Augmented Print

Am 17. August 2010 gab die Royal Mail 6 Briefmarken heraus, die sich britischen Lokomotiven widmen. Anlass war der 50 Geburtstag der letzten englischen Dampflock »Evening Star«. Das ist, außerhalb philatelistischer Kreise, keine bemerkenswerte Nachricht. Doch am vergangenen Freitag passierte mit diesen Briefmarken etwas besonderes, sie wurden zu “intelligent stamps”. Betrachtet man die Motive durch die Linse eines iPhones oder eines Android-Smartphones, wird man automatisch mit einer Internetseite verbunden, auf der ein Film startet, in dem Bernard Cribbins das Gedicht “The Night Mail” von W. H. Auden liest. (Dies ist auch mit der oben abgebildeten Reproduktion der Marke hier am Bildschirm möglich; unten ist beschrieben wie es geht.)

Das Procedere ist nicht neu, wir kennen es aus diversen Anzeigen und Printmedien, zum Beispiel der Tageszeitung Welt Kompakt, die täglich einige Beiträge mit YouTube-Filmen verlinkt. Zu diesem Zweck reichert die Redaktion eine gedruckte Meldung mit einem quadratischen QR Code an, der eine Internetadresse maschinenlesbar macht. Handy und Barcode-Reader-App führen Leser dann automatisch über den Internet-Browser zur Zieladresse. Fontblog berichtete erstmals im Oktober 2005 über diese Technik: Barcoding in Japan.

Neu ist, dass es in Zukunft für das Einspielen virtueller Inhalte keines Barcodes mehr bedarf. Das Süddeutsche Magazin hat mit dem Heft 33 vor zwei Wochen vorgeführt, wie so etwas funktioniert. Das Zauberwort heißt Augmented Reality (zu Deutsch: »Erweiterte Wirklichkeit«). Dahinter steckt der einfache Wunsch, ein bisschen mehr zu sehen als die Realität uns zeigt. Besagtes SZ-Magazin überraschte die Leser mit digital servierten Texten, Filmen und Animationen.

Die Redaktion versteckte auf fünf Seiten Inhalte, die man nur mit dem Auge eines Smartphones betrachten kann. So entfernt zum Beispiel das Titelmodel plötzlich seine Hände vorm Gesicht und gab sich als Sandra Maischberger zu erkennen (Abb. rechts; funktionsfähig auch hier am Bildschirm). Im »Sagen Sie jetzt nichts«-Fotointerview mit Lena Meyer-Landrut servieren die Redakteure Lenas geheime Gedanken in Sprechblasen, die erst durch die Linse des Handys sichtbar werden (Abb. unten, ebenfalls funktionsfähig). Auf die gleiche Art konnten sich digitale ausgestattete Rätselfreunde die Lösung des Kreuzworträtsels einblenden lassen.

Neu an der ganzen Sache ist, dass es zum Abrufen der Zusatzinformationen keiner Barcodes mehr bedarf …ein hinterlegtes Foto reicht völlig aus. Das Tor zu den versteckten Informationen ist ein Augmented-Reality-Browser, im Falle von Süddeutsche und Royal Mail die kostenlose Software Junaio (App-Store-Link). Dieser Browser kann sowohl standortbezogene Informationen auf das Handy-Display zaubern (zum Beispiel die Restaurants in Standortnähe), als auch Inhalte aus Kanälen für Kultur, Spiele, Shopping, Reisen sowie selbst generierten Kanälen, wie sie zum Beispiel von der Süddeutschen Zeitung und der Royal Mail eingerichtet wurden.

