Artikel im Dezember 2006


Saftblog, Olympia und die Zukunft des Fontblog

Es sieht düster aus mit dem Fontblog, wenn ich lese, was dem Vorbild aller Corporate Blogs, dem Saftblog gerade passiert. Dort schrieben – schon vor Monaten – zwei Redakteure durchaus positiv über die Olympischen Winterspiele (Beitrag 1: Die Olympiade von Turin beginnt am Montag; Beitrag 2: Nacholympische Gedanken oder im Sport sind wir Spitze). In einem der Beiträge sind die Olympischen Ringe gezeigt, was die Inhabern der Rechte (der Deutsche Olympische Sportbund) zu einer Abmahnung mit einer Strafandrohung von 150.000 € veranlasste. Die genaue Geschichte hat der PR Blogger zusammengefasst.

Der Saftblog schreibt in seinem jüngsten Beitrag, dass er unter diesen Umständen schließen wird: »Wir sind weder in der Lage, jeden Eintrag vor Veröffentlichung juristisch prüfen zu lassen, noch die Kosten die mit einer Verpflichtungserklärung verbunden sind, finanziell zu tragen. So viel Geld verdienen wir nun auch nicht mit dem bißchen Saft.«

Das verstehe ich nur allzu gut. Wenn ich hier im Fontblog keine Logos, Schriften und die eigene Meinung dazu nicht mehr veröffentlichen kann, dann mache ich die Schotten dicht. Wann wird endlich die Rechtsbasis für Abmahnungen geändert?

Der Deutsche Olympische Sportbund in der Kritik der Blogger … (unbedingt ansehen)

Ich verschwinde jetzt erst mal für ein paar Stunden zum Kotzen.

Saugut (2): FontBook

Was dem MediaMarkt billig, ist uns jetzt erst recht: die saug…sten Produkte für 2007 … nicht immer saubillig, aber dafür schweinegut. Gleichzeitig sind es unsere heißesten Präsenttipps zum Jahresende, weil: aus eigenem Hause und deshalb mit Glücks- und Liefergarantie bis 24. Dezember.
Über die Arbeit FontBook habe ich ein Jahr lang berichtet, oder waren es zwei? Seit drei Monaten renne ich täglich ins Lager, um es anzufassen: Es ist wirklich erschienen! Aufmerksame Leserinnen und Leser haben uns rund zwei Dutzend Fehler gemeldet … nicht schlecht, bei rund 1 Million Möglichkeiten, Fehler zu machen … so viele Einträge über Schriftnamen, -schnitte, -designer, -entwurfsjahre, -empfehlungen, -querverweise enthält die FontBook-Datenbank.

Über jeden gefundenen Fehler freuen sich die Macher unserer Webseite www.fontbook.com in San Francisco, die sich ziemlich langweilen, weil sie kaum korrigierte PDF-Seiten zum Download basteln brauchen. Zum Glück können sie sich die Zeit mit dem amüsanten Netzspiel »Fight the FontBook« vertreiben: alleine oder mit einem entfernten Gegner gilt es, das tonnenschwere FontBook K.O. zu boxen. Ein köstlicher Spaß.

Hier geht es direkt zur FontBook-Bestellung …

Saugut (1): Anatomie der Buchstaben

Was dem MediaMarkt billig, ist uns recht: die besten Produkte für 2007 … nicht immer billig, aber saugut. Gleichzeitig sind es unsere heißesten Geschenktipps zum Jahresende, weil: aus eigenem Hause und deshalb mit Glücks- und Liefergarantie bis zum 24. Dezember.
Über das Buch »Anatomie der Buchstaben« wurde hier im Fontblog bereits alles gesagt. Fast alles! Denn neben der Saugut-Plakette trägt das »Standardwerk des Type-Designs« nun auch die Goldmedaille der Stiftung Buchkunst. Aus 900 eingereichten Titeln wurde es als eines der »schönsten deutschen Bücher« ausgezeichnet. Noch ein Grund mehr, das von Henning Krause meisterhaft übersetzte Werk sofort zu bestellen. Für sich selbst oder ihre/n typophile/n Freund/in. Wer zaudert, muss zur Strafe die Leseprobe downloaden.

