Artikel im Oktober 2006


Bald in eurem Briefkasten: fonts 7

Das letzte Font-Mailing des Jahres 2006 ist fertig und wurde gestern in den Versand gegeben. Unser Titelthema sind Pixel-Schriften … und so »ertrinkt« unser gestanzter Titelschriftzug geradezu inmitten seiner gedruckten Brüder und Schwestern.

Wer nicht auf die Post warten möchte, lädt sich schon heute das 36-seitige fonts-7-PDF (6,6 MB) und blättert es am Großbildschirm durch. Das macht Freude und nebenbei fragt man sich: Werden PDFs irgendwann vielleicht doch die gute, alte Drucksache ablösen. Garantiert nicht, aber sie haben ihren Rhythmus, ihre ergänzende Funktion noch nicht gefunden. Wir arbeiten noch daran. Mit einem kurzen Blick auf vier Doppelseite möchte ich euch ein wenig neugierig machen.

Ein häufig gestellte Frage am FontShop-Telefon: ›Welche Schriften sind für das Setzen kleiner Texte besonders geeignet?‹ Wir haben 8 Mikro-Text-Spezialisten auf den Zahn gefühlt und beweisen ihre Stärke beim Kleingedruckten uf den Seiten 6/7 in fonts 7


Nirgendwo dürfen sich Schriften mehr austoben als auf Markenverpackungen: schrille Farben, Prägung, leuchtend, glänzend, matt oder gelackt … die Verbraucher wollen typografisch umgarnt werden. Drei unserer Beispiele wurden – mit FontFonts – vom bekannten Büro Schein Berlin entworfen, die auf erfundene Produkte für Film- und TV-Produktionen spezialisiert sind.


Das Schriftentwerfer-Portrait widmet sich Cyrus Highsmith, der bei The Font Bureau, Inc. als Senior Designer für die Entwicklung neuer Schriftfamilien verantwortlich ist. Highsmith-Schriften werden gerne für die Neugestaltung von Magazine eingesetzt: Wir zeigen aktuelle Beispiele aus US-Medien.


Auf der Doppelseite in der Heftmitte stellen wir Pixel-Schriften vor, wobei wir das Thema sehr breit darstellen: man hätte es auch Display-Schriften überschreiben können. Warum sind sie wieder so aktuell: Weil moderne Medien wie MP3-Player, Blackberry und Navigationssysteme nicht ohne sie auskommen … die groben Fonts gehören zu unserem Alltag, und das macht sie populär.

FontBook Exlibris

Nicht wenige Designbüros haben inzwischen FontBooks für alle Mitarbeiter erworben. Lobenswert. Andere müssen dafür kämpfen, dass ihr persönliches Exemplar stets am eigenen Arbeitsplatz greifbar ist. Zu diesem Zweck haben unsere Kollegen von FontShop San Francisco einen Aufkleber entworfen, mit dem man seinen Eigentümerschaft am FontBook schriftlich untermauern kann. Wir haben das Dokument – mit freundlicher Genehmigung – lokalisiert, hier liegt es als PDF zum Download bereit.

Drucken, ausfüllen, ausschneiden und auf/ins FontBook kleben.

Druckfrisch: die 352-seitige FontFont-Fibel

Ich bin einiges gewohnt auf dem Fachgebiet Schriftmusterbücher. Dieses Werk sprengt meine Erwartungen. Dabei weiß ich nicht, ob meine 15-jährige Tätigkeit als FontFont-Typeboard-Mitglied dieses Gefühl eher verstärkt oder abschwächt. Natürlich bin ich befangen. Ich leben seit Jahren mit diesen Schriften, benutze sie, ich schreibe über sie, entdecke sie im öffentlichen Raum … Kann es angesichts dieser Nähe ein besseres Kompliment für »Made with FontFont« geben, wenn ich hier gestehe:

  • Das Buch hat mich überrascht
  • es fasziniert mich seit 24 Stunden
  • ich muss es immer wieder zur Hand nehmen.

Vielleicht sollte ich auch meine Arbeit als Schriftenwerber teilweise in Frage stellen, denn manche FontFonts habe ich noch nie so attraktiv präsentiert gesehen wie in diesem Buch. (weiterlesen …)

Sehnsucht nach Geldscheinen

Ein ganz natürliches Bedürfnis: Geldscheine sammeln … manche nennt es auch »sparen« oder »gut verdienen«. Auf der Seite Germannotes finden die Visualholics unter uns hunderte von Abbildungen deutscher Geldscheine:

FontShop-Kollege Klaus Spanka hat sie eben bei einer Schrift-Recherche gefunden.

Was fummeln denn Bertram und Sonya da ’rum?