Till Krause und Marc Baumann vom SZ-Magazin erläutern in diesem Video, wie Junaio funktioniert (im Anschluss daran eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum Nachlesen):

Was denkt Lena? So geht’s:

1. Den kostenlosen Augmented-Reality-Browser im App-Store oder im Android Market aufs Phone laden
2. Das Programm öffnen und rechts oben auf die Schaltfläche »Channels« (beim iPhone) oder »Browse« (bei Android) klicken.
3. Der Kanal »Süddeutsche Zeitung Magazin« findet sich in der Rubrik »Neu«, der Kanal »Royal Mail« unter »Featured«: einen der beiden Kanäle wählen, um die Bilder dieses Beitrags zu betrachten
4. Das Handy mit zirka 20 Zentimeter Abstand auf die Briefmarke (Kanal »Royal Mail«) oder das SZ-Cover oder das Lena-Foto (Kanal »Süddeutsche Zeitung Magazin«) halten und sehen, was passiert.
5. Als registrierter Junaio-User lassen sich die genutzten Kanäle speichern (abonnieren).


DIE ZEIT jetzt mit Reader-App im iTunes-Store

Nach dem Magazin DER SPIEGEL schickt nun auch DIE ZEIT eine Lese-Software ins Rennen, mit der die wöchentliche Printausgabe möglichst lesefreundlich auf iPhone und iPad geliefert werden soll. Seit heute ist die App ZEIT Online Plus über iTunes kostenlos downloadbar. Inhaltlich bietet sie das aktuelle Angebot von ZEIT Online sowie die gesamten Inhalte der Wochenzeitung.

Der Hamburger Verlag verfolgt das Ziel, ZEIT Online zur führenden Plattform für anspruchsvolle Leserdebatten auszubauen. »Daher war uns sehr wichtig, dass Sie sich direkt aus der App an den Debatten der großen Themen des Tages beteiligen können. Die in der App verfassten Kommentare erscheinen dann ebenfalls direkt unter den Artikeln in der Website.« heißt es heute in einer Ankündigung auf zeit.de.

Benutzer von ZEIT Online Plus können die Inhalte für jeweils vier Wochen freischalten. Im Preis von zur Zeit 4,99 € (später: 8,99 €) sind 4 Ausgaben der gedruckten ZEIT enthalten, die man bereits einen Tag vor Veröffentlichung (also mittwochs) digital auf dem iPhone bzw. iPad lesen kann. Während dieser Nutzungszeit genießen registrierte Kunden die Inhalte von ZEIT Online mit Premiumfunktionen.

Beim Design der App haben die Entwickler großen Wert auf einfache Bedienung und intuitive Bedienbarkeit gelegt. Eine speziell auf das iPad adaptierte Nutzeroberfläche führt auf einfache Art und Weise zu den Inhalten. Bei Programmstart erscheinen die aktuellen Inhalte von ZEIT Online. Über den Menüpunkt »DIE ZEIT«, gelangt man zu den Inhalten der gedruckten Ausgabe. Eine Besonderheit gegenüber der SPIEGEL-App: Man kann die Inhalte sowohl als Faksimile wie auch in optimierten Textversionen lesen (Reader). Alle Artikel einer geladenen Ausgabe lassen sich auch offline darstellen.

Registrierte Kunden haben die Möglichkeit, ohne Mehrkosten bis zu zwei weitere iPhone-Geräte bzw. iPads ihres Haushalts mit einem App-Code freizuschalten. Über die Weiterentwicklung schreiben die Macher: »ZEIT Online plus ist nur der erste Schritt. Bereits zum Start unserer App war uns aber wichtig, die komplette Fülle unserer Angebote optimal navigierbar und lesefreundlich darzustellen. Wir freuen uns über die rasante Entwicklung im Bereich der Tablet PC. … Weitere Hersteller ziehen nun mit neuen Geräten nach. Es stehen in den nächsten Wochen und Monaten spannende Entwicklungen in diesem Bereich auch bei ZEIT Online an.«


Muss man den 20. Geburtstag von Arial feiern?