Das härteste Typo-Rätsel aller Zeiten (2)

Wir arbeiten an einer spannenden Drucksache, mit der wir FontShop-Freunde und die Typo-Branche in 4 Wochen überraschen möchten. Nur so viel: Es geht um Schriften, ihre Geschichte, ihre Entwerfer(innen) und ihre weltweite Bedeutung.
Als Vorgeschmack habe ich vor drei Tagen einen Bruchteil der Fakten zu einem kleinen Quiz zusammengebaut. Jetzt kommt Folge 2. Und wieder gibt es ein FontBook zu gewinnen … doch nur für die- oder denjenigen, die/der in den Kommentaren als erst/er alle 10 Fragen richtig beantwortet (ausgenommen von der Teilnahme sind Mitarbeiter von FontShop und den Moniteurs, die besagte Drucksache gestalten).

1. Mit welchem Begriff kennzeichnet man im Französischen eine Sans-Serif bzw. Grotesk-Schrift?
2. Welche Schriftarten werden in den USA als »Gothic« bezeichnet?
3. Wie lautet der Künstlername des 1901 in der Ukraine geborene Entwerfers Adolphe J.-M. Mouron?
4. Für welche Schrift wurde von ihrem Schöpfer 1930 in den USA Patentschutz beantragt?
5. Wer schnitt anlässlich der Kaiserkrönung Napoleons 1804 eine exklusive Schrift?
6. Welcher deutsche Schriftkünstler prägte über Jahrzehnte die Ausstattung der evangelischen Kirchen Deutschlands.
7. Welcher Name einer holländischen Schrift bedeutet übersetzt »für Formulare«.
8. Wie heißt der Schnitt von Bell Centennial, der für das Setzen unübersehbarer (kostenpflichtiger) Firmeneinträge entworfen wurde.
9. Welche Schilderschrift war in einer Vorversion beim italienischen Pharmaunternehmen Fidia im Einsatz.
10. Welcher Stern im Sternzeichen »Großer Hund« ist der Taufpate für eine deutsche Sans-Serif.

Geschenktipp 10: Buchstabenmöbel

Sie kommen aus der Schweiz, sind aus Holz gefertigt und lackiert mit umweltfreundlichem Strukturlack: die Buchstabenmöbel von Set26. Es gibt sie in sechs empfohlenen Farben (auf Wunsch auch jede andere Farbe) und in den Maßen H: 112cm, T: 37 cm, B: unterschiedlich.

Geschenktipp 9: Reklamebuchstaben

Unser Freund und typografischer Beobachter Robert Schöne hat diese wunderbaren Reklamebuchstaben aus Glas, Plastik und Blech entdeckt. Es gibt sie schon ab 20,– € das Stück beim Hamburger Fachgeschäft Freundts Wohnaccessoires.

Heute neu: Die TYPO-2006-DVD

Die TYPO-DVD wurde Ende letzter Woche an alle Freundinnen und Freunde unserer Konferenz versendet … das sind rund 4000 Empfänger. Wer sie bis heute nicht in seinem Briefkasten vorgefunden hat, ist uns durch die Lappen gegangen. Mit einem Klick auf diesen E-Mail-Button lässt sich das sofort abstellen: E-Mail-Bestellung. Natürlich gibt es die Scheibe auch dieses Jahre wieder kostenlos.
Vor drei Wochen habe ich im Fontblog bereits etwas über den Inhalt geschrieben und ein paar Standbilder gezeigt. Einer der Höhepunkte der DVD ist sicherlich die Szene aus Chip Kidds Vortrag, als er beschreibt, wie er zum ersten Mal das Cover mit dem »schwulen« Superman sieht und darüber mit dem Chefredakteur des Comic-Verlags telefoniert.

An dieser Stelle möchte ich noch mal unseren Partnern von L4 Institut für Digitale Kommunikation danken, die mit rund 20 Leuten die Interviews geführt, Vorträge mitgeschnitten und die DVD produziert haben. Die können was, bei L4!

