SPIEGEL von morgen steht die rechte Anzeige auf Seite 9), spottet jeder Beschreibung.