Artikel im August 2006


Computer Arts verzapft Unsinn

Illustration zum Computer-Arts-Report

Das Ressort auf der Webseite des britischen Design-Magazins Computer Arts heißt »In Depth« und gibt vor, vertiefende Beiträge zu veröffentlichen. Der Report »Type of our times« über neue Schriften-Trends enthält, neben Banalitäten, echten Unsinn. Wörtlich steht dort unter der Überschrift »Enduring identities«.

»In 1956, the Haas Type Foundry commissioned Max Meidinger to redesign Akzidenz-Grotesk, to make it more legible to modern applications. The result was Haas Neue Grotesk, which the foundry’s owner renamed Helvetica in 1960. This was followed shortly thereafter by Meidinger’s Univers. Helvetica went on to become the most in-demand font for near 20 years.«

Erik Spiekermann las das und stellt in gewohnt direkter, unterhaltsamer Form richtig:

»Who wrote that crap – sorry, badly researched piece of opinion? Meidinger (sic) designed Univers? Helvetica a redesigned Akzidenz? Foundry owner named it? Three major blunders in one para?

  1. The man was called Miedinger; he may only have been a foreigner, but we also like our names spelled properly.
  2. Neue Haas Grotesk was a redesign of (surprise!) Haas Grotesk, which in turn was partly based on Scheltersche Grotesk from Schelter & Giesecke – in those days, type was also quickly assimilated, copied, emulated, ripped-off; the success of Akzidenz Grotesk had alerted Haas to the fact that they were missing sales because all the Swiss designers were specifying AG from Germany.
  3. The name Helvetica was coined by a salesman – Heinz Eul – at D. Stempel AG, a foundry in Frankfurt who didn’t want to market a typeface with a name like Neue Haasche Grotesk. Credit for the invention of the name later went to Eul’s boss, Schultz-Anker, the MD of Stempel (in case you wondered: i have the original correspondence about the name)
  4. Univers was designed in 1957 by Adrian Frutiger, while working for Deberny & Peignot in Paris.

All this information is readily available, even for a writer whose only reference tool is Google.

Annoyed in Berlin, e.«

Und damit auch Google bald die richtigen Informationen über Miedinger & Helvetica findet, habe ich dies Richtigstellung in den Fontblog gesetzt.

Willkommen im Club, spatium

spatium header

Das Offenbacher Typografie-Magazin »spatium« baut seinen Online-Auftritt um. Organisiert als Blog »wird es jetzt häufiger mal aktuelle Infos geben«, verkünden unsere Freunde und die Herausgeber Typosition. Wir freuen uns drauf.

»Trivia«-Download: am 31. ist Schluss

Trivia-Schriftmuster

Am 12. Februar 2006 kündigte Fontblog mit dem Beitrag »Konstruierte Tradition: Free Font ›Trivia‹« das Erscheinen einer sportiven Headline-Schrift an. Nick Blume entlarvte Trivia als Verwandte zur Fifa-WM-Schrift Welcome. Kein Wunder also, dass beherzte Fontblog-Fans mit der Schrift Juchu-ich-habe-ein-WM-Ticket-Shirts gestalteten und lustiges Torwandschießen ankündigten.

Am 31. August ist, wie auf der Seite www.fontshop.de/trivia lange angekündigt, Schluss mit dem kostenlosen Download. Also, wer noch nicht hat, sollte nicht zu lange warten.

Danke, 1&1

Gerade erreicht mich eine E-Mail von zu Hause: Es ist vollbracht, wir sind online. 24 Tage waren Frau und Kinder von der digitalen Außenwelt abgeschnitten. Jetzt können sie wieder Beruf und Hobby (ähem Habbo) nachgehen.

Ist ja alles noch mal gut gegangen. Alle Sorgen sind vergessen … doch im Interesse von vielen tausend Kunden, die demnächst zwei Tage zwischen den Stühlen (zwischen grünem und gelbem Lämpchen) sitzen: Sprecht Klartext in der Hotline und in Euren Briefen!

Neu: FontShop-Bilderwelten auf einen Klick

Screen FontShop-Bilderwelten

In seinem monatlichen FOTOSletter (aktuelle Ausgabe 9, Ausgabe 8) präsentiert FontShop stets eine Zusammenstellung der besten Bilder zu einem bestimmten Thema, zum Beispiel Fußball oder Ostern. Unser Kollege Marcus Hahn hat heute eine Verteilerseite gebaut, auf der diese herstellerübergreifenden Bilderwelten archiviert und so am Leben erhalten werden. Darüber hinaus wird er die Bilderwelten um neue Themen erweitert, zum Beispiel Retro, Musik und Illustrationen (in Vorbereitung). Großen Dank dafür! Über weitere Themenvorschläge freuen wir uns!