Eine Gruppe von Studenten in einem Kurs von Sven Voelker an der Kunst- und Designhochschule Burg Giebichenstein in Halle war der Ansicht, man sollte die synthetische Arial in die analoge Welt holen. Sie gründeten »The Arial Press«. Hölzerne Lettern treffen auf den öligen Geruch frischer, etwas zu dick aufgetragener Druckfarbe. Zu ihrem 20. Geburtstag wurde die Arial liebevoll in Holz geschnitten und hunderte Plakate von Hand gedruckt. Anna Ditscherlein und Claude Gerber machten einen kleinen Film dazu:

Die Arial wurde von Robin Nicholas und Patricia Saunders zwar schon 1982 für Monotype geschaffen, aber erst 8 Jahre später als True Type Font in die Schriftenwelt entlassen. Die Schrift, deren Name frei erfunden ist, ihre Form jedoch nicht, ist heute omnipräsent. Trotzdem wird sie kaum geliebt, ganz im Gegenteil: Viele Typografen hassen und tragen T-Shirts mit der Aufschrift »Arial is not my type«.


Rettet die Schreibschrift!

Im Januar dieses Jahres provozierte die amerikanische Wissenschafterin Anne Trubek die Leser der Neuen Zürcher Zeitung. Unter der Überschrift »Die Handschrift ist eine unnatürliche Art zu schreiben« forderte die Assistenzprofessorin am Oberlin-College in Ohio: »Wir sollten sie auf den Müllhaufen der Geschichte werfen und nicht mehr unsere Kinder drangsalieren.« Selbst sie, ein vielschreibender Mensch, nehme den Kugelschreiber nur noch in die Hand, um einen Kreditkartenbeleg zu unterschreiben. Trubek wörtlich: »Die Handschrift ist nur ein winziger Funke in der Geschichte des Schreibens und es ist Zeit, diese unnatürliche Art, Buchstaben zu formen, endlich abzuschaffen wie zuvor die Tontafeln, die Rauchzeichen und andere obskure Techniken.« Weiterlesen …

Vor einer Woche prophezeite Georg Rüschemeyer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das Ende des Schönschreibens in der Schule (Schreibschrift, ade?). Seit Jahrzehnten tobt in Deutschland der Streit um die richtige Schreibschrift, mit dem Ergebnis, dass die Schüler – je nach Bundesland – eine von drei Ausgangsschriften erlernen. Unter dem Motto »Schluss mit dem Schriften-Wirrwarr!« hat deshalb der deutsche Grundschulverband eine Initiative zur Abschaffung der drei gebräuchlichen Ausgangsschriften gestartet.

Die Alternative kling einfach: Die Lehrer sollten es einfach bei der handgeschriebenen Druckschrift belassen, in der heute Erstklässler im ganzen Land ohnehin Lesen und Schreiben lernen. Als »didaktischen Kunstfehler« bezeichnet der Verband den Sprung zur Schreibschrift in der 2. Klasse. Das verursache Frust bei den Kindern und koste unnötig viel Unterrichtszeit, die von wichtigeren Bildungsaufgaben der Grundschule abgehe, meint Maresi Lassek, die Vorsitzende des Verbandes.

Nur zwei aktuelle Belege für die These: Die Handschrift stirbt aus. Dagegen sprechen die Verkaufscharts vieler Schrifthersteller, nach denen Script-Fonts so beliebt sind wie nie zuvor – auch FontShop kann diesen Trend nur unterstreichen. Vielleicht bestätigt die Beliebtheit digitaler Schreibschriften auch auch, dass es kaum noch Menschen gibt, die eine Headline oder eine Einladung selbst mit Stift oder Feder ansehnlich zu Papier bringen können. Eines ist in jedem Fall sicher: Wie das Erlernen eines Musikinstruments wird das Aneignen einer schönen Schrift zum Privatvergnügen.

Da kommt das neue Buch von Susanne Dorendorff genau richtig. Manche werden sie noch als Sprecherin auf der TYPO 99 (Image + Language) kennen, auf der sie darlegte, wie Bild und Schrift zu einer gemeinsamen Sprache finden und warum Handschrift und Werbung bisher oft keine glückliche Allianz eingegangen sind. Dorendorffs Umgang mit Schrift ist einzigartig und läßt sich in keine begriffliche Schublade pressen. Ihre illustrative Schreibkunst, die sie auch »Art Writing« nennt, ist asiatischen Ursprungs und ebenso faszinierend wie Dorendorffs eigene Handschrift, die immer dann beruflich zum Einsatz kommt, wenn es um anspruchsvolle, sensible Werbebotschaften geht. Und natürlich in ihrem Lehrbuch »Lesbar schreiben«, das den Untertitel trägt »Der Weg zur besseren Handschrift«.

