ürzlich war ich einmal wieder vor Ort bei der Agentur, für die ich ab und an als Performance-Darsteller arbeite. Gerade saßen wir zur Besprechung zusammen, als plötzlich eine Mitarbeiterin in die Runde platzte.
»Hallo Leute, ich suche meine Kollegin, die Anne-Katrine? Hat die jemand gesehen?«
»Im Kühlschrank«, antwortete der Agentur-Chef beiläufig.
»Ah, danke!«, sagte die Mitarbeiterin und war schon fast wieder auf dem Flur, als sie sich noch einmal zu uns in den Besprechungsraum umdrehte. »Moment mal, meine Kollegin, die Anne-Katrine … im Kühlschrank!?«
»Was?«, antwortete der Agentur-Chef, »Ach so, die Anne-Katrine. Da habe ich mich wohl verhört. Ich dachte, Du meinst Margarine. Was für ein lustiger Verhörer!«
»Hahaha«, meinte ich, »habt Ihr das gehört, Leute? Der Chef hat sich verhört und meinte, Anne-Katrine sei im Kühlschrank. Dabei hatte er Margarine verstanden! Was für eine verrückte Geschichte!«
»Ich lach mich scheckig!«, meinte ein anderer aus der Runde. »So was Ausgeflipptes aber auch!«
»Wir sind schon ein echt durchgeknallter Haufen, nicht wahr, Leute!«, sagte der Chef.
»Aber echt«, meinte die Mitarbeiterin, die auf der Suche nach ihrer Kollegin war. »So herrlich ausgeflippt, spontan und verrückt wie wir muss man erst mal sein!«
»Und kreativ nicht zu vergessen,« wandte ich ein.
»Das sowieso«, bestätigte mich die Kollegin.
»Außerdem muss man sich auf so hohem Niveau auch erst mal verhören können«, fügte ich begeistert hinzu.
»Aber echt«, sagte der Chef. »Wir haben zwar wirklich wichtige Sachen zu besprechen, aber lasst uns das jetzt erst mal genießen. Mit der Besprechung machen wir später weiter. Also, weil’s so schön war, fasse ich noch mal die Ereignisse von eben zusammen. Wisst Ihr noch, wie eben die Kollegin vorbeikam und …«. … Was hatten wir Spaß!
An diese lustige Geschichte musste ich neulich wieder denken, als ich etwas las, das mir gar nicht gefiel. Da schrieb einer, ich zitiere: »Die banalsten Leute erkennt man am einfachsten daran, dass sie sich selbst als verrückt, durchgeknallt und flippig bezeichnen.« Das kann ich ja gar nicht leiden, wenn sich so ein verklemmter Zyniker als Spielverderber aufführt.
Viel lieber sind mir kreative Menschen. Zum Beispiel die Steuerberaterin, die mir kürzlich bei Twitter folgte und in deren Profil zu lesen war: »Kreative Steuerberaterin«. Wenn die Assoziation zu »kreative Buchführung« gewollt ist, super! Wenn nicht: auch super! Weil in jedem Fall sehr kreativ! So gefällt mir das.
Abschließend loben möchte ich noch all die Leute, die sich in ihren Accounts, Profilen etc. auf das wesentliche besinnen; nämlich auf das Menschsein. Das geht ganz einfach zum Beispiel so: »IT-Professional, Familienvater, Erfolgs-Coach, Mensch«. Oder »Autor, Redakteur, Erfolgs-Coach, Mensch«. Oder »Zahnarzthelferin, Erfolgs-Coach, Mensch, Schauspielerin«. Man weiß einfach gleich bescheid, dass dieser Account nicht von einem Staubsauger oder einem Zwergkaninchen betrieben wird, sondern von einem »Mensch«. Ich begrüße das!
Michael Bukowski