Corporate-ASE-Präsentation von URW

Cover-Ausschnitt der Corporate Präsentation von URW

Wie URW++ in Hamburg heute mitteilt, liegt eine neu gestaltete PDF-Präsentation zur Schriftsippe »Corporate« zum Download bereit. Das 25seitige Dokument zeigt die drei Familien Corporate A, S und E in ihrer ganzen Vielfalt, einschließlich Zeichenvorrat, Lesemuster und Fremdsprachen-Unterstützung.

Corporate ASE Präsentation downoaden (1,9 MB) …

Corporate bei FontShop ansehen/kaufen/downloaden …

Das wird immer lustiger, mit 1&1

Gestern, am voraussichtlichen DSL-Schaltungstermin, bekam ich plötzlich einen Anruf von der Telekom (Berlin) auf mein Handy (!), dass mein privater DSL-Anschluss in 30 Minuten geschaltet würde. Prima. Ich war gerade auf dem Nachhauseweg, und als in im Arbeitszimmer ankam, leuchtete bereits die grüne DSL-Diode am DSL-Modem.

Dan folgten viele, unendlich viele Versuche, auch das gelbe Online-Lämpchen zum Leuchten zu bringen, sprich: ins Internet zu kommen. Ihr kennt das alle: Ethernet-Kabel austauchen, Rechner neu starten, Modem auf Werkseinstellung zurücksetzen, alle Netzdaten neu eingeben, diverse Diagnosen und Netz-Assistenten laufen lassen, Systemeinstellungen immer wieder prüfen lassen … nichts. Um 22 Uhr habe ich dann aufgegeben.

Heute dann der Anruf bei der kostenpflichtige Hotline (0,99 €/min), die mich aber, laut Ansage, trotzdem nichts kostete. Ich habe Pech und treffe auf einen nicht nur technisch, sondern auch sprachlich absolut unbedarften 1&1-Hotline-Mitarbeiter. Ich will den Inhalt des 10-minütigen Telefonats hier nicht wiederholen … es endete damit, dass er das Gespräch – sicher zu recht – beendete, nachdem ich ihn dazu aufforderte, nicht ständig »auswendig gelernten Floskeln« herunter zu beten sondern mir mal als selbstständig denkender Mensch auf meine Fragen zu antworten. Wörtlich sagte ich: »Sie sind doch ein Mensch«, dann legte er auf.

Mit einem zweiten Anruf beim nächsten Call-Center-Opfer klärte ich ein paar sprachliche Verwirrungen, den technischen Hintergrund konnte oder wollte man mir jedoch auch nicht mitteilen. Ich weiß inzwischen, dass 1&1 nicht nur seine Kunden für dumm verkauft, sondern auch seine Hotline-Mitarbeiter. Die offizielle Prozedur scheint so zu laufen: Die Telekom schaltet DSL ein (grüne Lampe leuchtet) und muss anschließend die frei geschaltete DSL-Leitung an 1&1 »übertragen«. Ein bürokratischer Akt, für den sich beide Parteien noch mal 2 Tage Zeit gönnen.

Dieser Sachverhalt wird in der schriftlichen und der mündlichen Kommunikation mit dem Kunden verschleiert. In der Auftragsbestätigung von 1&1 liest sich das so: »Sollte die Freischaltung des 1&1 DSL-Anschlusses zwei Tage nach dem oben genannten Termin (Anm.: also dem ›Grüne-Lämpchen-Termin‹) bis 20:00 Uhr nicht erfolgen, wenden Sie sich bitte an unsere Störstelle unter der Telefonnummer 0900 1 000 415 (99ct/Min).« Ich hatte den Satz bereits in Auszügen zitiert.

Man muss hier verdammt aufmerksam zwischen den Zeilen lesen: »1&1 DSL-Anschluss« … die Betonung liegt auf 1&1. Die 2 Tage sind definitiv, keine Eventualität, und haben nichts zu tun mit der DSL-Freischaltung der Telekom. Ich denke jetzt darüber nach, warum da 20:00 Uhr steht. Es steckt ein Masterplan dahinter, so viel ist klar …

Wieder großes Kino bei www.ikea.se

Immer wenn der neue Katalog vor der Tür steht, verzaubert Ikea Schweden seine Kunden mit aufregender Web-Magie. Vor einem Jahr sorgten dreidimensionale, drehbare Räume für Furore (der Fontblog berichtete: Fulminantes Theater). Jetzt haben Basic Thinking und Companice eine neue Ikea-Site ausfindig gemacht: Kominigarderoben.se. Im Stile eines Wes-Anderson-Films (»The Royal Tenenbaums«) werfen wir einen Panoramablick in ein 5-stöckiges Wohnhaus, in dem sehr individuell veranlagte Menschen ihre Dinge in Ikea-Garderoben und -Regalen suchen bzw. einräumen. Man kann sie selbst per Mausklick losschicken, zum Beispiel um ein passendes Jacket zu finden oder die Sportsachen zu verstauen. Wunderbar!