Die PAGE-Redakteurin Antje Dohmann schreibt im Vorort: »Handschrift ist mehr als geschriebene Wörter, sie ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Wenn meine Kinder etwas genauer hinschauen, können sie am handgeschriebenen Einkaufszettel erkennen, ob ich gerade gestresst oder ausgeglichen bin. Erstaunlich ist nur, dass kaum jemand weiß, wie man an der eigenen Handschrift arbeiten und mit wenig Aufwand ein sympathisches Schriftbild erzeugen kann.«

Der Entschluss, einen Handschriftratgeber zu schreiben, reifte in Susanne Dorendorff während ihrer Tätigkeit als Schreibcoach. Der Job bringt sie seit mehreren Jahren mit verzweifelten Müttern und frustrierten Pädagogen zusammen, mit denen sie lange und intensive Gespräche über das Thema Schreiben führte. Die meisten nehmen an den Seminaren teil, weil die Situation an den Schulen dringend konsequentes und kompetentes Eingreifen erfordert. Andere schätzen schlicht die Dorendroff-Methode, weil sie schnell wirkt.

Die schnelle Reaktion der Schüler offenbare am deutlichsten, so Dorendorff, »dass die Kinder nicht ›gestört‹ sind und dass sie verstehen, wie Buchstaben geschrieben werden, wenn es ihnen richtig erklärt wird. Das ist der zuverlässigste Hinweis dafür, dass es nur ein kleiner ›Dreh‹ ist, das heißt, die richtige Handbewegung und das richtige Know-how, mit dem Kinder von Anfang an eine lesbare Handschrift erlernen können.

Diesen Dreh hat die Schrifttrainerin jetzt zu Papier gebracht, so dass sich jeder Mensch selbst mit dem Thema beschäftigen und sich schulen kann. Denn eines ist klar: Auf der Schule wird … im Zeitalter von PC und Whiteboard – nie wieder schönes Schreiben trainiert.

Susanne Dorendorff: Lesbar Schreiben – Der Weg zur besseren Handschrift. E.A. Seemann, 2010, 100 S., ISBN 978-3-86502-244-8, € 19,90. Amazon-LInk …


Was von Jungdesignern erwartet wird, was sie verdienen

Absolventen von Gestaltungshochschulen stehen am unteren Ende der Gehaltsskala: Dies ist das Fazit einer Umfrage, die das Mainzer Corporate Identity Institut (FH Mainz) gerade durchgeführt hat. Ziel der Befragung war, die finanzielle Situation von Berufsanfängern in Kreativjobs zu beleuchten.

»Sexy und arm« – so überschrieb der BDG im Februar 2010 eine Blitzumfrage unter Designern zum Thema Gehälter (Fontblog berichtete). Dem vorausgegangen war eine rege Diskussion im Fontblog im Januar 2010, die sich mit einer im »stern« erschienenen Umfrage befasste: »Grafikdesigner verdienen so wenig wie nie zuvor!«. Nach dieser Umfrage erhielten Designer 2008 durchschnittlich 4.690 € brutto.

Das Mainzer Institut erinnert sich: »Die Umfrage des BDG widersprach dieser Aussage deutlich: 65% der Designer verdienen jährlich nur bis zu 25.000 €. Und auch wenn die BDG-Umfrage nicht repräsentativ war, so zeigt sie sehr klar, dass Designer in Bezug auf ihre Bezahlung sehr schlecht dastehen. Die Gründe hierfür sind vielfältig.«