Unser Lieblingsverleger Bertram Schmidt-Friderichs nimmt aus den Händen von ProSieben-Moderatorin Sonya Kraus den Preis »Werkdrucker des Jahres« entgegen. Wo ist Karin? Wahrscheinlich steht sie nicht auf Galaveranstaltungen wie die zum Druck&Medien Award 2006. Als einer ihrer größten Partner wissen wir natürlich, dass sie einen gleichgroßen Anteil am Erfolgskurs der Mainzer Universitätsdruckerei H. Schmidt hat wie ihr Mann Bertram.
Zum zweiten Mal zeichnete das Fachmagazin »Druck&Medien« die Leistungen von Unternehmen und Menschen der deutschen Druckwirtschaft mit diesem Preis aus. Im Rahmen einer glanzvollen Gala in Berlin wurden die Auszeichnungen in insgesamt 19 Kategorien vergeben. (Pressemitteilung, Abbildung: haymarket)

Ladislas Mandel (1921 – 20. 10. 2006)

1956 im Atelier Deberny & Peignot: Ladislas Mandel (stehend) präsentiert Adrian Frutiger (sitzend) die Extended-Version der Schrift Univers; Lucette Girard schneidet zusätzliche Musterbuchstaben (Foto: Albert Boton)

Der französische Designer und Schriftentwerfer Ladislas Mandel ist am vergangenen Freitag gestorben. Er wurde 1921 geboren, studierte Kunst und arbeitete zunächst als Restaurator. Den Großteil seiner beruflichen Karriere verbrachte er in der Schriftgießerei Deberny & Peignot. Hier arbeitete 9 Jahre mit Adrian Frutiger zusammen. 1985/86 entwickelte er die Schrift Clottes für die France Telekom, seine Galfra (Info-PDF, 0,5 MB) wurde ab 1976 bereits für die italienischen Telefonbücher eingesetzt. Mandel war Lehrer von Xavier Dupré.

Corporate-Font-Check 2.0

Ein unserer erfolgreichsten Drucksachen ist der Corporate-Font-Check, erstmals aufgelegt 1999. Warum erfolgreich: Weil er zig Corporate-Design-Pleiten verhindert hat … und die Reklamationsrate im FontShop hat sich halbiert.

Vor Erfindung des Corporate-Font-Check erreichte uns mindestens einmal in der Woche der Anruf eines aufgeregten Schriftanwenders, der am frisch eingeführten Corporate Design seines Unternehmens scheiterte und den Übeltäter bereits identifiziert hatte: »Die Schriften … sind kaputt … unlesbar … Texte zerschossen.« Nach wenigen Fragen fanden wir dann heraus, dass dem/den Umglücklichen von einem erfahrenen Designbüro ein wunderschöner neuen visueller Auftritt entwickelt wurde, die Funktionalität der Schriften allerdings nie geprüft wurde – ein unbekanntes Terrain, für dass sich bis dahin niemand verantwortlich fühlte. Mal wurden Fremsprachen nicht unterstützt, der Lesekomfort am Bildschirm war getrübt, es fehlten Tabellenziffern für Rechnungen oder Mac-Schriften liefen anders als unter Windows.

Um diesem Frust entgegenzuwirken, empfahl FontShop seinen Kunden vor 6 Jahren: Bitte die Schrift-Fragen vor Projektbeginn stellen … wir helfen dann gerne bei der Antwort und geben Empfehlungen. So entstand der 2-seitige Corporate-Font-Check. Nun auch als interaktives PDF-Formular …

Corporate-Font-Broschüre 2.0

Wenn Unternehmen maßgeschneiderte Schriften benötigen, ist dies ein Fall für FontShops Corporate-Font-Abteilung. Seit 1992 bietet FontShop diese Dienstleitungen an, die jedoch erst 1999 ihren Namen bekamen. Über 1200 Corporate-Font-Aufträge wurden inzwischen ausgeführt und geliefert, unter anderem an den ADAC, EnBW, Bundesdruckerei, Deutsche Börse, Post, Postbank, Erco, FC Bayern München, Fraunhofer-Gesellschaft, KPMG, Langenscheidt, McKinsey, Porsche, REWE, RTL TV, ProSiebenSat1, Swisscom AG, TUI, Vattenfall, Volkswagen und viele andere.

Einwandfrei funktionierende Schriften sind eine Voraussetzung für erfolgreiche Unternehmenskommunikation. Führende Marken bedienen sich einer Exklusivschrift (Sparkasse, Deutsche Bahn, Mercedes Benz, …). Als Alternative hierzu bietet sich eine klug ausgewählte und für die eigenen Belange angepasste Lizenzschrift an. In beiden Fällen sorgt Corporate Font dafür, dass die Hausschriften zuverlässig funktionieren: ästhetisch, technisch, intern, extern, weltweit.