Waschanleitung für Ehemänner

Movicon zum Jahresausklang

Die Movicons von Jochen Gros sind immer wieder faszinierend. Pünktlich zur Weihnachtszeit erfreut mich der Entwerfer mit einer animierten E-Mail zum Weihnachtsfest. Ich gebe die Grüße gerne weiter mit der Empfehlung, die neuesten Movicons unter www.movicons.de herunterzuladen. Sie lassen sich leicht per E-Mail versenden und sorgen beim Empfänger unmittelbar für gute Laune.

SPIEGEL verrät Süddeutsche-Redesign-Seite

Die Süddeutsche Zeitung baut bald ihren Internet-Auftritt aus: mit 25 zusätzliche Redakteure und einem Redesign. Der Spiegel verrät heute in seiner gedruckten Ausgabe schon mal die Webadresse, auf der man einen Entwurf des neuen Auftritts bewundern kann: www.sueddeutsche.de/veredelung. Ein spektakulärer Neubeginn scheint uns nicht bevorzustehen.

US-Spenden-Betrüger benutzt Fontblog-Wallpaper

Eben bei Engadget gelesen: Unter dem Decknamen Mmcheacher hat der Laptop-User Michael Parker McEachern eine Spendenseite mit PayPal-Link aufgesetzt, über die er finanzielle Unterstützung für sein zerstörtes Laptop einsammeln will. Der Haken dabei: das Beweisfoto vom kaputten Rechner ist eine Inszenierung, für die er mein vor Monaten veröffentlichtes Foto eines geplatzten LCD-Bildschirms als Bildschirm-Hintergrund (Wallpaper) einsetzte. Paul Miller hat es sofort gesehen und dem Fälscher den Spaß verdorbern. der tobt sich jetzt auf einer Hass-Seite aus.

Das härteste Typo-Rätsel aller Zeiten

Wir arbeiten bei FontShop seit Wochen an einer aufregenden Drucksache, mit der wir Euch in rund 4 Wochen überraschen werden. Nur so viel: Es geht um Typografie, Schriftgeschichte und Typedesigner(innen). Das Heft wird auch deswegen Furore machen, weil es mit ganz anderen Augen auf Schriften und Schriftmacher blickt. Seit meinem Abschied bei PAGE 1991 ist dieses fonts-Extra für mich die größte journalistische Herausforderung.

Um euch einen kleinen Vorgeschmack zu geben, habe ich einen Bruchteil der unglaublichen Fakten, auf die ich bei meinen Recherchen gestoßen bin, zu einem kleinen Quiz zusammengebaut. Weil ich der festen Überzeugung bin, dass es einige hammerharte Nüsse enthält, ist mir die richtige Beantwortung aller Fragen ein FontBook wert. Ich behaupte, dass meine Fragen resistent gegen Hochschulwissen und Google-Recherchen sind. Und deshalb: Wer hier in den Kommentaren als erst/er alle 10 Fragen richtig beantwortet hat, kriegt die Gelbe Bibel von mir überreicht (ausgenommen von der Teilnahme sind Mitarbeiter von FontShop, einschließlich Erik Spiekermann).

  1. Welcher Schriftentwerfer wurde auf eigenen Wunsch in seinem Garten begraben und 46 Jahre später bei Kanalarbeiten zufällig exhumiert?
  2. Unter welchem Namen sollte ITC Officina zunächst auf den Markt kommen?
  3. Welche Schrift näherte sich 1969 bis auf 14 Kilometer der Mondoberfläche?
  4. In welcher Schrift war der Geschäftsbericht der Standard Oil Company 1956 gesetzt?
  5. Wie heißt der Schweizer Schriftentwerfer, der bis zum Erscheinen seiner Sans-Serif 14 Jahre daran arbeitete?
  6. Welche Schrift weist die meisten Stile auf, darunter Sans, Serif, Typewriter, Handwriting, Mono und Blackletter.
  7. Welcher Schriftentwerfer studierte Asymmetrische Typografie?
  8. Wie hieß der italienische Schriftschöpfer, der seine Reise nach Cambridge zu John Baskerville wegen einer Tropenkrankheit abbrechen musste?
  9. Welche junge europäische Schrift wurde einst für das Corporate Design der Bayerische Rückversicherung entworfen.
  10. Welcher Künstler und Typedesigner hatte nicht nur mit Schwester und Tochter, sondern auch mit Hund der Familie ein sexuelles Verhältnis?