Die nun vom CI-Institut veröffentlichte Studie (PDF laden), die auf einer nicht repräsentativen Kurz-Umfrage basiert, widmet sich einem vergleichbaren Thema, nämlich der  Situation von Absolventen zu Beginn ihres Berufslebens. Der Leiter der Befragung, Prof. Robert Paulmann betont: »Bei unserer Umfrage ging es nicht darum, ein möglichst realistisches Bild der Gesamtsituation zu erstellen. Dass diese nicht rosig aussieht, ist allen Beteiligten bekannt. Vielmehr sollte dargestellt werden, was gute, seriöse und faire Arbeitgeber Absolventen zahlen und von ihnen verlangen. Absolventen die sich hierüber im Klaren sind, werden es leichter haben, sich zu orientieren und u. a. ihr Studium entsprechend auszurichten.«

Eines sollte den Studierenden jedoch bewusst sein: Die von den Mainzern angefragten Agenturen gibt es nicht wie Sand am Meer. Das bedeutet, dass überhaupt nur ein Teil der Absolventen die Gelegenheit bekommen wird, einen dieser interessanten und einigermaßen fair bezahlten Arbeitsplätze zu bekommen. Welche Kriterien – neben einer hervorragenden Mappe – hierbei eine zentrale Rolle für die Auswahl spielen, wurde ebenfalls abgefragt und festgehalten. Zahlreiche Kommentare der Agenturen runden das Bild ab.


Vier iTunes-10-Tipps

Mal ganz schnell zwischendurch, für konservative iTunes-Benutzer, habe ich auf Twitter vier Maßnahmen veröffentlicht, um iTunes 10 funktional und optisch einen Schritt zurück, in der Gesamtsumme aber zwei Schritte nach vorne zu bringen:

Bei Ping habe ich mich eben abgemeldet, was mit einer kleinen Blindtext-Stilblüte quittiert wurde:


Wer braucht eigentlich noch Tipp-Ex?

Keine Ahnung, aber die Marke hat gerade eine raffinierte Viralkampagne auf YouTube gestartet, für die Generation Web (für den 2. Teil des Films werdet ihr auf YouTube umgeleitet; kleiner Tipp … man kann nach dem Ansehen des Films das Wort »shoots« im Titel durch naheliegende Alternativen ersetzen):


Ist das neue iTunes-Icon ein Ei-con?

Eigentlich ist die Einführung eines neuen Icons nicht der Rede Wert. Doch bei iTunes 10 ist das anders. Immerhin nutzen laut Apple mindestens 160 Millionen Menschen diese Software regelmäßig – sogar zum Einkaufen. Zudem verlor selbst Steve Jobs bei der gestrigen Vorstellung der neuen iTunes-Version in San Francisco ein paar Worte über das neue Logo. Es basierte fast 10 Jahre auf der Abbildung einer CD (siehe Abbildung unten), die gerade ausstirbt. »Im Frühjahr wird in den USA mehr Musik über iTunes verkauft werden als auf CD. Und so haben wir uns gedacht – es ist an der Zeit, die CD im Logo zu verschrotten.« (Jobs) Er projiziert das neue Symbol auf die Leinwand im großen Saal des Yerba Buena Center: Ein blauer emaillierter Knopf, die Achtelnoten in der Mitte haben überlebt (Abbildung oben). Applaus.

Nachdem ich nun heute Morgen meine iTunes-Software aktualisiert habe, prangt auch in meinem OS-X-Dock das neue Signet. Aber es irritierte mich. Auch Indra Kupferschmid schreibt mir in einer Textnachricht: »Das Icon ist total eirig, urgh.« Was ist da los, ich muss der Sache auf den Grund gehen. Ich »ziehe« mir das Symbol in Maximalgröße aus der Software und vermesse es in einem Grafikprogramm. Ergebnis: es ist rund. Warum wirkt es in der Kleindarstellung eirig? Grafikdesigner und vor allem Schriftentwerfer, die sich mit den Schwächen des menschlichen Auges besonders gut auskennen, wissen die Antwort.

Unser Auge interpretiert horizontale Strukturen kräftiger als vertikale. Grafiker gleichen diese physiologische Eigenschaft durch eine optische Täuschung aus: Soll ein Kreis perfekte aussehen, flachen sie ihn oben und unten leicht ab (Abb. unten). Auch die dunkle Umrandung, mit der Apple das neue Logo versehen hat, müsste diese Feinheit berücksichtigen – so wie ein versales O in geometrischen Schriften (Futura, Avan Garde, …). Viel dramatischer für den Eier-Look ist allerdings der ovale Verlauf in der blauen Fläche: Er betont das Logo ganz extrem in der Vertikalen und macht es zum Osterei.