Eine mit der Peter Schmidt Group entwickelte, neue FontShop-Broschüre stellt sieben Corporate-Font-Fallbeispiele vor (sie löst die Erstpublikation aus dem Sommer Jahr 2000 ab). Zur Sprache kommen typische Font-Dienstleitungen, die entweder mit den Unternehmen direkt oder in Zusammenarbeit mit deren Corporate-Design-Agentur entwickelt wurden:

  • Schrift-Modifikation und -Umbenennung (Kabel Deutschland/Factor Design)
  • Fremdsprachenerweiterung und weltweite Lizenzierung (Adidas)
  • Schriftentwurf nach Vorgaben (Stuttgarter Zeitung)
  • Bildschirmoptimierung (Linde AG/Peter Schmidt Group)
  • Weltweite Distribution (Audi AG/MetaDesign)
  • Entwurf und Einbau von Sonderzeichen (Festo AG)
  • Entwicklung einer Displayschrift (Neff GmbH)

Die neue Corporate-Font-Broschüre kann kostenlos bei FontShop angefordert werden (Email an info@fontshop.de). Ganz Eilige laden sich das 22-seitige Dokument als PDF (1,3 MB) …

Lehrfilm: »Geschichte der Schrift«

Eben im TypoWiki entdeckt: »Lars Kähler hat auf global-type.org einen knapp einstündigen Film über die Geschichte der Schrift veröffentlicht. Der Bogen wird dabei in sehr anschaulicher Weise vom phönizischen Alphabet bis zur heutigen digitalen Schrift gespannt.« Auf der Download-Seite ist zu lesen, dass es sich um den Lehrfilm des dänischen Satzgeräte-Herstellers Purup (heute Esco) handelt. Wunderbar, dass er auf diese Art wieder zu sehen ist.

Ich habe den Film Anfang der 1990er Jahre gesehen, Desktop Publishing und PostScript wurden leider kaum erwähnt. Das sollte man wissen, bevor man sich die 157 MB herunterlädt. Die historischen Techniken jedoch sind anschaulich und mit viel Liebe dokumentiert.

Nur für Berliner: 1 € spenden

Die Taz steht dahinter und der hauptstadtblog, also ist sie gut: die Aktion 1 Euro für Berlin.

Unter dem Motto »Wir schaffen das auch allein!« können die Berliner seit heute im Internet zeigen, dass ihre Stadt die Kraft und den Willen hat, sich selbst zu helfen. Wer 1 € für Berlin spendet, darf sich auf der Spendenseite mit Foto verewigen. Vorbild der Aktion ist die legendäre Million-Dollar-Hompage, mit der sich einst der britische Student Alex Tew sein Studium finanziert hat. Der große Unterschied: die Berlin-Spenden fließen nicht in eine private Tasche, sondern werden am Jahresende vom Verein iDemokratie dem Regierenden Bürgermeister zusammen mit den Anregungen der Bürger für den Verwendungszweck des Geldes übergeben.

Vielleicht hält ihn das davon ab, die Streichung der Kitagebühren für das Vorschuljahr rückgängig zu machen, durch die unsere Familienkasse im kommenden Jahr eine echte Erleichterung beschert würde. Ich habe 5 Euro gespendet und ein Fontblog-Logo hoch geladen (Abbildung). Berliner, macht mit und bleibt am Ball! Morgen wird die Taz darüber schreiben.

TYPO-Thema »Music«

Der Titel »The Rebirth of Music« des letzten Wired-Magazins bestätigt, dass das Thema der TYPO 2007 aktueller den je ist. Wired fasst die aktuellen Trends so zusammen: »Radio nervt, die Label sind lahm … Die Bands übernehmen jetzt das Kommando … und die Fans kriegen, was sie wollen.« Selbstverständlich wirkt sich die Umwälzung der Musikindustrie auch auf die visuelle Kommunikation aus.

Das CD-Heftchen braucht zum Beispiel eine digitale Alternative, Tunebooks hat sie mit dem interaktiven Booklet. Das Musik-Video erlebt eine Wiedergeburt, weil es nicht mehr an MTV verschenkt, sondern an die Fans per Internet übertragen und verkauft wird … und diese kaufen nur, wenn die Qualität stimmt. Das traditionelle Radio bekommt mit dem Web eine visuelle Ergänzung, die erst von wenigen Stationen erfolgreich genutzt wird, zum Beispiel mit Audio- oder Video-Podcasts.

Nur drei Themen der TYPO 2007, die aufzeigen, was im Kommunikationsdesign kommen wird, was bleibt und was vergeht … durch die Digitalisierung von Musik.

Wireless-Piktogramm: Zweite Verteidigung

Mein Maßstab für gute Piktogramme ist immer noch die FF Transit Pict von MetaDesign, mit über 600 Zeichen bzw. Zeichen-Kombinationen. Technisch bis heute die eleganteste Lösung (4 Fonts, diverse Unterleger via Unterschneidung, Verbotsbalken via Unterschneidung, …), ästhetisch geschlossen (raster-konstruiert), von der Stiftung Warentest am Flughafen Düsseldorf mit Bestnote bewertet (mehr Piktogramme auf dieser FF-Transit-PDF-Seite, 180 KB … müsst Ihr am Bildschirm vergrößern).

Als Transit entworfen wurde, gab es kein Wifi und kein W-Lan und keine HotSpots. Eine Erweiterung der Transit um neue Symbole ist nicht geplant. Darum habe ich mich über das Symbol von Wired gefreut, denn es reiht sich fast nahtlos in die Transit-Ästehtik ein. Für die obige Abbildung habe ich etwas an der Strichstärke herumgefummelt … (und dabei gemerkt, dass das von Wired angebotene EPS eine saumäßige Qualität hat).