FontFont-Himmelskarte: Poster downloaden

PDf downloaden!

Auf der Schrift-Konferenz Typecon in Boston feierte ein FontShop-Poster Premiere: die FontFont-Himmelskarte. Sie wurde von Punchcut entwickelt, einem auf User-Interfaces spezialisierten Designbüro in San Francisco.

Das Poster zeigt die vielfältige FontFont-Bibliothek in neuem Licht und macht es so einfacher, eine passende oder verwandte Schrift unter tausenden zu finden. Anstatt nach den klassischen Kategorien oder alphabetisch sortiert, präsentiert das Poster die Familien in einer Wolke typografischer Formen, angeordnet nach Ähnlichkeit.

Das Musterwort »Slang« enthält typische Buchstabenmerkmale des lateinischen Alphabets: Kleinbuchstaben, Großbuchstaben, Oberlänge, Unterlänge, Kurven und Geraden. Die Größe des Wortes entspricht dem Ausbau einer Schriftfamilie, zusätzlich ist die Anzahl der Schnitte in einem Kästchen neben dem Schriftnamen vermerkt.

Das gedruckte Poster wird in etwa 10 Tagen bei FontShop in Berlin eintreffen. Interessenten senden bitte eine E-Mail an FontShop Berlin. Ganz Eilige laden sich jetzt das PDF herunter (3,4 MB).

Dieser Beitrag, nur für HD

Juli Gudehus im WISO-Interview

Beinahe hätte ich’s verpasst. Um 20:10 waren gerade die Kinder zu Bett gebracht. Da fiel mir WISO wieder ein. Ich machte den Fernseher an … die Sendung endet gerade mit der Glosse »Das Allerletzte«. Für WISO war, um 20:15, der »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland« das Allerletzte.

FontBook: Der Rücken muss stabiler werden

FontBook-Muster

Die Produktioner bei FSI FontShop International geben nicht auf … Eben kam ein Bote mit dem 4. FontBook-Muster vom Buchbinder, und wir meinen: Der Rücken ist immer noch zu labberig. Zum Vergleichen greifen wir immer wieder zu einem Exemplar der 3. Auflage. Wenn man den Rücken mit dem Daumen gegen die Bindung drückt, sollte er sich als Ganzes bewegen und keine Delle erzeugen. Wir üben das noch mal … wird schon noch klappen …

Berlin-Wahl: Wie der Grünen-Werbespot entstand

Es war vor zwei Wochen im PAGE-Weblog zu lesen: »Comic Life doch für was gut«. Ich verbuchte den Beitrag unter ›Blick hinter die Kulissen‹ bzw. ›nette Apple-Promotion‹. Doch jedes Mal, wenn ich an einem Plakat der Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Franziska Eichstädt-Bohlig vorbeifahre, fällt mir diese Geschichte wieder ein. Drum möchte ich sie hier noch mal mit eigenen Worten nacherzählen.

Der Werbetexter Martin Keune (Zitrusblau) hatte – lustlos – ein neues MacBook Pro in Betrieb genommen. Als kurz darauf der Auftrag für einen Werbespot der Berliner Grünen auf seinem Schreibtisch landete, spielte er einfach mal mit den MacBook-Bordmitteln iSight-Kamera und dem Programm Comic Life herum. Nach einer guten Stunde hatte er das »Drehbuch« für den 60-Sekunden-Spot fertig. Keune mit feinem Spott: »Und das war gut so, denn der Etatrahmen war sehr knapp, ›großes Kino‹ mit 35-Millimeter-Film und 70 Kopien ist kostspielig, da wollten wir als Agentur gegen jede Gewohnheit unseren Obulus klein halten.«

Ein selbstgestrickter Comic als Drehbuch für Wahlwerbespot

Der Comicstrip überzeugte. Der fertige Werbespot, ein frech geschnittener 60-Sekünder mit dem Berliner Kultschauspieler Ralph Herforth, ist nicht weit vom präsentierten Storyboard entfernt. Den Film ansehen auf der Grünen-Webseite … oder auf der Webseite von Zitrusblau …