Auch andere Apple-Icons sind zwar mathematisch rund, aber nicht optisch, wie zum Beispiel die von Aperture, iSync, dem Dashboard, Safari oder Time Machine. Weil sie aber schräg stehen (Safari), einen Schatten haben (Aperture) oder mit einer konzentrischen Spiegelung versehen sind (iSync) fällt das kaum auf.

Neben den technischen Mängeln des Icons hat es auch ein großes Geschmacksproblem. Auf dribble sind bereits eine Menge Alternativen zu finden … dieses hier von Chris Carlozzi sieht ganz nett aus.


Mensa Uni Tübingen: »Hin und wieder aber …«

Große, weise Worte begleiten die Menschen an der Universität Tübingen nicht nur beim Studieren, sondern seit neuestem auch beim Essen. Sie sind in der Essensausgabe der Mensa unterhalb der Decke montiert. »Der Wortlaut und ihre auslegbare Bedeutung gestalten den Aufenthalt in dem funktionalen Raum kurzweilig und anregend.« heißt es in der Pressemitteilung, mit der das Stuttgarter Büro Uebele auf seine jüngste Arbeit aufmerksam macht. Die Installation ist ein Spiel mit Wörtern des Philosophen Hannes Böhringer und wurde eigens für diesen Ort ausgewählt. Verschiedenfarbige Lichtsequenzen schaffen eine ständig wechselnde Atmosphäre.

Um dem flächigen Abschluss und der körperlichen Begrenzung des Raumes entgegenzuwirken, wurde eine leere Wand mit einem Bild tapeziert: Große und kleine Quadrate aus abgestuften Grautönen spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters. »Als Vorlage diente ein Gemälde Cézannes, auf dem die abgebildeten Gegenstände mehr oder weniger Konkret zu erkennen sind.« erläutert Büro Uebele.

Die Mensa-Morgenstelle ist ein sachlicher Zweckbau aus den 60er Jahren. Nach der Sanierung wünschten sich Bauherr und Nutzer eine innenrämliche Gestaltung, die Mensch und Raum freundlich stimmt. »Wörter, Farbe, Bild und Zeit definieren die sinnliche Erfahrung des Raumes immer wieder neu und lassen seine Zweckhaftigkeit in den Hintergrund treten.« (Uebele).

Die Installation wurde übrigens gerade mit dem Red Dot Design Award für hohe Designqualität ausgezeichnet.


(Typo)grafische Schwingung im öffentlichen Raum

Das Berliner Designbüro Moniteurs hat den Eingangsbereich des Helmholtz-Zentrums für Materialien und Energie in Berlin-Wannsee neu gestaltet. Der als Besucherweg angelegte Parcours, der morgen eingeweiht wird, leitet Ankommende, informiert und stimmt auf die Themenfelder der Forschungseinrichtung ein: Energie, Magnetfeld und Licht.

Ein schwingendes Band aus Edelstahl, Holz und lebenden Buchsbäumen führt die Straße entlang von der Bushaltestelle zum Haupteingang des Helmholtz-Zentrums. Der erst kürzlich nach dessen Vorgänger-Institution benannte Hahn-Meitner-Platz bildet den Ausgangspunkt. Eine fünf Meter hohe Stele weist von dort die Richtung. Mal über, mal unter der Erde verborgen fließt das Band, schwingt hoch bis an die Dreimetermarke und verschwindet wieder. Die Besucher folgen auf festem Boden, der gedachten Nullebene. Jede Edelstahlwelle präsentiert einen neuen Informationshappen. Eine LED-Tafel vor dem Eingang zeigt die Veranstaltungstermine des Tages.

»Unserem Auftraggeber war es wichtig, den bislang eher unscheinbaren Weg zu einer der renommiertesten deutschen Forschungseinrichtungen attraktiver zu gestalten,« sagt Isolde Frey, Geschäftsführerin von Moniteurs. »Für uns lag es nahe, diese Gelegenheit für die Kommunikation mit den Besuchern zu nutzen.« Die Installation im öffentlichen Raum entstand in Zusammenarbeit mit den Garten- und Landschaftsarchitekten Glaßer und Dagenbach.


Aus für das neues Logo der Region Stuttgart

Vor einigen Wochen wurde ein neues Marketing-Konzept für die Region Stuttgart vorgestellt (Fontblog berichtete). Die dazugehörige Wort-Bild-Marke war das Ergebnis eines rund sechsmonatigen Markenbildungsprozesses, den die Stuttgart-Marketing GmbH und die Regio Stuttgart Marketing- und Tourismus GmbH gemeinsam mit der Berliner Agentur Embassy gegangen sind.

Nun berichtet die Stuttgarter Zeitung, dass es wegen der harten Kritik an dem Entwurf – vor allem aus der lokalen Kreativszene –  einen erneuter Suchlauf für ein Signet geben soll. »Wir wollen den Aufsichtsgremien Ende September und Anfang Oktober vorschlagen, dass wir für das Logo noch einmal einen Wettbewerb machen, der dann grundsätzlich offen ist«, teilte der Aufsichtsratsvorsitzende der Stuttgart Marketing, Erster Bürgermeister Michael Föll, am Montag auf Anfrage der Zeitung mit.

Gegenüber dem Art Directors Club hat der Touristikchef Armin Dellnitz in einem Antwortschreiben zusätzlich Fehler beim bisherigen Verfahren eingeräumt. »Möglicherweise sind wir zu schnell und zu prozessorientiert vorgegangen und haben uns für das letzte Stück im Prozess zu wenig Zeit genommen und damit diesen Teil unterschätzt«, schrieb Dellnitz an den Vorstand des Art Directors Clubs, Jochen Rädeker.

Laut Stuttgarter Zeitung reagiere die lokale Kreativszene positiv auf die Kehrtwende. »Ich freue mich, dass die Verantwortlichen die Möglichkeit schaffen wollen, dass Stadt und Region adäquat auftreten können. Fehler zuzugeben ist nicht leicht, dafür gebührt Herrn Dellnitz unser aller Respekt«, zitiert die SZ Rädeker.


Designstudenten auf der Walz

Der Zusammenschluss der neun staatlichen Designfachbereiche in Nordrhein-Westfalen, die Landesdekanekonferenz Design NRW, gab heute bekannt, dass im Wintersemester 2010/2011 das Austauschprojekt Designwandern startet: Designstudenten die in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Köln, Krefeld, Münster oder Wuppertal immatrikuliert sind, können zwecks Horizonterweiterung Vorlesungen und Seminare der anderen 8 Hochschulen besuchen. Infos: www.designwandern.de

Derzeit sind in Nordrhein-Westfalen rund 4500 Studierende an staatlichen Hochschulen für die Fachrichtung Design eingeschrieben. Neun staatliche Hochschulen in NRW bieten diesen Studiengang an. Dabei setzen die einzelnen Schulen thematisch und kreativ ganz verschiedene Schwerpunkte. Damit die angehenden Designer künftig besser von diesem vielfältigen Angebot der nordrhein-westfälischen Designfachbereiche profitieren können, hat die Landesdekanekonferenz Design NRW das Austauschprojekt Designwandern ins Leben gerufen.

Ab dem Wintersemester 2010/2011 können Designstudierende zusätzlich zu den Lehrveranstaltungen an der eigenen Hochschule Seminare, Projekte oder Vorlesungen an einem anderen Designfachbereich in NRW besuchen. Die Heimathochschule erkennt die erbrachten Leistungen an – ohne bürokratische Hürden. Die Regularien für den Studienaustausch sind auf ein Minimum reduziert. Um an dem Projekt Designwandern teilnehmen zu können, müssen Studierende lediglich die Prüfungen der ersten beiden Fachsemester bestanden haben und sich durch sehr gute Leistungen hervorheben.